Kulturschock Indonesien

20. April 2017, Yogyakarta

Nach dem, was wir gelesen hatten, schien Jakarta keine Stadt zu sein, die wir unbedingt sehen müssten – groß, laut, dreckig. Also machten wir einen Bogen darum und nahmen direkt vom Flughafen einen Bus in die etwa zwei Stunden südlich gelegene Stadt Bogor. In unserer Vorstellung war Bogor eine kleine Stadt, etwas höher gelegen als Jakarta und daher kühler, und da es das Wochenendziel reicher Jakarta-Bewohner ist, stellten wir uns so eine Art Höhenkurort vor – gediegen, angenehm frisch, grün, nicht so überlaufen, und wir hofften, uns dort besser akklimatisieren zu können. Eine Hoffnung, die leider unerfüllt blieb (bis auf das Grün).

Zum Glück hatten wir von unserem Hostel eine – wenn auch etwas vage – Anfahrtsbeschreibung erhalten, denn uns erwartete der indonesische Kulturschock pur sobald wir in den Busbahnhof einrollten. Ein Heer von Taxifahrern ließ uns kaum aus dem Bus aussteigen und drängte seine Dienste auf; wir ließen sie hinter uns und liefen bis vor an die Hauptstraße, wo wir mit einem der öffentlichen Minibusse, Angkot genannt, fahren sollten. Leider war die Beschreibung nicht besonders akkurat, wo genau das Angkot in unsere Richtung fahren sollte. Im Endeffekt begriffen wir, dass uns nichts anderes übrig blieb, als die zweispurige Hauptstraße, auf der aber dreispurig gefahren wurde, zu überqueren – so etwas wie eine Ampel war natürlich weit und breit nicht zu sehen. Irgendwann schafften wir es und dank unserer Karten-App konnten wir immerhin den Namen des Stadtteils herausfinden und den wartenden Fahrern nennen, die uns dann zu einer Seite des Fußwegs schickten, wo schon zwei Leute warteten. Ein älterer Herr, der ziemlich gut Englisch konnte, war unsere Rettung, denn er kannte das Hostel. In der Beschreibung stand nur eine Bankfiliale, an der wir aussteigen sollten (Haltestellen gibt es natürlich auch keine, man meldet sich einfach, wenn man aussteigen will), und wir mussten feststellen, dass auf dieser Straße eine Bank an der anderen lag. Unser rettender Engel brachte uns dann sogar noch über die Straße und wies uns den Weg in die richtige Seitenstraße. Ich weiß nicht, was wir ohne ihn gemacht hätten.

Abends liefen wir die kürzest mögliche Distanz zum nächstgelegenen Restaurant, das man uns im Hostel empfohlen hatte, aber es war ziemlich schick und eher teuer, und mein Magen lehnte gebratenen Reis von vornherein ab. Also aßen wir nur ein paar Vorspeisen und waren froh, als wir die Sicherheit unseres sehr hübschen Hostels wieder erreichten.

Am nächsten Morgen hörten wir zu, wie die Gastgeberin einem anderen Gast eine Reihe vegetarischer Gerichte aufzählte. In Indonesien, das lernten wir sehr schnell, muss man die indonesischen Namen der Gerichte kennen, da Speisekarten fast nie auf Englisch sind. Wir kamen ins Gespräch, und da sich herausstellte, dass er auch den Botanischen Garten besichtigen wollte – die einzige nennenswerte Sehenswürdigkeit in Bogor – fuhren wir zusammen dorthin.

Der Botanische Garten war sehr weitläufig und bestand in erster Linie aus Wiesen und riesigen, alten Bäumen. Hier und da gab es Themengärten sowie ein Orchideenhaus. Wir waren fast die einzigen Ausländer, aber schoben es darauf, dass Bogor nicht gerade eine Backpacker-Stadt ist. Die Indonesier schauten uns an, als ob sie noch nie einen Ausländer gesehen haben und als uns die erste Gruppe Schüler ansprach und um ein Interview und Fotos bat, um ihr Englisch zu üben, fühlten wir uns sehr an China erinnert. Nach dem zweiten Interview flüchteten wir (sehr) schnellen Schrittes tiefer in den Park hinein, um weiteren lauernden Schülergruppen zu entkommen.

Der Botanische Garten von Bogor…

…ist sehr weitläufig.

Mexikanischer Garten – in Deutschland gedeihen diese Pflanzen nur im Gewächshaus.

Rehe in der Nähe

Wir irrten ein paar Runden durch den Park auf der Suche nach dem Palast, den wir beim dritten Anlauf auch fanden, nur um festzustellen, dass er nicht für Besucher zugänglich ist. Also machten wir von draußen ein paar Fotos durch den Zaun von den frei laufenden Rehen auf dem Gelände und da es dann schon Zeit fürs Mittagessen war, suchten wir uns ein Restaurant. Unser Kompanion hatte keine Skrupel, den nächstbesten Polizisten anzusprechen, der uns in eine Seitenstraße schickte, wo wir noch einmal Leute fragten, die auf einen Verschlag hinter einem kleinen Motorradparkplatz wiesen. Hinter der Fassade aus Brettern und Planen verbarg sich so etwas wie ein kleiner „Foodcourt“ – eine Ansammlung von drei, vier Straßenständen, die vermutlich verschiedene Speisen anboten, so genau war uns das nicht klar. Wir zeigten die Liste mit den vegetarischen Gerichten und eine Gruppe Einheimischer las sie durch, schüttelte mit dem Kopf, diskutierte, schüttelte wieder den Kopf und schickte uns dann zum nächsten Stand. Ein paar Worte wurden zwischen den Ständen hin und her gerufen und am dritten Stand nickte man und bedeutete uns, Platz zu nehmen.

Eine alte Frau bereitete vor unseren Augen etwas zu, das sich laut unserer Liste Gado-gado nannte und Gemüse in Erdnusssauce sein sollte. Alles wurde frisch geschnipselt und gebraten: Zucchini, Sprossen, irgendwelches anderes Gemüse und so eine Art Reispudding, in Stücke geschnitten; selbst die Sauce bereitete sie für jede Portion frisch mit einem Steinmörser zu. Wir hatten arge Bedenken hinsichtlich der Hygiene und ließen lieber die Finger von dem Glas Wasser, was jeder von uns noch dazu gereicht bekam, aber das Essen schmeckte vorzüglich (und jetzt, reichlich zwei Wochen später kann ich sagen, es war das beste Gado-gado bisher). Dann kam der spannende Teil: das Bezahlen. Wir hatten natürlich in all dem Chaos den klassischen Anfängerfehler begangen und nicht vorab nach dem Preis gefragt. Die freundliche alte Frau nannte uns eine Summe von stolzen 300.000 Rupien – etwa 24 Euro – und uns schliefen die Gesichter ein. Aus so einer Nummer kommt man normalerweise nicht heil heraus, zumal die Einheimischen eindeutig in der Überzahl waren. Wir fragten noch einmal nach – immer schön freundlich bleiben – und als die Verwirrung wuchs, bedeutete die Frau schließlich einem jungen Mann, die Summe auf einen Zettel zu schreiben. Und siehe da, auf einmal waren es nur noch 30.000, also rund 2,40 € für uns drei, das klang schon viel realistischer. Wir waren extrem erleichtert.

Eine Portion ist schon fertig, die anderen beiden werden gerade zubereitet.

Dann machten wir uns zügig auf den Heimweg, da die Wolken am Himmel immer dunkler wurden. Wir nahmen ein Angkot mit der selben Nummer wie am Vormittag, nicht wissend, dass es nicht dieselbe Strecke in die entgegengesetzte Richtung fahren würde. Das wurde uns erst klar, als es plötzlich von der Hauptstraße abbog. Also stiegen wir schnell aus und liefen eiligen Schrittes los, aber der Regen holte uns etwa fünf Minuten vor dem Hostel ein. Und wenn es in Bogor regnet (was jeden Nachmittag der Fall ist), dann ist das nicht nur ein kleiner Schauer… Wir suchten Schutz unter dem Vordach einen Restaurants, zusammen mit zahlreichen Mopedfahrern, und warteten, dass der Regen nachließe. Und warteten. Und warteten. Und warteten. Nach einer Dreiviertelstunde war abzusehen, dass sich das Wetter so schnell nicht ändern würde. Kathrin hatte als einzige von uns dreien einen Schirm. Also rannten wir damit los, so gut es ging, aber der Schirm bedeckte nur das Allernötigste und hüftabwärts wurde alles klatschnass, ebenso die Arme und Rucksäcke, für die wir zum Glück Regenhüllen hatten. Das Wasser floss in Bächen die Straße entlang; in unserer Gasse angekommen, wateten wir durch über-knöchelhohe Pfützen/Seen und hatten letztendlich einen Heidenspaß daran; man konnte es nur noch mit Humor nehmen.

Abends organisierte das Hostel eine gemeinsame Kochrunde für alle Gäste. Wir kochten, Überraschung, Gado-gado, was wir ja schon vom Mittagessen kannten. An Gemüse kann man im Prinzip verwenden was man will. Für die Sauce kam auch hier ein steinerner Mörser zum Einsatz. Unser Gastgeber fragte, wie viele Chilischoten wir verwenden wollten – er nähme üblicherweise fünf bis sechs pro Person. Wir waren zu sechst und entschieden uns, erst einmal eine Schote für uns alle zu nehmen. Die Schote wurde mit einer Prise Salz zerstampft. Dann kamen Erdnüsse dazu, etwas Wasser, Palmzucker in Stücken und Palmessig. Dann wurde verkostet – für uns Ausländer war die Sauce auf jeden Fall scharf genug. Dazu gab es Reis und frittierten Tempeh – eine feste Masse aus vergorenen Sojabohnen (nicht zu verwechseln mit Tofu), die in dünne Scheiben geschnitten und in Öl ausgebacken wurde. Es gibt noch andere Zubereitungsarten, aber diese Tempeh-Cracker waren derart lecker, dass wir uns fast mit unseren Gabeln bekriegten, wer das letzte Stück essen darf. Es war auch ein schöner Abend, um mit den anderen Gästen, größtenteils aus Europa, ins Gespräch zu kommen; zwei Holländerinnen im Urlaub, ein Franzose auf Wohnungssuche, da er ein Praktikum bei der Forstbehörde macht, und unser Begleiter im Botanischen Garten, ein italienisch-stämmiger US-Amerikaner, der in China als Englischlehrer arbeitet.

Beim Kochkurs

Am nächsten Tag bot unsere sehr hilfsbereite Gastgeberin an, uns auf den Markt zu begleiten, da wir etwas Obst kaufen wollten. Dank ihrer Hilfe wurden wir nicht völlig übers Ohr gehauen – obwohl sie sagte, dass die Preise immer noch höher waren als wenn sie allein gegangen wäre. Anschließend ging sie gleich noch mit uns in ein Handygeschäft und half uns, eine indonesische Simkarte für mein Handy zu kaufen, da wir hier lieber auch unterwegs Internet haben wollen und mein Handy sich ja ohnehin selten mit irgendwelchen Wlans verbindet.

So ausgerüstet machten wir uns am darauffolgenden Tag auf zu unserem nächsten Ziel Bandung, immerhin die drittgrößte Stadt auf Java. Mittlerweile waren wir ja schon Profis, was die Benutzung der Angkots anging und fanden uns auf Anhieb zum Busbahnhof. Allerdings war das nicht der richtige Busbahnhof, wie uns die Taxifahrer mitteilten; wir sollten hundert Meter die Straße hochlaufen – oder natürlich ein Taxi nehmen – und was blieb uns anderes übrig, als ihnen zu glauben. Zum Glück meinten sie es gut mit uns und am nächsten Busbahnhof angekommen, setzte man uns sofort in einen schon abfahrtsbereiten Bus und los ging es.

Zugegeben, wir hatten schon bequemere Fahrten. Da wir als letzte eingestiegen waren, mussten wir nehmen, was noch übrig blieb, und das war die letzte Reihe mit gefühlt einer Handbreit Beinfreiheit. Ich bin ja nun schon nur 1,60 m groß, aber ich musste immer noch schräg sitzen, da nicht genug Platz für meine Knie war. Aber hey, es sollten ja nur vier Stunden sein.

Was wir auch schnell lernten war, dass man sich nie auf die angegebenen Zeiten verlassen sollte – das hatten wir auch schon von anderen Indonesien-Reisenden gehört. Am Ende wurden es aufgrund von Stau und einem Motorschaden des Busses eher fünfeinhalb inklusive Umstieg in einen Ersatzbus, wo uns der Busbegleiter dreist noch einmal das Fahrgeld abknöpfen wollte, was zum Glück von den anderen Reisenden, allesamt Indonesier, verhindert wurde.

In Bandung angekommen, nutzten wir zum ersten Mal die Vorteile unserer neuen Simkarte und bestellten uns ein Uber. Nein, da fehlen keine Ü-Striche. Für die, die es nicht kennen: Uber ist eine Mischung aus Mitfahrzentrale und Taxiservice. Mit einer App auf dem Handy gibt man die Adresse ein, wohin man fahren möchte, und die App berechnet den Preis – kein lästiges Feilschen mehr mit potenziell unehrlichen Taxifahren. Stimmt man dem Preis zu, verbindet die App einen automatisch mit dem nächstbesten Fahrer (der natürlich ebenfalls die App hat). Dieser sieht dann, wo man sich gerade aufhält und kommt einen dort abholen.

Unser erster Versuch klappte relativ reibungslos. Der Fahrer war nett, wenn er auch wenig Englisch konnte, und wir kamen an, wo wir wollten. Unser Hotel lag in einer kleinen Gasse abseits einer riesigen Hauptstraße. Das Personal sprach leider so gut wie kein Englisch und so wussten wir nicht einmal so recht, wie wir nach einem Restaurant oder nach Ausflügen fragen sollten. Wir waren zu überrumpelt von dem Chaos auf der Straße, den vielen Leuten, die uns alle anschauten und oft auch ansprachen, von einem „Hello!“ über „You need taxi?“ bis hin zu indonesischen Worten, die wir nicht verstanden. Da wir noch viel Obst und Snacks vom Vortag hatten und nicht sonderlich hungrig waren, verließen wir unser Zimmer an dem Abend gar nicht mehr und waren etwas ratlos, wie das weitergehen sollte.

Am ehesten war uns danach zumute, am nächsten Tag direkt weiter nach Yogyakarta zu fahren, einem touristischen Zentrum, von dem wir gehört hatten, dass dort mehr Englisch gesprochen würde und die touristische Infrastruktur generell viel besser wäre. Andererseits wollten wir uns aber auch nicht so leicht geschlagen geben. Wir hatten es schließlich schon durch Russland geschafft, durch China und ganz Südostasien, da konnten wir uns doch von diesem, wenn auch heftigen, Kulturschock nicht die ganze Freude verderben lassen! Also suchten wir noch einmal nach einem anderen Hostel in Bandung und fanden eines, das sehr familiär klang und in dessen Bewertungen stand, dass der Eigentümer sehr gut Englisch spräche und einem mit allen Anliegen helfen könne. Dorthin zogen wir am nächsten Tag um, wieder mit einem Uber, und fühlten uns gleich viel wohler. Der Gastgeber war sehr freundlich; wir saßen abends lange zusammen draußen und unterhielten uns über alles mögliche, und er organisierte einen Fahrer für uns, damit wir am nächsten Tag einen Ausflug ins Umland machen konnten.

Eine der Hauptattraktionen von Bandung ist der Vulkan Kawah Putih, etwa 50 km südwestlich der Stadt gelegen. Unser Fahrer Uto holte uns morgens um acht ab und es stellte sich heraus, dass er mal ein paar Monate in Deutschland gelebt hatte, und zwar im sächsischen Weißenfels. Er sprach ein paar Brocken Deutsch, aber größtenteils unterhielten wir uns auf Englisch. Er war wirklich ein netter Kerl, erklärte uns viel und machte einige Fotostopps auf dem Weg zum Vulkan. Nicht an den Fotostopps sondern am indonesischen Verkehr im Allgemeinen lag es, dass wir für die Strecke bis zum Fuße des Kawah Putih fast drei Stunden brauchten, und dort angekommen, hatte sich der Himmel zugezogen und es fing an zu regnen. Also machten wir erst einmal einen Teestopp in einem kleinen Café am Straßenrand und da es nur mäßig aufklarte, beschlossen wir, in den sauren Apfel zu beißen und dennoch hochzufahren.

Sobald man die Großstadt hinter sich lässt…

…ist Indonesien wunderschön.

Vom Parkplatz in einem Wäldchen aus musste man mit einem Minibus hinauffahren, der erst losfuhr, wenn er voll war. Wir waren die ersten Gäste und richteten uns auf längeres Warten ein. Zum Glück war es am Ende vielleicht nur eine Viertelstunde, bis genügend Passagiere zusammen gekommen waren – der Bus wurde auch vollgestopft bis keiner mehr hinein passte – und dann ging es hinauf zum Kratersee.

Ich war mit meiner kurzen Hose völlig underdressed für die Temperaturen, aber es war nicht zu ändern und es war ja nur ein relativ kurzer Aufenthalt. Der Kratersee war von einer milchigblauen Farbe und „duftete“ ziemlich stark nach Schwefel. Schon nach einer Minute merkte man, wie es im Rachen anfing, zu kratzen. Wir liefen ein Stück am Ufer entlang und machten ein paar Fotos während die Nebelschwaden über den Kraterrand waberten und fuhren dann beizeiten wieder hinunter. Dort aßen wir noch Mittag in einer Nudelbude bevor Uto mit uns weiter zu einer heißen Quelle fuhr. Ich freute mich schon sehr aufs Aufwärmen.

Wir hatten trotzdem Spaß.

Die Fahrt führte uns durch tiefgrüne Teeplantagen, die im Regengrau unglaublich saftig aussahen.

Teeplantage

Die heißen Quellen lagen versteckt ein paar hundert Meter ein Tal hinauf abseits der Straße; nur Eingeweihte können diesen Ort kennen. Es gab ein paar hölzerne Hütten als Umkleiden und mehrere Natursteinbecken mit dem schwefelig-heißen Wasser. Es erinnerte uns sehr an Japan und war einfach nur herrlich. Ein Stück weiter hinten im Tal gab es sogar einen natürlichen Schlammtopf, wo man sich die Haut mit der mineralhaltigen Pampe verjüngen konnte – ein Spaß, den wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Ich hätte noch Stunden lang dort bleiben können.

Cibuni Hot Springs

Sind wir nicht die allerschönsten?

Aber leider lag ja vor uns noch der lange Rückweg nach Bandung, drei Stunden im Stop and Go auf einer hoffnungslos überfüllten Landstraße, die wir größtenteils verschliefen. Den Rest der Zeit lauschten wir Uto, wie er von seinen Freunden Dadang und Ingrid erzählte, einem indonesisch-schwedischen Paar, die einen Homestay im Süden Ostjavas an der Küste betreiben. Er schwärmtevon der Gastfreundlichkeit und der Landschaft und empfahl uns sehr, dorthin zu fahren, zumal der Ort auch ideal zum Surfen lernen geeignet sein sollte, was wir ja ohnehin noch vorhatten. Dadang würde uns sogar surfen beibringen wenn wir bei ihm übernachteten und Grüße von Uto ausrichteten… Es klang wirklich sehr schön, und so änderten wir spontan unsere Pläne und buchten für den nächsten Abend einen Minibus dorthin.

Da wir vor unserer Weiterreise am nächsten Tag noch etwas Zeit hatten, wollten wir noch etwas von Bandung anschauen und beschlossen, das Geologische Museum zu besuchen. Ich verbinde mit dieser Art Museum in erster Linie eine bunte Sammlung von Mineralien und Edelsteinen in allen Größen, Formen und Farben, die in meiner Vorstellung in Indonesien ja besonders abwechslungsreich sein sollte. Aber ach, die Anzahl der Steinchen hielt sich in Grenzen, stattdessen gab es noch ein paar Fossilien, jede Menge Text auf Indonesisch und Horden, ja wirklich Horden von Schulklassen. Es war, als ob halb Java an justament diesem Freitag eine Exkursion ins Geologische Museum von Bandung machte. Und wir waren die einzigen bule (weiße Ausländer); ihr könnt euch vorstellen, dass wir eine wesentlich größere Attraktion für die allesamt mit Mobiltelefonen ausgestatteten Teenager waren als die Steinchen und die Knochen. Nach einer halben Stunde blieb uns nichts anderes mehr übrig, als das Weite zu suchen, selbst wenn es bedeutete, hinaus in den strömenden Regen zu fliehen, aber wir waren mit den Nerven schon ziemlich fertig von der Lautstärke und den unzähligen Fotoanfragen.

Den Rest des Nachmittags packten wir unsere Sachen, aßen noch einmal in einem kleinen Straßenrestaurant, das wir am Vortag entdeckt hatten, und wo es sehr preiswertes, wenn auch einfallsloses Essen gab (nasi goreng, gebratener Reis, schmeckt leider überall gleich, macht aber satt), und gingen dann schon um sieben schlafen, da Mitternacht unser Minibus kommen sollte.

Der Bus kam dann letztendlich schon kurz vor elf – unser Gastgeber musste uns wecken – und vor uns lag eine sehr anstrengende, aber auch amüsante Nacht. Aber das erfahrt ihr dann im nächsten Bericht, denn mir tun jetzt die Finger vom Tippen weh…

Singapur – Ende eines langen Weges und Anfang eines neuen

14. April 2017, Batukaras/Indonesien

Singapur – das klingt nach Exotik, nach Hi-Tech, nach einer eigenen Welt. Für uns war das spannendste an Singapur im Rückblick die Tatsache, dass wir es auf dem Landweg bis dorthin geschafft haben. An dieser Stelle können wir mal ein bisschen mit unserer Statistik angeben. 😉 Genau 200 Tage nach unserem Aufbruch in Berlin und acht Länder später erreichten wir den Stadtstaat an der Spitze der malaiischen Halbinsel. In dieser Zeit haben wir knapp 26.000 km auf dem Landweg zurückgelegt, davon etwa 15.450 km mit dem Zug, rund 460 km auf Booten und den Rest in mehr oder weniger bequemen Bussen bzw. Minibussen. Das entspricht einer reinen Reisezeit von 495 Stunden, was letztlich „nur“ rund 21 Tage sind. Aber es hat sich gelohnt, wir sind uns einig, dass wir unsere Zeit nie besser investiert haben als beim Reisen.

Aber zurück nach Singapur… Von Melaka aus fuhren bestimmt fünf verschiedene Busgesellschaften stündlich nach Singapur. Die Fahrt nach Johor Bahru, der Grenzstadt auf malaysischer Seite, dauerte weniger als drei Stunden. Der Bus lud uns an der Grenzstation aus, damit wir unsere Ausreisestempel erhielten, und fuhr dann weiter über eine Brücke auf die Insel. An der dortigen Grenzstation angekommen sagte uns der Fahrer, dass er 25 Minuten auf uns warten würde, und falls wir die Formalitäten nicht in dieser Zeit schaffen, sollten wir mit dem nächsten Bus weiterfahren. Also schnappten wir unsere sieben Sachen und flitzten ins Terminal. Außer uns waren noch einige Locals sowie ein Herr aus Weißrussland an Bord.

Im Terminal wurde unser Gepäck geröntgt wie am Flughafen – die erste nennenswerte Gepäckkontrolle seit langem – und dann suchten wir uns eine Schlange für die Passkontrolle. Nirgends standen sonderlich viele Leute an, aber trotzdem schien es überall ziemlich lange zu dauern. Nachdem abzusehen war, dass die vierköpfige Familie vor uns so schnell nicht durchgelassen würde, stellten wir uns an einem anderen Schalter an. Als wir schließlich drankamen, hatten die Beamten alle Mühe, unsere Namen auszusprechen, stellten ein paar Fragen, nahmen Fingerabdrücke, und alles wirkte umständlich und dauerte ziemlich lange. Wir waren sehr erleichtert, als wir schließlich unsere Stempel erhielten und zurück zum Bus eilen konnten, den wir nur ein paar Minuten vor der Weiterfahrt erreichten. Der weißrussische Herr, der neben uns in der Schlange gestanden hatte, schaffte es nicht, aber wir sahen ihn später in unserem Hostel wieder.

Von dort aus fuhr der Bus vielleicht noch eine halbe Stunde durch den Häuserdschungel bis er hinter einer Mall hielt und wir alle aussteigen mussten. Wir hoben Geld an einem ATM in der Mall ab – in Singapur würden wir eine Menge brauchen – und liefen dann zur nächstgelegenen Metrostation. Der ÖPNV ist extrem gut organisiert. Ein dichtes Metronetz durchspannt die ganze Stadt, man findet sich gut zurecht und sonderlich teuer ist es auch nicht. Zudem sind alle Ansagen und Beschilderungen in Englisch, Malaiisch, Tamil und Chinesisch.

Wir fuhren ins indische Viertel – dort liegen meist die günstigsten Hostels, zusammen mit Chinatown – und liefen im Nieselregen durch die moderne Stadt bis zu unserem gebuchten Quartier. Nach dem Check-in gingen wir essen in ein nahe gelegenes indisch-vegetarisches Restaurant, aber es war natürlich viel, viel teurer als alles, was wir aus Malaysia gewöhnt waren, und es schmeckte leider auch nicht ansatzweise so gut.

Da es schon später Nachmittag war, lohnte es sich nicht mehr, großartige Ausflüge zu machen, und so fuhren wir nur in einen Park im Zentrum. Zugegeben, die „Gardens by the Bay“ waren viel mehr als „nur“ ein Park, bestehend aus mehreren thematisch verschiedenen Landschaftsgärten – chinesisch, malaiisch, kolonial, mehreren Lehrgärten, in denen man etwas über die Evolution des Lebens auf der Erde und die Flora und Fauna der Region lernen konnte, einigen Rummelattraktionen für Kinder, zwei gigantischen Gewächshäusern, deren Eintritt uns zu teuer war und im Zentrum lag die Supertree Grove – eine Gruppe künstlicher, stilisierter Bäume, die bis zu fünfzig Meter hoch und teilweise durch einen Skywalk miteinander verbunden waren. Wir spazierten durch den weitläufigen Park und legten uns dann, als wir müde waren, auf die Wiese im Zentrum, um auf die Licht- und Soundshow zu warten, von der uns eine Reisende in Melaka erzählt hatte: zweimal am Abend findet sie mit den Supertrees als Kulisse statt und ist eines der wenigen kostenlosen Highlights Singapurs.

Die Show war wirklich beeindruckend. Es gab ein Potpourri aus Filmmusik in wirklich guter Tonqualität, und hunderte, wenn nicht tausende kleine Lichter an den Supertrees ließen es fast erscheinen, als ob die Bäume zur Musik tanzten. Die Show dauerte reichlich zehn Minuten und der Park war extrem gut gefüllt mit Schaulustigen.

Leider hatte ich danach mal wieder eine eher schlaflose Nacht; mir war schlecht und ich hatte Bauch- und Kopfschmerzen – vielleicht generelle Reizüberflutung, ungewohntes Restaurantessen und Sehnsucht nach Malaysia, wo ich noch viel länger hätte bleiben können. Aber am nächsten Tag ging es wieder besser, und wir machten einen Ausflug zu einem der Hochhäuser, um einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Stadt zu werfen. Wie alles in Singapur sind auch die Aussichtsplattformen ziemlich teuer. Die günstigste für nur elf Singapur-Dollar war eine Art Dachterrasse auf einem Wohnhaus namens Pinnacle@Duxton. Man kam allerdings nur mit einer Metrochipkarte hinein; also kauften wir erst einmal zwei solche Chipkarten am Bahnhof, die wir dann den Rest der Zeit zumindest noch abfahren konnten.

Das Pinnacle bestand eigentlich aus sieben Apartmentblocks, die über Skybridges im 50. Stock miteinander verbunden waren. Die Anlage war in erster Linie für die Bewohner gedacht – nur zweihundert Besucher dürfen pro Tag hinauf – und sehr angenehm gestaltet. Es gab Bäume und Liegestühle und abgesehen von einer Joggerin, die ihre Runden auf der Dachterrasse drehte, waren wir die meiste Zeit allein. Die Aussicht erstreckte sich über den riesigen Hafen mit hohen Kränen und endlosen Containerbergen, über Chinatown mit seinen kleinen, alten Peranakan-Häusern wie in Melaka, die im Schatten der riesigen Wolkenkratzer aus Glas und Stahl im Bankenzentrum fast untergingen.

Alt und neu: Peranakan-Häuser und im Hintergrund das Pinnacle@Duxton mit den Skybridges in der 25. und 50. Etage

Auf der Skybridge

Im Vordergrund sieht man die alten Häuschen von Chinatown.

Anschließend schlenderten wir etwas durch Chinatown, fanden dankbarerweise ein sehr preiswertes, kleines Restaurant, wo zwei alte Leutchen eine bescheidene Auswahl extrem leckerer chinesisch-vegetarischer Gerichte kochten, und verzogen uns dann zurück ins Hostel, da wir von dem drückend heißen Klima schon ziemlich k.o. waren.

Während wir nachmittags ein Schläfchen hielten, ging draußen ein Wolkenbruch nieder, und als wir uns abends auf den Weg zur Supertree Grove machten, um die abendliche Show zu sehen – denn sie war so gut, dass man sie mehr als einmal anschauen konnte – hatte es sich angenehm abgekühlt.

Diesmal waren wir etwas knapp dran und kamen genau zu Beginn der Show an. Bis zur Wiese schafften wir es nicht mehr, also legten wir uns auf die riesigen Bänke direkt unter den Supertrees und genossen die Show mal aus einer anderen Perspektive.

Am nächsten Tag regnete es schon vormittags und wollte einfach nicht aufhören, egal wie lange wir warteten. Irgendwann, als es etwas nachließ, fuhren wir zu einer der riesigen Malls, weil wir bei Cold Stone Eis essen wollten, einer Franchise-Kette aus den USA, die ich in Japan kennen gelernt hatte und die es in Europa leider nicht gibt. Wir schleckten selig unser Eis und futterten dann noch eine Waffel hinterher, wenn wir schonmal da waren, und als wir fertig waren, hatte sich der Regen in ein Nieseln verwandelt und wir konnten doch noch an der Hafenpromenade entlang spazieren, um die Wolkenkratzer an der Wasserfront und den Merlion, das Wahrzeichen Singapurs, zu sehen.

Der Merlion, das Wahrzeichen von Singapur

Der Merlion, das Wahrzeichen von Singapur

Die Helixbrücke, das Marina Bay Sands Hotel und das ArtScience Museum.

Abends schauten wir uns, ihr könnt es euch schon denken, noch einmal die Show an den Supertrees an und verkrümelten uns dann zeitig ins Bett, denn am nächsten Morgen mussten wir zeitig zum Flughafen, um nach Jakarta zu fliegen.

Die Fahrt zum Flughafen mit der Metro dauerte fast eine Stunde, und dort angekommen, war alles wieder ein bisschen kompliziert. Wir hatten einen Flug mit AirAsia gebucht, und dort mussten wir nicht nur unsere Bordkarten selber an einem Automaten ausdrucken, sondern sollten auch gleich noch unser Gepäck selbst einchecken. Es scheiterte schon daran, dass der Automat Kathrins Ticket nicht herausrücken wollte und wir dann doch noch zum Schalter mussten – wo es zum Glück klappte – und dann wussten wir nicht, wohin mit den Gepäckanhängern, wo uns dann auch wieder eine Angestellte helfen musste. Auch andere Reisende hatten einige Schwierigkeiten. Und dann ging es weiter an der Passkontrolle. Die Schlangen waren überhaupt nicht organisiert und ständig wurden Leute an den Schaltern von Beamten abgeholt und weggeführt. Es dauerte ewig, bis wir drankamen und immer wieder sahen wir, wie andere Reisende nach einiger Zeit am Schalter von Beamten abgeholt wurden. Was da wohl los war? Ganz wohl war uns ja nicht… Als wir schließlich dran kamen, verstanden wir auch, warum. Anscheinend war das Problem nichts anderes, als dass die Scanner für die Fingerabdrücke defekt waren. Bei mir brauchte es drei Versuche, bis es funktionierte, und Kathrin wurde ebenfalls „abgeführt“ zu einem Spezial-Schalter, wo die Automaten weniger Sperenzchen machten. Das ganze Prozedere dauerte locker eine halbe Stunde, obwohl an keiner Schlange mehr als fünf Leute standen.

Damit verließen wir Singapur nach drei Tagen schon wieder und waren ziemlich froh darüber. Es war nicht so spannend wie wir gedacht hatten, nicht so grün, wie man uns erzählt hatte, teuer, sehr reglementiert und wirkte ziemlich künstlich. Als Großstadt ist uns Kuala Lumpur zehnmal lieber.

Gerne wären wir mit der Fähre nach Indonesien weitergefahren, aber das war leider viel umständlicher als gedacht, da man dort nicht an jedem Hafen visumsfrei einreisen kann. Daher entschieden wir uns schließlich, einfach nach Java zu fliegen, was das unkomplizierteste war. Und so endete unsere lange Reise auf dem Landweg durch Eurasien. Jetzt geht es auf zu neuen Abenteuern südlich des Äquators…

Es heißt Melaka, nicht Malakka

04. April 2017, Bandung/Indonesien

Auf halbem Weg von Kuala Lumpur nach Singapur liegt Melaka, das auf unseren Landkarten meistens Malakka oder englisch Malacca geschrieben wird. Die einheimische Bevölkerung legt aber Wert darauf, dass Melaka der richtige Name ist, daher wollen wir uns auch daran halten.

Melaka grüßt seine Gäste. 😉

Bei der Abreise aus Kuala Lumpur fielen wir leider wieder auf den KTM-Zug mit seinen unregelmäßig-seltenen Abfahrtszeiten herein. Vom Hostel liefen wir etwa zehn Minuten zum Bahnhof, den wir gerade noch erreichte bevor ein sintflutartiger Wolkenbruch niederging, aber dort warteten wir fast eine Stunde lang auf den Lokalzug zum Busbahnhof. Die eigentliche Busfahrt nach Melaka dauerte dann nur noch etwa zwei Stunden.

In Melaka angekommen erwartete uns ein Heer von kunterbunten Rikschas.

Melaka ist eine relativ ausgedehnte Stadt, doch das touristische Leben spielt sich größtenteils in der ziemlich kompakten Altstadt ab. Unser Hostel lag am Rande des Zentrums direkt am Fluss, in Laufentfernung zu den Sehenswürdigkeiten und zu einigen nicht-touristischen Restaurants, wo wir wieder jeden Tag extrem preiswert und lecker indisch und chinesisch essen gehen konnten.

Melaka River

Was es hier wohl zu entdecken gibt?

Gleich am Morgen nach unserer Ankunft fand eine kostenlose Stadtführung statt, auf die unser Gastgeber uns aufmerksam gemacht hatte, und das war eine gute Möglichkeit, das wichtigste über die reichhaltige Geschichte der Stadt zu lernen. Melaka ist ein kultureller Schmelztiegel sondergleichen. Gegründet wurde die Stadt von einem Sultan aus dem heutigen Singapur und zog Siedler aus China, dem südlichen Indien sowie arabische Händler an. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt von den Portugiesen erobert, welche ihre Vorherrschaft reichlich 100 Jahre später an die Holländer verloren. Letztere mussten Melaka wiederum nach etwa 150 Jahren an die Briten abtreten, bevor Malaysia Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich seine Unabhängigkeit erreichte. Daher findet man heute Spuren all dieser Kulturen in der Stadt – buddhistische und Hindutempel, Moscheen im indonesischen Stil, Reste der portugiesischen Festungsmauer direkt neben dem wiederaufgebauten, hölzernen Sultanspalast und einem britischen Bankhaus, holländische Wohnhäuser so schmal wie in Amsterdam, innen mit prunkvollen chinesischen Möbeln ausgestattet und bewohnt von Angehörigen der Peranakan-Kultur (Nachfahren chinesischer Einwanderer, vermischt mit lokalen Volksstämmen), eine kleine Gemeinde portugiesischer Nachfahren, die bis heute einen portugiesische Kreolsprache namens Kristang spricht, ein malaiisch-muslimisches Fischerdorf mitten in der Stadt, und und und. Sie alle leben heute friedlich miteinander.

Reste der alten portugiesisch-holländischen Festung

Hindutempel, Moschee und…

…chinesischer Tempel

Am Nachmittag konnten wir uns nur noch von der Hitze ausruhen, bevor wir abends den kleinen Nachtmarkt erkundeten. Obwohl Melaka ein touristisches Highlight ist, sah man in erster Linie einheimische Touristen. Daher richtete sich auch der Nachtmarkt eher an diese und bot eine Menge interessante Dinge, die wir nicht zuordnen konnten. Wir probierten uns durch ein paar Süßigkeiten und Getränke und versuchten, einen großen Bogen um das öffentliche Karaoke zu machen, das auf einer Bühne mitten im Marktgetümmel stattfand.

Am nächsten Tag besuchten wir das Baba und Nyonya-Haus, ein als Museum zugängliches altes Peranakan-Wohnhaus. Unter der holländischen Herrschaft errichtet, war es sehr schmal, da wie in Amsterdam die Steuer nach der Breite des Hauses berechnet wurde. Dafür war das Haus fast 70 Meter lang und hatte innen zwei Lichthöfe, um nicht nur Licht, sondern auch Regen zur Kühlung hinein zu lassen – letzterer fiel in zwei schöne, gekachelte Wasserbecken in den kleinen Höfen. Das größtenteils chinesische Interieur war sehr prunkvoll, da die einstigen Bewohner wohlhabende Händler gewesen waren.

Nachmittags stand noch das Stadthuys auf dem Programm, einst der holländische Verwaltungssitz, heute das Stadtmuseum, wo es ebenfalls eine kostenlose Führung gab, die aber leider ein bisschen langweilig war. Anschließend goss es wieder eine Stunde lang in Strömen und die Luft kühlte sich angenehm ab.

Der „Rote Platz“ mit dem Stadthuys

Am Montag schlossen wir uns einer Führung durch das „Museumsdorf“ Kampung Morten an, ein Dorf inmitten der Stadt, das eigentlich kein Museum ist, nur so hübsch wie eines. Ein Freiwilliger führte uns und noch ein paar andere Interessierte durch die Hinterhöfe und erklärte viel Interessantes zur Geschichte des Dorfes und dem Leben der Bewohner. Wir besuchten einen Tischler, der Miniaturversionen traditioneller malaysischer Häuser baute, einen Kräutergarten, wo wir verschiedene Gewürzpflanzen probieren konnten und bekamen erklärt, wie sich die Einheimischen kleiden.

Der Weg ins Dorf führte vorbei an schönen Street-Art-Fassaden

Im Kampung Morten

Hinterhof im Dorf

Kathrin durfte die traditionelle Kleidung anprobieren.

Abends liefen wir etwa eine Stunde durch die Stadt zu einer künstlich aufgeschütteten Insel, um den Sonnenuntergang über der Straße von Melaka zu sehen. Unser Weg führte uns vorbei an zahlreichen Baustellen, wo Hotels, Resorts, Einkaufs- und Vergnügungszentren in verschiedenen Stadien der Fertigstellung zukünftig noch weitere Heerscharen von Touristen anziehen sollen, als ob die Stadt nicht jetzt schon hoffnungslos überlaufen wäre. Im leichten Nieselregen erreichten wir schließlich die relativ neu errichtete Moschee Selat Melaka, die ein tolles Fotomotiv gegen das offene Meer und die untergehende Sonne bot.

Masjid Selat Melaka

Und damit endete dann unsere Zeit in Melaka, und damit auch in Malaysia, denn am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Singapur. Aber davon handelt dann der nächste Eintrag…

Kuala Lumpur – nicht was wir erwartet haben

30. März 2017, Singapur

Die asiatische Metropole im Allgemeinen: zu heiß, zu eng, zu stickig, zu unübersichtlich, zu gefährlich – kurzum, ein Moloch. So, oder so ähnlich hatten wir uns Kuala Lumpur vorgestellt. Unser einziges Wissen über die Stadt kam von dem Malaysier, den wir in der Mongolei im Reitercamp getroffen hatten, und seiner Meinung nach war die Hauptstadt Malaysias eine Großstadt wie jede andere und nicht unbedingt ein Ort, wo Frauen alleine reisen sollten. Wir wissen nicht, welche dunklen Hinterhofgassen er dabei vor Augen hatte, denn unser Eindruck der Stadt änderte sich sehr schnell.

Unser kleines Hostel lag in der Nähe des Bahnhofs Pasar Seni, was eher Chinatown als Little India und sehr zentral gelegen ist. Am ersten Abend gingen wir nur noch essen, aber das war schon ein prägendes Erlebnis. Direkt am Bahnhof lag ein indisches Restaurant, wo eine Vielzahl von Gerichten als Buffet angeboten wurden. Man konnte sich einfach von allem nehmen, soviel man wollte und erhielt Reis oder indisches Brot dazu. Eine ganze Theke war vegetarisch, bestimmt zehn oder zwölf Gerichte. Wir hatten jeder einen vollen Teller, dazu Reis und und das beste Cheese Naan der Welt sowie jeder ein Getränk und zahlten etwa vier Euro, zusammen. Das Essen war so unglaublich gut, dass wir fortan jeden Abend dort aßen und die Kellner uns schon kannten und mit uns plauschten.

Leider haben wir kein Bild vom Cheese Naan – wahrscheinlich weil wir uns immer gleich so gierig darauf gestürzt haben. 😉

Am Sonntag schauten wir uns die Nachbarschaft an und spazierten zum Zentralmarkt, der jetzt eher so eine Art kulturelles Einkaufszentrum ist. Es gab jede Menge sehr hübsche Souvenirgeschäfte, grob geordnet nach Herkunftsland – indisch, chinesisch, malaysisch. Neben dem üblichen Kitsch gab es auch wirklich viele schöne Sachen, vor allem Tücher, Kleidung, Schmuck, Lampions, Orchideenblüten in Glas…

Zentralmarkt

Wir verbrachten viel länger dort als geplant und als wir fertig waren, goss es draußen in Strömen – eine tägliche Erscheinung hier – so dass wir uns lieber drinnen noch ein bisschen weiter die Zeit vertreiben wollten. Also probierten wir etwas, das wir schon lange einmal hatten tun wollen und ließen uns Henna-Tattoos auf die Hände malen. Die Auswahl an Motiven war riesig und beschäftigte uns länger als das eigentliche Malen dann dauerte, aber es hat sich gelohnt:

Die Kunstwerke haben ungefähr eine Woche gehalten.

Danach liefen wir noch eine Runde um den vom Regen frisch geputzten Merdeka Square, den riesigen zentralen Platz der Stadt mit seiner umgebenden Mischung aus alten und neuen Bauwerken.

Merdeka Square

Am Montag hatten wir viel vor, doch wir schafften nur einen Programmpunkt, da dieser viel mehr Zeit in Anspruch nahm als gedacht: der Bird Park. Wir hatten uns einfach nicht vorstellen können, wie riesig der Park war. Ein paar Vögel anzuschauen konnte ja nicht länger als zwei Stunden dauern, oder? Weit gefehlt. Der Bird Park war im Prinzip ein richtiger Zoo, und so groß wie einer, nur dass es eben nur Vögel dort gab. Der Großteil des Parks befand sich unter einer riesigen Netzkonstruktion, die größte Freiflugvoliere der Welt, komplett mit mehreren Kilometern Spazierwegen, einem See, einem Fluss, Wasserfällen und Baumhainen, fast schon kleinen Wäldchen, wo eine Vielfalt an tropischen Vögeln frei herumfliegen und -laufen konnte. Es gab alles von Vogelriesen wie Pelikanen und Adlern (die allerdings eine separate Voliere hatten) über Pfauen, Eulen und schöne Täubchen bis hin zum Erdbeerfink, der kaum größer war als sein namensgebendes Obst. In einem anderen Teil des Parks gab es Hornschnäbel, jede Menge bunte Papageien, Strauße…Kleine Ibise liefen überall frei herum und versuchten frech, uns unsere Waffeln aus der Hand zu klauen – es konnte immer nur eine von uns essen, während die andere die Attacken vom Boden, aus der Luft und von nahe gelegenen Geländern abwehrte; es hatte schon etwas von Hitchcock.

Der Erdbeerfink

Hornschnabel

Die Geier Ibise lauern schon auf unseren Mittagsimbiss.

Am Dienstag fuhren wir nach Batu Caves, einem Vorort im Norden Kuala Lumpurs, wo ein Hindutempel in einer riesigen Höhle in einem Marmorfelsen liegt. Man konnte ganz bequem einen der öffentlichen KTM-Züge dorthin nehmen, so eine Art S-Bahn. Da wir nirgendwo einen Fahrplan fanden, sondern nur den Zeitraum, in dem die Züge von morgens bis abends fuhren, gingen wir davon aus, dass sie wohl relativ häufig fahren. Das war leider ein Irrtum. Wir kauften uns eine Fahrkarte, begaben uns zum Bahnsteig und mussten dort feststellen, dass der nächste Zug erst in einer Dreiviertelstunde kam… Da wir natürlich schon die Ticketschranke passiert hatten, gab es auch kein Zurück mehr. Also hieß es hinsetzen und warten. Aber wir hatten ja Zeit und etwas zu lesen mit, also nahmen wir es gelassen.

In Batu Caves angekommen, führten 272 Stufen hinauf zum Höhleneingang. Oben im Höhlentempel fand gerade eine Opferzeremonie statt, bei der ein Priester eine Art Stab mit allen möglichen Flüssigkeiten übergoss, von Wasser über Milch bis hin zu etwas, das aussah wie erbrochenes und etwas dunkelrotem, leicht dickflüssigem, das bestimmt kein Blut war… Nach jeder Runde spülte er das Zeug wieder mit jeder Menge Wasser aus Krügen ab, die ihm ein Gehilfe reichte. Eine Gruppe Gläubiger stand vor dem Altar und schaute zu, und daneben sorgten zwei Musiker für eine fast schon hypnotisierende Untermalung mit Trommel und einer Art Schalmei. Am Ende, nachdem alles schön abgespült und mit einem Schwamm geschrubbt worden war, schmückte der Priester den Stab, der vielleicht die dort wohnende Gottheit symbolisierte, mit einem Tuch und Blumenkränzen und legte die Opfergaben der Gläubigen davor ab. Für uns war das alles sehr fremd und verwirrend aber gleichzeitig unglaublich faszinierend, sodass wir uns nicht davon lösen konnten und von Anfang bis Ende zuschauten und versuchten, uns unseren eigenen Reim darauf zu machen. Vielleicht kann unser Freund Jenser ja etwas mehr dazu sagen?

Batu Caves

Am Mittwoch stürzten wir uns wieder in die Moderne und erkundeten die Wolkenkratzer Kuala Lumpurs. Der Weg dorthin führte uns aber erst einmal durch einen Regenwald mitten im Häuserdschungel: das Bukit Nanas Forest Reservat ist ein Park mitten in der Stadt, wo man auf einem Plankenweg durch die Baumkronen spazieren kann:

Danach fuhren wir dann hinauf auf den KL Tower, der aussieht, wie ein Fernsehturm (man sieht ihn weiter oben auf dem Bild vom Merdeka Square). Von der Aussichtsplattform in 270 Metern Höhe bot sich uns ein beeindruckendes 360°-Panorama von Kuala Lumpur und wir sahen, wie grün die Stadt ist. Überall Parks, Grünflächen, sogar begrünte Hochhausfassaden und Gärten auf Dächern, in der Ferne grüne Berge, und dazwischen moderne Wolkenkratzer.

Irgendwo da unten lag unser Hostel.

Das Highlight für mich waren natürlich die Petronas Towers, bei ihrer Einweihung 1997 mit 452 Metern die höchsten Gebäude der Welt und bis heute die höchsten Zwillingstürme. Berühmt sind sie vor allem auch für die Sky Bridge in 170 Metern Höhe, die die beiden Türme miteinander verbindet. Natürlich hätten wir auch auf die Petronas Towers hinauffahren können, aber dann hätten wir sie ja nicht von oben gesehen. 😉

Aus dieser Perspektive verdeckt leider ein Turm den anderen fast vollständig.

Am Nachmittag bewunderten wir sie noch einmal vom KLCC Park direkt zu ihren Füßen aus, und dann ging Kathrin noch ins direkt nebenan gelegene Aquarium, um den Unterwassertunnel und die Haie zu sehen, während ich mir die Füße in einer riesigen Mall platt lief.

Das Aquarium lag unterirdisch unter einem Convention Center und war sehr gut besucht. Gleich am Eingang befanden sich kleine, flache Becken, in welchen man kleine Haie, Pfeilschwanzkrebse und Fische ’streicheln‘ konnte, was ich (Kathrin) mir aber verkniffen habe. Danach folgten viele Becken mit u.a. Teufelsfischen, Moränen, Korallen, Rochen, Krebsen, Seepferdchen und Quallen und es gab sogar gerade eine Fütterung bei den Rochen.

Seepferdchen

Pfeilschwanzkrebs

Aber das beeindruckendste und der eigentliche Grund meines Besuchs war der Haifischtunnel. Man wird auf einem Laufband gaaaanz langsam durch einen Tunnel unter einem riesigen Aquarium befördert, während um und über einem Haifische, Rochen und Schildkröten schwimmen. Ein majestätischer Anblick, seht selbst:

Am Donnerstag besuchte ich (Birgit) die Nationalmoschee, da ich noch nie in einer Moschee gewesen war und das Gebäude auch sehr schön aussah. Die Moschee war riesig und umgeben von einem gepflegten Park mit Wasserspielen. Die Architektur der Moschee war relativ modern und schlicht, aber die Atmosphäre war sehr angenehm und friedlich. Mehrere Mitarbeiter beantworteten Fragen der Besucher und ermutigten, Fotos zu machen.

Die Moschee und…

…der dazu gehörige Park

Hinein konnte man nur zu bestimmten Zeiten und in angemessener Kleidung. Wer kurze Hosen und/oder Ärmel trug, musste sich noch einen Umhang überziehen – Männer wie Frauen. Für Frauen gab es natürlich zusätzlich noch eine Kapuze oder einen Schleier, um die Haare zu bedecken.

Spontan-Bekanntschaft aus Indonesien

Am Abend fuhren wir noch einmal zum KLCC Park, um die Petronas Towers bei Nacht und die Wasserspiele im Park direkt davor zu bewundern, bevor es dann am nächsten Tag weiter nach Melaka ging.

Grandioser Abschluss einer tollen Woche

Als Fazit unseres Aufenthalts in Kuala Lumpur können wir nur sagen, dass es wirklich eine schöne, angenehme Stadt ist, und obwohl es genauso heiß war wie in Bangkok, war die Luft wesentlich besser und die Atmosphäre insgesamt weniger erdrückend. Der ÖPNV funktionierte sehr gut (bis auf die langen Wartezeiten bei den KTM-Zügen) und trotzdem waren die Preise, auch für Übernachtung und Essen, sehr günstig. Für uns ist es eine der besten Städte, die wir auf unserer Reise durch Südostasien besucht haben, und eine, in die wir definitiv wieder fahren würden.

Malaysia – mehr als nur Durchreise

21. März 2017, Kuala Lumpur

Der Weg ist das Ziel – so heißt unser Blog, so lautet das Motto unserer Reise, wenn es denn überhaupt so etwas wie ein Motto gibt. Auf dem Weg liegen Wunschziele, die wir schon immer einmal sehen wollten sowie Orte, die uns von anderen unterwegs empfohlen wurden. Und dann gibt es noch die Orte, durch die wir eigentlich nur durchfahren, weil sie eben auf dem Weg zwischen zwei Zielen liegen. Malaysia, dachten wir, würde in die dritte Kategorie fallen. Wir wussten nicht so recht, was wir erwarten sollten oder was das Land ausmacht. Eigentlich war es für uns nichts weiter als ein Stück Strecke zwischen Thailand und Singapur bzw. Indonesien. Doch schon in Georgetown entdeckten wir die unglaubliche Faszination dieses Landes, und jetzt ist es für uns definitiv das Highlight all der Länder Südostasiens, die wir bislang bereist haben.

Was hat Malaysia also, was die bisherigen Länder nicht hatten?

An erster Stelle steht für uns die Vielfalt der Kulturen und Religionen. Malaien, Chinesen, Inder und Angehörige indigener Völker leben hier anscheinend recht friedlich (zumindest auf den ersten Blick) miteinander. Der Islam ist Staatsreligion, doch Buddhisten, Hindus, Christen und andere genießen Religionsfreiheit. Indische und chinesische Tempel stehen sich auf manchen Straßen direkt gegenüber und eine Ecke weiter ruft der Muezzin vom Minarett der Moschee zum Gebet. Man sieht verschleierte Frauen, Frauen in Saris, Frauen in Trägertops und kurzen Hosen und niemand wird schief angeschaut.

Vier Gotteshäuser in Georgetown, alle in Laufentfernung voneinander

Viele Menschen sprechen mehrere Sprachen – Bahasa Melayu (Malaysisch), meist mehrere chinesische Sprachen (Hokkien, Hakka, Mandarin, Kantonesisch), Tamil, und natürlich Englisch, sodass die Kommunikation fast nie ein Problem darstellt. Auch ist das Essen entsprechend vielfältig: indische und chinesische Restaurants an so ziemlich jeder Ecke; Straßenstände mit malaysischen Nudelgerichten und unglaublich leckeren einheimischen Süßigkeiten, eine große Auswahl an vegetarischen Optionen, und das Ganze zu Preisen wie wir sie zuletzt in China hatten (manchmal zahlen wir weniger als einen Euro für eine Mahlzeit) – mit so viel Appetit wie hier haben wir schon lange nicht mehr gegessen.

Hinzu kommt die interessante Umgebung, egal ob Stadt oder Land. In den Städten findet man futuristische Wolkenkratzer neben unglaublich charmanten Kolonialbauten und Straßenkunst; in den Parks und auf dem Land üppige Flora und Fauna, saftige Regenwälder (zumindest dort, wo sie noch keiner der gigantischen Palmölplantagen weichen mussten), Teeplantagen und exotische Vögel.

Außerdem ist der Lebensstandard vergleichsweise hoch; man kann wieder mit Leitungswasser Zähne putzen; es gibt ÖPNV in den Städten und das Einkaufen ist ein Traum (oder wäre es, wenn wir uns diesen Luxus leisten würden) – es gibt so viele hübsche Dinge in den kleinen Läden genau wie in den riesigen Malls, in dieser Hinsicht kann Malaysia locker mit Thailand mithalten. Wenn wir nicht alles schleppen müssten und unser Geld ja für die Reiserei ausgeben wollten, hätten wir wahrscheinlich schon einen Koffer voller Nippes.

Ihr seht, obwohl wir zuerst nicht wussten, was wir hier sollten, sind wir mittlerweile von Malaysia total begeistert.

In Georgetown verbrachten wir fast eine ganze Woche. Unser Hostel lag mitten in der Altstadt direkt hinter einem chinesischen Tempel, inmitten pittoresker Kolonialhäuser an der Grenze zwischen Chinatown und Little India. Zwei Tage verbrachten wir schon allein damit, durch die Gassen zu schlendern, mmer neue Street Art zu entdecken und zu bewundern, einfach das Flair aufzusaugen und uns an Malaysia zu gewöhnen.

Typischer Fußweg in der Altstadt

Armenian Street

Ein typischer Hauseingang in der Altstadt

Eines der berühmtesten Street Art-Werke in Georgetown

Eine besondere Sehenswürdigkeit am Rande der Altstadt waren die chinesischen Jetties – auf Holzpiere in den Hafen gebaute Wohnviertel verschiedener chinesischer Klans, die im 19. Jahrhundert als Armenviertel entstanden und noch heute bewohnt werden.

Hean Boo Thean Tempel in den Klan-Jetties vor der modernen Silhouette Georgetowns

Auf einem der Piers – heute sind das vermutlich keine Armenviertel mehr

Zwei Tage nahmen wir uns Zeit, um den Penang Hill, quasi den Hausberg Georgetowns, sowie den buddhistischen Kek Lok Si Tempel an seinem Fuße zu erkunden.

Penang Hill, mit Lampions des Kek Lok Si Tempels im Vordergrund

Zum Penang Hill fuhren wir nachmittags mit dem Stadtbus und genossen es, endlich mal wieder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, dessen Preis wir zudem nicht vorher aushandeln mussten. Die 45-minütige Fahrt kostete auch nur 40 Cent pro Nase. Die mehr als 700 Höhenmeter hinauf auf den Berg legten wir mit einer Art Zahnradbahn zurück. Oben angekommen schauten wir uns das sehr hübsche Eulenmuseum an, ein Sammelsurium von Kunst und Kitsch rund um die gefiederten Jäger der Nacht. Wir aßen ein Ice Kacang, eine malaysische Eisspezialität aus geraspeltem Eis, Vanilleeis, Mais (in dieser Mischung etwas gewöhnungsbedürftig), roten Bohnen und diversen Gelees, das besser schmeckte als es klang. Wir genossen die Aussicht über Georgetown von diversen Aussichtspunkten in der späten Nachmittagssonne und nach Sonnenuntergang, als die Lichter der Stadt angingen – ein sehr schöner Ausflug.

Vorn Georgetown auf Penang Island, im Hintergrund Butterworth auf dem Festland

Den Tempel Kek Lok Si wollten wir eigentlich gar nicht sehen – irgendwann wird man ja all der Tempel auch mal überdrüssig, aber der Blick, den wir aus dem Bus auf dem Weg zum Penang Hill erhascht hatten, weckte unser Interesse. Und was soll man sagen: wir haben schon so viele Tempel besichtigt, auf dieser Reise und auch auf anderen in Japan, aber dieser ist ohne Zweifel einer der beeindruckendsten, die wir je gesehen haben. Am Berghang gelegen, erstreckt er sich über ein riesiges Areal mit großen, farbenfrohen Prachtbauten, gepflegten Gärten und einer gewaltigen Statue der Göttin Kannon, von deren Füßen aus man zudem einen weiten Blick über die Stadt hat. Wir verbrachten über drei Stunden dort.

Der Weg zum Kek Lok Si ist „gepflastert“ mit Souvenirläden…

In einem der wunderschönen Gärten

Brunnen und Pagode auf dem Tempelgelände

Statue der Göttin Kannon

Am Fuße des Tempels aßen wir in einem chinesischen buddhistischen Restaurant Mittag, wo es alle Gerichte in drei verschiedenen Größen gab. Wir bestellten gebratenen Reis und eine Portion Auberginen mit Szechuanpfeffer und dachten, die mittlere Größe wäre sicher ausreichend. Die Kellnerin empfahl uns jedoch, lieber nur die kleinste Portion zu nehmen, und als das Essen dann kam, waren wir sehr dankbar für ihren Hinweis, denn wir wurden davon schon mehr als satt und können uns nur vorstellen, dass die großen Größen für Gruppen gedacht sind, die ein paar Gerichte teilen wollen.

In Georgetown hätten wir es durchaus noch länger ausgehalten, doch ich musste ja nach Kuala Lumpur zum Flughafen und Kathrin hatte ein paar schöne Tage in Ipoh und den Cameron Highlands vor sich, von denen sie euch mal selbst berichten wird.

Ich erreichte Kuala Lumpur an einem Provinzbahnhof, da der Hauptbahnhof, wo der Bus eigentlich hatte halten sollen, angeblich nicht angefahren werden konnte. Nun ja, es gibt ja öffentliche Verkehrsmittel und die Züge fuhren zum Glück ins Zentrum. Kurz nach meiner Ankunft im Hostel direkt hinter dem Bahnhof fing es an zu gewittern und in Strömen zu regnen, sodass ich an diesem Abend nichts mehr unternahm.

Am nächsten Tag bummelte ich etwas durch die riesige Mall am Bahnhof, kaufte noch ein paar Mitbringsel (frische Mangos) und dann war es auch schon Zeit, zum 60 km außerhalb gelegenen Flughafen zu fahren.

Der Flug mit Emirates war sehr angenehm. Das Unterhaltungsangebot war klasse; ich konnte mich gar nicht entscheiden, was ich zuerst gucken sollte, und das Essen war auch ganz gut. In Dubai hatte ich fast fünf Stunden Umstiegszeit, in denen ich duschen ging und dann auf einer der Couches döste, bis es weiterging. Und dann die große Überraschung: Ankunft in Deutschland…

Manche Dinge ändern sich nie, und dazu gehört auf jeden Fall die Unberechenbarkeit der Deutschen Bahn. Mein Zug stand nicht auf dem Gleis, wo er abfahren sollte; dort stand dafür ein anderer und es sah alles danach aus, dass ich meinen Anschluss am Frankfurter Hauptbahnhof verpassen würde. Eine Traube „Gleichgesinnter“ hatte sich schon um einen armen Bahnangestellten versammelt, der keine Ahnung hatte, wo unser Zug geblieben war. Ich schloss mich einer Dame im Rollstuhl an, die von einer Flughafenmitarbeiterin begleitet wurde und ebenfalls nach Dresden wollte. Es folgte eine Odyssee im Schweinsgalopp mit Rollstuhl und viel zu viel Gepäck durch den halben Flughafenbahnhof im Schlepptau eines Bahnangestellten, der uns wie in einem Actionfilm durch die Mitarbeitergänge zu einem anderen Gleis schleuste, wo tatsächlich unser Zug noch stand, der schon längst hätte weg sein sollen (manchmal ist die Unpünktlichkeit der Bahn auch von Vorteil), und dann stellten wir auch noch fest, dass wir gar nicht am Frankfurter Hauptbahnhof umsteigen mussten, sondern damit noch bis Leipzig Zeit hatten, da unser Anschluss lediglich ein zweiter Wagenteil war, der in Frankfurt angehängt wurde und dann von Leipzig aus nach Dresden weiter fuhr. Als der Zug losrollte, musste ich erstmal noch ein paar Kleidungsschichten ausziehen, da ich bei der Rennerei ganz schön ins Schwitzen gekommen war.

Kalt war mir also schon mal nicht in Deutschland, und auch die Deutschen überraschten mich mit ihrer Gesprächigkeit und Offenheit. Meine neue Bekannte Gabriele war auf der Rückreise aus Namibia, wo sie mit ihrer dort lebenden Tochter eine kleine Reisegruppe geleitet hatte. Ein paar Teilnehmer aus ihrer Gruppe saßen mit uns im Zug, und ein Ehepaar, das uns gegenüber saß und eigentlich gar nicht dazu gehörte, nahm auch noch an der Unterhaltung teil. Wir redeten über Gott und die Welt, während Gabriele ihren auf der Reise verstauchten Knöchel auf meinem Schoß hochlegte, und so verging die Zeit ganz schnell.

In Dresden angekommen erwartete mich ein kleines Empfangskommittee bestehend aus Mama, Oma und meiner (Stief)Schwester Ines. Ich fühlte mich sofort wieder wie zuhause.

Omas Geburtstag war ein richtig großer Tag. Dreizehn Leute kamen schon am Vormittag gratulieren, bevor wir nachmittags mit den geladenen Gästen Kaffee tranken und nach einer Kutschfahrt bei frühlingshaftem Sonnenschein zu Abend aßen. Zehn Blumensträuße, fünf Blumentöpfchen, mehrere Präsentkörbe und ein ziegelsteindicker Stapel Geburtstagspost waren die Ausbeute des Tages. Sogar aus dem Bundespräsidialamt kam ein Glückwunschschreiben (und wir wissen nicht, ob das zum 100. so üblich ist), persönlich unterzeichnet von Joachim Gauck.

Zu den weiteren, zugegebenermaßen viel bescheideneren Highlights meines kurzen Heimaturlaubs zählten: Kartoffeln und Quark, Omas Avocadomus und Rote-Beete-Salat, richtige Bettwäsche und Steckdosen in denen die Stecker tatsächlich halten. Ja ja, es sind die kleinen Dinge… Ich schaffte ein paar Besorgungen (neue Kaugummis gegen Reiseübelkeit etc.) und ein paar Treffen und Telefonate mit Freunden bevor ich nach dreieinhalb Tagen in Dresden schon wieder zurück nach Frankfurt fuhr, und von dort über Dubai wieder zurück nach Kuala Lumpur flog.

Am Frankfurter Flughafen gab es noch einen kurzen Schreckmoment, als mir die Dame beim Check-in sagte, dass ich ohne Rückflugticket nicht nach Malaysia einreisen dürfe. Nachdem sie mein entsetztes Gesicht sah, überprüfte sie die Information noch einmal und hielt mit zwei Kollegen Rücksprache, die sagten, dass mir die Einreise theoretisch verweigert werden könnte, dies aber in der Realität kein Problem sei. Ändern konnte ich eh nichts, also musste ich es drauf ankommen lassen. Der Flug war wieder sehr ruhig und angenehm – so ein A380 ist schon eine feine Sache – und in Dubai schlief ich auf der Couch so fest ein, dass ich nur dank meines in weiser Voraussicht gestellten Weckers rechtzeitig zum Boarding kam. In Malaysia angekommen wollte kein Mensch irgendein Rückflugticket sehen und ich erhielt meinen Stempel ohne weiteres in den Pass – Glück gehabt.

Kathrin hatte uns ein Hostel in der Altstadt gebucht, wo sie schon auf mich wartete, als ich ankam. Wir hatten beide eine sehr schöne, abwechslungsreiche Woche hinter uns, aber freuten uns auch, endlich wieder zusammen zu sein. Nun geht es auf zu neuen Horizonten mit Weltreise Teil II… 🙂

Inselglück oder Urlaub von der Reise

09. März 2017, Georgetown/Malaysia

Seit fast sechs Monaten sind wir nun unterwegs gewesen, immer weiter gereist von Ort zu Ort, manchmal nur ein oder zwei Nächte geblieben, manchmal etwas länger, und auch wenn wir unser eigenes Tempo festlegen können und zugegebenermaßen viel Freizeit haben, ist es doch trotzdem anstrengend. Auch von einer Weltreise muss man sich mal erholen, und auf Koh Lanta war es so schön, dass wir am Ende gut zehn Tage dort blieben.

Wir suchten uns ein anderes Hostel, das zwar etwas weiter weg vom Strand lag, aber viel komfortabler war und wo man keine Musik aus irgendwelchen Bars bis nachts um zwei hörte. Es hatte auch einen sehr angenehmen, offenen Aufenthaltsbereich mit vielen Sitzkissen und zwei Hängematten, wo wir uns tagsüber ausruhen konnten, wenn die Mittagshitze unerträglich wurde. Zudem sorgten zwei Katzen für Unterhaltung.

Meistens gingen wir am späten Nachmittag an den Strand zum Baden. Auf Koh Lanta gibt es viele Strände und wir waren am längsten, dem Long Beach. Obwohl Hauptsaison ist, war der Strand nicht überlaufen; unser Stammplätzchen im Schatten einer großen Kiefer (oder etwas anderem nadelbaumartigen) war eigentlich immer frei. Den einen Tag, wo wir schon vormittags an den Strand gingen, holten wir uns trotz Schatten und Sonnencreme noch einen ziemlich fiesen Sonnenbrand – vermutlich eine Mischung aus nicht genug eingecremt, Stellen vergessen, ein paar Minuten zuviel Sonne abbekommen… Aber in sechs Monaten war es tatsächlich der erste Sonnenbrand, mit dieser Bilanz sind wir eigentlich ganz zufrieden.

Long Beach, Koh Lanta

Das Baden war auch herrlich; das Wasser war sehr ruhig und so sauber und klar, dass man mühelos bis zum Grund sehen konnte – manchmal sahen wir sogar Fische oder eine Krabbe im Wasser. Oft zog über uns zudem ein Adlerpärchen seine Kreise oder jagte Fische.

Abends nach dem Essen saßen wir dann auch fast jeden Abend am Strand, bewunderten den Sternenhimmel und die Feuerlampions, die Leute überm Meer aufsteigen ließen, lauschten der Livemusik aus einer der Strandbars oder schauten eine Feuershow an, die vor einem der Restaurants am Strand stattfand. Ja, es war wirklich so paradiesisch wie es klingt. 😉

Einer der vielen wunderschönen Sonnenuntergänge an ‚unserem‘ Strand

Und noch einer, weil’s so schön war…

Einen Tag machten wir einen Schnorchelausflug zu einer etwa 50km entfernten Insel namens Koh Rok. Die Fahrt dorthin mit dem Schnellboot übers offene Meer war eine sehr holprige Wildwasserfahrt, da der Wind an dem Tag recht stark und die Wellen entsprechend hoch waren. Wir hatten Glück, dass wir Plätze ganz vorn im Außenbereich erwischten, dort hatten wir zumindest frische Luft und konnten sehen, wohin wir fuhren; das half sehr gegen die sonst vorprogrammierte Übelkeit. Aber so hatten wir einen Riesenspaß, auch wenn wir beide abends mehrere blaue Flecken an den Ellenbogen und Rippen vom Festhalten hatten.

Speedboot

Rund um Koh Rok gibt es mehrere Gebiete zum Schnorcheln, aber die meisten waren an dem Tag wegen des Windes und der Wellen zu gefährlich. Es gab trotzdem zwei Schnorchelstopps, wo das Wasser ruhig genug war und die Ausrüstung war im Preis inbegriffen. Bunte Korallen gab es zwar nicht zu sehen aber viele verschiedene bunte Fische und ein paar Anemonen. Da die Tour von vielen Anbietern durchgeführt wird, waren wir natürlich alles andere als allein, und auch mittags auf der Insel war es ziemlich voll. Koh Rok ist nicht sehr groß und mittags aßen alle Gruppen am Strand, wo wir dann noch etwas Freizeit hatten. Wir liefen etwas von den Massen weg zum Baden, aber aber mit Baden war nicht viel, da die Wellen sehr stark waren. Nach dem zweiten Schnorchelstopp am Nachmittag fuhren wir wieder zurück bei mittlerweile etwas ruhigerer See.

Inselparadies Koh Rok

Bei diesem Wellengang konnten wir nur etwas planschen.

An einem anderen Tag fuhren wir zu den Phi Phi Inseln, eine der berühmtesten Inselgruppen in der Gegend. Ursprünglich hatten wir angedacht, dort ein paar Nächte zu bleiben. Die Landschaft dort sollte besonders schön sein, allerdings ist die bewohnte Insel Koh Phi Phi Don leider auch berüchtigt für ihre intensive Partyszene. Als wir online nach Hostels suchten und die Bewertungen lasen, schwand unser Enthusiasmus rapide. Alle, die halbwegs im bezahlbaren Bereich lagen, hatten anscheinend Party bis früh um drei, und waren auch ansonsten so schlecht bewertet, dass man den Eindruck bekam, sie haben es einfach nicht nötig, sich Mühe zu machen, da sie ihre Betten auch so voll kriegen. Wir wollten unsere letzten Tage in Thailand nicht mit einer so miesen Erfahrung verderben, also machten wir am Ende einen Tagesausflug mit der öffentlichen Fähre.

Früh um neun mit der ersten Fähre fuhren wir hinüber; die Fahrt dauerte nur reichlich eine Stunde. Auf Phi Phi angekommen nutzten wir die noch „erträglichen“ Temperaturen, um hinauf zu einer Reihe von Aussichtspunkten zu steigen, von wo aus man wunderschöne Ausblicke auf die Inseln hatte. Obwohl der Aufstieg nur etwa eine halbe Stunde dauerte, war es bei der Hitze echt anstrengend (dabei war es noch nicht einmal Mittag), aber die Aussicht hat uns dafür auch wirklich entschädigt.

Für diese Aussicht hat sich der Weg nach oben definitiv gelohnt.

Koh Phi Phi Don

Wir aßen Mittag in einem der unzähligen Restaurants im Gewusel der kleinen Insel und mieteten uns danach eines der hölzernen Longtailboote am Strand, um zur Nachbarinsel Koh Phi Phi Leh zu fahren.

Longtailboot

Dort waren die Felsformationen sogar noch beeindruckender als auf Koh Phi Phi Don – steile Wände, die senkrecht ins Meer abfielen, sogar eine Höhle, die verdächtig nach einem Piratenversteck aussah, und mehrere traumhaft schöne Buchten, in denen man vom Boot bis zum Meeresgrund sehen konnte. Natürlich waren wir auch dort nicht die einzigen, aber das muss man dort leider in Kauf nehmen. Als das Boot in die berühmte Maya Bay einfuhr, waren wir auf jeden Fall sehr froh, dass wir keine Fertigtour gebucht hatten, denn dann hätten wir unsere Zeit dort in der Bucht mit den Menschenmassen am Strand verbracht, wo man unter all den Füßen kaum noch Sand sah. Unser Longtailboot machte etwas weiter draußen hin der Bucht Halt und hatte sogar Schnorchelausrüstung an Bord, sodass wir vom Boot aus spontan Schnorcheln gehen konnten. Die Fische dort waren so neugierig, dass sie in einem großen Schwarm um uns herumschwammen und einen habe ich sogar an der Flosse gestupst. Vom Boot aus sahen wir außerdem eine ziemlich große Meeresschildkröte, aber leider war sie zu schnell verschwunden, um noch ein Foto zu machen.

Steile Felsformationen und wunderschön blaues Wasser

Koh Phi Phi Leh

B beim Schnorcheln, mit T-Shirt und Kopftuch gegen weiteren Sonnenbrand

Nachmittags fuhren wir mit der Fähre zurück nach Koh Lanta und waren heilfroh, dem Gewimmel wieder entkommen zu können, aber der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt.

So entspannt machten wir uns schließlich auf in Richtung Malaysia – zehn Stunden, drei verschiedene Minibusse, ein überraschend unkomplizierter Grenzübergang, und nun sind wir in ein paar Tage in Georgetown/Penang bevor ich am Sonntag für eine Woche zum 100. Geburtstag meiner Großmutter nach Hause fliege und Kathrin sich in der Zeit die Cameron Highlands anschaut…

Kaum vorstellbar, dass wirklich schon ein halbes Jahr herum ist. Für uns ist die Zeit so unglaublich schnell vergangen, dass wir manchmal glauben, zu träumen. Allen (zugegeben doch ziemlich kleinen) Schwierigkeiten zum Trotz haben wir bisher keinen einzigen Tag bereut und freuen uns auf all das, was noch vor uns liegt.

Es wird auf jeden Fall sehr seltsam, jetzt eine Woche getrennt voneinander zu verbringen, wo wir die letzten sechs Monate 24 Stunden am Tag zusammen verbracht haben. Wir haben beide nicht das Bedürfnis, mal Pause voneinander zu machen, gehen uns selten auf die Nerven und der Abschied wird uns beiden schwerfallen. Zum Glück ist es nur für eine Woche. Und mal sehen, wie sich Deutschland jetzt so anfühlt…

Und zum Abschluss…

Ab in den Süden

24. Februar 2017, Koh Lanta

Seit China sind wir nicht mehr Zug gefahren und es war Zeit, das mal wieder zu ändern. Von Nakhon Ratchasima nahmen wir einen Expresszug nach Bangkok. Es dauerte keine Stunde bis wir auf den harten Plastikbänken der 3. Klasse eigentlich nicht mehr sitzen konnten aber wir hatten noch weitere vier vor uns – fünf Stunden Fahrt für 260 km. Dass der Waggon nicht klimatisiert war sondern nur mit Deckenventilatoren und dem Öffnen von Fenstern und Türen belüftet werden konnte, sodass drinnen 36°C waren, half auch nicht wirklich aber hey, wir sind angekommen. Am Hauptbahnhof schafften wir es sogar, einen Taxifahrer zu überreden, das Taximeter für die Fahrt zu unserem Hostel anzuschalten anstatt uns pauschal 8 € abzuknöpfen – so bezahlten wir dann nur zwei.

Ankunft in Bangkok, Hualamphong Station

Das Hostel lag in der Nähe der berühmt-berüchtigten Khao San-Road – der Touri-Meile schlechthin, aber was soll man sagen, dort sind die Quartiere eben günstig und es ist nahe an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelegen. Wir hatten im Schlafsaal leider mal wieder eine Person mit sehr anderem Temperaturempfinden, was zu einer kleinen Auseinandersetzung über den Einsatz der Klimaanlage führte. Wir konnten uns am Ende nicht wirklich einigen; ich finde 31°C einfach zu warm zum Schlafen aber unsere Bettnachbarin verließ das Hostel bei diesen Temperaturen noch in Jeansjacke.

Khao San Road – mittendrin statt nur dabei

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem öffentlichen Boot den Fluss entlang zum Königspalast. Ich war vor fünf Jahren schonmal dort aber an solche Touristenmassen kann ich mich nicht erinnern. Der Besuchereingang wurde inzwischen auch verlegt, sodass wir erst einmal in die falsche Richtung liefen. Am neuen Eingang gibt es jetzt eine Personen- und Taschenkontrolle und dann steht man eine Weile in der prallen Sonne an, um überhaupt das Tor zu passieren. In Sichtweite der Touristenschlange war ein provisorisches Sonnendach aufgebaut, unter dem hunderte Thais in Reih und Glied auf Klappstühlen saßen. Zunächst wussten wir nicht, was es damit auf sich hatte, aber als wir später weitere solche Schlangen im Palast sahen, wurde uns klar, dass dies alles Menschen waren, die dem letztes Jahr verstorbenen König, der zur Zeit noch im Palast aufgebahrt liegt, die letzte Ehre erweisen wollten. Die Königsverehrung wird in Thailand unglaublich ernst genommen, soweit gehend, dass man für Majestätsbeleidung ins Gefängnis kommen kann. Ein Jahr Staatstrauer ist angeordnet und wohin man in Thailand kommt, sieht man schwarz gerahmte Porträts seiner Majestät und viele öffentliche Gebäude sind mit schwarzen und weißen Schleifen geschmückt. Alle thailändischen Besucher des Palastes trugen elegante, schwarze Kleidung und auch für Touristen gibt es einen relativ strengen Dresscode – langbeinige Hosen oder lange Röcke, Oberteile, die die Schultern bedecken; wer unangemessen gekleidet ist, kann am Eingang T-Shirts und Wickelröcke ausleihen. Und das Ganze bei 36 Grad. Wir waren heilfroh, dass die auf der Homepage genannte Sockenpflicht am Eingang nicht durchgesetzt wurde.

Als wir es schließlich in den Palast geschafft hatten, schoben wir uns mit den Massen zwischen den prachtvollen Gebäuden hindurch, machten ein paar Bilder, um uns hinterher anzuschauen, wo wir gewesen sind und suchten dann so schnell wie möglich das Weite. Die Hitze machte es nicht besser. Trotz allem ist der Königpalast mit dem angrenzenden Tempel Wat Phra Kaew unglaublich prachtvoll und definitiv einen Besuch wert. Beim nächsten Mal würde ich aber wahrscheinlich versuchen, schon vor Öffnung da zu sein um dann direkt als erstes hineinzuschlüpfen.

Der Königspalast

Wat Phra Kaew von außen…

…und innen

Anschließend besichtigten wir noch das direkt daneben liegende Wat Pho, in dem sich eine 46 m lange, vergoldete liegende Buddhastatue befindet. Obwohl es ebenfalls eine große Sehenswürdigkeit ist, waren dort nicht einmal ansatzweise so viele Besucher wie im Palast, obwohl wir trotzdem noch anstehen mussten, um die Halle des Buddhas zu betreten.

Detail am Wat Pho

Danach waren wir ziemlich platt und fuhren mit dem Linienboot zurück in unser Viertel um uns etwas auszuruhen und schon die Weiterfahrt zu buchen, weil uns das drückende Klima und die Hektik in der Stadt zu schaffen machten. Großstädte in diesen Breitengraden machen einfach keinen Spaß, das haben wir schon in Phnom Penh festgestellt… Da unser nächstes Ziel fast 900 km weiter südlich lag, buchten wir einen Nachtzug – bequem online, ohne großartigen Zuschlag für irgendwelche Reiseagenturen; man muss nur das Ticket ausgedruckt mitbringen, aber wir fanden direkt nebenan einen Copyshop. Abends gingen wir noch ein bisschen bummeln durch das Touriviertel und kauften ein Strandtuch für Kathrin, die zwar immer noch humpelte, aber den ersten Abend ohne Stützverband rausging. Prompt trat ihr ein unachtsamer Tourist bei einem Rückwärtsschritt genau auf die geprellte Stelle – der Verband bleibt jetzt bis auf weiteres erstmal wieder dran…

Am nächsten Tag erledigten wir etwas, das schon lange überfällig war und gingen zum Friseur. Kathrin ließ ihre Haare wieder kurz schneiden und ich ließ mein Pony in Form stutzen – Gesamtkosten 5 €. Gute Entscheidung und wir sind beide mit dem Ergebnis zufrieden.

Jetzt sieht’s wieder ordentlich aus. 🙂

Danach legten wir uns in einem Park am Fluss auf die Wiese in den Schatten und verbrachten dort die meiste Zeit des Tages, da Kathrins Kreislauf und Magen protestierten – vermutlich gegen das drückende Klima, bis es Zeit war, unsere Sachen aus dem Hostel zu holen und zum Bahnhof zu fahren. Wieder wollten uns die Taxifahrer einen Festpreis aufschwatzen, also ließen wir sie links liegen und liefen eine Straße weiter, wo wir das erstbeste Taxi heranwinkten und der Fahrer kein Problem hatte, das Taximeter zu benutzen.

Am Bahnhof hatten wir noch eine Stunde Zeit aber unser Zug stand schon da und wurde gerade von einem mehrköpfigen Team geschrubbt – von außen.

Diesmal hatten wir in einen klimatisierten Waggon investiert, der außerdem ein Schlafwagen war. Für zwölf Stunden Nachtfahrt kann man sich das schonmal gönnen. Als wir einstiegen, fanden wir allerdings Sitze vor – die Betten, sagte uns der Schaffner, würden erst nach acht gemacht. Der Zug fuhr pünktlich los, die Tickets wurden von einem vierköpfigen Team bestehend aus Schaffner, Hilfsschaffner und zwei Polizisten kontrolliert, und so gegen halb zehn kam dann auch tatsächlich ein Angestellter, der den ganzen Waggon in einen Schlafwagen umwandelte, was nach einer ziemlich undankbaren Aufgabe aussah. Das obere Bett wurde heruntergeklappt und dort waren alle notwendigen Utensilien verstaut. Zwischen den unteren beiden, sich gegenüberliegenden Sitzen, wurde eine Stütze ausgezogen, und darauf kam eine dünne Matratze. Dann wurden Bettlaken auf beide Betten gezogen, die Kissen in Kissenbezüge gestopft und Vorhänge vor beiden Betten eingehängt. Als Bettdecke gab es eine dünne Baumwolldecke, die eingeschweißt in einem Paket aus der Reinigung bereitlag. Auf diese Weise bereitete der arme Mann schätzungsweise 48 Betten vor, und wir wissen nicht, ob er noch für weitere Waggons zuständig war. Aber zumindest schliefen wir halbwegs gut darin.

Beim Bettenmachen…

Alle Passagiere schlafen in Fahrtrichtung.

Früh um sieben kamen wir in Surat Thani an und nahmen dort direkt vom Bahnhof aus einen Bus nach Krabi, einer recht verschlafenen kleinen Stadt an der Westküste, die Ausgangspunkt für einige Inseln ist. Wir übernachteten dort und unternahmen nicht sehr viel, in erster Linie weil die Temperaturen hoch und wir sehr müde waren. Wir wurden wieder ordentlich wach, als wir abends Geld abheben wollten und sich der Automat aufhing, ohne die Karte wieder herauszurücken. Eine Frau kam aus einem benachbarten Massagesalon und beruhigte uns, dass der Automat zwar defekt wäre, die Karte aber nach ein paar Minuten wieder ausspucken würde. Während wir warteten, verpasste sie mir noch eine impromptu Nackenmassage – hab mich nicht beschwert – und tatsächlich kam die Karte kurze Zeit später wieder heraus. Glück gehabt. Am nächsten Automat klappte es dann ohne Probleme.

Bevor wir am nächsten Tag auf eine der Inseln fuhren, machten wir vormittags noch einen kleinen Ausflug zu einem Mangrovenwald. Direkt in der Stadt gibt es am Flussufer entlang einen erhöhten Weg von vielleicht 500 Metern durch die Mangroven. Aufgrund der Trockenzeit standen sie nicht tief im Wasser, manche sogar nur im Schlamm, sodass das beeindruckende Wurzelgeflecht offen lag und man Krabben in den Löchern im Schlamm verschwinden sah.

Im Mangrovenwald

Krabi

Mittags holte uns dann ein Minibus direkt im Hostel ab. Wir wollten nach Koh Lanta, eine Insel, die so nah am Festland liegt, dass sie mit einer kurzen Fährfahrt auf die vorgelagerte Insel und von dort über eine Brücke zu erreichen ist. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Tatsache, dass wir alle für die Fährüberfahrt im Van sitzen blieben. Auf Koh Lanta angekommen, wurden wir sogar bis zum Hostel gebracht, was wir mal vorsorglich für die erste Nacht gebucht hatten. Es ist simpel und, wie wir jetzt schon feststellen durften, nachts sehr laut wegen angrenzender Bars, aber es geht. Vielleicht suchen wir uns nochmal was ruhigeres. Es tut auf jeden Fall gut, das unsagbar drückende Klima nicht mehr in der Stadt ertragen zu müssen, aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass es hier einfach zwischen 11 und 16 Uhr unerträglich draußen ist, selbst im Schatten. Gestern abend waren wir kurz vor Sonnenuntergang baden am wunderschönen, nur 100 Meter entfernten Long Beach; das Wasser ist tatsächlich angenehm kühl (wobei das relativ ist, ich würde mal 28°C schätzen…) und sehr klar, und der Strand ist sauber. Es ist wirklich sehr schön hier und wir werden auf jeden Fall eine Weile bleiben…

Von Chiang Mai über Pai nach Sukhothai (ai ai ai…)

17. Februar 2017, Nakhon Ratchasima

So, wieder lange nichts gehört von uns… Es war viel los aber zur Entschädigung gibt es jetzt einen extra langen Artikel…

Unser erstes Hostel in Chiang Mai war aufgrund eines intensiven Geruches nach frischer Farbe und fehlender Belüftung im Schlafsaal leider nicht so optimal, weshalb wir uns am nächsten Morgen erst einmal auf die Suche nach etwas besserem machten. Ein paar Hausnummern weiter wurden wir fündig in einem sehr ruhigen, sehr sauberen kleinen Hostel am Ende einer Sackgasse, wo wir uns für die nächste Woche einquartierten. Wir hatten zwar nicht unbedingt eine ganze Woche geplant, sondern verlängerten immer wieder für ein, zwei Nächte aber es gab eben auch wirklich viel zu tun in Chiang Mai.

Die Stadt trägt den Beinamen „Rose des Nordens“ nicht umsonst. Die Altstadt, von einem Wassergraben und Überresten einer Mauer umgeben, quillt über von goldglänzenden Tempeln, bunten Läden und vielfältigen Restaurants. Die ersten beiden Abende bummelten wir über die Nachtmärkte – es gibt eine Saturday und eine Sunday Walking Street, wo jeweils eine komplette Straße zur Fußgängerzone erklärt wird, auf der es dann samstags angeblich um die 600 Verkaufsstände geben soll und am Sonntag sogar tausend. Man schafft gar nicht, alles anzuschauen, auch wenn es noch so schöne Dinge zu sehen gibt: Kleidung, Schmuck, Täschchen, Papierwaren, Gemälde, Kunsthandwerk und jede Menge Essen und Trinken, mobile Massagestände und und und… Man kam teilweise kaum vom Fleck und wir gingen am Sonntag schon am späten Nachmittag, als die Händler noch beim Aufbauen waren. Aufgrund des chinesischen Neujahrs waren sehr viele chinesische Besucher in der Stadt, gefühlt die Hälfte aller Touristen und viele Händler sprachen neben Englisch auch Chinesisch. Unter den westlichen Touristen scheinen übrigens Deutsche die größte Gruppe hier zu sein. 😉

Impressionen aus Chiang Mai…

…und vom Nachtmarkt, mit echten und unechten Vögeln (die echten waren nicht zum Verkauf).

Einen Tag spazierten wir einfach durch die Altstadt und schauten ein paar der prächtigen Tempel an und einen anderen Tag fuhren wir zum etwas außerhalb der Stadt auf einem Berg gelegenen Tempel Doi Suthep, der vor Gold nur so strahlt und von wo man außerdem einen Fernblick über ganz Chiang Mai hat – liegt der Tempel doch mehr als 700 Meter über der Stadt. Abends gingen wir einmal essen mit zwei Deutschen aus unserem Dorm. Nicht wenige Restaurants hatten schon geschlossen, obwohl es erst halb acht war, und als wir schließlich doch noch ein halbwegs erschwingliches Lokal fanden, das noch geöffnet war, trafen die beiden dort zwei Kanadier, die sie in Bangkok kennengelernt hatten, und wir hatten einen schönen Abend zusammen.

Doi Suthep – prächtig wie der Hofstaat des Großmoguls Aureng Zeb im Grünen Gewölbe

Chiang Mai aus der Vogelperspektive

Außerdem begegneten wir wieder einmal – Überraschung! – Mélissa, der Französin aus der Transsib, die uns schon in Vang Vieng und Luang Prabang in Laos über den Weg gelaufen war. Ich stand gerade so an einem Kokosnuss-Eisstand und überlegte, mir eines zu kaufen, als sie mit ihrer Kraxe vorbei gelaufen kam; sie war gerade in Chiang Mai angekommen. Wir e-mailten uns, stellten fest, dass ihr Hostel auf der selben Straße wie unseres war und gingen einen Abend zusammen essen in ein sehr authentisches japanisches Restaurant. Da Mélissa ja auch ihr Herz an Japan verloren hat, schwelgten wir alle drei selig in essen-induzierten Erinnerungen. Sie wollte nun nach Myanmar weiter, aber später auch nach Malaysia und vielleicht Neuseeland. Mal schauen, ob uns das Glück nochmal hold ist und wir uns noch einmal zufällig begegnen.

Außerdem erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und machte einen Kurs in Thaimassage. Es gab verschiedene Schulen und alle möglichen Angebote von Halbtags- bis hin zu Monatskursen. Da ich nicht die Absicht habe, in Deutschland einen Massagesalon zu eröffnen (und auch aus Kostengründen) nahm ich einen Dreitageskurs, bei dem die Grundlagen der Thaimassage von Kopf bis Fuß gelehrt wurden. Außer mir war noch ein weiterer Teilnehmer mit von der Partie: Alonso aus Chile, eine sehr ruhige, immer lächelnde Seele. Wir erhielten ein Buch mit Fotos aller Schritte, die unsere Kursleiterin uns erklärte; sie demonstrierte immer an einem von uns und wir hatten genügend Zeit, uns neben jedem Foto im Buch unsere eigenen Notizen zu machen. Danach übten wir unter ihrer Aufsicht an uns gegenseitig. Das Tolle an einem Massagekurs ist, dass man jeden Tag eine Massage erhält. 🙂 Andererseits ist es auch ganz schön anstrengend, erfordert viel Übung und einige der Griffe würde ich wahrscheinlich nie ohne professionelle Aufsicht an irgendjemandem ausprobieren. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht, und wenn jemand von euch irgendwann mal Bedarf hat, meldet euch!

Don’t try this at home. 😉

In Chiang Mai besuchten wir auch ein Museum der besonderen Art: ein 3D-Museum. Dort sind verschiedenste Bildmotive an die Wände gemalt und man kann sich davor fotografieren, sodass es dann auf den Fotos so aussieht, als ob man Teil des Bildes an der Wand ist. Wir hatten einen Riesenspaß und waren fast vier Stunden dort. Die Fotos sprechen für sich (hier eine Auswahl der etwa 170 Bilder):

An unserem letzten Tag in der Stadt fuhren wir zum „Grand Canyon“, einem mit Wasser gefüllten Felsenbecken, das vermutlich mal ein Steinbruch war und wo man jetzt Baden und Klippenspringen kann. Nicht das wir letzteres vorgehabt hätten, aber die Schwimmwestenpflicht bestand für alle, die ins Wasser wollten und es hat trotzdem viel Spaß gemacht, vor allem, da fast keine Leute da waren und wir das überraschend warme Wasser so gut wie für uns hatten.

Der Grand Canyon von Chiang Mai

Am Nachmittag wurden wir dann mit einem Minivan abgeholt, um einen Abstecher nach Norden in Berge zu unternehmen. Wir wollten für ein paar Tage nach Pai und hatten gelesen, dass die Fahrt dorthin sehr kurvig wäre, aber wir machten uns ja gar keine Vorstellung… Wenn ich dachte, die Fahrt von Irkutsk nach Olkhon wäre die schrecklichste meines Lebens gewesen, dann war sie noch gar nichts gegen diese Fahrt nach Pai. Wir erfuhren zum Glück erst in Pai, dass die Straße von Chiang Mai dorthin angeblich 762 Kurven hat, nicht wenige davon 180° und das bei einer Steigung von gefühlten 12-18%. Das an sich wäre auch gar nicht so schlimm gewesen, hätte unser Fahrer den Fuß ab und zu mal vom Gaspedal genommen. Aber stattdessen hatte man das Gefühl, dass er vor den Kurven noch extra Gas gab, wo er ohnehin schon gefühlt viel zu schnell unterwegs war. Ohne Reisekaugummi hätte ich die Fahrt gar nicht überstanden und im Bus purzelte alles durcheinander. Als wir nach dreieinhalb sehr langen Stunden endlich den Busbahnhof von Pai erreichten, sammelten wir erst einmal alle möglichen Dinge unter den Sitzen auf und verteilten sie wieder an ihre jeweiligen Besitzer…

Wir suchten uns das erstbeste Restaurant mit Internet und schrieben dem Hostelbesitzer, bei dem wir die erste Nacht gebucht hatten, damit er uns abholen kommt. Das Hostel war nämlich etwas außerhalb gelegen und es war mittlerweile auch schon dunkel. Dort angekommen stellten wir fest, dass es wahrscheinlich nicht so das richtige für uns war. Wir haben zwar im Prinzip kein Problem mit simplen Quartieren – Matte auf dem Fußboden, WC über’n Hof, Selbstverpflegung – aber in Thailand bekommt man einfach für den selben Preis wesentlich besseres und insbesondere auf Selbstversorgung sind wir einfach nicht eingerichtet, weil das in Südostasien normalerweise völlig unnötig ist. Aber das Hostel lag eine halbe Stunde zu Fuß von Pai und entsprechend auch von den Restaurants entfernt und das war uns einfach zu unpraktisch. Davon abgesehen, dass unser Zimmer keine Tür sondern nur einen Vorhang hatte…

Also machten wir uns am nächsten Morgen im Ort auf die Suche und fanden eine hübsche Pension direkt im Zentrum, mit einem schönen grünen Garten, wo man draußen sitzen konnte, und einem gemütlichen Zimmer mit Tür, eigenem Bad und richtigen Betten für nur einen Euro mehr.

In Pai

Pai ist nur ein größeres Dorf; es Kleinstadt zu nennen wäre übertrieben. Allerdings ist es extrem touristisch und insgesamt eine sehr interessante Mischung aus Backpackern, Hippies und einer muslimischen Gemeinde, was das Essensangebot sehr interessant macht. Wir gingen spazieren, bummelten über den allabendlichen Nachtmarkt, aßen viele leckere Dinge von Fladenbrot mit Hummus und Falafeln über thailändisches und indisches Essen bis hin zu Guacamole-Bruschettas, und faulenzten auch mal einen Tag in unserem Guesthouse. Einen Tag unternahmen wir außerdem eine geführte Tour rund um Pai, mal wieder mit einer supernetten und interessanten Gruppe, bunt gemischt aus Deutschen, Israelis, Engländern und US-Amerikanern und einem Kanadier. Wir besichtigten die sehr beeindruckende Lod Cave, eine riesige Höhle, durch die man ein Stück weit mit einem Bambusfloß fuhr und in der es mehrere große Hallen mit Stalagtiten und Stalagmiten und anderen interessanten Formationen zu sehen gab. Außerdem konnte man ab und zu eine Fledermaus erspähen.

Lod Cave

Danach ging es baden in eine natürliche heiße (na sagen wir mal angenehm warme) Quelle, wobei uns nicht klar war, woher dort das warme Wasser kommt, wo die Gegend ja nicht vulkanisch ist. Es war aber trotzdem ein netter Badestopp in einem Bach.

Die „heiße“ Quelle

Abends fuhren wir zum Pai Canyon, der wie eine Mischung aus Miniatur-Grand Canyon und Sächsischer Schweiz wirkt. Dort konnten wir ein bisschen herumwandern und den Sonnenuntergang über den Bergen sehen, was wirklich schön war. Dort trafen wir auch zufällig Noémi wieder, aus unserer Gruppe bei der Steinkrüge-und-Landminen-Tour in Laos. Wieder einmal ein freudiges Wiedersehen.

Sonnenuntergang am Pai Canyon

Uns bangte sehr vor der Rückfahrt nach Chiang Mai, aber wir konnten ja nicht ewig in Pai bleiben, und so buchten wir schließlich einen Vormittagsbus zurück. Und was soll man sagen: es gibt tatsächlich Busfahrer, die vor Kurven abbremsen und das auch nicht ruckartig, sondern sanft und gleichmäßig, und die – oh Wunder – die Strecke trotzdem in der gleichen Zeit schaffen wie die Raser. Es war diesmal überhaupt kein Problem; ich brauchte nicht einmal Reisekaugummis und wir kamen entspannt und mit ruhigem Magen in Chiang Mai an. Dort buchten wir, da es erst Mittag war, gleich einen Bus zur Weiterfahrt zu unserem nächsten Reiseziel Sukhothai. Diesmal war es ein großer Bus, was auch ganz angenehm war, da die Fahrt immerhin noch fünf Stunden dauerte. Zum Glück hatten wir schon ein Guesthouse für die erste Nacht gebucht, da wir wieder erst im Dunkeln ankamen und einen ziemlichen Reisetag hinter uns hatten. Mit uns im Bus saß eine ältere Deutsche, die ins gleiche Quartier wollte. Wir kamen ins Gespräch, da es von der Bushaltestelle eine halbe Stunde zu laufen war. Wir waren überrascht, als sie uns erzählte, dass sie Arthritis in beiden Knien hat und in Deutschland vor Schmerzen kaum laufen kann. In der Wärme Südostasiens hat sie kaum Beschwerden.

Dafür waren wir dann diejenigen, die wieder Beschwerden kriegten, allerdings nicht in den Knien. Womit wir uns diesmal abgeschossen haben, wissen wir leider auch nicht, aber die nächsten zwei Tage waren wir mit Durchfall und Magenkrämpfen völlig außer Gefecht gesetzt. Glück im Unglück war, dass wir wieder etwas zeitversetzt anfingen, zuerst Kathrin und einen halben Tag später ich, sodass wir uns mit dem Einkaufen von Snacks und Wasser abwechseln konnten. Leider war nämlich der nächste Laden eine gute Viertelstunde zu laufen, was in diesem Zustand eine ganz schöne Strecke ist.

Als es uns wieder etwas besser ging, erkundeten wir die Tempelruinen von Sukhothai, weshalb wir eigentlich dorthin gefahren waren. Ein Großteil der alten Gemäuer steht in einem wunderschönen Park mit großen Bäumen und seerosenüberwucherten Teichen. Mit dem Fahrrad kann man entspannt von einer Ruine zur nächsten fahren, unbehelligt von Autos und anderen Touristen, denn obwohl der Historische Park Weltkulturerbe ist, verirren sich nur wenige Besucher dorthin.

Großer Buddha im Wat Sri Chum

Ein bisschen wie Angkor Wat, aber kleiner und viel entspannter

Herrlich, mal so ohne Autos und Motorräder herumzufahren…

Sonnenuntergang über dem Wat Sa Si

Von Sukhothai wollten wir weiter nach Nakhon Ratchasima, eine Stadt im Osten Thailands, fast 500 km entfernt, aber wir wussten nicht so richtig, wie wir von Sukhothai aus dorthin kommen sollten. Wir fragten am Busbahnhof, wo es einen Bus nach Bangkok gab, aber der Morgenbus war schon ausgebucht und die Dame war derart unfreundlich, dass weiteres Fragen zwecklos war. Also war wieder einmal Freestyle und Vertrauen ins Verkehrsnetz angesagt: am nächsten Morgen fuhren wir (trotz erneuten Durchfalls meinerseits, aber dafür gibt es ja Tabletten und wir wollten einfach nur noch weiter) mit dem öffentlichen Songthaew eine halbe Stunde nach Neu-Sukhothai zum Busbahnhof. Dort sagte man uns, dass es von der nächstgrößeren Stadt Phitsanulok aus einen Bus nach Nakhon Ratchasima gäbe. Also weiter mit dem nächsten Bus, der auch nach fünf Minuten schon losfuhr, eine Stunde nach Phitsanulok. Dort gab es leider zwei Busbahnhöfe und wir kamen natürlich am lokalen an. Eine freundliche Tuktukfahrerin fragte uns, wo wir hinwollten und sprach dann mit dem Fahrer unseres Busses, aus dem wir gerade ausgestiegen waren. Sie hätte ja auch ein Geschäft an uns machen können, aber stattdessen sagte sie, wir könnten mit dem Bus weiterfahren bis zum Fernbusbahnhof, was wir dann auch taten. Dort setzte uns der Busfahrer direkt vor dem richtigen Schalter ab und wir konnten zwei Stunden später weiterfahren nach Nakhon Ratchasima.

Diesmal war es ein richtiger Luxusbus mit Toilette, Bordunterhaltung in Form von Filmen („Sharkansas“ lässt grüßen), und sogar Bordservice – Getränke und Frischetücher inklusive. Dafür war es auch nochmal eine richtig lange Fahrt, über sieben Stunden, und als wir gegen acht in Nakhon Ratchasima ankamen, hatten wir noch nicht mal ein Quartier, da wir ja nicht wissen konnten, ob wir es bis dorthin schaffen. Wir hatten uns aber schonmal provisorisch ein Hotel herausgesucht, zu dem wir uns dann mit dem Tuktuk fahren ließen, nachdem sämtliche anwesende Fahrer mehrere Minuten lang diskutiert hatten, wo das Hotel denn liegt. Wir kamen schließlich an wo wir hinwollten, es gab noch freie Zimmer und so konnten wir uns dann ziemlich k.o. erstmal ins Bett fallen lassen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem öffentlichen Bus in die 50 km entfernte Stadt Phimai. Dort gab es einen kleinen historischen Park mit einer mehr schlecht als recht restaurierten Ruine aus der Angkor-Zeit, die aber trotzdem sehr schön war.

Im Historischen Park von Phimai

Außerdem gibt es in der Nähe des Städtchens auf einer kleinen Insel einen riesigen Banyan-Baum. Diese Baumart fällt dadurch auf, dass sie keinen Hauptstamm zu haben scheint, sondern von den Ästen immer wieder Wurzeln nach unten wachsen und der Baum dadurch zu einem riesigen Geflecht wird. Das Exemplar in Phimai ist das größte in Thailand, wenn nicht noch darüber hinaus; unter seinem Geflecht gibt es zahllose Picknicktische und -bänke, zwei Schreine und einen ganzen Rundweg.

Das gesamte hellgrüne ist der Banyan-Baum!!

Man sieht sozusagen den Baum vor lauter Wald nicht…(ja, das ist alles der eine Baum!)

Zurück in Nakhon Ratchasima suchten wir einen Tempel (Wat Phra Narai Maharat), von dem wir gelesen hatten, dass es in dem umliegenden See Bindenwarane geben sollte. Wir fanden den Tempel, und drumherum lag auch ein „Gewässer“, aber danach, dass es hier Warane geben sollte, noch dazu welche, die bis zu drei Metern lang werden können, sah es eher nicht aus. Der vielleicht hundert Meter im Quadrat messende Teich war ein künstlich angelegtes Betonbecken mit nackten, schrägen Wänden und keinerlei Grün. Das Wasser war trüb, von einem grünen Film überzogen und am Ufer schwamm eine Menge Müll herum. In der Mitte auf einer künstlichen Insel lag der Tempel. Da lag wohl offensichtlich ein Irrtum vor.

Wir wollten schon wieder kehrt machen, als wir plötzlich etwas auf der Uferschräge liegen sahen – kaum zu glauben, aber es war tatsächlich ein Waran! Danach sahen wir noch weitere Exemplare, die sich sonnten oder im Teich herumschwammen. Aus irgendeinem Grund schien dieser keimige Tümpel das reinste Biotop zu sein; wir sahen auch eine Art Eisvogel, der immer wieder in die dreckige Brühe schoss und mit Beute herauskam. Verrückt. Warum die Warane dort leben, und ob sie manchmal versuchen, auszubüchsen, wissen wir nicht.

Bindenwaran in der Stadt

Das war aber noch nicht die größte Überraschung des Tages. Unverhofft kommt oft, leider nicht immer im besten Sinne… Unser Hotel am Stadtrand, das kein Tuktuk- oder Taxifahrer je zu kennen schien, war zwar sehr ordentlich und modern, aber leider funktionierte das Internet nicht, was die weitere Reiseplanung deutlich erschwerte. Also suchten wir im Stadtzentrum ein Café oder ähnliches, wenn wir schonmal da waren, um dort das Wlan zu nutzen. Und als wir so herumliefen und suchten, stolperte Kathrin leider über eine Kante im Bordstein und verdrehte sich den Fuß. Zunächst sah es nicht weiter schlimm aus; wir liefen noch langsam bis zum nächsten Café und bestellten etwas zu essen. Aber während wir dort saßen, schwoll die umgeknickte Stelle immer weiter an und tat dann auch in Ruhe weh. Also nutzten wir das vorhandene Wlan, um nach englischsprachigen Krankenhäusern zu suchen und baten die Kellner, uns ein Taxi zu bestellen. Das ganze Café-Team war unglaublich besorgt und hilfsbereit, zwei Leute begleiteten uns nach draußen und bestanden darauf, Kathrin zu stützen und ihren Rucksack zu tragen und das Taxi bis direkt vor die Tür zu lotsen.

Wir fuhren ins Korat Memorial Hospital, da wir einen Blogeintrag von jemandem gelesen hatten, der dort gut behandelt worden war. Vor Ort standen schon mehrere Rollstühle in der Einfahrt und ein „Portier“ (nennt man das so im Krankenhaus?) bugsierte Kathrin in einen davon und rollte sie direkt in die Notaufnahme. Dort waren sofort mehrere Krankenschwestern und eine Ärztin zur Stelle, die gut Englisch sprachen und direkt mit der Untersuchung begannen. Ich wartete draußen während K zum Röntgen gefahren wurde, zurück ins Behandlungszimmer, nochmal zum Röntgen, wieder ins Behandlungszimmer,… Eine knappe Stunde später war der Fuß dann bandagiert und mit einem Eispack versehen, Diagnose Verstauchung, zwei Tage ruhig halten und dann weiter sehen… Wir bekamen noch Schmerzmittel und ein Medikament zur Muskelentspannung und bezahlten am Ende nicht einmal 60 Euro für alles.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche nach einem Hotel im Stadtzentrum, denn zwei Tage Bettruhe sind ohne Internet auch ganz schön langweilig und außerdem gab es rund um unser Vorstadthotel nicht wirklich irgendwelche Einkaufsmöglichkeiten. Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht. Obwohl Nakhon Ratchasima eine Großstadt ist, ist es alles andere als touristisch (tatsächlich haben wir hier so gut wie überhaupt keine Ausländer gesehen, geschweige denn Backpacker) und entsprechend gibt es nicht viel Auswahl. Zwischen zu teuer, zu abgelegen, Bezahlinternet und Baustelle direkt nebenan fand ich am Ende ein passables, das außerdem eine große Mall mit Supermarkt und Restaurants in Laufentfernung hat, und dort richteten wir uns dann ein. Die zwei Tage Bettruhe sind inzwischen herum und heute konnte Kathrin schon wieder vorsichtig rausgehen, daher werden wir morgen nach Bangkok weiterfahren; es wird schon gehen, wenn ich die Kraxen trage und wir so weit wie möglich Taxi fahren. Schauen wir mal…

Mit dem Tuktuk nach Thailand

05. Februar 2017, Pai

Wir haben ja nun schon mit so einigen Verkehrsmitteln Grenzen passiert – Zug, Bus, Boot – aber nach Thailand fuhren wir sozusagen mit dem Tuktuk (zumindest fast). Wir hätten zwar einen Bus buchen können, aber der wäre unnötig teuer gewesen und wir hatten ohnehin nicht mehr genug Landeswährung. Also nahmen wir uns morgens ein Tuktuk und fuhren die zehn Minuten bis zur laotischen Grenze, wo wir unseren Ausreisestempel erhielten. Zugegeben, direkt über die Grenze, also die Friendship Bridge, mussten wir dann einen Shuttlebus nehmen (laufen durfte man nicht), aber auf der anderen Seite fuhren wir wieder mit dem Tuktuk bis in den nächsten Ort. Vorher an der Thaigrenze zitterten wir nochmal kurz, ob wir wohl mit unserem Visum aus Vientiane einreisen und die 60 Tage bewilligt bekommen würden. Wir mussten nämlich an der Grenze noch ein Einreiseformular ausfüllen und darin unter anderem angeben, wann und wie wir Thailand wieder verlassen würden, und ich hatte gelesen, dass einem die Einreise ohne Ausreisenachweis verweigert werden kann. Uns blieb nun nichts anderes übrig, als die Information freizulassen. Da nicht viel los war, gingen wir gleich zu zweit zum Schalter, wo ein mittelalter, etwas beleibter Beamter saß, der so viel geballtem Charme glücklicherweise nicht widerstehen konnte, seinen anderweitig vermutlich eher langweiligen Tag mit etwas Geschäker aufpeppte und uns ohne unangenehme Fragen alle Stempel in den Pass pappte, die wir brauchten, 60 Tage Aufenthalt inklusive.

Die Tuktukfahrerin, die uns danach chauffierte, war ein echter Schatz. Anstatt uns zum Busbahnhof zu bringen wie vereinbart, setzte sie uns an der Hauptstraße ab, wo schon der richtige Bus bereitstand – am Busbahnhof hätten wir eine Stunde auf den nächsten warten müssen. Und damit nicht genug, sie brachte uns sogar noch über die Straße bis direkt zur Bustür, damit wir nicht überfahren werden. Denn wir sind jetzt in Thailand, und in Thailand herrscht Linksverkehr und in Thailand, das lernten wir sehr schnell, fahren sie wie die Bekloppten.

Der öffentliche Bus ins drei Stunden entfernte Chiang Rai kostete nur 60 Baht (ca. 1,50 €) pro Person – in Thailand ist auch alles viel günstiger als in Laos. Während der Fahrt verglichen wir die beiden Länder. Obwohl wir gerade erst angekommen waren, fielen uns schon einige Unterschiede auf. Der Verkehr ist viel schneller und es sind viel mehr Autos und weniger Motorräder unterwegs. Es wird kaum gehupt. Die Häuser sind groß und schick, teilweise sehr modern. Und die Landwirtschaft: riesige Felder, die mit Traktoren bewirtschaftet und mit Chemikalien besprüht werden – verschwunden sind die Wasserbüffel, das freilaufende Geflügel, die gebeugten Gestalten mit Spitzhut auf den kleinen Äckern. Das Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Ländern ist riesig; kein Wunder dass so viele Laoten (und Kambodschaner) zum Arbeiten nach Thailand kommen.

In Chiang Rai machten wir uns als erstes auf Hostelsuche und mussten prompt feststellen, dass die Quartiere im Zentrum ziemlich gut gebucht waren. Wir fragten bei mehreren vergebens bis wir schließlich in einer Seitenstraße in einem Garten ein sehr hübsches kleines Hostel fanden, dass noch freie Dormbetten hatte.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Chiang Rai ist Wat Rong Khun, der Weiße Tempel, ein moderner, von einem zeitgenössischen thailändischen Künstler entworfener, buddhistischer Tempelkomplex, an dem immer noch gebaut wird. Mehrere Gebäude sind schon fertig und ziehen täglich hunderte Touristen (und vielleicht auch ein paar Gläubige) an, aber angeblich sollen die Arbeiten noch bis 2070 andauern.

Irgendwie sind uns den Massen zum Trotz noch ein paar Fotos fast ohne Menschen gelungen.

Leider war der Tempel, als wir ankamen, von chinesischen Reisegruppen derart überrannt, dass wir anstehen mussten, um ihn überhaupt von innen zu sehen. Aber das Warten hat sich durchaus gelohnt. Da Fotografieren im Tempel verboten war, bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als euch zu beschreiben, wie es drinnen aussah. Eigentlich sah es ähnlich aus wie in den meisten anderen buddhistischen Tempeln; an der Stirnseite saß ein Buddha und die Wände waren mit buddhistischen Motiven bemalt. Aber das war nicht alles. An mehreren Stellen hat der Künstler nämlich ganz und gar unreligiöse Motive verewigt: zwischen Darstellungen nuklearer Zerstörung oder des Attentats auf die Twin Towers verstecken sich Pikachu und Superman genauso Harry Potter und Michael Jackson, um nur einige von vielen zu nennen.

Da wir nicht fotografieren durften, müsst ihr mit diesem Bild von Wikipedia vorlieb nehmen…

Neben dem Weißen Tempel war unser Highlight in Chiang Rai vermutlich das mit „Cat’n a Cup“ sehr passend benannte Katzencafé. Für diejenigen von euch, die mit dem Konzept nichts anfangen können: es handelt sich im Prinzip um ein ganz normales Café, mit dem zusätzlichen Bonus, dass es dort jede Menge verschmuste und verspielte Katzen gibt. In diesem Café saß man auf Kissen auf dem Boden an flachen Tischen, was die Interaktion mit den Samtpfoten sehr begünstigte. Zwar gibt es immer ein paar Leute, die den Katzen unnötig auf die Pelle rücken (oder Eltern, die partout nicht in der Lage sind, ihre katzenschwanzziehenden Kinder zu zähmen) aber im großen und ganzen herrschte in dem Café eine sehr angenehme Atmosphäre und es gab auch viele Rückzugsorte für die Katzen, welche außerhalb der Reichweite der Gäste lagen. Und man musste auch wirklich gar nichts weiter tun als Platz zu nehmen und abzuwarten; die neugierigen Stubentiger kamen beizeiten von ganz allein näher, beanspruchten Rucksäcke als Sitzgelegenheiten, spielten mit Handtaschengurten, haschten sich quer durchs ganze Café oder holten sich bei Bedarf ein paar Streicheleinheiten. Eventuell waren wir vielleicht auch mehr als einmal dort, öhöm…

Ansonsten bummelten wir einfach mal so durch die Stadt und schauten ein paar Sehenswürdigkeiten an, wobei wir auch mehr oder weniger zufällig über das Blumenfestival stolperten, das dort gerade stattfand und keinen Eintritt kostete.

Abends holten wir uns unser Essen vom Nachtmarkt, der über ein paar nette Souvenir- und Schnickschnackstände sowie einen riesigen Foodcourt verfügte, den auch die Einheimischen zu nutzen schienen. Einen Abend ging ich allein, da Kathrin keinen Appetit hatte und sich nicht nach Rausgehen fühlte. Während ich so in der Schlange für mein Pad Thai stand (gebratene, leicht gesüßte Reisnudeln serviert mit Limette, Erdnüssen und frischen Sprossen) und meinen Blick auf der Suche nach einem freien Sitzplatz über die Tische schweifen ließ, kam mir der Gedanke, dass ich bestimmt schon irgendjemanden dort kenne – nur vielleicht noch nicht in diesem Augenblick. Klingt esoterisch? Glaubt ihr nicht? Ich suchte mir mit meinem Nudelteller einen Tisch, wo nur eine Person saß, eine junge Frau in meinem Alter, fragte ob noch frei ist, und als sie bejahte, setzte ich mich zu ihr. Natürlich kamen wir ins Gespräch, zuerst auf Englisch, merkten dann, dass wir beide Deutsche sind und lange Rede kurzer Sinn, am Ende bummelten wir noch zusammen durch die Stadt, versackten schließlich am Glockenturm mit Bier (sie) und japanischer Limo (ich), da die meisten Kneipen schon geschlossen hatten und wir nicht ins Rotlichtviertel gehen wollten, und tauschen jetzt via Facebook Reisetipps aus. So einfach geht das.

Von Chiang Rai aus unternahmen wir auch einen ziemlich genau 23 Stunden dauernden Übernacht-Ausflug zurück zur laotischen Grenze, allerdings ein ganzes Stück südlich unseres Grenzübergangs. Wir hatten gelesen, dass man von einer 1.600 Meter hohen Klippe namens Phu Chi Fa den Sonnenaufgang über dem Nebelmeer zwischen den Bergen von Laos sehen könnte. Es gab einen öffentlichen Bus, der sich in etwa drei Stunden die sehr kurvige Straße hoch ins Dorf unterhalb der Klippe hinaufquälte. Vor Ort, so hatten wir gelesen, gäbe es jede Menge Guesthouses und man könne auch von überall den Shuttle zur Klippe für den nächsten Morgen buchen. Einfacher gesagt als getan. In dem winzigen Ort angekommen, war nichts, aber auch gar nichts auf Englisch beschriftet – wie nun ein Quartier finden? Wir gingen schließlich nach dem Aussehen und fragten dort, wo mehrere gleichaussehende Bungalows nebeneinander standen. Der erste war zu teuer, bei Nummer zwei kostete es nur die Hälfte, aber der Preis war auch das einzige, was die Betreiberin kommunizieren konnte (mit den Fingern). Sie verstand nicht einmal meine Frage nach einem Restaurant – wie wir da den Shuttle zur Klippe buchen sollten, war uns schleierhaft. Im Internet hatte das alles sehr viel einfacher geklungen.

Nachdem wir dann zumindest ein Bett hatten, machten wir uns auf die Suche nach etwas zu essen. Es gab eine Handvoll Restaurants aber keines mit englischer Speisekarte… Am Ende entschieden wir uns für eines, wo zumindest schon Ausländer drin saßen und siehe da, es gab doch eine Übersetzung der Karte. Wirklich auf Ausländer eingerichtet ist der Ort nicht; er scheint in erster Linie von Thais frequentiert zu werden, und die einzigen anderen Ausländer, die noch mit uns im Bus hergekommen waren – ein Brasilianer (aus Rio de Janeiro, ehe jemand fragt 😉 ) und zwei Russinnen, fanden nach und nach ebenfalls den Weg in dieses Lokal und setzten sich alle zu uns. Von der allgemeinen Ratlosigkeit über den Shuttle abgesehen war es ein sehr schöner Abend.

Wir beschlossen, am nächsten Morgen einfach in den Ort zu laufen und zu schauen, ob wir eine Mitfahrgelegenheit finden. Aber wir hätten uns überhaupt keine Sorgen machen müssen: am nächsten Morgen kurz vor halb sechs klopfte es an unserer Tür und ein Pick-up-Fahrer fragte, ob wir mitfahren wollten… Die zehnminütige Fahrt führte vom Dorf aus noch weiter steil nach oben bis zu einem Parkplatz unterhalb der Klippe, wo trotz der frühen Stunde ein unglaublicher Betrieb herrschte – der Parkplatz war voll mit Fahrzeugen; an Verkaufsständen gab es alles von Taschenlampen über Kaffee bis hin zu Bommelmützen und die 750 m Fußweg bis zur Spitze der Klippe legten wir in einer Karawane von Thais zurück, von denen nicht wenige gekleidet waren wie für eine Polarexpedition. Zugegeben, es war schon kalt. Für thailändische Verhältnisse war es sogar eisig: 13 Grad zeigte das Thermometer (und allen, die uns jetzt für Memmen halten und auf deutsche Temperaturen verweisen, sei gesagt, 13 Grad draußen bedeuten auch 13 Grad drinnen im Bungalow; hier gibt es nämlich keine kuschelig warme Zentralheizung…). Noch im Dunkeln suchten wir uns einen Platz ganz vorn am Zaun bevor es zu voll wurde; stöpselten uns Kopfhörer rein um das unaufhörliche Gebrabbel der Menschenmenge mit Musik nach Wahl zu überdecken und dem Moment etwas mehr Atmosphäre zu verleihen und dann warteten wir ab.

Das Morgenrot gab den Blick frei auf ein Meer von Wolken, das uns zu Füßen lag und aus dem die Berggipfel auf der laotischen Seite wie Inseln aufragten. Als die Sonne schließlich am Horizont aufging, verschwand sie schon nach wenigen Augenblicken über einer weiteren Wolkenschicht, von wo aus ihre Strahlen ganz deutlich hervortraten und das Nebelmeer in Töne von Pink und Gold tauchten. Es war unbeschreiblich schön.

Zurück im Ort hatten wir noch Zeit, im Restaurant vom Vorabend zu frühstücken bevor der Minibus zurück nach Chiang Rai fuhr. Dort am Busbahnhof angekommen buchten wir gleich noch eine Weiterfahrt nach Chiang Mai und verbrachten dann die Wartezeit noch einmal im Katzencafé. Was für ein Tag.

Von Luang Prabang zur thailändischen Grenze

31. Januar 2017, Chiang Mai

Nach Luang Prabang fuhren wir gemeinsam mit Megan und Noémi im Minibus, wo wie immer sämtliche Plätze besetzt waren. Nur leider sind wir falang (westliche Ausländer) etwas größer als die meisten Laoten, sodass wir wie in einer Sardinenbüchse saßen, uns praktisch nicht bewegen konnten und nach den fast acht Stunden Fahrt über die extrem kurvigen Straßen total verspannt ankamen.

Wir verabschiedeten uns von den Mädels und machten uns auf zu unserem Hostel am Rande der Altstadt. In unserem Dorm fiel uns sofort ein Rucksack auf, der aussah wie Mélissas (die Französin aus der Transsib) – siehe da, als wir abends vom Essen zurückkamen, trafen wir sie wieder. Die Welt ist klein.

Einen Tag schlenderten wir einfach nur durch die Stadt, von der wir nur Gutes von anderen Reisenden gehört hatten. Und tatsächlich ist Luang Prabang ganz anders als alle anderen Städte in Laos. Die alten Kolonialvillen sind geschmackvoll restauriert; es gibt zahlreiche Boutiquen und Souvenirgeschäfte und schöne kleine Resorts. Es fahren viel mehr Autos als in anderen Städten und man bekommt den Eindruck, dass Luang Prabang sehr wohlhabend sein muss.

Luang Prabang – kleine Gassen, …

…prächtige Tempel …

…und historische Kolonialbauten.

Jeden Abend gibt es in der Altstadt einen ziemlich großen Nachtmarkt, auf dem die üblichen Schlabberhosen mit Elefantenmuster, bunte Täschchen in allen Größen und sonstige Souvenirs verkauft werden. Einen Abend bummelten wir über den Markt, angenehm überrascht, dass die Verkäufer uns weitgehend in Ruhe ließen. Einen anderen Abend besuchten wir ein kleines Theater, wo ein Märchenerzähler mit musikalischer Begleitung auf Englisch laotische Volkssagen vortrug. Einmal stiegen wir auch am späten Nachmittag auf den „Hausberg“, den Phou Si Mountain, der einer der Volkssagen nach eigentlich die Spitze eines Berges auf Sri Lanka ist – eine Königin, die einst in Luang Prabang lebte, wollte unbedingt eine bestimmte Sorte Pilze essen, die es nur auf diesem Berg in Sri Lanka gab. Also schickte sie Hanuman, den Affenkönig (der praktischerweise Superkräfte besitzt), aber sie verriet ihm den Namen der Pilze nicht. Es handelte sich nämlich um Affenohrpilze, und Hanuman wäre vermutlich nicht besonders kooperativ gewesen, wenn er dies erfahren hätte. So flog er los und brachte Pilze, aber es waren nicht die richtigen, und die Königin schickte ihn noch einmal und noch einmal und jedes mal holte er die falsche Sorte. Am Ende hatte er die Nase voll und brachte ihr einfach die gesamte Bergspitze, damit die Königin ihre Pilze selber suchen konnte.

Wir hatten von Megan gehört, dass man für den Sonnenuntergang auf dem Berg zeitig kommen sollte, also waren wir schon über eine Stunde vorher da. Und was soll man sagen, wir fanden gerade noch einen freien Sitz-/Stehplatz mit Mekongblick; es waren schon Busladungen von Chinesen und anderen Touristen da und bis zum tatsächlichen Sonnenuntergang wuchs ihre Zahl gut und gern auf mehrere hundert; es war verrückt. Der Sonnenuntergang war aber sehr schön, da hat sich das Warten zumindest gelohnt.

Ausblick vom Phu Si – Sonnenuntergang über dem Mekong

An einem Nachmittag machte ich mich auf, die berühmte Lao-Kräutersauna auszuprobieren, von der es direkt auf unserer Straße eine im Rot-Kreuz-Zentrum gab, die größtenteils von Einheimischen genutzt wurde. Ich bekam ein Handtuch und einen Sarong, der groß genug war, um ihn als Wickelkleid zu tragen – in Laos würde man niemals nackt in die Sauna gehen. Es gab einen Frauen- und einen Männerraum und davor zwei separate Sitzecken mit Bänken und einem Tisch, auf dem ein Teespender und Tassen zur freien Verfügung standen. Mehrere Frauen saßen dort und machten ein Päuschen. Ich öffnete die Tür zur Sauna und mir kam eine dicke weiße Dampfwolke entgegen. Drin war es fast völlig dunkel; ich konnte nicht mal sehen, wie groß der Raum war oder wie viele Leute sich darin aufhielten, und die Hitze war so unerträglich, dass ich es nicht mal in den Raum hinein schaffte sondern die Tür direkt wieder schloss, sehr zur Unterhaltung der teetrinkenden Damen draußen. Sie empfahlen mir, erstmal eine heiße Dusche zu nehmen, und danach ging es tatsächlich besser. Aber mehr als eine halbe Minute am Stück hielt ich nicht aus; die feuchte, aromatisch duftende Hitze war so beißend, dass selbst die Einheimischen sich ihre Handtücher um das Gesicht wickelten und wir alle da saßen wie Mumien. Nach dreimal Dampfgaren fühlte ich mich ausreichend aufgewärmt für eine Massage, die ebenfalls dort angeboten wurde und die wieder recht schmerzhaft (aber zugleich sehr wohltuend) war.

Von Luang Prabang aus machten wir zudem einen Tagesausflug zum Kuang Si-Wasserfall. Dorthin gab es Minibustouren, die aber nicht viel Zeit am Wasserfall ließen. Ein Tuktuk zu zweit wäre zu teuer gewesen, also versuchten wir unser Glück mit einem Sammeltuktuk. Wir liefen von der Touristeninformation durch die Altstadt und hielten nach Tuktuks Ausschau, in denen vielleicht schon jemand saß, aber alle waren leer. Wir wollten schon fast aufgeben, als uns ein Fahrer ansprach und sagte, er hätte schon weitere Gäste für die Tour und würde um elf losfahren. Wir handelten einen Preis aus, der auch nicht teurer war als die Minibustouren und zudem sicherte der Fahrer uns zu, dass er vor Ort vier Stunden warten würde. Umso besser. Wir belohnten uns und füllten die Wartezeit bis elf Uhr mit einem Snack am Crêpe-Stand (Banane-Nutella-Erdnussbutter ist die Beste Mischung der Welt) und als wir uns dann am Tuktuk einfanden, das ein umgebauter kleiner Lieferwagen war, hatte der Fahrer tatsächlich acht Leute zusammen bekommen.

Die Fahrt dauerte etwa eine Dreiviertelstunde. Bevor man den eigentlichen Wasserfall erreichte, führte der Weg vom Parkplatz aus erst einmal durch eine Auffangstation für Kragenbären (auch Mondbären genannt), die aus den Händen von Wilderern befreit wurden und nun dort gepflegt werden. Die Bärengehege erinnerten an den Pandapark in Chengdu; die Bären hatten relativ viel Platz im Grünen, viel Spielzeug und waren sehr aktiv.

Kragenbär

Von dort gelangten wir über einen Waldweg an den Fuß des Kuang Si-Wasserfalls. Dieser fällt in unzähligen Stufen und Kaskaden ins Tal, einige mehrere Meter hoch, andere nur so hoch wie Treppenstufen. Da das Wasser sehr mineralhaltig ist, hat es eine milchig-blaue Farbe, die im sonnenbeschienenen Dschungel einfach paradiesisch wirkt. In einigen der natürlichen Pools konnte man baden, was wir uns aber in Anbetracht der relativ kühlen Temperaturen/ Blutegel/ Massen anderer Touristen verkniffen. Wir folgten dem Wasser fluss- (oder sollte man sagen fall-)aufwärts bis zum Hauptwasserfall, der gut und gern 80 Meter hoch war und uns definitv als einer der schönsten Wasserfälle, die wir je gesehen haben, in Erinnerung bleiben wird. Man konnte sogar noch an der Seite des Wasserfalls durch den Wald nach oben steigen und hatte von dort einen tollen Blick auf die umliegenden Berge. Anschließend besuchten wir noch einen Schmetterlingsgarten am Fuße des Wasserfalls, der von einem holländischen Paar geführt wird, die ihr komplettes Leben zuhause aufgegeben und ihr ganzes Hab und Gut verkauft haben, um sich ihren Traum von diesem Park zu erfüllen. Nach den Horden von Touristen war der Schmetterlingspark eine Oase der Ruhe und als Bonus gab es noch eine gratis Fischmassage für die Füße in einem natürlichen Wasserbecken.

Kuang Si-Wasserfall

Kuang Si-Wasserfall

Von Luang Prabang aus machten wir uns auch auf den Weg zu unserem letzten Reiseabschnitt in Laos. Bis zur thailändischen Grenze in Houay Xay/Chiang Khong kann man nämlich mit dem Boot auf dem Mekong fahren. Es gibt dazu zwei Möglichkeiten: das Speed Boat – ein Motorboot, das die Strecke in sechs Stunden schafft, während derer man mit Rettungsweste und Helm ausgerüstet in der prallen Sonne brutzelt, vom Motorenlärm taub wird und hofft, keinen Felsen zu rammen – oder das Slow Boat, für welches wir uns entschieden, da uns unser Leben und Gehör lieb sind.

Das Slow Boat ist ein sehr großes Long Boat, das gut und gern fünfzig Passagieren und deren Gepäck Platz bietet, über Toiletten und einen Imbiss verfügt und außerdem überdacht und daher schattig ist. Alles viel komfortabler, dafür ist man aber zwei Tage lang je neun Stunden unterwegs und übernachtet zwischendurch in einem Dorf auf halber Strecke. Was soll’s, wir haben Zeit, und für längere Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln sind wir mittlerweile Profis. Dieser Blog heißt nicht umsonst so wie er heißt. 😉

Da zum einen die Ticketbuchung über das Hostel nur mit Aufpreis möglich gewesen wäre und es zum anderen online kaum Übernachtungsmöglichkeiten für das Dorf unterwegs zu buchen gab, entschieden wir uns für eine 100% Freestyle-Variante und buchten gar nichts, sondern fuhren früh einfach zum Bootspier. Alles kein Problem, das Ticket war sogar noch günstiger als gedacht und das Boot war alles andere als ausgebucht. Wir hatten jeder eine Zweierbank für uns und dazu noch einen Tisch in der Mitte auf den wir die Berge von Bananen, Mandarinen, Drachenfrüchten, Muffins, Keksen und Kräckern packen konnten, mit denen wir uns sicherheitshalber ausgestattet hatten. Neun Stunden sind lang.

Die Bootsfahrt war traumhaft schön. Das Flussufer war von grünem Dschungel und hohen, steilen Bergen gesäumt. Manchmal sahen wir andere Boote, oder kleine Dörfer am Ufer, oder Wasserbüffel, die sich im Fluss abkühlten. Ab und an fuhr das Boot dicht an die Sandbänke oder Felsen am Ufer, damit Einheimische aussteigen konnten. Diese verschwanden dann rasch im Dschungel und durch das Grün konnte man die Hütten ihrer Dörfer gerade so erkennen.

Alles in allem war es ein wunderbar entspannter Tag und erinnerte uns sehr an die Tage in der Transsib. Wir waren echt froh, dass wir noch einen weiteren Tag vor uns hatten voll Sonnenschein, frischer Luft und nichts zu tun als die wunderschöne Landschaft zu genießen, zu lesen, ab und zu ein Nickerchen zu halten und uns durch unsere Vorräte zu futtern – neun Stunden können dafür gar nicht lang genug sein.

Slow Boat auf dem Mekong – wunderschöne Aussicht …

… Lektüre und leckere Snacks 🙂

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir das Dorf Pakbeng, wo schon einige Slow Boats aus der Gegenrichtung am Pier lagen und ein Dutzend Einheimischer versuchte, Gäste für ihre jeweiligen Guesthouses zu gewinnen. Wir ließen sie stehen und liefen selbst ins Dorf – vom Pier keine Minute entfernt – wo wir uns im erstbesten einquartierten. Vermutlich boten sie ohnehin alle das gleiche zu den gleichen Preisen an. Pakbeng lebt davon, die Durchgangsstation der Slow Boats zu sein; neben den unzähligen Übernachtungsmöglichkeiten gab es natürlich auch an Restaurants keinen Mangel. Darüber hinaus bot so ziemlich jedes Guesthouse und Restaurant am nächsten Morgen auch noch frisch gemachte Sandwiches und anderes Essen zum Mitnehmen an, alles bestens organisiert.

Am nächsten Morgen mussten wir uns ein neues Bootsticket kaufen, da es diese immer nur für eine Tagesstrecke gab und wir am Vortag daher nur bis Pakbeng gelöst hatten. Leider konnten wir unsere Fahrt nicht mit dem bequemen Boot vom Vortag fortsetzen. Alle Slow Boats sind Privatboote und die Fahrer wechseln sich ab, damit alle mal drankommen. Dieses Boot hatte nun ausrangierte Bussitze statt Bänken und auch keine Tische, aber zeitiges Kommen sichert ja bekanntlich gute Plätze und da wir auf wundersame Weise mal die ersten waren (lag vielleicht daran, dass wir so nah am Pier übernachtet hatten), konnten wir uns immerhin zwei Doppelsitze zurechtschieben und uns gegenüber sitzen.

Diesmal trafen wir auf dem Boot ein bekanntes Gesicht: Milène, die Französin, die mit uns in Phonsavan auf der Tour zu den Steinkrügen gewesen war (und die zuvor schon in Luang Prabang im selben Hostel wie wir untergekommen war, die Welt ist klein). Sie hatte etwas mehr Zeit in Pakbeng verbracht und dort noch Ausflüge unternommen und fuhr nun ebenfalls nach Houay Xay.

Auch am zweiten Tag war die Fahrt wieder herrlich, aber als der Fluss nach einer Rechtsbiegung die Grenze zu Thailand erreichte, der wir fortan folgten, standen die Unterschiede zwischen den beiden Ländern drastisch heraus. Sah man auf laotischer Seite hier und da ein Dorf mit überwiegend hölzernen Stelzenhäusern, Wasserbüffel an der sandigen Uferböschung und ansonsten nur Dschungel, war das Ufer auf thailändischer Seite befestigt und die Häuser waren richtige moderne Villen.

Kurz vor Houay Xay fuhren wir unter der Friendship Bridge hindurch, über die wir am nächsten Tag die Grenze passieren würden. Im Ort angekommen liefen wir wieder los und fragten in zwei, drei Hotels nach den Preisen um uns dann für das zweitgünstigste zu entscheiden – im günstigsten gab es gerade keinen Strom. In unserem fiel zwar auch kurze Zeit später der Strom aus – leider nachdem wir schon bezahlt hatten – aber dank „fachmännischem“ Herumgewerkel an der Oberleitung direkt neben dem Gebäude, wobei drei oder vier Männer vom Dach eines Pick-ups auf den Masten kletterten und irgendetwas machten, konnte der Schaden im Laufe des Abends noch behoben werden.

Und am darauffolgenden Morgen war es Zeit, Abschied von Laos zu nehmen… aber dazu erzählen wir euch im nächsten Beitrag.