Auf zu neuen Ufern

So, ihr Lieben, wir bitten euch vielmals um Entschuldigung für alle euch entstandenen Sorgen oder Langeweile; oder vielleicht habt ihr uns auch inzwischen längst vergessen, was in Anbetracht dieser sträflich langen Sendepause auch verständlich wäre. Die Wlan-Situation ist leider mit der in Südostasien nicht zu vergleichen, und wir haben in den letzten Wochen fast nie Internet für den Laptop gehabt, um zu bloggen. Aber heute, heute ist es soweit. Darum nun hier der am 5. Juli geschriebene und am 12. Juli hochgeladene neueste Eintrag…

5. Juli 2017, Ohakune/Nordinsel

Nach einer eher kühlen Nacht in Murchison, einem Kaff inmitten tiefer, bewaldeter Täler, dessen Campingplatz direkt neben dem Friedhof lag, fuhren wir nach Norden in den Abel Tasman-Nationalpark. Wir unterschätzten etwas die Topografie der Gegend; der Nationalpark ist für seine goldenen Buchten bekannt und wir waren etwas überrascht, dass die Fahrt über eine der serpentinenreichsten Straßen führte, die uns auf der Südinsel untergekommen war. Wir statteten den Pupu Springs einen Besuch ab (der volle Name lautet Te Waikoropupu Springs), ein heiliger Ort für die Maori aufgrund seines unglaublich klaren Wassers, das inmitten eines stillen Sees aus den Tiefen heraufsprudelt. Wissenschaftler haben berechnet, dass die Reinheit der Quelle fast der destillierten Wassers gleichkommt.

Auf der Fahrt von Murchison nach Norden

Die Pupu Springs

Die Nacht auf dem Campingplatz im nahe gelegenen Takaka war eine kalte, denn die Küche war offen und entsprechend gab es nichts zum Heizen – also bibbernd kochen, schnell essen und dann zeitig mit Wärmflasche ins Bett.

Das Wetter war leider am nächsten Tag durchwachsen. Wir fuhren zum nördlichsten Punkt der Insel, dem Farewell Spit, einer sandigen Landzunge, die mehrere Kilometer ins Meer ragt und als Vogelparadies unter Naturschutz steht. Von einem Aussichtspunkt meinten wir, die Nordinsel sehen zu können, waren uns aber nicht sicher. Danach fuhren wir wieder über den unglaublich kurvenreichen Pass vom Vortag, blieben eine Weile hinter einer Kuhherde hängen, die gerade die Straße entlang zu einer neuen Weide getrieben wurde und manövrierten dann auf noch engeren und kurvigeren Straßen an der Küste des Abel Tasman-Nationalparks entlang zu zwei kleinen Dörfchen – Marahau und Kaiteriteri und dazwischen noch zum Split Apple Rock, einem Felsen in einer pittoresken, kleinen Bucht, der ein bisschen an Tells Apfel erinnert. Der Sand der Bucht war an der Oberfläche schwarz, doch wenn man etwas mit dem Fuß grub, wurde der darunter golden.

Der Farewell Spit

Die Herde erstreckte sich über mehrere Hundert Meter und erinnerte an eine Demonstration…

Der Strand in der Split Apple Bay

Unschwer zu erkennen, wie der Split Apple Rock zu seinem Namen kam…

In Motueka fanden wir einen kleinen Campingplatz zwischen einem Motel und einer Kiwiplantage. Diese Bildungslücke ist nun auch geschlossen: Kiwis wachsen an Bäumen wie Äpfel. Und nein, wir haben keine geklaut. Wir kauften stattdessen im nahe gelegenen Warehouse (so eine Mischung aus KiK und Ikea) eine neue Theromoskanne, da unsere einmal umgefallen und prompt innen gesplittert war. Es war wohl nicht unser Tag, denn beim Parken auf dem Campingplatz brach außerdem das Gehäuse des Autoschlüssels, sodass er sich nur noch sehr wackelig drehen und kaum aus der Zündung ziehen ließ. Also statteten wir gleich am nächsten Tag noch dem Schlüsseldienst einen Besuch ab und bekamen einen neuen Schlüssel angefertigt, natürlich nicht ohne vorher bei Spaceships anzurufen und die Genehmigung einzuholen. So langsam wird es uns peinlich, so oft wie wir schon da anrufen mussten… Zumindest hielten wir während der Wartezeit einen sehr netten Plausch mit der Schlosserin und ihren Kunden. Die Kiwis sind wirklich sehr gesprächig und nehmen jede Gelegenheit für einen Plausch wahr.

Das Wetter war sehr regnerisch geworden, also beschlossen wir, den Tag im Städtchen Nelson zu verbringen. Das Provinzmuseum bot relativ kostengünstige Beschäftigung im Trockenen und so erfuhren wir allerlei über die Region und ihre Siedler. Dazu gab es noch eine sehr interessante Sonderausstellung über die Erfindungen von Leonardo da Vinci, nach deren Besuch wir zu dem Schluss kamen, dass der Mann von Robotern und dem Fahrrad über Fluggeräte und Tauchausrüstung bis hin zu Panzern so ziemlich alles an Gerätschaften erfunden hat, die wir heutzutage nutzen. Zum Mittagessen holten wir uns an einem Straßenstand (der erste Straßenstand, den wir in Neuseeland sahen) eine sehr üppig gefüllte Backkartoffel – mit Sour Creme, Senf, Chilisauce, Reibekäse und Krautsalat – klingt nach einer seltsamen Mischung, schmeckte aber erstaunlich gut zusammen.

Das Zentrum von Nelson

Am nächsten Tag führte uns die Fahrt durch die malerischen Marlborough Sounds auf weiteren gewundenen Küstenstraßen nach Waikawa etwas außerhalb von Picton, wo die Fähre zur Nordinsel ablegt. Wir verbrachten einen ruhigen Nachmittag in der einzigen Lokalität am Hafen, die Sportbar, Café und Restaurant in einem war, gönnten uns einen Kaffee und schrieben ein paar Postkarten, und das war das letzte, was wir auf der Südinsel taten.

In den Marlborough Sounds

Der Hafen von Waikawa war sozusagen völlig  zugeparkt.

Am nächsten Morgen fuhren wir die fünf Minuten zurück nach Picton und reihten uns in die lange Warteschlange der Interislander-Fähre ein. Die Tickets hatten wir ein paar Tage zuvor telefonisch gebucht, was auch gut war, denn die Fähre schien voll zu werden. Bei der Konkurrenz Blue Bridge hatte es für die Vormittagsüberfahrt schon gar keine Plätze mehr gegeben, obwohl beide Firmen mehrmals täglich hin und her fahren. Das Boarding verlief sehr einfach; jede Menge Personal half auf dem Autodeck beim Einparken, damit kein Platz verschenkt wurde, und dann suchten wir uns auf einem der zwei Innendecks eine gemütliche Ecke mit Sesseln am Fenster, packten unsere neue Thermoskanne und Sandwiches aus und ließen es uns gut gehen. Draußen war es trotz schönem Wetter zu kalt, um sich lange aufzuhalten, da der Wind ordentlich pfiff. Nichtsdestotrotz war es eine ruhige Überfahrt; die Cook Strait „benahm sich“, wie es der Kapitän so schön formulierte.

Auf zu neuen Ufern…

Drei Stunden später war die Südinsel hinter dem Horizont verschwunden. Oder im Regengrau. Alle Reisenden und auch alle Neuseeländer, mit denen wir in den letzten viereinhalb Wochen gesprochen hatten, waren sich einig, dass die Südinsel viel schöner sei als die Nordinsel, und als Wellington uns nun mit Regen, Wind und schlechten Kritiken teurer Hostels grüßte (weshalb wir keins gebucht hatten), befürchteten wir, dass etwas dran sein könnte…

Die wilde Westküste oder Gletscher im Regenwald

25. Juni 2017, Fähre von Picton nach Wellington

Das Blogschreiben ist mit dem Camping nicht so sonderlich gut vereinbar. Man hat – zumindest in so einem kleinen Van wie unserem Capella – nicht gerade viel Auswahl an Sitzmöglichkeiten, weshalb man auf Campingplatz-Küchen oder Cafés angewiesen ist. Erstere sind nicht immer vorhanden, oder nicht beheizt, und man muss spätestens 10:30 Uhr am Morgen abreisen. Letztere kosten Geld für den Kaffee. Daher hängen wir leider ganz schön hinterher. Während ich das schreibe, sitzen wir gerade auf der Fähre zur Nordinsel, und wir haben doch noch sooo viel gesehen im Süden…

Cromwell ist bekannt für Wein- und Obstanbau, wie diese wunderschöne Statue am Stadtrand verdeutlicht. 😉

Allen, die unsere Sorge bezüglich der Schneegrenze teilten, können wir sagen, dass sie zum Glück über Straßenniveau blieb und wir unsere Schneeketten nicht auspacken mussten (Winterreifen gibt es hier nicht). Nachdem sich das Wetter wieder besserte, verließen wir das schöne Cromwell und fuhren ins Hochland zum Mt. Cook, der auf Maori Aoraki genannt wird. Die Fahrt über den Lindis Pass bot leicht vereiste Straßen auf den obersten zwei Kilometern und eine gute Sicht auf die sich verändernde Landschaft des Mackenzie Country, Neuseelands größter Ebene, die östlich der Alpen liegt. Dort sieht es aus wie man sich die Prärie vorstellt, endloses Grasland, gelb und vertrocknet im Winter, ein paar Zäune für Kühe oder Schafe, und in der Ferne ragen die weißen Gipfel der Südalpen auf. Von der Hauptstraße biegt man ab auf die Zubringerstraße zum Mt. Cook, der man noch weitere 60 km folgt, die erste Hälfte davon entlang des Lake Pukaki, der aufgrund seines hohen Mineralgehaltes eine tolle, milchig-blaue Farbe hat. Danach erinnert die Landschaft eher an afrikanische Savanne, mit kleinen dornigen Sträuchern und man nähert sich immer weiter den steilen Bergwänden an.

Am Lindis Pass

Bei allerbestem Wetter unternahmen wir eine kleine Wanderung weiter hinter ins Tal in die Nähe des Gletschers. Dort lag eine dünne Schneedecke auf den Wegen und es war, sobald die Sonne gegen halb vier hinter den hohen Bergen verschwand, eisekalt, aber die Landschaft war beeindruckend. Sir Edmund Hillary trainierte hier für die Besteigung des Mt. Everest.

Im Vordergrund sieht man die Endmoräne des Gletschers und den Gletschersee; Mt. Cook ist der Berg hinten in der Mitte.

Blick über den Lake Pukaki zum Mt. Cook/Aoraki im Sonnenuntergang

Die Nacht verbrachten wir in Twizel auf einem hübschen, kleinen Campingplatz, der sogar einen kleinen Heizlüfter in der Küche hatte; draußen waren es nachts einige Grad unter Null. Den Temperaturen zum Trotz konnten wir am nächsten Morgen wieder eine neuseeländische Kuriosität beobachten: die Tankwartin, bei der wir unseren Sprit bezahlten, fand es zwar auch kalt, was sie aber nicht davon abhielt, kurzhosig zur Arbeit zu gehen. Egal wie kalt, nicht wenige Einheimische tragen kurze Hosen, kurzärmelige Oberteile oder man sieht Kinder barfuß gehen – und an einem warmen Tag sind hier vielleicht 12 Grad in der Sonne. Dafür läuft im Fernsehen Werbung dafür, Erkältung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, da sich daraus rheumatisches Fieber und Herzerkrankungen entwickeln könnten, und Innenausstatter preisen dicke Gardinen als Kälteschutz an – für die einfach verglasten Schiebefenster der nicht isolierten Häuser. Manchmal können wir über die Kiwis nur den Kopf schütteln.

Wir fuhren zurück über den Lindis Pass und weiter nach Wanaka am gleichnamigen See. Nachmittags streckten wir die Beine bei einer kleinen Wanderung zum Lake Diamond aus, einem stillen Weiher etwas außerhalb von Wanaka, wo es einen Aussichtspunkt mit fantastischer Sicht über den Lake Wanaka und die umgebenden Berge gab. Dies ist definitiv einer der allerschönsten Gegenden Neuseelands. Der nahe gelegene Campingplatz direkt am Seeufer war riesig und die Eigentümerin erzählte uns, dass dort im Sommer nicht ein freier Stellplatz zu bekommen ist. Wir waren aber im Winter mal wieder fast die einzigen, machten es uns abends am Kamin gemütlich und wachten früh zum Sonnenaufgang über dem See auf. 🙂

Aussicht über den Lake Wanaka

Von Wanaka aus führte uns die Fahrt über den Haast Pass, der im Wesentlichen eine schier endlose Straße durch dichten Wald ist; so richtig ins Gebirge kommt man gar nicht, sonder fährt mehr oder weniger im Tal am Fluss entlang auf die andere Seite. Und dort ist man auf einmal wieder in einer völlig anderen Welt: an der Westküste mit ihren steilen Berggipfeln, immergrünen Regenwäldern und rauen Stränden – selbst für neuseeländische Verhältnisse eine einsame Gegend. Dafür ist die Landschaft atemberaubend.

Wieder am Meer

Wir fuhren bis zum Franz Josef-Gletscher, tatsächlich benannt nach dem Kaiser, und übernachteten auf einem Campingplatz der etwas anderen Art. Im Rainforest Retreat war jeder Stellplatz von dichtem Grün umgeben, eine sehr friedliche Atmosphäre. In der Lounge gab es einen Kamin, der mit Gas betrieben wurde – die Flammen züngelten an Holzscheit-Imitaten hoch und wurden auf Knopfdruck gezündet, was wenig romantisch klingt, dafür aber viel mehr Wärme entwickelt – und obendrein konnte man einen kleinen Hotpool kostenlos nutzen (im Prinzip ein Whirlpool ohne Blubbern), was wir dann abends auch taten, um uns herum der Wald und über uns die Sterne. So kann man es sich gut gehen lassen – so gut, dass wir die nächste Nacht noch einmal hier verbrachten.

Capella im Rainforest Retreat

Tagsüber besuchten wir den nicht weit entfernten Fox-Gletscher, der leider kein besonders spektakulärer Anblick war. Dafür machten wir dann noch einen Ausflug zum Gillespies Beach, wohin eine 12km lange, holprige Schotterpiste führte – Fahrspaß pur, und das ist nicht ironisch gemeint. Und es lohnte sich auch wirklich. Wir waren die einzigen Menschen weit und breit und wanderten durch die Dünen zum Strand und weiter bis zur Lagune. Riesige Wellen rollten schaumgekrönt an den schwarzen Kieselstrand, wo wir eine ganze Weile damit verbrachten, nach besonders schönen Steinen zu suchen, von denen es unendlich viele gab. Nebenbei machten wir Bekanntschaft mit einer neuseeländischen Strandplage: Sandfliegen. Kaum größer als Eintagsfliegen sind diese blutrünstigen kleinen Monster sogar noch perfider als Mücken: sie kriechen auch in Ärmel und Hosenbeine und stechen gezielt in Adern – auf ein und derselben Stelle am Handrücken hatte ich im Nu fünf Stiche, während Kathrin mal wieder auf wundersame Weise verschont blieb.

Blick vom Gillespies Beach über die Lagune zum Mt. Cook und seine Nachbarn

Am nächsten Tag liefen wir durch das Tal des Franz Josef-Gletschers; aus Sicherheitsgründen durfte man aber nicht näher als 750 Meter an den Gletscher heran. Dennoch war der Gletscher viel schöner anzusehen als sein Nachbar Fox, die Spalten leuchteten eisblau in der Sonne und auf dem Weg sahen wir sogar ein Possum (auf Deutsch Fuchskusu, ein aus Australien eingeschlepptes Beuteltier), das sich an den Blättern eines Busches gütlich tat und nicht das kleinste bisschen Angst vor uns zeigte. Das war uns dann aber nicht ganz geheuer und wir hielten lieber etwas Abstand – normalerweise sind Possums scheu und nachtaktiv und sollten Menschen nicht so nahe kommen; vielleicht war es krank. Oder es hatte einfach Appetit auf einen „Mitternachtsimbiss“.

Gestatten, Franz Josef.

Danach fuhren wir weiter die Küste hoch, machten noch einen Abstecher an den treibgutübersäten Strand von Okarito, wo es aber leider anfing zu regnen, und erreichten schließlich Hokitika, die erste größere Ortschaft seit Wanaka. Nach Hokitika fährt sogar die Eisenbahn und man muss an den zahlreichen Bahnübergängen aufpassen. Natürlich muss man überall auf der Welt an Bahnübergängen aufpassen, aber die um Hokitika setzen dem ganzen noch die Krone auf: an einer Stelle führt die Bahnstrecke mitten durch einen Kreisverkehr und als ob das noch nicht genug wäre, teilt man an anderer Stelle eine einspurige Brücke mit dem Gleis und damit auch mit dem Zug. Wir haben keine Ahnung, wie das funktioniert und waren einfach heilfroh, dass gerade kein Zug kam, denn es ist dort die einzige Straße.

Unglaublich aber wahr…

Trotz Nieselregen unternahmen wir abends noch einen kurzen Ausflug zu einer Glühwürmchen-Grotte am Stadtrand. Man brauchte natürlich eine Taschenlampe für den Weg und am Ziel angekommen, als wir die Lampen ausschalteten und sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sahen wir hunderte leuchtende Punkte um uns herum an den Wänden wie Sterne. Es war weniger eine Grotte als viel mehr ein sehr enges, kleines Tal, und die Glühwürmchen waren auch eigentlich keine Glühwürmchen sondern die Larven, die leuchtende, klebrige Fäden spinnen, um damit Insekten als Beute anzulocken.

Am darauffolgenden Tag war das Wetter leider immer noch verregnet, sodass wir die Zeit in Hokitika verbrachten. Unser erster Stopp war dabei wieder einmal eine Autowerkstatt. Einige Tage zuvor war ein seitliches Stück der Plastikverkleidung, die um die Heckscheibe läuft und an der auch die dortigen Gardinen befestigt sind, abgefallen, soweit wir feststellen konnten ohne Grund. An sich war das nicht weiter schlimm, aber nun bemerkten wir, dass der oberer Teil der Verkleidung ebenfalls begann, sich zu lösen. Eine neue Schraube und zwei Minuten relativ grobes Einschlagen auf die losen Teile seitens des Reparateurs später war alles wieder fest und wir suchten uns im Zentrum einen Parkplatz und bummelten durch das Städtchen, das vor allem für seine Jadeindustrie berühmt ist. Eine Werkstatt und ein Laden am anderen verkaufen die wunderschönen, traditionellen Maori-Schmuckstücke. Kathrin wurde fündig und kaufte sich eine Kette, und wir gönnten uns dazu noch ein Mittagessen in einem der Cafés. Als es nachmittags etwas aufklarte, fuhren wir zur Hokitika Gorge, die für die intensiv-blaue Farbe ihres Wassers berühmt ist, aber aufgrund des vielen Regens war das Wasser leider eher braun.

Im Zentrum von Hokitika, für Südinsel-Verhältnisse schon eher eine größere Stadt

Im letzten Tageslicht fuhren wir noch bis nach Punakaiki zu einer kuriosen Felsformation an der Küste, die sich die Pancake Rocks nennt und ein bisschen aussieht wie die Felsen der Sächsischen Schweiz, nur eben aus pancakes (Eierkuchen, für die Sachsen unter euch, für den Rest Pfannkuchen). Es war schon zu dunkel, um die Form der Felsen noch zu bewundern, aber da gerade Flut war, wollten wir sehen, wie es die Gischt durch die Spalten nach oben drückte. Mit Taschenlampe ausgerüstet liefen wir bis zum Aussichtspunkt am Blowhole, wo das Meer mit unvorstellbarer Kraft in die felsige Öffnung brandete – teilweise donnerte es ohrenbetäubend und wir spürten sogar die Vibrationen im Felsen! Es war direkt ein bisschen unheimlich, so in der Fast-Dunkelheit. Hinter uns konnten wir gerade noch die Wolken am Horizont über dem Meer ausmachen und im letzten Abendlicht ließ sich nicht mehr unterscheiden, wo die Wolken aufhörten und das Meer anfing – es war, als ob man über ein endloses Wolkenmeer blickte, einfach magisch.

Eine Oase in der Wüste Marokkos? Nein, einheimische Nikau-Palmen im Dunst der Gischt.

Die Pancake Rocks

Am nächsten Morgen schauten wir uns die Pancake Rocks noch einmal bei Tageslicht an, wo sie nicht minder gewaltig wirkten. Soviel Gischt spritzte an den Felsen und den Klippen nach oben, dass die gesamte Küstenlinie im Dunst lag. Eigentlich hatten wir damit gesehen, was wir in Punakaiki sehen wollten, aber die freundliche Campingplatz-Betreiberin hatte uns am Vorabend noch eine Karte mit Ausflugstipps gegeben und Fotos in einem Bildband gezeigt. Die Orte sahen wirklich schön aus und hatten uns neugierig gemacht, und so wanderten wir zuerst ins Tal des Pororari River, der sich zwischen senkrechte Felswände gegraben hat und an dessen Ufer der urzeitlichste Regenwald wuchs, den wir je gesehen haben. Wäre uns dort ein Dinosaurier begegnet, hätte es uns nicht im geringsten gewundert. Die Landschaft war ein Traum und wir liefen viel weiter als wir eigentlich vorgehabt hatten, da wir uns einfach nicht satt sehen konnten. Während wir nach der Wanderung noch ein kurzes Mittagessen im Auto aßen, beobachteten wir einen Weka (eine bedrohte, flugunfähige Vogelart), der neugierig um unser Auto spazierte, vielleicht auf der Suche nach etwas glänzendem; Wekas sind in dieser Hinsicht wie Elstern.

Der Pororari River Track

Ein Weka

Danach folgten wir noch dem Truman Track bis an eine steile Klippe am Strand, die über die Jahrtausende hinweg vom Meer in einem weiten Bogen ausgewaschen worden war. Da gerade Ebbe war, konnten wir am Strand entlang gehen, sahen sogar einen Wasserfall von der Klippe stürzen und bestaunten die Seetangreste, die das Wasser angespült hatte. Auf einer Informationstafel hatten wir gelesen, dass der hiesige Seetang sich so fest am Gestein der Klippen verwächst, dass er in der Meeresbrandung binnen einer Sekunde von 0 auf 140 km/h beschleunigen kann, und wenn die Flut doch einmal zu stark zieht, dann reißt nicht der Seetang von den Felsen ab, sondern ein Teil des Gesteins bricht ab und wird mit weggerissen. Wer hätte gedacht, dass Seetang so beeindruckend sein kann…

An der Küste war es tatsächlich zu sonnig, um ein gutes Foto von den Klippen zu machen, daher hier als Entschädigung ein Foto vom Weg dorthin.

Danach ließen die Westküste hinter uns und machten wir uns auf den Weg zurück ins Inland…

Unterwegs auf Southern Scenic Route

16. Juni 2017, Franz Josef Glacier

Beflügelt durch all eure netten Kommentare wollen wir doch mal weiter erzählen von unserem Road Trip durch das winterliche Neuseeland.

Irgendwann wurde es leider doch mal Zeit, unserem Lieblingskater Cheeto Lebewohl zu sagen und weiter auf der Southern Scenic Route zu fahren, wo wir sie schon einmal gefunden hatten. Schon kurz hinter Riverton sahen wir die ersten hohen, schneebedeckten Berge in der Ferne aufragen und ab da wurde die Landschaft einfach großartig. Wir machten uns auf den Weg ins Fiordland und schafften es in ein paar Stunden bis nach Te Anau, dem Ausgangspunkt zum Milford Sound. Da wir gut vorangekommen waren und noch Zeit hatten, besuchten wir eine Vogelauffangstation am Ufer des Lake Te Anau, wo wir einige einheimische und zum Teil von Natur aus flugunfähige Vögel sehen konnten. Dann tankten wir noch einmal voll, bevor wir unsere Fahrt zum Milford Sound fortsetzten, denn von Te Anau aus sind es 120km Fahrt pro Richtung und es kommt danach keinerlei Infrastruktur mehr.

Ein Takahe – vom Aussterben bedroht, da er aufgrund seiner Flugunfähigkeit leichte Beute für eingeschleppte Raubtiere ist.

Trotz Wolken war die Landschaft traumhaft schön und wir mussten immer wieder anhalten, um zu fotografieren. So schafften wir es im letzten Tageslicht auf den Campingplatz Gunn’s Camp, der nur 20km vom Fjord entfernt in einem grünen Tal mit steilen Wänden liegt. Dort schien die Zeit ein bisschen stehen geblieben zu sein. Handynetz oder Internet gab es dort natürlich nicht, aber es gab auch kein Festnetztelefon, mit dem wir eine Kreuzfahrt auf dem Fjord hätten buchen können, also mussten wir am nächsten Morgen auf gut Glück hinfahren. Das warme Wasser kam aus einem mit Feuer beheizten Boiler und der Strom von einem Generator, der sich abends halb zehn abschaltete, sodass man danach im Dunkeln saß. Es war aber tatsächlich viel schöner als es klingt, denn das Feuer im Kamin brannte ja weiter, sodass es weiterhin warm und gemütlich im Aufenthaltsraum war, und draußen sah man, wenn man den Kopf in den Nacken legte, die schneebedeckten Berggipfel im Lichte des Fast-Vollmondes schimmern, und zu alledem rauschte im Tal ein klarer Fluss. Es war sehr romantisch.

Der Milford Sound ist der einzige Fjord, zu dem eine Straße führt.

Ganz unten im Tal der kleine weiße Punkt, das ist Gunn’s Camp.

Am nächsten Morgen fuhren wir rechtzeitig los, um die Kreuzfahrt, die wir uns ausgesucht hatten, noch vor Ort buchen zu können. Rechtzeitig hieß, für die letzten 20 km eine Stunde einzuplanen. Erstens war die Straße stellenweise überfroren, und es war ja auch nicht gerade eine Autobahn, sondern eher eine Hochalpenstraße, durch deren Serpentinen man auch im Sommer höchstens mit Tempo 30 fahren kann. Zweitens brauchten wir wieder einige Fotostopps, wobei wir zumindest beim ersten nicht lange verweilten, denn schon bei der Einfahrt auf den Parkplatz sahen wir die gar nicht mal so kleinen Satansbraten lauern: Keas. Von diesen schlauen Bergpapageien haben bestimmt die meisten schon einmal gehört, und bei meiner letzten Neuseelandreise hatten sie innerhalb von Sekunden sauber die Antenne vom Autodach abgeschraubt (ja, geschraubt!). Ihr Anblick, wenn auch noch so niedlich, verhieß daher leider nichts gutes für unseren Capella, und wir hatten auch wirklich kaum angehalten, als schon zwei der Experten auf unserem Dach landeten und fachkundig anfingen, die Dichtungsgummis aus den Türen zu hacken. Also schnell ein paar Bilder geknipst, zurück ins Auto und wieder ab auf die Straße… nur, dass das leider nicht viel half. Die Biester blieben einfach dreist auf dem Dach sitzen und fuhren noch gute hundert Meter mit! Erst, als wir etwas schneller fuhren, hoben sie ab und suchten sich ein neues Opfer…

Sieht niedlicher aus als es ist…

Am Milford Sound angekommen, parkten wir auf einem riesigen Parkplatz, dessen Größe erahnen ließ, welche Massen hier im Sommer abgefertigt werden müssen. Es waren jedoch nicht viel los, einer der Vorteile der Nebensaison, und im Besucherzentrum sahen wir nur eine Handvoll anderer Touristen. Es war kein Problem, die Schiffstour zu buchen, die wir uns ausgesucht hatten. Go Orange war mit Abstand der günstigste Anbieter und letztendlich sieht der Fjord ja von jedem Schiff gleich aus. Es sollte sogar noch ein kleines Frühstück bestehend aus Sandwich und einem Saft inklusive sein.

Halb elf ging die Fahrt los, es hatten sich tatsächlich noch ein paar weitere Passagiere eingefunden, insgesamt vielleicht 30 Leute. Wir waren überrascht, dass wir nicht das orangefarbene Schiff nahmen, sondern das des größten Anbieters vor Ort, dessen Touren sicher um einiges mehr gekostet haben. Vermutlich gehört „unsere“ Firma dazu und es lohnt sich im Winter einfach nicht, mit zwei Schiffen zu fahren, wenn kaum genug Gäste für eines zusammenkommen. Aber uns war es ja einerlei; wir standen ab da die meiste Zeit draußen an Deck, um die atemberaubende Landschaft so nah wie möglich zu sehen, auch wenn wir im Wind und Regen ganz schön bibberten. Als wir uns drin aufwärmten, waren wir allerdings doch sehr froh, dass wir mit dem schicken Schiff fahren durften. Es gab nämlich nicht nur Tee und Kaffee umsonst und soviel man wollte – wunderbar zum Aufwärmen der klammen Finger – sondern das versprochene Frühstück entpuppte sich als ein ganzer Karton voller Snacks, von einem Sandwich über Chips, Schokolade und Nüssen bis hin zu einem Apfel und einer Flasche Wasser. So ließ es sich aushalten.

Nebenbei erklärte der Skipper viel Wissenswertes zur Umgebung, die Namen der Berge, Täler und Wasserfälle. Wir erfuhren, dass Fjorde von Gletschern geformt werden und Sounds von Flüssen, und dass der Milford Sound daher eigentlich ein Fjord ist. Das wussten die ersten Europäer, die ihm diesen Namen gaben, allerdings noch nicht und später wollte man den Namen nicht mehr ändern. Ist vielleicht auch besser so, Milford Fjord klänge ja auch nicht so schön. Auf Maori, der Sprache der allerersten polynesischen Siedler heißt der Fjord übrigens Piopiotahi. Außerdem machte der Skipper uns auf verschiedene Tiere aufmerksam, unter anderem über uns segelnde Albatrosse und Robben, die verschlafen auf Felsen am Rande des Fjordes lagen. Trotz dem durchwachsenen Wetter war es eine sehr lohnenswerte Kreuzfahrt.

Mitre Peak, das Wahrzeichen des Milford Sounds

Nach uns fuhr noch ein weiteres Schiff, das einen guten Größenvergleich abgab.

Der Wasserfall war so hoch wie ein fünfstöckiges Hochhaus – im Bild darüber (mit dem Schiff) seht ihr ihn links in den Fjord stürzen.

Danach fuhren wir den ganzen Weg wieder zurück nach Te Anau, und da wir dort nicht übernachten wollten, noch zu einem kleinen Ort namens Athol, der auf der Strecke nach Queenstown lag, unserem nächsten Ziel, das wir dann am nächsten Vormittag erreichten. Queenstown ist wunderschön an einem riesigen See namens Wakatipu gelegen und markiert auch das Ende (oder den Anfang) der Southern Scenic Route. Es ist so eine Art Mekka der Südinsel, es gibt wahrscheinlich keine Outdoor-Aktivität, der man dort nicht frönen könnte, und auch ansonsten richtet sich das Städtchen verstärkt an die zahlungskräftigen Reisenden – selbst einen Luis Vuitton-Laden gibt es hier!

Wir machten einen kleinen Spaziergang durch den Botanischen Garten und das Stadtzentrum, aber es war uns insgesamt zu hektisch und dicht gedrängt. Wir aßen einen sehr leckeren Burger bei Fergburger, was ein obligatorischer Stopp ist, wenn man schonmal in Queenstown ist (immerhin mussten wir nur eine Viertelstunde warten, bis unsere Bestellnummer aufgerufen wurde) und kauften dann noch Fudge im Remarkable Sweet Shop ein (der seinen Namen nicht nur der Qualität der Süßwaren sondern in erster Linie seiner Lage im Schatten der Remarkables, einer Bergkette, verdankt). Danach suchten wir das Weite und fuhren weiter am See entlang bis nach Glenorchy, wo ein paar Szenen aus Herr der Ringe gedreht wurden. Bis zu den Drehorten kommt man leider nur mit Geländewagen, aber die Landschaft war überall wunderschön und wir hatten allerbestes Wetter.

Lake Wakatipu bei Glenorchy

Die Nacht verbrachten wir in Arrowtown, einem kleinen Städtchen nicht allzuweit von Queenstown entfernt, da es dort etwas günstiger war. Dennoch endeten wir auch dort auf einem dieser nullachtfuffzehn Holiday Parks, die alle gleich aussehen und sich eher an große Wohnmobile richten. Wir bekamen einen Stellplatz am Ende des Parks, ziemlich weit von Küche und Sanis, zugeteilt obwohl viele Plätze noch frei waren. Immerhin gab es eine halbwegs warme Küche, die wir nur mit einer chinesischen Familie teilten, welche eine unglaubliche Menge Essen zubereitete. Die chinesischen Camper scheinen zu jeder Mahlzeit richtig groß zu kochen, das ist uns schon auf anderen Plätzen aufgefallen.

Gerade in Arrowtown gab es auffällig viele chinesische Touristen, was aber vermutlich mit dem chinesischen Erbe des Goldgräberstädtchens zu tun hat. Am nächsten Morgen besichtigten wir das chinesische Viertel, das ich mir als eine Art China Town vorgestellt hatte, aber weit gefehlt. Als Mitte des 19. Jahrhunderts Gold auf der neuseeländischen Südinsel gefunden wurde, kamen auch viele chinesische Einwanderer, die ihr Glück suchten. Sie fanden Gold, wo die Europäer schon längst aufgegeben hatten und wohnten in erbärmlichen, winzig kleinen Hütten, deren Überreste man in Arrowtown noch sehen konnte. Wenn sie genug Gold gefunden hatten, kehrten sie nach China zurück, um ihre Familien zu unterstützen, aber viele schafften es nicht oder blieben aus anderen Gründen in Neuseeland. Wir hatten großen Respekt für diese Siedler, die unter solch unvorstellbaren Bedingungen lebten und trotz all ihrer harten Arbeit von den Europäern verachtet und ausgegrenzt wurden.

Diese war bei weitem nicht die kleinste der Hütten.

Die Hauptstraße von Arrowtown versprüht noch echten Wild West-Charme.

So süße Schaufenster…

Die ganze Umgebung war einst Goldgräberland, und auch im nicht weit entfernten Cardrona spürte man noch so richtig den Wild West-Charme des 19. Jahrhunderts. Der Ort besteht heute aus kaum mehr als dem legendären Hotel, das sich zumindest äußerlich seit 150 Jahren kaum verändert zu haben scheint. Die Fahrt über den Crown Range-Pass bot eine tolle Sicht auf Queenstown mehr als 500 Meter unter uns und wir sahen sogar aus der Vogelperspektive ein Flugzeug am internationalen Flughafen von Queenstown landen. Im Cardrona Hotel tranken wir einen Mochaccino und machten danach noch einen Abstecher zu etwas, das auf der Karte als bra fence (BH-Zaun) eingetragen war. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es wirklich ist, wonach es klingt, aber es war genau das. Und es gab auch tatsächlich einen guten Grund für diese Kuriosität; der Zaun ist Teil einer Kampagne zur Brustkrebs-Aufklärung.

Das Cardrona Hotel von außen…

…und innen.

Was es nicht alles gibt…

Wieder zurück im Tal hielten wir noch kurz an der Bungee-Brücke von AJ Hackett (von der ich mich vor drei Jahren auch mal gestürzt habe), um nur ganz harmlos den Kawarau River 43 Meter weiter unten fließen zu sehen, der dort auch ein Herr-der-Ringe-Drehort war.

Perspektivisch wollten wir weiter ins Inland zum Aoraki/Mt. Cook, dem höchsten Berg Neuseelands, aber die Wettervorhersage für die Gegend war alles andere als einladend: Unwetterwarnung wegen Starkregen und Sturm. Daher suchten wir uns einen günstigen Campingplatz mit Kamin, um die nächsten zwei Tage dort auszusitzen. In Bannockburn nahe Cromwell verbrachten wir zwei faule Tage bei durchwachsenem Wetter, erholten uns von der vielen Fahrerei und schauten zu, wie die Schneegrenze mit jedem Schauer weiter ins Tal sank.

Schottland des Südens

07. Juni 2017, Riverton/Südinsel

Die Straße 1 von Christchurch an der Ostküste hinunter nach Dunedin (ausgesprochen Dann-IH-den) ist so etwas wie die Autobahn der Südinsel – man kommt schnell voran, aber es ist ziemlich langweilig. Wir schafften es an einem Tag bis nach Oamaru, wo es eine Pinguinkolonie am Strand gibt, die man von einem Aussichtspunkt aus beobachten kann. Wir waren sogar zur richtigen Tageszeit da, am späten Nachmittag vor Sonnenuntergang, wenn die Pinguine von der Jagd zurückkehren, aber keiner ließ sich blicken, obwohl wir eine halbe Stunde warteten. Im Nieselregen und letzten Tageslicht fuhren wir auf einen Campingplatz hinter einem Dorf namens Herbert, wo wir unser Essen in einer ungeheizten Küche kochten und sich das Licht in der Dusche nach fünf Minuten automatisch abschaltete – blöd, wenn man gerade patschnass nach dem Handtuch sucht.

Am nächsten Morgen machten wir einen Stopp bei den nicht weit entfernten Moeraki Boulders, einer kuriosen Formation aus kugelrunden Felsbrocken, die am Strand im Ort Moeraki liegen. Die Wissenschaft ist sich unschlüssig über die Entstehung der Boulders, aber sie geben auf jeden Fall sehr gute Fotomotive ab.

Die Moeraki Boulders

Weiter fuhren wir nach Dunedin, der zweitgrößten Stadt auf der Südinsel. Es gibt dort ein paar hübsche historische Gebäude, aber kaum etwas besonderes. Der Hauptgrund unseres Besuches, abgesehen davon, dass Dunedin auf der Strecke lag, war die dort beheimatete Schokoladenfabrik der Firma Cadbury, die wir beide sehr gern mögen und die es leider in Deutschland nicht zu kaufen gibt. Cadbury kommt ursprünglich aus England, die Fabrik in Dunedin wurde aber schon Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet, wie wir auf einer für uns Fans natürlich obligatorischen Führung erfuhren. In die eigentlichen Produktionshallen durften wir zwar nicht hinein, wurden aber trotzdem durch einen Großteil der Anlage geführt und lernten viel über die Herstellung der Schokolade und der verschiedenen Produkte. Das Beste war natürlich, dass man ganz viel kosten durfte – flüssige Schokolade aus dem Zapfhahn, dazu Toppings nach Wahl, mmmmh, und wir bekamen auch jede Menge Kostproben geschenkt. Es war einfach himmlisch.

Wir steuerten ein Hostel im Zentrum an, bei dem man im Hof campen und die Einrichtungen des Gebäudes mit nutzen konnte. Der eine Stellplatz im Hof war auch tatsächlich frei, aber am Ende mussten wir uns trotzdem etwas anderes suchen. Dunedin ist sehr bergig, die steilste Straße der Welt liegt hier, und auch wenn das Hostel nicht auf ebendieser Straße lag, kamen wir schlicht und ergreifend die Einfahrt nicht hoch. Auf halber Strecke drehten die Reifen nur noch auf dem nassen Laub durch und als es nach verbranntem Gummi zu riechen begann, mussten wir rückwärts wieder hinunter rollen und den Holiday Park etwas außerhalb ansteuern, wo zumindest alles eben war. Die Holiday Parks schlagen meistens gleich mit 11-12 € pro Person für einen Stellplatz zu Buche, weshalb wir normalerweise versuchen, auf günstigeren Campingplätzen zu übernachten, aber dafür gab es hier neben einer umfangreich ausgestatteten Küche und einem (leicht) beheizten Aufenthaltsraum auch noch unbegrenztes Internet, welches wir natürlich sofort zum Bloggen nutzten, und im Bad einen Fön – Luxus!

Am darauffolgenden Tag machten wir die angrenzende Otago-Halbinsel unsicher. Ganz an der Spitze liegt eine Albatross-Kolonie, wo man ein paar der nicht gerade kleinen Küken in ihren Nestern sitzen sehen kann – für einen ebenso nicht gerade kleinen Preis. So brennend interessierten die Küken uns dann auch wieder nicht; stattdessen liefen wir hinunter zum Strand, wo wir Robben beobachten konnten, und dann noch zu einem Aussichtspunkt. Und dort flogen plötzlich ein paar der Albatross-Eltern genau über unsere Köpfe hinweg. Sie waren riesig mit ihren drei Metern Flügelspannweite und respekteinflößenden Hakenschnäbeln, und flogen teilweise auch sehr niedrig, sodass wir sie richtig gut sehen konnten. Nur ein gutes Foto ist uns leider nicht gelungen, dafür waren sie einfach zu schnell.

Auf der Nordseite der Halbinsel begegneten wir zudem an einem Strand einer Gruppe Seelöwen, die friedlich mitten auf dem Weg dösten. Der Frieden ist bei Seelöwen jedoch trügerisch, denn anders als die scheuen Robben, die vor Menschen fliehen, greifen sie an und beißen, wenn man ihnen zu nahe kommt, und sie können sich dabei auch erstaunlich schnell bewegen. Also suchten wir uns einen Trampelpfad durchs Gebüsch, um zum Strand zu kommen, denn auf dem Weg hätten wir nicht genug Abstand halten können.

Sie sehen so behäbig aus, aber der Schein trügt.

Danach fuhren wir noch einmal zurück ins Zentrum von Dunedin, um das historische Bahnhofsgebäude und den zentralen Platz, das Oktagon, zu besichtigen, wo auch das Rathaus und eine Kathedrale liegen. Dunedin ist übrigens der alte Name von Edinburgh und viele Gebäude und Straßennamen erinnern an das schottische Erbe.

Der Bahnhof von Dunedin

In Dunedin beginnt auch eine der angeblich zehn schönsten Fernstraßen der Welt, die Southern Scenic Route, auf die wir eher zufällig gerieten, als wir zu einer Felsklippe fahren wollten. Im Süden der Stadt liegt der Tunnel Beach, der seinen Namen, so dachten wir, dem Felsentor verdankt, das dort vor der Küste im Meer steht und durch das die Meeresbrandung wie durch einen Tunnel schäumt. Vom Parkplatz aus war der Hin- und Rückweg mit einer Stunde angegeben, was uns wunderte, da man das Wasser ja schon sah. Nicht gerechnet hatten wir allerdings mit dem extrem steilen Abstieg hinunter, der zwar schnell ging, aber das mussten wir ja alles hinterher wieder hinauf… Der Anblick auf die zerklüftete Küste und das beeindruckende Felsentor war es jedoch alle Mal wert. Die Klippe mit dem Tor war sogar begehbar, und als wir unten am Ende ankamen, entdeckten wir auch den wahren Grund, warum der Ort Tunnel Beach heißt. Gut versteckt in einer Nische lag der Eingang zu einem in den Fels gemauerten Tunnel, der auf matschigen Treppenstufen steil nach unten führte. Am anderen Ende kam man direkt unten am Strand zwischen den hohen Felsen heraus; von einem stürzte ein Wasserfall in die Bucht und vor uns in einiger Entfernung brandete das Meer in meterhohen Wellen auf den glatten Sand, ein gewaltiges Spektakel, vor dem wir auch mehrmals flüchten mussten, um keine nassen Füße zu bekommen.

Die Klippe mit dem vermeintlichen Tunnel, …

…der eigentliche Tunnel und…

…der Strand am Ende des Tunnels

Wir schafften noch ein paar Kilometer zu einem hübschen kleinen Campingplatz im Dörfchen Taieri Beach, wo wir wiederum Nieselregen hatten, aber diesmal in der Küche immerhin einen Heizlüfter. Was so ein paar Grad bei diesen Temperaturen schon ausmachen.

Leider regnete es auch am nächsten Morgen, aber im Auto kann es uns ja halbwegs egal sein, also fuhren wir weiter in eine Region an der Südküste, die sich die Catlins nennt. Dort gibt es jede Menge spektakuläre Küstenlinie, Wasserfälle und andere Sehenswürdigkeiten und wir richteten uns darauf ein, mehrere Tage dort zu verbringen. In Balclutha, der letzten größeren Ortschaft vor den einsamen Catlins, kauften wir noch einmal Lebensmittel im Supermarkt ein, tankten unser Auto voll und hoben Geld ab. Danach führte die Fahrt uns durch grüne Hügel mit karger, windschiefer Vegetation, weiß-gepunktet mit zahlreichen Schafherden – man kann sich leicht vorstellen, dass sich die schottischen Siedler hier wie zuhause gefühlt haben müssen.

Wir machten Halt am Nugget Point, einem Leuchtturm auf einer Klippe oberhalb einiger kleinerer Felsen im Meer, die an Goldnuggets erinnern, daher der Name. Der Regen hatte inzwischen größtenteils aufgehört und wir wurden mit einem sagenhaften Blick über die Felsen und das Meer unter einem (Stück) Regenbogen und außerdem auf eine kleine Robbenkolonie ganz unten am Fuße der Klippen belohnt.

Stürmisch war’s…

… am Nugget Point

Da sich der Nachmittag schon neigte und die anderen Ziele alle zu weit entfernt lagen, steuerten wir einen Campingplatz in der Nähe von Owaka an, im Drei-Häuser-Dorf Pounawea. Dort gab es eine Küche mit allem was wir brauchten und sogar einen Aufenthaltsraum mit Kamin, den das englische Pärchen, das nach uns noch ankam, fleißig befeuerte. Sie kamen aus der anderen Richtung, also die, in welche wir fuhren, und gaben uns ein paar Tipps, wo wir auf der Strecke weitere Plätze mit Kamin finden könnten. Trotz Feuer bibberten wir im Aufenthaltsraum, während wir zusammen Teil zwei der Hobbit-Trilogie im Fernsehen schauten, die ja in Neuseeland gedreht wurde und daher ein Muss war. Die Küche war gänzlich unbeheizt, obwohl man beim Kochen wenigstens nicht nur herum saß und sich so einreden konnte, dass es durch die Aktivität ein bisschen warm wurde, aber eigentlich war es eisig. Am nächsten Morgen war die Wiese überfroren und mit ihr unsere Frontscheibe – der erste Frost des Winters. Zum Glück war uns im Auto trotz allem nicht kalt; die drei Bettdecken sind ausreichend dick und wir haben ja jede noch eine Wärmflasche, die wir nun jede Nacht benutzen und die wirklich Gold wert sind.

Wir parkten unser Auto in die Morgensonne um, damit es schon einmal auftauen konnte, während wir frühstückten, aber danach war es wie jeden Morgen noch etwas Arbeit, die Scheiben innen zu trocknen, wo sie nachts natürlich durch unsere Atemluft immer ziemlich stark beschlagen.

Bei bestem Wetter spazierten wir als erstes am Strand der nahe gelegenen Surat Bay entlang, wo es schöne Muscheln zu sammeln gab. Auf dem Rückweg sahen wir sogar ein junges Seelöwenmännchen am Strand und machten ein paar Fotos, aber als es uns plötzlich angrunzte und einen Satz auf uns zumachte, suchten wir lieber das weite.

Danach wanderten wir zu Jack’s Blowhole, einer Felsspalte hoch oben auf einem Hügel, in die Meerwasser fließt, obwohl sie 200 Meter von der Küste entfernt liegt. Aus 55 Metern Höhe, in Sicherheit hinter einem Zaun, konnte man tief unten die Wellen beobachten, wie sie die Spalte auswuschen.

Außerdem fuhren wir zu zwei wunderschönen Wasserfällen, Purakaunui und Matai, zu denen Pfade durch den dichten, sattgrünen Wald führten, und zum stillen Lake Wilkie, dessen spiegelglatte Oberfläche das Licht des späten Nachmittags reflektierte.

Purakaunui Falls

Danach kehrten wir zum Campingplatz der vorangegangenen Nacht zurück, da die anderen in der Gegend alle sehr einfach sein sollten und wir bei den Temperaturen zumindest in einem festen Gebäude unser Essen kochen wollten.

Die Nacht brachte wieder Frost und am nächsten Morgen bekamen wir die Autoscheiben nur bei laufendem Motor frei, da wir zu zeitig starteten als dass uns die Sonne hätte helfen können. Unser erstes Ziel war nämlich nur bei Ebbe zu sehen und lag über eine Stunde Fahrt entfernt, also mussten wir schon kurz nach acht losfahren. Dafür wurden wir mit märchenhaften Blicken auf die rauhreifverzierte Landschaft im sanften Morgenlicht belohnt.

Und wir erreichten den Fossilwald in der Curio Bay rechtzeitig, bevor die Flut die versteinerten Baumstämme auf einem Riff direkt vor der Küste wieder bedeckte. Auf den Felsen nahe am Strand lag noch Eis, aber weiter draußen schien die Sonne auf die unzähligen Baumstümpfe, die hier vor Millionen von Jahren verschüttet wurden. Die Curio Bay ist einer von nur drei Orten auf der Welt, wo man solch einen versteinerten Wald in der Natur sehen kann.

Der versteinerte Wald ist zwar nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen…

…aber wenn man genau hinschaut, sieht man die Baumstämme und -stümpfe.

Nicht weit entfernt liegt mit dem Slope Point der südlichste Punkt der Südinsel, den wir natürlich auch sehen wollten, aber leider mussten wir feststellen, dass die einzige (Schotter-)Straße dorthin gesperrt war – sie wird über den Winter asphaltiert, wie uns später jemand erklärte, aber das bedeutete eben, dass wir darauf verzichten mussten. Also fuhren wir weiter zum Waipapa Point, einem Leuchtturm in der Nähe, wo die Landschaft ebenso spektakulär war und wir wieder einmal einige Seelöwen zu sehen bekamen. Ein kapitales Exemplar spazierte gemächlich den Weg vom Strand hinauf in die Dünen, aus sicherer Entfernung beäugt von zahlreichen Touristen – so ein ausgewachsener Seelöwe kann immerhin bis zu einer halben Tonne auf die Waage bringen und ist dabei trotzdem, wie wir dann sahen, erstaunlich beweglich. Zwei weitere Tiere lagen im Gras nahe des Weges und ein vierter kam gerade aus der Brandung an den Strand, als wir uns dort umsahen. Es ist einfach toll, dass man diese Tiere so nah in freier Wildbahn sehen kann.

Der Leuchtturm am Waipapa Point

Ja, ich bin echt.

Da der Tag noch jung war, schafften wir es noch bis in die nächste größere Stadt Invercargill, wo es zwar nichts weiter zu sehen gibt, aber die beiden Engländer hatten uns ein Hostel in der Nähe empfohlen, auf dessen Parkplatz man übernachten und dabei die Einrichtungen des Gebäudes nutzen konnte.

Und wir wurden nicht enttäuscht. Das Hostel lag zwar 30 km außerhalb im kleinen Örtchen Riverton, aber die Gastgeber waren sehr freundlich, das Feuer im Kamin brannte schon, ein verschmuster Kater beobachtete aufmerksam unsere Ankunft und wir waren die einzigen Gäste, sodass wir Kamin und Kater ganz für uns hatten. Zeit (und Wärme) zum Blogschreiben, Lesen und Ausspannen von der vielen Fahrerei.

So gemütlich haben wir es dieser Tage selten.

Wir machten am nächsten Tag einen kleinen Ausflug zurück nach Invercargill und weiter nach Bluff, der vermutlich südlichsten Stadt Neuseelands abgesehen von Oban auf Stewart Island, die man von der Küste aus schon sah, tranken einen Kaffee, tankten noch einmal Benzin und Lebensmittel, um für die Weiterfahrt in die Fiordlands gerüstet zu sein und kehrten dann wieder nach Riverton zurück, zu Kamin und schnurrendem Kater. So lässt sich der Winter schon eher ertragen…

Nicht ganz der südlichste Punkt unserer Reise, aber es fühlte sich auf jeden Fall so an.

Ankunft in Mittelerde

02. Juni 2016, Dunedin/Neuseeland

Ihr Lieben, es ist ja sooo viel passiert seit unserem letzten Eintrag! Wir haben es nach Mittelerde Neuseeland geschafft. Für Kathrin erfüllt sich ein lang gehegter Traum und ich für meinen Teil weiß nicht, was ich in meinem letzten Leben richtig gemacht habe, dass ich jetzt schon zum dritten Mal hier sein darf.

Aber mal der Reihe nach.

Von unserer Trauminsel Gili Meno aus fuhren wir zurück nach Bali und verbrachten noch zwei Tage im Touri-Ort Seminyak nahe Kuta, wo wir am Anfang gewesen waren. Wir wollten eigentlich mal Parasailing ausprobieren, wo man sich an einem Fallschirm vom Boot aus übers Meer ziehen lässt, aber die Windrichtung war ungünstig, weshalb wir es nicht buchen konnten. Dann suchten wir neue Schuhe für mich, da sich von meinem einzigen Paar fester Schuhe ja die Unterseite der Sohle komplett abgelöst hatte, in der Hoffnung, in Indonesien günstigere Schuhe zu finden als dann in Neuseeland. Leider gab es im schicken Seminyak aber nur Laufschuhe für Jogging am Strand bei schönem Wetter, nichts für Regen und 10°C. Und wir recherchierten ein paar Dinge für Neuseeland, beantragten in letzter Sekunde ein Visum für Australien, wo wir ja umsteigen mussten – für den Fall, dass unser Gepäck nicht durchgecheckt würde, und buchten uns am Tag unseres Abfluges noch ein Rückflugticket von Neuseeland nach Australien, da wir gelesen hatten, dass ein Ausreisenachweis unbedingt erforderlich ist, wenn man nach Neuseeland will. Eigentlich hatten wir über eine Agentur ein Leihticket gebucht, aber diese ließ uns dreist im Stich und schickte das Ticket einfach nicht. So mussten wir dann leider ein richtiges Ticket buchen, das wir nun wieder stornieren müssen. Und kaum kamen wir am Flughafen von Bali an und checkten unser Gepäck ein, wurden wir auch schon nach dem Rückreiseticket gefragt, welches sogar im System auf seine Gültigkeit geprüft wurde. Ohne das Ticket hätte man uns also nicht einmal in den Flieger gelassen.

Auf jeden Fall hatte der Strand von Seminyak tolle Sonnenuntergänge zu bieten.

Aber dann war die Bürokratie vergessen und es ging endlich los, am 24. Mai um 22:10 Uhr mit Virgin Australia. Das Boarding am Flughafen war gelinde gesagt chaotisch. Da Balis Flughafen wohl ziemlich überlastet ist, werden teilweise mehrere Abflüge parallel am selben Gate abgefertigt. An unserem Gate boardeten zur gleichen Zeit noch zwei weitere Flüge, und eine Menge Personal mit verschiedenen Schildern versuchte sicherzustellen, dass jeder in den richtigen Zubringerbus einstieg.

Fünfeinhalb Stunden dauerte der Flug nach Brisbane, wo wir gegen 5:30 Uhr Ortszeit ankamen. Wir kauften uns von den australischen Dollarn, die eine/r von euch uns geschenkt hatte, ein Frühstück und genossen den australischen Sonnenaufgang, bevor es 9:30 Uhr weiterging. Nach Christchurch auf der neuseeländischen Südinsel waren es noch einmal drei Flugstunden und zwei weitere Stunden Zeitverschiebung, sodass wir kurz vor 15 Uhr ankamen. Im Landeanflug stellten wir fest, dass wir genau auf der richtigen Seite des Flugzeuges saßen, um die majestätischen Südalpen – schneebedeckt – aus der Luft zu sehen, ein überwältigender Anblick.

Wir hoben Geld am Flughafen ab, fuhren mit dem Stadtbus ins Zentrum, checkten in unserem Hostel ein und liefen gleich noch zum nächstbesten Supermarkt, denn ab jetzt heißt es wieder selber kochen. Neuseeland ist teuer und Essen gehen ist nur noch vereinzelt drin. Dafür haben die Hostels umfangreich ausgestattete Küchen. Und wir genossen nach Monaten in Asien endlich einmal wieder den Luxus von richtigem Bettzeug in richtiger Bettwäsche (in Indonesien bekommt man meist nur eine Stoffdecke ohne Bezug oder einfach nur ein Laken). Dies war auch nötig, denn ab jetzt ist Frieren angesagt. In Neuseeland war diese Woche Winteranfang und die Tagestemperaturen erreichen gerade noch den zweistelligen Bereich. Daran müssen wir uns auch erst wieder gewöhnen…

Gleich am nächsten Tag klapperten wir mehrere Mietwagenfirmen ab, schauten uns die Campervans an und ließen uns Angebote machen. Wir schauten auch online und am Schwarzen Brett des Hostels nach gebrauchten Vans zum Verkauf, aber da wir nicht sicher sind, wie lange wir eigentlich in Neuseeland bleiben werden, wollten wir nicht riskieren, am Ende noch viel Zeit mit dem Weiterverkauf des Fahrzeuges verschwenden zu müssen. Davon abgesehen haben wir ja beide nicht den leisesten Schimmer von Autos und hätten überhaupt nicht einschätzen können, was wir da kaufen. Also entschieden wir uns am Ende für das Mieten eines Campervans der Firma Spaceships, da es nicht nur das günstigste Angebot mit jeder Menge Extras war, sondern uns auch von der Raumaufteilung am besten gefiel.

Impressionen aus Christchurch: der Clock Tower…

…und die Kathedrale – fast sieben Jahre nach dem verheerenden Erdbeben hat sich hier nichts verändert.

Im Rest des Stadtzentrum sieht es überwiegend so aus.

Sonntag hatte die Firma geschlossen, sodass wir unser „Spaceship“ erst am Montag abholen konnten und noch einen Tag zu Fuß unterwegs waren. Also machten wir einen Ausflug zum nächstgelegenen Ziel, in die Antarktis. Ist ja von Neuseeland nicht so weit. 😉 Genau genommen verbrachten wir den Tag im International Antarctic Center, einem interaktiven Museum über die Antarktis-Expeditionen, die von Christchurch aus durchgeführt werden. Vom Stadtzentrum gab es einen kostenlosen Shuttlebus, da es etwas außerhalb nahe des Flughafens gelegen ist. Gleich am Ticketschalter erhielten wir einen Lageplan des Museums mit allen Attraktionen und die freundliche Schalterdame plante brüsk unseren gesamten Aufenthalt durch – welche Aktivität wir zu welcher Zeit mitmachen sollten, um alles zu schaffen. Am Ende waren wir fünf Stunden dort, aber es gab eben auch wirklich viel zu sehen und zu tun. Als erstes schauten wir in einem 4D-Kino einen kurzen Film, in dem wir quasi Teil einer Antarktis-Kreuzfahrt waren. Es gab natürlich 3D-Brillen und die 4. Dimension waren Special Effects wie zum Beispiel das Vibrieren und Rucken der Sitze, als wir mit dem Eisbrecher durch die Eisschollen fuhren oder Sprühstöße kalten Wassers ins Gesicht, wenn uns eine Robbe, der wir zu nahe kamen, anspuckte. 😛 Danach gingen wir nach draußen um eine Runde in einem Hägglund zu fahren, einem kastenförmigen Kettenfahrzeug des schwedischen Militärs, das in der Antarktis zum Einsatz kommt und in jedem Gelände fahren und sogar schwimmen kann. Natürlich mussten wir hinten drin Platz nehmen und durften nicht selber fahren, aber es war trotzdem ein Erlebnis. Hinter dem Museum gab es einen Parcours aus Stapeln von Autoreifen oder auch Baumstämmen, breiten Gräben und Schlammlöchern und sehr, sehr steilen Hügeln – es war eine sehr holprige Fahrt, aber der Hägglund ratterte solide überall hindurch bzw. darüber hinweg. Zurück am Museum entdeckten wir den Husky-Paddock, wo ein paar der Hunde in der Sonne lagen und unter Aufsicht gestreichelt werden durften. Wir erfuhren, dass es bei Huskies wie bei Menschen verschiedene Augenfarben gibt; ein reinrassiger Husky muss also nicht unbedingt blaue Augen haben.

Mit Husky in der Kältekammer

So sieht ein Hägglund aus.

Wieder drin wanderten wir durch die umfangreiche Ausstellung zur Flora (ja, es gibt tatsächlich ein paar Moose und Flechten) und Fauna der Antarktis, besichtigten das nachgebaute Innere eines amerikanischen Militärflugzeuges, mit welchem Menschen und Güter von Christchurch aus zu den Forschungsstationen gebracht werden und schauten mehrere interessante Filme – einen auf großer Leinwand mit atemberaubenden Aufnahmen der unglaublich weiten Landschaften und einen, der einen See in der Antarktis im Jahresverlauf im Zeitraffer zeigte, wobei es im Winter einfach eine Weile zappenduster war, nur gelegentlich unterbrochen von den Nordlichtern, die dort natürlich Südlichter heißen. Wir erfuhren, dass Feuer eine der größten Gefahren für die Forschungsstationen ist, da es an Löschwasser mangelt. Die Antarktis ist einer der trockensten Orte der Welt.

Zwischendurch machten wir einen Abstecher in die Kältekammer, wo bei -8°C richtiger Schnee lag und in regelmäßigen Abständen ein antarktischer Sturm simuliert wurde. Wir rüsteten uns mit allen Klamotten, die wir mit hatten sowie mit den bereitgestellten dicken Jacken aus. Es wurde düster und der Wind heulte – und auch wenn die Temperatur konstant blieb, sank doch die gefühlte Temperatur durch den Wind, wie uns eine Anzeige mitteilte, auf frostige -18°C. Nach etwa zwei Minuten war der Spuk vorüber, und während man draußen die Überzüge von den Schuhen pellte (die man tragen musste, damit der Schnee in der Kammer nicht schmutzig wird), konnte man sich an einem beheizten Geländer festhalten. Eine Gruppe Jungs, die einen Kindergeburtstag dort feierten, machten eine Mutprobe und alle waren nur im T-Shirt in der Kältekammer, aber natürlich knickte im Gruppenzwang niemand ein und alle bibberten tapfer ihren Weg durch den Sturm – wobei die Mitarbeiterin vor Ort uns zuzwinkerte, dass das für antarktische Verhältnisse eine warme Sommerbrise gewesen sei. Letzter Programmpunkt war schließlich die Pinguinfütterung. Das Antarktiszentrum fungiert nämlich gleichzeitig als Auffangstation für verletzte Pinguine, die dort medizinisch versorgt und wieder aufgepäppelt werden. Das war alles in allem ein richtiger cooler Tag! 😉

Montag war es dann soweit und wir konnten unser Spaceship in Empfang nehmen. Wir ließen es noch mit ein paar Extras wie Schneeketten und einem Winterpaket ausstatten (Ölradiator samt Stromkabel, extra Bettdecke, Thermoskanne und Wärmflaschen) und dann ging es ab auf die Straße. Natürlich auf die linke Seite der Straße! Das Linksfahren hatten wir ja zum Glück auf früheren Roadtrips in Linksfahrländern schon geübt. Viel gewöhnungsbedürftiger war die Größe unseres Toyota Estima sowie die Automatikschaltung, und dass der Blinkerhebel rechts ist – statt zu blinken, wischen wir ab und zu aus Versehen die Scheibe.

Jedes Spaceship hat noch einen Eigennamen – unseres heißt Capella.

Die erste Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz in Amberley, ein Stück nördlich von Christchurch, da die Plätze in Stadtnähe alle sehr teuer waren. Wir brieten Falafel auf einem unserer beiden Gaskocher und ließen, dank Stromanschluss, über Nacht unseren Ölradiator laufen. Es war zwar kalt, aber unter unseren drei Bettdecken froren wir nicht. Und wir machten abends noch einen Spaziergang zum eine Minute entfernten Strand, wo wir unzählige Sterne und sogar die Milchstraße ganz deutlich sahen. Dank einer Handy-App konnten wir sogar ein paar Sternbilder finden.

Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach Christchurch und weiter auf die Banks Peninsula nach Akaroa. Das Wetter war traumhaft schön und wir hatten vom Pass aus eine tolle Aussicht auf die Bucht und die Hügel. Nach einem kurzen Spaziergang durch Akaroa fuhren wir die Scenic Route auf gewundenen kleinen Straßen steil hinauf bis fast in die Nebelschwaden hinein und auf der anderen Seite wieder hinunter in die kleinen Buchten mit ihren abgelegenen Siedlungen. Stellenweise waren die Straßen nicht einmal asphaltiert, aber es war natürlich auch nicht viel Verkehr. Wir machten eine Schnittchenpause in einer der Buchten (im Campervan hat man ja immer alles dabei) und erreichten dann im letzten Tageslicht den Ort Duvauchelle, wo wir die Nacht auf einem Campingplatz direkt am Ufer der Bucht verbrachten. Dort gab es eine gut ausgestattete Küche, sodass wir dort kochten. Außer uns waren noch zwei andere Campervans da und eine Handvoll Dauercamper, aber im Großen und Ganzen war der Platz leer.

In Akaroa gibt es sehr hübsche Häuschen.

Die Banks Peninsula mit Akaroa im Tal

Tolle Aussicht auf der Scenic Route

Nach Akaroa waren wir nicht nur wegen der pittoresken Landschaft gekommen sondern auch, weil es hier eine ganz besondere Aktivität gibt. Ihr werdet uns jetzt für verrückt erklären, aber wir buchten eine Tour, bei der man mit Delfinen im offenen Meer schwimmen kann. Ja, im Winter. Schlechtes Timing, zugegeben, aber wir wollten das unbedingt machen und so viel wärmer ist der Ozean ja im Sommer vermutlich ohnehin nicht.

Die Delfine, die hier leben, sind Hector-Delfine, mit maximal 1,40m Körperlänge die kleinsten der Welt, und es gibt sie nur in Neuseeland. Und in Akaroa hat man die einzigartige Möglichkeit, mit ihnen in freier Wildbahn zu schwimmen.

Wir fanden uns vormittags bei Black Cat Cruises ein, dem einzigen zugelassenen Anbieter der Touren, wo wir eine umfangreiche Einweisung und ebenso umfangreiche Ausrüstung erhielten: Neoprenanzug (6mm dick), Neoprenschuhe und -handschuhe und auf Wunsch noch eine Neoprenkapuze, dazu Schnorchel und Taucherbrille. Neoprenanzüge anziehen ist harte Arbeit. Man steigt in die Beine und versucht, die Kniepartie bis zu den Knien hochzuschieben (ein Hoch auf rasierte Beine), dann zerrt man weiter daran, bis die Beine komplett drinstecken, zwängt sich in die Ärmel und bittet dann einen netten Mitmenschen, den Reißverschluss am Rücken zu schließen. Wenn man fertig ist, fühlt man sich ein bisschen wie das Michelin-Männchen. Wer braucht schon Bewegungsfreiheit.

Nachdem wir alle Teile angezogen hatten, ging es mit einem kleinen Boot hinaus aus der Bucht aufs offene Meer und dann hieß es Ausschau halten nach den Delfinen. Mit uns an Bord waren außer dem Skipper und der Tourleiterin noch eine Deutsche, ein Japaner sowie ein Paar aus Singapur. Wir trieben eine ganze Weile gemächlich vor uns hin bis plötzlich die erste Delfinflosse auftauchte. Eine Gruppe von drei Tieren näherte sich dem Boot. Nun hieß es abwarten, ob sie Interesse an uns zeigten. Die Tourleiterin hatte uns gesagt, dass sie die vorangegangenen Tage nicht in Stimmung gewesen waren und wieder davon geschwommen waren. In diesem Fall hätten wir einen Teil des Preises zurückerhalten, aber wir hatten Glück. Die Gruppe kehrte wieder und wieder zum Boot zurück, also hieß es Zähne zusammenbeißen und ab ins Wasser. Ins 8°C kalte Wasser. Das in den Neoprenanzug hineinfließt. Unter dem Neoprenanzug trägt man nur Badesachen, damit der Körper außer der Wasserschicht nichts weiter erwärmen muss und zugegeben, es ist nicht so schrecklich, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber warm ist es auch nicht, da muss man sich keine Illusionen machen.

Beim Schwimmen wurde es auch nicht warm, da wir angewiesen waren, möglichst nur zu treiben, um den Delfinen keine Angst zu machen. Treiben im Neoprenanzug erfordert auch erstmal ein bisschen Übung, denn man hat in dem Teil einen sehr starken Auftrieb, sodass es gar nicht so einfach ist, die Füße unten zu halten. Dafür ist es unmöglich, unterzugehen.

So trieben wir also in der Nähe des Bootes und der Skipper signalisierte uns immer, wenn die Delfine auf uns zukamen, sodass wir sie immer wieder an uns vorbei schwimmen sahen. Ein paar Mal kamen sie sogar bis auf einen Meter heran und mit der Schnorchelausrüstung konnte man sie auch direkt unter sich durchschimmen sehen. Anfassen konnten wir sie allerdings nicht; zum einen kamen sie dafür nicht nahe genug, zum anderen sagte man uns, dass es ihnen tatsächlich wehtut, weil ihre Haut sehr empfindlich ist.

Na, wer erkennt uns? Und wer findet den Delfin im Bild?

Nach etwa einer Dreiviertelstunde sammelte das Boot uns alle wieder ein und die Tourleiterin füllte jedem auf Wunsch den Neoprenanzug mit warmem Wasser, wobei sie einen Schlauch oben in den Nackenteil hielt und man das Gefühl hatte, sich einzumachen, aber es war herrlich. Dann gab es Kekse und heiße Schokolade, Handwärmer (diese Gelkissen zum Knicken) und außerdem noch Frotteehandtücher und Vliesjacken für die besonders Durchgefrorenen, was erstaunlicherweise nicht Kathrin war sondern ich; mir schwappte vor Zittern fast die Schokolade aus der Tasse; und die Frau aus Singapur hatte sogar Gänsehaut an den Wangen, ich wusste gar nicht, dass das geht.

Das Boot machte noch einen kurzen Stopp in einer kleinen Bucht, wo es Robben zu sehen gab, und dann ging es zurück in den Hafen, wo wir uns endlich aus der Neoprenausrüstung schälen und heiß duschen konnten, oh Wonne. Das war dann auch wirklich nötig.

Wir beschlossen, uns mit einer heißen Portion Pommes aus dem Fish&Chips-Laden zu belohnen. Natürlich bestellten wir zwei Portionen, wollten ja beide satt werden, und dann warteten wir eine ganze Weile, länger als Pommes eigentlich dauern sollten. Aber schließlich wurden wir aufgerufen und erhielten ein riesiges Paket, in braunes Papier eingewickelt. Darin waren frisch gemachte Pommes für mindestens vier Personen – Neuseeländer scheinen viel zu essen, wenn das die Standardgröße ist. Zumindest waren wir danach erstmal wieder satt und aufgewärmt.

Da es noch hell war, fuhren wir zu einem kleinen Parkplatz außerhalb des Ortes, von wo man zu einem hübschen kleinen Wasserfall im Wald laufen konnte. Leider setzte ich beim Einparken unseren Van rücklings gegen eine Böschung – blöde Automatik – und ein Stück der Stoßstangenverkleidung hinten löste sich. Also mussten wir bei der Hotline der Mietwagenfirma anrufen, die uns an die nächst gelegene Werkstatt in Akaroa verwies. Dort fuhren wir gleich am nächsten Vormittag hin und der Schaden wurde in einer halben Stunde behoben. Dank Versicherung, die wir dazu gebucht hatten, mussten wir nicht einmal etwas bezahlen. So konnten wir unsere Fahrt in Richtung Süden fortsetzen…

Endstation Paradies

20. Mai 2017, Gili Meno

Es gibt ein Zitat von Lao Tse, was sinngemäß ausdrückt, dass man auf Reisen nicht zu viele Pläne machen sollte. Wir hatten einen groben Plan, der vorsah, ein paar Tage auf der kleinen Insel Gili Meno zu bleiben, um die Meeresschildkröten zu sehen, danach vielleicht noch auf eine andere der drei kleinen Gilis zu fahren und anschließend ein, zwei Orte auf Lombok zu besuchen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Am Ende waren wir… ich weiß nicht so genau wie lange hier auf Gili Meno. Jedenfalls länger, und auf jeden Fall viel länger als geplant. Natürlich könnte ich in den Kalender schauen, aber das ist ja das Schöne am Reisen, dass man vergisst, welcher Wochentag ist; es spielt auch keine Rolle, so lange wir unseren Flug nach Neuseeland nicht verpassen. Aus den paar Tagen wurden ein paar Tage mehr, daraus eine Woche, dann anderthalb und schließlich beschlossen wir, nirgendwo anders mehr hinzufahren. Von den anderen beiden Gilis rieten uns andere Reisende ab, die dort gewesen waren und den Vergleich ziehen konnten. Gili Meno wäre mit Abstand die schönste und entspannteste der drei Inseln. Und als die verbleibende Zeit in Indonesien immer weiter schrumpfte, sahen wir auch immer weniger Sinn darin, noch nach Lombok zu fahren; das hätte sich einfach nicht mehr gelohnt. Und so waren wir am Ende zwei Wochen auf Gili Meno und sind uns einig, dass das die beste Entscheidung war.

Von Padangbai auf Bali fuhren wir mit dem Schnellboot, was natürlich wie immer in Indonesien länger dauerte, als man uns gesagt hatte. Aber was soll’s. Wir waren schon heilfroh, dass wir zumindest von all den kleinen Schnellbooten das größte gebucht hatten, denn die erste Dreiviertelstunde der Überfahrt war gelinde gesagt holprig. Zuerst hatten wir im Passagierraum Platz genommen, aber als dann kurz nach dem Ablegen viele Leute nach oben gingen, taten wir es ihnen gleich. Leider gab es oben weder Schatten (ein Hoch auf Sonnencreme und lange Kleidung) noch Sitze; man saß auf dem metallenen, heißen Fußboden (ein Hoch auf multifunktionale Tücher, die man zu Kissen falten kann) und da wir etwas spät dran waren, hatten wir nicht einmal eine Lehne. Aber dafür gab es frische Luft und man sah den Horizont, was gegen die Übelkeit half. Wenn wir uns allerdings vorstellen, dass wir diese Strecke in einer der Nussschalen hätten zurücklegen müssen… Selbst unser relativ großes Boot (was vermutlich immer noch besser für eine Flusskreuzfahrt geeignet gewesen wäre) kam ganz schön ins Schaukeln. Ein paar Mal, wenn eine etwas größere Welle von der Seite schwappte, legte sich das Boot dermaßen schief, dass wir dachten, gleich kippen wir um. Dass dann der Motor still wurde, weil der Kapitän sozusagen „den Fuß vom Gas nahm“ als ob er das Gleiche befürchtete, war auch nicht gerade beruhigend, obwohl es natürlich sicher die richtige Vorgehensweise war und besser, als mit Vollgas ins Verderben zu fahren. Einziges Highlight war eine Gruppe Delfine, die plötzlich links und rechts vom Boot auftauchte und uns alle für einen Moment unsere Sorgen vergessen ließ. Glücklicherweise wurde die See dann näher an Lombok ruhiger, und mit ihr unsere Nerven.

Gili Meno ist die kleinste der drei sehr kleinen Gilis, die eigentlich nicht viel mehr sind als Sandhäufchen vor der Küste Lomboks. Die Insel hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa zwei Kilometern und von der Ost- zur Westküste misst sie etwa einen Kilometer. In anderthalb Stunden hat man sie bequem einmal komplett zu Fuß umrundet, inklusive sehr vieler Fotostopps. In der Mitte gibt es einen kleinen See, dessen Ufer rundherum von einem Mangrovenwäldchen gesäumt wird. Etwa vierhundert Menschen leben auf Gili Meno – vermutlich in erster Linie von Fischerei und Tourismus; es gibt wohl keine Familie, die nicht ein paar Bungalows vermietet, einen Laden oder ein Restaurant betreibt oder Transport irgendwelcher Art anbietet. Straßen gibt es keine auf der Insel, nur Sandwege, die stellenweise holprig asphaltiert oder gepflastert sind, und entsprechend gibt es auch keine Autos oder Motorräder. Himmlische Ruhe! Wer trotzdem nicht laufen will, kann Fahrräder leihen oder sich in einer kleinen Pferdekutsche chauffieren lassen, von denen es hier vielleicht ein Dutzend oder mehr gibt. Der „Hafen“ ist ein desolater kleiner Pier, der nicht mehr benutzt wird; die Boote sind fast alle klein genug, um direkt am Strand anzulegen.

Unserer großer Kutter konnte allerdings nicht bis an den Strand heranfahren, daher ankerten wir an einer Boje vor dem Strand und wurden mit einem kleineren Boot, das im Prinzip nichts weiter als eine schwimmende Plattform mit Dach war, abgeholt, und dann machten wir uns auf den kurzen Fußweg zu unserem gebuchten Guesthouse.

Wir hatten einen Bungalow im Zentrum der Insel. Er war sehr preiswert, aber auch sehr einfach und es roch unangenehm darin. Daher suchten wir am nächsten Tag noch einmal und zogen um in etwas besseres, das kaum teurer war – wiederum ein Bungalow, sehr schick, in einem wunderschönen Garten gelegen und nur zwei Minuten vom Strand entfernt. Einziger Wermutstropfen war die gelegentliche Begegnung mit der einheimischen Fauna, auf die wir beide gern verzichtet hätten. Gleich am ersten Abend in unserem eigentlich schicken Bungalow grüßte uns, als wir vom Essen kamen, ein achtbeiniges Tier von der Größe meiner Handfläche. Dieser Herausforderung waren wir mit unserem lächerlichen Becher definitiv nicht gewachsen. Bevor ich zu hyperventilieren anfing, lief ich los, Hilfe zu holen während Kathrin heldenhaft das Tier im Auge behielt. Es bewegte sich zum Glück keinen Zentimeter bis ich mit der Gastgeberin wiederkam, die uns schließlich mit Hilfe eines Besens rettete und versicherte, das Tier sei nicht gefährlich. Darüber hinaus hatten wir die gelegentliche Straße kleiner und manchmal auch sehr großer Ameisen. Kleine Kakerlaken. Große Kakerlaken. Einmal fand eine kleine Grille den Weg in unser Bad – wir wissen nicht, durch welche Ritze – und zirpte eine Stunde lang mit Inbrunst vor sich hin, vermutlich selbst beeindruckt von der tollen Akustik in unserem halligen Bad. Ansonsten begegneten wir auf der Insel zum Glück nur den vielen hübschen Katzen und den bunten Pferdchen, die die Kutschen zogen. Unsere Bungalownachbarn berichteten von einer grünen Viper, die ihnen bei ihrem Spaziergang über den Weg geschlängelt war.

Nichtsdestotrotz blieben wir am Ende eine Woche in dem Bungalow (glücklicherweise verschont von weiteren Spinnen) und freundeten uns mit den anderen Gästen und der jungen Eigentümerin Citha an. Sie war sehr gesprächig und hilfsbereit und wir spielten auch viel mit ihrer sehr niedlichen, dreijährigen Tochter Dea, deren Charme sich einfach niemand entziehen konnte. Einen Abend lud sie uns und zwei Australierinnen, die ebenfalls länger bei ihr wohnten, zum Abendessen ein und kochte ein leckeres Fischcurry für uns. Ein paar Tage später hatte sie eine große Familienfeier anlässlich des bevorstehenden Ramadan und lud uns noch einmal ein. Leider mussten wir nach einer Woche umziehen, weil bei Citha alle Bungalows ausgebucht waren. Aber wir fanden einen gleichwertigen Bungalow direkt bei der Nachbarin, die ebenfalls sehr nett war und auch eine sehr süße kleine Tochter hatte.

Die Menschen waren unglaublich freundlich auf der Insel. Man wurde zwar am Strand hin und wieder von Verkäufern angesprochen, die Obst, Armbänder, Tücher oder eine Massage anboten, aber zumeist genügte es, einmal freundlich abzulehnen und man hatte wieder seine Ruhe. Viele Leute kannten wir nach fast zwei Wochen, einer Schnorcheltour, unseren vielen Stunden am Strand und zahlreichen abendlichen Restaurantbesuchen inzwischen schon vom Sehen, wenn nicht sogar mit Namen und blieben oft auf einen Plausch hängen – wie es geht, wie die Geschäfte laufen, was wir vorhaben oder -hatten, ein paar Scherze austauschen. Wenn man durchs Dorf lief, grüßten viele Leute, auch andere Touristen. Die Inselruhe färbte auf alle ab.

Von den Nachbarinseln, beide nur etwa einen Kilometer entfernt und daher gut in Sichtweite, hörten wir nichts gutes. Auf Gili Air im Osten leben 1.300 Menschen, obwohl die Insel kaum größer als „unsere“ ist. Es soll sehr viel geschäftiger zugehen und die Strände sollen nicht halb so schön sein. Gili Trawangan im Westen, kurz Gili T genannt, ist als die Partyinsel berüchtigt, wo sich am Strand eine Bar an die andere reiht, Drogen verkauft werden und eine Menge unangenehmer Leute unterwegs sind, sowohl Touristen als auch Einheimische. Auf Gili Meno hingegen war das aufregendste, was man abends unternehmen konnte, vermutlich die gelegentliche Filmvorführung in einem von zwei Restaurants am Nord- bzw. Oststrand. Wenn wir abends mal etwas später essen gingen, nach halb acht, war es in den Restaurants schon ziemlich leer. Wir ließen den Abend gern mit einem Blick hinüber auf Lombok im Licht des Vollmonds oder in den Sternenhimmel ausklingen.

Tagsüber gab es auch nicht viel mehr zu tun. Man konnte über die Insel spazieren und das Leben der Einheimischen im Dorf beobachten oder an den Strand gehen. Man konnte eine Schildkrötenauffangstation (was für ein schönes langes Wort) besuchen, die nur aus ein paar kleinen Wasserbecken bestand, in denen die eingesammelten Babyschildkröten in Sicherheit heranwachsen können, bis sie groß genug sind, im offenen Meer nicht mehr von ihren Feinden gefressen zu werden. Es gab wohl mal einen Vogelpark, der aber aussah, als ob er schon lange geschlossen wäre. Man konnte ein Stück weit am Ufer des Sees im Inselzentrum entlang laufen. Es gab die Möglichkeit, am Strand zu reiten, und es wurde eine Schnorcheltour rund um die Insel angeboten. Das war’s. Kulinarisch hatte Gili Meno erstaunlich viel zu bieten. Wenn wir mittags hungrig waren, gingen wir in eines der zahlreichen kleinen Nasi Campur-Restaurants im Dorf, wo das Essen günstig, lecker und abwechslungsreich war. Grüne Bohnen mit Knoblauch und Sprossen gab es oft, knuspriges Tempeh (manchmal scharf-süß, manchmal mit Erdnüssen gemischt), oder schwarze Bohnen, oder Rettich(?) in Currysauce; einmal hatten wir auch scharfen Oktopus (?), weil wir natürlich nur „ohne Fleisch“ gesagt hatten. Passiert.

Nasi Campur

Wenn uns nur nach einem Snack zumute war, kauften wir frisches Obst von einer der Verkäuferinnen am Strand, Mango, Ananas, Kokosnuss. Vor allem die Ananas war ein Traum. Abends gönnten wir uns öfter mal eine frisch zubereitete Steinofenpizza in Bibi’s Restaurant am Strand, die in Italien nicht besser hätte schmecken können. Generell war auch das westliche Essen auf der Insel richtig gut, sehr authentisch, wenngleich es natürlich für indonesische Verhältnisse ziemlich teuer war.

Am häufigsten gingen wir an den großen Strand im Südosten der Insel zum Baden. Obwohl dies der Hauptstrand war, ging es sehr entspannt zu und war alles andere als überlaufen. Leider konnte zumindest ich nach reichlich einer Woche nicht mehr ins Wasser gehen, da es wieder Plankton gab, auf den ich allergisch reagierte – vermutlich aus den Gewässern rund um Lombok, nachdem der Wind gedreht hatte. Dennoch war es wunderschön am Strand, denn von dort hatte man einen überwältigend schönen Blick auf Lombok mit den weißen Stränden von Gili Air im Vordergrund, dessen wir einfach nicht überdrüssig wurden. Lombok ist bergig, zerklüftet und sattgrün, eine traumhafte Kulisse, und wenn mal keine Wolken zwischen den gezackten Gipfeln hingen, vor allem morgens, bot sich eine klare Sicht auf den riesigen, fast viertausend Meter hohen Vulkan Rinjani, der gut und gern die Hälfte Lomboks dominiert. Die kleine Meerenge zwischen den Gilis und Lombok erstrahlte in den schönsten Blautönen – nahe am Strand türkis über dem weißgoldenen Sand, dann aquamarin über dem Korallenriff, und schließlich nachtblau über dem offenen Meer, gelegentlich noch gespickt mit ein paar bunten kleinen Booten.

Vulkan Rinjani auf Lombok

Abendessen am Stand

Wer könnte hier schon weg wollen….

Da die Gilis von Riffen umgeben sind, konnte man direkt vom Strand schnorcheln gehen, was wir fast jeden Tag taten. Leider waren viele Korallen tot – Folge der globalen Erwärmung und eines großen Sturms vor einigen Jahren, wie uns Locals erklärten – aber der Tourismus und ständige Bootsverkehr zwischen den Inseln werden wohl auch ihren Anteil daran tragen. Dennoch sah man schon nahe am Strand viele verschiedene bunte Fische, und wenn man sich einer der geführten Schnorcheltouren anschloß, sah man noch viel mehr.

Dies ließen wir uns natürlich nicht entgehen. In einem Glasbodenboot! ging es rund um Gili Meno herum. Mit uns an Bord waren noch etwa acht weitere Leute, größtenteils Deutsche. Die Schnorchelausrüstung konnten wir an Land schon anprobieren, was auch gut war, da es diesmal noch Schwimmflossen dazu gab, die wir beide etwas gewöhnungsbedürftig fanden. Da die Tour drei Stunden genau über Mittag ging, hatte ich außerdem noch mit langer Hose, langärmligem Oberteil und Kopftuch aufgerüstet; Kathrin auch mit einem T-Shirt – die Erinnerung an unseren letzten Sonnenbrand vom Surftag in Batukaras war noch ausreichend frisch.

Insgesamt machten wir vier Stops, wo wir jeweils 20-25 Minuten schnorchelten. Ein Guide begleitete die Gruppe, schwamm voraus zu interessanten Stellen und fütterte zuweilen die Fische, was von mir aus nicht hätte sein müssen.

Was sich vor den Gilis im Wasser abspielt, war einfach traumhaft anzusehen. So viele bunte Fische hatten wir zuvor noch nie gesehen – es war wie in einem tropischen Aquarium zu schwimmen – und man hätte dem Gewusel unter Wasser einfach stundenlang zusehen können. Besonders Kathrin hätte sich gern viel länger treiben lassen, um das Spektakel zu bewundern. Neben den verschiedensten Fischarten, deren Namen wir nicht kannten, haben wir auch viele blaue Seesterne gesehen, eine Moräne, Anemonenfische (Nemo) vor ihrer Anemone, eine Seegurke und, das Beste, fünf Meeresschildkröten. Wir waren überrascht wie riesig sie werden können, die größte war so groß wie unser Guide, der immer wieder abtauchte, um uns auf die auf dem Meeresboden liegenden Schildkröten aufmerksam zu machen. Durch die Panzermusterung brauchte es schon etwas Übung, um sie zu finden. Es war unglaublich beeindruckend, diese Tiere im Ozean schwimmen zu sehen; es sah so gemächlich und anmutig aus, als ob sie durchs Wasser fliegen würden. Der Ausflug hat sich echt gelohnt! Kathrin liebäugelt jetzt eventuell mit der Anschaffung einer Unterwasserkamera. 😉

Ansonsten ließen wir einfach die Seele baumeln, saßen im Garten unseres wunderschönen Bungalows und lasen oder plauschten mit anderen Gästen und unseren Gastgebern, oder recherchierten ein paar Dinge für Neuseeland. Wenn wir nicht diese Woche unseren Weiterflug hätten, wären wir wahrscheinlich noch viel länger auf unserer Trauminsel hängen geblieben…

Plötzlich auf Bali

10. Mai 2017, Gili Meno

Nein, wir sind auf dem Weg zum Vulkan Bromo nicht in den falschen Bus gestiegen, auch wenn der Titel das jetzt vermuten lässt. Aber es kam doch mal wieder alles anders als gedacht. Wir wurden morgens um acht am Hostel abgeholt und zu unserer Überraschung war der Minibus halb leer, sodass wir jeder eine Dreierreihe für uns hatten. Da es ohnehin keine Sitzgurte gab, konnten uns auch hinlegen, und so wurde die Fahrt ganz erträglich, auch wenn sie natürlich wie immer aufgrund von Stau und langsamen Fahrzeugen, die auf den engen Landstraßen nicht überholt werden können, viel länger dauerte als geplant. Wir machten einmal einen Mittagsstopp, und ich hatte sogar zum ersten Mal seit vier Tagen wieder ein bisschen Appetit und schaffte es, eine halbe Nudelsuppe zu essen. Abends um acht, als wir eigentlich im Dorf Cemoro Lawang am Fuße des Bromo hätten ankommen sollten, erreichten wir gerade einmal die nächstgrößere Stadt 40 km entfernt, Probolinggo. Dort erhielten erst einmal einen Vortrag über die Sonnenaufgangstouren, die man dort buchen konnte. Wir hatten nicht vor, am nächsten Morgen schon um drei aufzustehen, sondern wollten erst einmal eine Nacht in Cemoro Lawang schlafen und die Tour dann am darauffolgenden Tag machen. Danach wechselten wir den Minibus und zum Glück auch endlich einmal den Fahrer – er war zwar gut gefahren, aber nach mehr als zwölf Stunden hatten wir auch etwas Sorge, was die Sicherheit anging.

Wir verließen Probolinggo gegen 21 Uhr und die 40km nach Cemoro Lawang dauerten noch einmal zwei Stunden! Der Fahrer wechselte in dieser Zeit noch zweimal und der letzte von ihnen, der dann den weitesten Teil der Strecke fuhr, hatte von Gangschaltung noch nie etwas gehört, weshalb wir mehrmals am Berg fast stehen blieben und an jeder breiteren Stelle von einem Rattenschwanz an Fahrzeugen überholt wurden. Es war so frustrierend. Wir freuten uns aufs Bett.

Das war allerdings das nächste Problem, als wir nachts um elf in dem kleinen Bergdorf ankamen. Der Busfahrer lud uns am Hotel seines Kumpels/Cousins/wasauchimmer ab und wollte uns überreden, dort zu bleiben. Wir hingegen versuchten ihn dazu zu bewegen, uns zu unserem gebuchten Hotel zu fahren. Er sagte uns, es wäre ausgebucht und wir sollten doch bei seinem Kumpel/Cousin/… übernachten. Wir blieben stur im Bus sitzen. Die anderen vier Fahrgäste hatten die Sonnenaufgangstour für den nächsten Morgen gebucht und waren deshalb im Hotel des Kumpels untergebracht. Als nach einer Weile niemand Anstalten machte, uns zu helfen – wir wussten nicht mal so genau, wo unser Hotel eigentlich lag – diskutierten wir nochmal mit dem Fahrer, der schließlich mit mir auf dem Moped zu unserem gebuchten Hotel fuhr, damit ich mich selbst davon überzeugen konnte, dass es ausgebucht sei; er hätte schon dort angerufen. Im Endeffekt musste ich feststellen, dass das Hotel nicht einmal eine Rezeption hatte und es war niemand anzutreffen. Also hatten wir keine Wahl als doch im Hotel des Kumpels zu übernachten, was natürlich teurer war aber immerhin hatten wir dann kurz vor Mitternacht endlich mal ein Bett. An Abendessen war natürlich um diese Zeit nicht mehr zu denken; der Bus hatte auch nach dem Mittagessen keinen Stopp mehr gemacht, und so gingen wir hungrig schlafen und freuten uns auf das Frühstück, das immerhin im Preis inbegriffen sein sollte.

Immerhin waren die Decken warm genug für die recht kühlen Temperaturen (es waren nachts unter 20°C! Ja, ich weiß, sagt nichts…). Das Frühstückt entpuppte sich als ein Becher Wasser, zwei trockene Scheiben Toastbrot mit einer eingeschweißten Scheibe Schmelzkäse sowie zwei Bananen mit Kernen (ja, sowas gibt es). Ich zwang es mir in Ermangelung von anderem Essen hinter und schob den fehlenden Appetit auf die Trostlosigkeit der Mahlzeit. Aber schon beim Anziehen wurde mir schwummrig und ich musste mich hinsetzen – kein gutes Zeichen. Danach machten wir uns auf den Weg durchs Dorf, um ein besseres Quartier zu finden. Wir schauten uns eines etwas weiter die Straße hinauf an, aber es war noch simpler als unseres (wir hatten nicht einmal ein Waschbecken im Bad) und ich fühlte mich immer schwächer. Wir beschlossen, in unserem Hotel zu bleiben, da ich nicht weiter herumlaufen konnte. Wir erhielten immerhin ein günstigeres Zimmer, wo ich wieder ins Bett fiel und meine Temperatur wieder zu steigen begann. An eine Wanderung zum Bromo, wie wir sie eigentlich an dem Nachmittag hatten unternehmen wollen, war gar nicht zu denken. Kathrin brachte mir zum Mittagessen Reis mit verschiedenen Gemüsebeilagen (unser geliebtes Nasi Campur) aber ich bekam keinen Bissen herunter und als wir dann mal interessehalber die Symptome von Dengue-Fieber googelten, bekam ich es mit der Angst zu tun, denn es passte alles haargenau, inklusive des Rückfalls. Daher beschlossen wir schweren Herzens, auf den Bromo zu verzichten und fuhren noch am Nachmittag zurück nach Probolinggo im Tal, da es in Cemoro Lawang nicht mal einen Arzt gegeben hätte.

Die Landschaft um den Bromo war aber sehr schön.

In Probolinggo machte Kathrin eine Klinik ausfindig und der Guesthouse-Betreiber organisierte uns eine Fahrradrikscha dorthin. Es war allerdings wirklich nur eine kleine Provinzklinik; es gab nur einen Krankenpfleger, der kaum Englisch konnte und nicht mal meine Temperatur maß. Er fragte die Symptome ab und gab mir dann je eine Packung Paracetamol, Schlaftabletten und Vitamin C. Dafür habe ich auch nur 70 Cent bezahlt.

Dank der Tabletten sank das Fieber und ich konnte ziemlich gut schlafen und sogar noch ein paar Happen vom mitgebrachten Mittagessen verzehren. Für den nächsten Tag buchte Kathrin uns einen Bus nach Bali, wo es Krankenhäuser westlichen Standards gibt und zum Glück hatte ich früh kein Fieber und war reisetauglich genug.

Das war auch gut so, denn die Fahrt dauerte – ihr könnt es euch denken – wie immer viel länger als man uns sagte. Aufgrund eines Unfalls auf der Strecke kam der Bus schon fast zwei Stunden verspätet in Probolinggo an. Das durchschnittliche Tempo auf indonesischen Straßen beträgt 30 km/h, da es bis auf den Umkreis von Jakarta keine Schnellstraßen gibt und der Verkehr gelinde gesagt, chaotisch ist. Eine Weile mussten wir auch noch am Fährterminal warten, und die vielleicht 5km lange Überfahrt nach Bali dauerte auch fast eine Stunde. Gegen Mitternacht wurden wir und die anderen paar Ausländer an einer Provinzhaltestelle im Nirgendwo abgekippt, wo ein paar private „Taxifahrer“ auf uns warteten und natürlich leichtes Spiel mit uns hatten. Für einen Wucherpreis wurden wir dann immerhin bis vor die Tür unseres Hotels gefahren, wo wir gegen ein Uhr morgens, nach fünfzehn Stunden Fahrt, endlich einchecken konnten. Natürlich wieder einmal ohne Abendessen, denn nach dem einen Mittagsstopp, den wir zum Glück gemacht hatten, gab es keine Gelegenheit mehr, irgendetwas zu essen zu kaufen und auf noch mehr Kekse hatten wir einfach keinen Appetit mehr.

Am nächsten Morgen frühstückten wir in einem kleinen chinesischen Restaurant gegenüber unseres Hotels, wo uns ein sehr freundlicher Opa bediente. Da ich mich immer noch total schwach fühlte, fuhren wir danach in eines der Krankenhäuser. Wir waren im touristischen Zentrum Balis, der Stadt Kuta, wo die Infrastruktur besser war als alles, was wir seit Yogyakarta gesehen hatten.

In der Klinik wurde ich von einer sehr freundlichen Ärztin, die gut Englisch sprach, gründlich untersucht. Sie ließ sich die Symptome schildern und fragte dann, ob ich wüsste, was Dengue ist. Das klang nicht sehr ermutigend… Ein Blutbild sollte Aufschluss bringen, aber als nach zwei Stunden das Ergebnis kam, konnte sie nur sagen, dass es sich um eine unbestimmte Virusinfektion handelt, und ich sollte in zwei Tagen wiederkommen. Bis dahin verordnete sie mir Bettruhe und Vitaminkapseln und so verbrachten wir die nächsten zwei Tage mit Nichtstun; zogen nur einmal von unserem Hotel, wo das Internet nicht ging, in ein kleineres Guesthouse, wo es funktionierte. Ohne Internet ist es ganz schön langweilig, wenn man nur im Bett liegt.

Der zweite Bluttest ergab schließlich, dass es glücklicherweise doch kein Dengue war, aber was ich mir stattdessen eingefangen hatte, konnten sie mir auch nicht sagen. Da ich mich an dem Tag schon besser fühlte, erledigte ich ein paar Kleinigkeiten, ließ meinen Pony beim Friseur schneiden und kümmerte mich um meine indonesische Simkarte, die plötzlich nicht mehr funktionierte. Wir schauten auch mal an den Strand, der allerdings nicht besonders schön war – kaum Vegetation, viel Boote, etwas Müll. Irgendwie hatten wir uns Bali anders vorgestellt. Dafür kamen wir am Abend unverhofft in den Genuss einer traditionellen Tanzvorführung auf dem Platz vor der Mall nahe unseres Guesthouses. Gezeigt wurde der balinesische Kecak, eine Art Tanzdrama, bei dem die Ramayana-Geschichte von bunt kostümierten Tänzern und Tänzerinnen aufgeführt wird. Sie tanzen umringt von einer großen Gruppe Männer, die allesamt schwarz-weiß-karierte Sarongs tragen und die ganze Zeit „kecak cak-a-cak“ rufen. Sie werden in die Tänze eingebunden, beschützen beispielsweise die Prinzessin vor ihrem bösen Entführer usw. Das war auf jeden Fall ein sehr interessantes Spektakel.

Die Tänzerinnen und Tänzer am Ende der Vorstellung

Ein paar Sehenswürdigkeiten im Umland waren leider wie so oft in Indonesien nur mit einem privaten Fahrer zu erreichen. Vielleicht hätten wir auch eine Tour buchen können – Mangel an Angeboten gab es in Kuta sicher nicht – aber das sagte uns auch nicht zu. Der alte Mann, in dessen Chinarestaurant wir nun jeden Morgen frühstückten, da es das preiswerteste war, hatte uns gesagt, dass sein Sohn ein Auto hat und so fragten wir am nächsten Morgen, ob wir spontan mit ihm fahren könnten. Kein Problem, eine Stunde später kam der Sohn samt Auto und los ging es zu den Zielen, zu denen wir wollten.

Als erstes fuhren wir auf die Halbinsel südlich des Flughafens nach Nusa Dua, wo es eine kleine Klippe gab, durch die das Wasser bei Flut in geysirartigen Fontänen nach oben gedrückt wurde. Wir schauten dem Spektakel eine Weile zu und fuhren dann weiter zur anderen Seite der Halbinsel zu einem Tempel.

Der Tempel Uluwatu lag auf einer vielleicht hundert Meter hohen, steil ins Meer abfallenden Klippe. Auf Bali ist die Mehrheit der Bevölkerung hinduistisch – eine Ausnahme in Indonesien – und die Architektur der Tempel ist sehr ästhetisch und trägt sehr zum Charme der Insel bei. Hinein durfte man nicht in das Heiligtum, aber der Weg entlang der Klippe war unglaublich fotogen. Selbst aus dieser Höhe konnte man unten im Meer die Korallenriffe erkennen und einen Fischschwarm schwimmen sehen, so klar war das Wasser!

Ganz am Ende der Klippe, ganz ganz klein, sieht man den Tempel.

Nach einer Mittagspause, wo ich wieder nur die Hälfte schaffte, da mein Magen immer noch unkooperativ war, fuhren wir weiter zu einem anderen Tempel an der Küste. Wir baten unseren Fahrer, auf dem Weg einen kurzen Stopp in Kuta beim Büro der Busgesellschaft zu machen, die die Überlandfahrten auf Bali für Touristen organisiert, damit wir ein Ticket für den nächsten Tag kaufen konnten. Der Verkehr war ein Alptraum, wir standen ewig im Stau und der kurze Umweg dauerte gut und gern anderthalb Stunden.

Am späten Nachmittag erreichten wir den Tempel Tanah Lot, der auf einem Felsen im Meer thront und nur bei Ebbe trockenen Fußes erreicht werden kann. Da gerade Ebbe war, konnten wir bis direkt zum Felsen gehen, auch wenn dieser Tempel ebenfalls nicht betreten werden durfte. Danach spazierten wir noch etwas die Küste entlang, wo weniger Touristen unterwegs waren und machten uns dann noch vor Sonnenuntergang, was am Tanah Lot eine ziemliche Attraktion zu sein scheint, auf den Rückweg nach Kuta, bevor die Massen zurückfuhren. Im Endeffekt war es ein Zehnstundentag und wir waren ziemlich fertig, aber es war schön, mal aus Kuta herauszukommen und etwas von der Landschaft zu sehen.

Tanah Lot

Am darauffolgenden Tag fuhren wir in den Norden Balis nach Lovina, einer Ansammlung von Fischerdörfern, wo es von Guesthouses, Restaurants und Souvenirshops nur so wimmelte. Wir mussten einmal in Ubud umsteigen und generell war der Verkehr wieder ein indonesischer Alptraum. Für die reichlich 100 km lange Strecke brauchten wir am Ende fast sechs Stunden. Uff!

Aber dann waren wir in Lovina und hatten einen geräumigen Bungalow in einem wunderschönen Garten für uns – ideal zum Erholen. Dachten wir. Nachdem wir den Tourverkäufern im Büro der Busgesellschaft erfolgreich widerstanden hatten, ging es direkt vor unserem Hotel weiter. Wir waren kaum aus dem Bus ausgestiegen, als schon drei Männer auf Mopeds neben uns hielten und fragten, ob wir eine Tour buchen wollten. Zur Auswahl gab es überall das Gleiche: Delfinbeobachtung (wo wir uns nicht sicher waren, ob sich die vielen Anbieter wirklich an die Delfinschutzrichtlinien halten), Schnorcheltouren und eine Tagesfahrt zu einem wenig spektakulären Wasserfall und einem Kloster, wofür wir nicht schon wieder zehn Stunden im Auto sitzen wollten. Wir waren nach Lovina gekommen, um ein paar Tage Ruhe zu haben, baden zu gehen, Blog zu schreiben usw. Wir lehnten dankend ab und checkten ein, wobei der Rezeptionist ebenfalls gleich auf das Tourangebot aufmerksam machte. Ein Kumpel von ihm saß dabei und fragte uns auch noch einmal wegen der Touren. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, klopfte es kaum fünf Minuten später an unserer Bungalowtür und draußen stand ein Mann mit einem Prospekt, um uns Touren anzubieten. An dieser Stelle riss uns dann eventuell auch mal kurz der Geduldsfaden und wir machten dem Herrn klar, dass wir weder heute, noch morgen noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt irgendeine Tour buchen wollten.

Der Strand und das Wasser waren bei unserem ersten Besuch ziemlich sauber, wenn auch der Sand schwarz war. Das Wasser war sehr ruhig und herrlich warm, eigentlich ideal zum Baden, wenn wir nicht die ganze Zeit von zwei aufdringlichen jungen Männern bequatscht worden wären. So trauten wir uns dann auch nicht zusammen ins Wasser, da wir unsere Sachen nicht unbeaufsichtigt lassen wollten. Die Typen kapierten einfach nicht, dass wir an ihrem Smalltalk (und ihren Touren) nicht interessiert waren, und so war es nicht allzu schlimm, dass es dann anfing, zu regnen und wir uns in unseren Bungalow zurückziehen mussten.

Der Strand von Lovina

Am nächsten Tag suchten wir uns eine andere Stelle zum Baden, wo uns fast niemand behelligte, aber leider war das Wasser schlierig und roch unangenehm, sodass wir auch nicht viel Freude hatten. Das einzig Gute an Lovina war die Auswahl an Restaurants, wo es auch ziemlich gute westliche Küche gab, worauf wir allmählich mal wieder Appetit hatten.

Nach drei Nächten verließen wir Lovina und fuhren zurück ins Zentrum der Insel, wo die Berge sich über 1400 Meter erheben und es auch zwei Seen gibt. Wir machten einen Stoppover im kleinen Ort Bedugul, wo die Temperatur bei angenehmen 25 Grad lag und man den größten botanischen Garten Balis besuchen konnte. Da kaum eine Unterkunft in Bedugul im Internet zu finden war, fuhren wir auf gut Glück hin und bekamen gleich am Büro des Busunternehmens ein preiswertes Zimmer. Da es erst um zehn am Vormittag war, machten wir uns direkt auf in den Botanischen Garten, wo wir am Ende über vier Stunden verbrachten. Der Park war riesig und darin lagen verschiedene Themengärten – Orchideen, Rhododendren, Farne, Bambus, Medizinpflanzen, Rosen, ein Kakteenhaus und eines für Begonien, dazu ein riesiger Ficcusbaum und ein Aussichtspunkt über den See. Es war wunderschön dort und bei den Temperaturen auch sehr angenehm, herumzuschlendern.

Die Pforte des Botanischen Gartens in traditioneller balinesischer Architektur

Der Eingang zum Garten der Medizinpflanzen

Ohne Worte…

Blick auf den Beratan-See

Wir aßen Mittag in einem kleinen Nasi Campur-Restaurant und liefen dann zu einem von Balis berühmtesten Tempeln, dem Pura Ulun Danu Beratan, der pittoresk in einem Park am Ufer des Beratan-Sees gelegen ist; zwei Pagoden stehen sogar auf einer kleinen Insel im Wasser.

Ulun Danu Beratan

Die Nacht war mit unter zwanzig Grad für unsere Verhältnisse wieder einmal empfindlich kühl und ich fing mir eine Art Blitzschnupfen ein, der innerhalb von einer Stunde mit völlig zugeschwollenen Nebenhöhlen, Mörderkopfschmerzen und Übelkeit kam. Man kriegt schon komisches Zeug auf Reisen. An Schlaf war entsprechend nicht zu denken – der Muezzin um 4:30 Uhr half auch nicht gerade; in den Bergen lebt eine muslimische Mehrheit – aber am nächsten Morgen war alles wieder vorbei und wir setzten unsere Fahrt fort, zurück nach Ubud, und von dort weiter an die Südostküste ins Fischerdorf Padangbai.

Das Dorf war winzig und wie in Lovina lag alles in Laufentfernung. Wir hatten ein gemütliches Guesthouse in Hafennähe und machten uns gleich am Nachmittag auf, den Badestrand zu erkunden. Der Weg dorthin führte über eine abgesperrte Baustelle oder Schutthalde, so genau ließ sich das nicht sagen, und wenn nicht ein handgemaltes Schild zum „White Sand Beach“ gewiesen und uns ein alter Mann ermutigend zugenickt hätte, wären wir dort wahrscheinlich gar nicht langgegangen. Der Pfad war etwas geröllig und führte gute 500 Meter durch eine Art Dickicht, aber der Strand war dafür wirklich schön – relativ klein und übersichtlich, mit ein paar Restaurants und gut besucht aber dennoch nicht überlaufen, und die Einheimischen waren nicht so aufdringlich wie in Lovina. Die Wellen waren riesig; Kathrin hatte ihren Spaß, während ich mir das Spektakel lieber von der Sicherheit meines Strandtuches anschaute und las.

Blick übers Dorf

Der Hafen von Padangbai

Am nächsten Tag unternahmen wir mal gar nichts; das muss auch ab und zu mal sein, und der Blog schreibt sich ja auch nicht von allein, vor allem da wir ziemlich im Rückstand waren.

Dafür spazierten wir gleich am darauffolgenden Morgen zum Strand Nummer zwei auf der anderen Seite des Hafens, der schön zum Schnorchelns sein sollte. Auch dieser Strand lag in einer kleinen Bucht mit ein paar Restaurants und Verkäufern, die uns aber auch überwiegend in Ruhe ließen, und wir konnten dort auch Schnorchelausrüstung ausleihen. Leider schnorchelte es sich am Ende auch nicht so besonders, da auch hier die Wellen ziemlich hoch waren und man sich nicht so einfach treiben lassen konnte. Zudem war das Wasser einfach zu flach und wir hatten keine Schuhe und wollten nicht aus Versehen auf einen Seeigel oder ähnliches treten oder uns an einem der Felsen im Wasser stoßen. Man konnte aber einige Korallen und viele verschiedene, bunte Fische sehen.

Auf dem Rückweg kamen wir mit einem der Touranbieter im Ort ins Gespräch, da wir zwei Paläste in der Nähe besuchen wollten und ein günstiges Angebot suchten. Wir wurden uns einig und verabredeten uns für den nächsten Morgen.

Nachmittags zog ich noch einmal alleine los, da ich Lust hatte, ein paar Fotos von Padangbai zu machen – wir hatten unsere Kameras für die Strandausflüge immer im Zimmer gelassen. Unweit der Schnorchelbucht entdeckte ich einen kleinen Weg und folgte ihm aus Neugier. Eine andere Ausländerin war zufällig auch gerade in diesen Weg eingebogen und wir lachten uns verlegen an, da wir beide nicht wussten, ob wir dort überhaupt lang gehen durften. Aber zu zweit ist man ja mutiger als allein, und so erkundeten wir dann nicht nur diesen Weg zusammen sondern liefen noch durch das ganze Dorf bis zum anderen Strand, machten viele Fotos und verstanden uns super. Ihr Name war Annki, sie kam aus Schweden, war ein ganzes Stück älter als wir aber sehr sympathisch. Als ich ihr von der Tour erzählte, die wir für den nächsten Tag gebucht hatten, wirkte sie sehr interessiert, und so luden wir sie spontan ein, uns zu begleiten.

Am Morgen mussten wir dann natürlich noch einmal einen neuen Preis mit dem Fahrer aushandeln, da wir ja nun drei Personen waren, aber er machte uns ein faires Angebot und so ging es los zum Wasserpalast Tirtagangga. Diesen hatte der König der Region (Bali hat elf Könige, erzählte uns unser Fahrer) 1946 bauen lassen und nach einem Vulkanausbruch 1963 war er umfassend restauriert worden. Tirtagangga bedeutet ‚Wasser des Ganges‘ (wie gesagt, auf Bali ist der Hinduismus die vorherrschende Religion) und der Palast besteht aus zahlreichen Wasserbecken, Springbrunnen, Statuen, Brücken und einem Pool inmitten eines wunderschönen Parks. Im Zentrum steht eine elfstufige Fontäne, die vom herabfallenden Wasser so märchenhaft umrahmt wird, dass sie aussieht wie mit Photoshop in die Bilder gesetzt. Wir waren alle drei ganz begeistert.

Auf dem Weg hielten wir an einem Seerosenteich – die Blüten sind nur vormittags geöffnet.

Tirtagangga

Tirtagangga

Danach fuhren wir zu einem weiteren königlichen Wasserpalast, dem Taman Ujung, der dem König einst als Rückzugsort für sich und seine Familie diente. Die Anlage war noch größer als Tirtagangga – in einem sehr gepflegten Park lagen zwei riesige Wasserbecken, auf denen man auch Boot fahren konnte und jedes hatte in der Mitte, über eine Brücke erreichbar, eine Insel. Auf der einen befand sich ein offener Pavillon, auf der anderen ein einfacher Palast, der der königlichen Familie einst zum Schlafen diente. Da Ujung direkt zwischen der Küste und den Hängen des Vulkans Agung liegt, hatte man von einem Aussichtspunkt oberhalb des Palastes einen fantastischen Blick über den Berg, den Park und das Meer – traumhaft. Die Aussicht mussten wir uns allerdings auch mit einem schweißtreibenden Aufstieg in der prallen Mittagssonne erarbeiten.

Taman Ujung

Tolle Aussicht

Im Prinzip hatten wir damit gesehen, was wir sehen wollten, aber unser Fahrer bot an, noch an einer Kaffeeplantage zu halten. Die Fahrt führte weg von der Hauptstraße einen Berghang hinauf in den Wald und irgendwann parkten wir auf einer kleinen Lichtung. Sofort nahm uns eine Mitarbeiterin der Plantage in Empfang und führte uns herum. Es war nicht so sehr eine Kaffeeplantage sondern vielmehr ein großer Garten im Wald. Wir erfuhren, dass dort nicht nur Kaffee angebaut wurde, sondern auch eine Vielzahl von Gewürzen und Kräutern. Die Mitarbeiterin zeigte uns Vanille, weißen und roten Ingwer, Kakao, Muskat und Kardamom, und auch einige Wiesel, die dort für die Herstellung von Wieselkaffee gehalten werden. Wie in Vietnam auch fressen die Wiesel die frischen Kaffeebeeren und scheiden die harten Bohnen wieder aus. Diese werden dann gereinigt und weiter verarbeitet. Eine Frau im Garten war mit dem Rösten von Kaffeebohnen beschäftigt, von Hand in einer Metallschale über einem Ofen. Neben ihr stand ein großer Mörser, wo die gerösteten Bohnen dann gemahlen wurden. Die Dame, die uns herumführte, erklärte uns, dass sowohl das Rösten als auch das Mahlen jeweils zwei Stunden dauern, für ein Kilo Kaffee – was für eine Arbeit! Daher bin ich mir nicht so sicher, ob sie wirklich ihren gesamten Kaffee auf diese Weise herstellen oder nur diese kleine Demonstration für die Touristen haben. Ist aber auch egal, interessant war es allemal. Im Anschluss durften wir in einem Baumhaus-Café Platz nehmen, wo wir eine große Auswahl der dort hergestellten Tee- und Kaffeesorten probieren durften: Bali-Kaffee, Kokosnusskaffee (lecker!), Ginsengkaffee (etwas gewöhnungsbedürftig), Vanillekaffee (süß und lecker), Schokoladenkaffee und Kakao (der recht bitter war), Tee aus weißem und aus rotem Ingwer (wobei der rote noch schärfer aber auch noch aromatischer als der weiße war), Tee aus rotem Reis (wer japanische Mochi kennt: genau so, aber zum Trinken), Saffrantee (sehr lecker), Pandanustee (keine Ahnung, was das war), Rosellatee (schmeckt entfernt wie Hagebutte, sehr erfrischend), Mangosteen- und last but not least Lemongrasstee (wäre was für den deutschen Winter). Dazu gab es noch einen Snack aus frittierter Süßkartoffel, hmmm. Wir hatten jeder mehrere Favoriten und natürlich wurden wir am Ende noch in den Laden geführt, wo wir so ziemlich alles, was wir verkostet hatten, kaufen konnten. Die Preise waren gemessen an der Qualität zwar nicht übertrieben, aber dennoch stattlich, und so kauften wir am Ende ein kleines Dreier-Probierpack und teilten es unter uns auf – Annki nahm Ingwertee, Kathrin Lemongrasstee und ich Kokoskaffee. Alles in allem war das ein total interessanter Ausflug.

Baumhaus-Café

All das wurde direkt vor Ort angebaut und verarbeitet.

Auf der Fahrt zurück nach Padangbai stockte der Verkehr und in mehreren Überholmanövern passierten wir eine hunderte Meter lange Schlange von LKWs, die die komplette Spur ins Dorf blockierten. Unser Fahrer meinte, die Ladeklappe des Fähranlegers wäre wieder einmal kaputt, das käme schon jeden Monat mal vor.

Nachmittags machten wir beide einen Abstecher zur Anlegestelle der Schnellboote, die nach Lombok und zu den vorgelagerten Gili-Inseln fuhren, wo wir am nächsten Tag hin wollten. Gili-Inseln ist eigentlich doppelt gemoppelt, da Gili in der lokalen Sprache schon Insel heißt, aber es hat sich so eingebürgert. Zur großen Nachbarinsel Lombok fuhr auch die Autofähre, deren Anleger gerade kaputt war, aber auf die Gilis kam man nur mit den Schnellbooten, von denen wir nicht das beste gelesen hatten. Daher gingen wir gezielt zum größten Boot, das wir schon zuvor mehrmals gesehen hatten, und ließen uns von einem Mitarbeiter direkt zu deren Büro bringen. Die Fahrt zu den Gilis führt schließlich über offenes Meer und wir erinnerten uns noch gut an unsere letzte Schnellbootfahrt auf Koh Lanta bei der Schnorcheltour. So etwas wollten wir gern vermeiden.

Nachdem wir das Ticket gekauft hatten, trafen wir uns abends noch einmal mit Annki zum Abendessen. Sie hatte in ihrem Hotel gefragt, wo die Einheimischen essen und wir sollten zum Hafen gehen, wo die Autofähre anlegt. Auf dem Weg dorthin sahen wir, dass die LKW-Schlange definitiv nicht kürzer geworden war. Wir konnten sie zwar nicht einsehen, aber es hätte mich nicht überrascht, wenn sie inzwischen mehrere Kilometer lang war. Entsprechend viel los war am Hafen. Zwischen all den Grill- und Fleischbällchenbuden fanden wir am Ende tatsächlich ein kleines Restaurant, das unseren geliebten Nasi Campur (Reis mit Zeugs) servierte, und dort aßen wir unglaublich lecker und preiswert keine-Ahnung-was; außer dem Reis und dem Tempe kann man meistens nicht viel zuordnen – irgendwelches Gemüse, geraspelte Kartoffel, für Annki und Kathrin noch etwas Hühnchen. Als wir fertig waren, hatte die LKW-Schlange begonnen, sich in Bewegung zu setzen, also schien das Fährproblem endlich behoben zu sein. Wir verabschiedeten uns von Annki, die noch etwas auf Bali bleiben wollte, und gingen unsere sieben Sachen packen, um am nächsten Morgen weiterreisen zu können.

Yogyakarta

05. Mai 2017, Padangbai

Wir wollten wenigstens einmal mit dem Zug fahren in Indonesien, also buchten wir uns online ein Ticket nach Yogyakarta. Die Onlinebuchung war ganz unkompliziert, wir mussten nur noch irgendwie nach Banjar kommen, wo der Zug fuhr, denn Batukaras liegt weit ab der Bahnstrecke.

Ingrid erklärte uns, dass es einen stündlichen Bus vom nächstgrößeren Dorf Cijulang dorthin gäbe, und dass wir mit Ojeks (Motorradtaxis) in das Dorf fahren müssten. Autotaxis gibt es nämlich in Batukaras auch nicht. Wir fragten, ob sie uns welche bestellen könnte – kein Problem.

Am Abreisetag mussten wir ziemlich früh aufstehen, da wir schon 6:30 Uhr los mussten, um rechtzeitig einen Bus in Cijulang zu erwischen. Wir frühstückten und fragten Dadang, wann die Motorradtaxis kommen würden, worauf er antwortete, dass er uns fahren würde. Auf seinem Motorrad. Mit unserem ganzen Gepäck? Ja, kein Problem. Ich fragte ihn, ob er unser Gepäck gesehen hätte, woraufhin er etwas verlegen lachte. Indonesier transportieren alles auf Motorrädern, aber drei Personen, zwei Kraxen und zwei Handgepäckrucksäcke konnte ich mir irgendwie doch nicht so ganz vorstellen. Es stellte sich heraus, dass Dadang das auch nicht konnte, aber das ist Indonesien und hier wird noch jedes Problem irgendwie gelöst. Am Ende wurde kurzerhand einer der Bauarbeiter, die den neuen Bungalow bauen, ausgeborgt, so dass wir zwei Motorräder hatten und dann fuhren wir die Abkürzung, die nicht nur über sehr schlechte Straßen mit Schotter und riesigen Schlaglöchern führte, sondern auch noch über eine unglaublich wackelige Bambusbrücke, deren Maschendrahtgeländer im Falle eines Falles nicht mal ein Fahrrad gehalten hätte. Als Entschädigung gab es einen wunderschönen Ausblick auf den darunter liegenden Fluss im nebeligen Morgenlicht.

In Cijulang verhandelte Dadang noch kurz mit dem Busfahrer, damit wir nicht den doppelten Preis bezahlen mussten, und dann fuhr der Bus auch schon los. Ingrid hatte uns versichert, dass es maximal drei Stunden nach Banjar dauern würde. Aber wie gesagt, das ist Indonesien, und da sollte man sich nie auf die Zeitangaben verlassen. Am Ende waren es dreieinhalb Stunden und der Busfahrer lud unser Gepäck am Straßenrand anderthalb Kilometer vom Bahnhof entfernt aus. Zum Glück hatten wir immer noch Zeitpuffer und erreichten den Bahnhof eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges. Dort zeigten wir unsere Buchungsbestätigung auf dem Handy, bekamen das Ticket ausgedruckt und durften dann in einem klimatisierten Raum warten, was nach der Lauferei in der Mittagshitze mit dem Gepäck ganz angenehm war.

Der Zug kam tatsächlich pünktlich, was wir ehrlich gesagt nicht erwartet hatten, und da wir 2. Klasse fuhren, war der Waggon klimatisiert und wir hatten reservierte Sitzplätze. Die Fahrt nach Yogyakarta führte durch wunderschöne Landschaft mit Reisfeldern, Seen und kleinen Wäldchen und dauerte etwa vier Stunden. In Yogya angekommen drängten wir uns wieder einmal durch ein Heer von Taxi- und Pferdekutschenfahrern, die uns alle zu unserem Hostel bringen wollten, was aber nur ein paar Hundert Meter entfernt lag, also liefen wir.

Ausblick vom Zug

Das Hostel war riesig (unser Dorm hatte die Nummer 51), fast schon zu modern (alle Türen und Locker ließen sich nur mit einer Hi-Tech-Schlüsselkarte öffnen, für die wir satte 10 € Pfand bezahlen mussten, in Indonesien ein Vermögen) und daher insgesamt ziemlich unpersönlich. Außerdem war es recht teuer, aber da Wochenende war, hatten wir nichts günstigeres mehr gefunden. Wir suchten aber gleich für die nächste Nacht etwas anderes, und zogen Sonntag um in ein kleines, gemütliches Guesthouse in der Nähe des Palastes.

Da es Sonntagmittag im Palast eine Tanzdarbietung geben sollte, luden wir nur unser Gepäck im neuen Quartier ab und machten uns gleich auf den Weg dorthin. Allerdings hatten wir die Größe des Palastes gewaltig unterschätzt, bzw. was auf der Karte als Palast eingetragen war, war in Wirklichkeit nur das innerste Zentrum. Yogyakarta ist nämlich quasi eine autonome Region innerhalb Indonesiens und wird von einem Sultan regiert, und wir wussten nicht, dass das gesamte Wohngebiet um den Palast herum auch noch dazu gehörte. Dies erklärte uns ein freundlicher Herr, der uns auf der Suche nach dem Eingang herumirren sah und uns anbot, den Weg zu zeigen. Er sagte, er sei einer der Palastmusiker und spiele Xylophon im Orchester; er zeigte uns auch gleich seinen Dienstausweis. Er lief mit uns durch endlose Gassen – den Weg hätten wir allein nie gefunden, zeigte uns, wo die Tänzer und Tänzerinnen probten und bot uns dann an, uns noch die offizielle Batikakademie des Palastes zu zeigen, da die Tanzvorführung an diesem Tag aufgrund der Hochzeit einer der Tänzerinnen erst halb eins stattfinden würde. Bei Kathrin klingelten da schon alle Alarmglocken, da das zu sehr nach Tourifalle klang, aber der Mann war so sympathisch und wirkte eigentlich ziemlich ehrlich, sodass wir ihm doch folgten. Er brachte uns zu einer Werkstatt, wo Stoffe in der traditionellen Technik gebatikt wurden und verabschiedete sich dann. An seiner Stelle führte uns dann der Leiter des Werkstattateliers herum, erklärte uns den Herstellungsprozess und versicherte uns, dass wir nichts kaufen müssten, was ihn aber nicht davon abhielt, uns trotzdem noch die Preisliste in die Hand zu drücken. Im Endeffekt haben wir wahrscheinlich Glück gehabt; es war schon eine Tourifalle (es gibt nämlich gar keine offizielle Batikakademie) aber niemand zwang uns, etwas zu kaufen und so konnten wir einfach die wunderschönen Bilder anschauen und sogar fotografieren und nebenbei noch lernen, dass Batik im Prinzip wie sorbische Ostereimalerei funktioniert: mit Wachs wird das Muster aufgemalt, dann wird der Stoff gefärbt und anschließend heiß ausgewaschen, sodass das Wachs verschwindet. Für weitere Muster in weiteren Farben wird der Prozess wiederholt, so oft bis alle gewünschten Farben drauf sind – eine ziemlich zeitaufwändige Sache.

Eine der vielen Gassen rund um den Palast

Die Kunstwerke im Batikatelier

Von dem Atelier aus war es nicht mehr weit bis zum Eingang des eigentlichen Palastes, wo wir kurz vor elf ankamen. Beim Ticketkauf sagte man uns, die Tanzdarbietung würde ganz normal um elf stattfinden – keine Ahnung, was uns unser freundlicher Xylophonspieler da erzählt hat (wir fragten uns auch, ob er es denn dann rechtzeitig zu seinem Auftritt geschafft hat, wenn er überhaupt ein echter Musiker war). Zumindest waren wir rechtzeitig vor Ort, auch wenn wir keine Stühle mehr erwischten und vor der Bühne auf dem Fußboden sitzen mussten, aber dafür in der ersten Reihe.

Es wurden drei traditionelle Tänze zur etwas gewöhnungsbedürftigen, aber seltsam fesselnden Musik eines Gamelan-Orchesters dargeboten. Zuerst tanzten vier Frauen in unglaublich prächtigen Kostümen, danach Männer in nicht minder aufwändigen Kostümen und Make-up. Beeindruckend war die unglaubliche Körperbeherrschung – jede Geste, jede Fingerbewegung, jeder mimische Ausdruck hatte eine Bedeutung, die wir zwar nicht verstanden, die aber dennoch sehr anmutig anzusehen war. Die Vorführung dauerte eine Stunde, aber ich hätte noch viel länger zusehen können (auf unserem YouTube-Kanal gibt es noch ein paar mehr Videos davon, wen es interessiert).

Die Tänzerinnen

Ein Tänzer

Die Gamelan-Instrumente

Danach schauten wir uns vom Palasthof an, was der Öffentlichkeit zugänglich war und entkamen einem weiteren freundlichen Herren, der uns herumführen wollte. Wir liefen zurück zu unserem Guesthouse, ließen uns ein Restaurant empfehlen, in dem es Nasi Campur (Reis mit verschiedenen Beilagen, so wie in dem kleinen Restaurant in Batukaras) gab, und verbrachten den Nachmittag dann mit Organisationsdingen, da wir am nächsten Tag unser Visum verlängern lassen wollten.

Im Keraton, dem Palast

Für die Verlängerung des Visums braucht man vor allem ein Ausreiseticket, also war es Zeit für uns, einen Flug nach Neuseeland zu buchen. Wir suchten uns das günstigste Angebot Ende Mai, buchten und die freundlichen Mitarbeiter des Guesthouses druckten nicht nur die Tickets für uns aus, sondern machten uns auch gleich noch die notwendigen Kopien von Pass und Visum für die Imigrasi, die Immigrationsbehörde.

So gut vorbereitet nahmen wir uns am nächsten Morgen ein Uber zum Flughafen, wo die Imigrasi angesiedelt ist. Obwohl die Behörde auch für alle Passangelegenheiten der Einheimischen zuständig ist, liegt sie nicht etwa irgendwo zentral, wo man sie gut erreichen könnte; nein, sie liegt am Flughafen, eine Fahrstunde vom Stadtzentrum entfernt. Wir fragten uns durch, erhielten Formulare zum Ausfüllen und eine Nummer und wurden dann in einen Warteraum geschickt, wo wir gar nicht allzu lange warten mussten. Am Schalter prüfte eine Angestellte unsere Anträge, sagte uns, dass wir keinen indonesischen Bürgen eintragen müssten, schickte uns los, das Formular nochmal neu auszufüllen und nahm dann die Anträge samt unserer vorbereiteten Dokumente und Pässe entgegen. Wir erhielten einen Zettel mit einer Bearbeitungsnummer und sollten zwei Tage später wiederkommen.

Da es erst früh um neun war, beschlossen wir, einen der großen Tempel, für die Yogyakarta berühmt ist, anzuschauen, denn dieser lag nicht so weit vom Flughafen entfernt und es gab sogar einen öffentlichen Bus dorthin.

Der Tempel Prambanan ist die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens und sogar noch älter als Angkor Wat in Kambodscha. Um die schwarzen Türme herum liegt ein schöner Park, wo man sich mit einer kleinen Elektrobahn noch zu einigen kleineren Ruinen fahren lassen konnte. Am Wegesrand waren Berge von Tempelsteinen aufgetürmt, Reparaturarbeiten nach dem letzten verheerenden Erdbeben 2006. Wir kletterten auf alle Türme, schauten in alle Kammern und liefen einmal über die gesamte Plattform, aber bei 37°C war das ganz schön anstrengend. Abgerundet wurde der Besuch durch ein kleines Museum zur Geschichte des Tempels, wo man auch einen kurzen Film über die Anlage schauen konnte. Kathrin passte auf und verstand als erste von uns endlich einmal die zugegebenermaßen etwas verwirrende Ramayana-Geschichte, die im Hinduismus so wichtig ist. Ich döste selig weg, und als der Film zu Ende war und das Licht anging, stellten wir fest, dass so ziemlich alle anderen Zuschauer auch eingeschlafen waren, was ein sehr amüsanter Anblick war, wie alle so in ihren Sesseln hingen.

Prambanan

So steile Treppen…

Am nächsten Tag ging es gleich weiter mit Hauptsehenswürdigkeit Nummer zwei, dem buddhistischen Tempel Borobudur, für den wir ein Kombiticket mit Prambanan erworben hatten. Auch dorthin konnten wir mit öffentlichen Bussen fahren, was aber gut und gern zwei Stunden dauerte. Wir brachen extra zeitig auf, um der größten Hitze zu entkommen; selbst morgens halb acht zeigte das Thermometer schon satte dreißig Grad. Wie Prambanan ist auch Borobudur Weltkulturerbe und war entsprechend gut besucht, wie immer hauptsächlich von indonesischen Touristen. Für die waren wir eine größere Attraktion als die Anlage selbst; über zwanzig mal wurden wir angesprochen und um Fotos gebeten, was irgendwann einfach nur noch nervte. Wir nahmen uns Zeit, jede der Ebenen des Tempels zu umrunden bevor wir auf die nächsthöhere kletterten und abseits der Haupttreppe im Osten hatten wir auch überwiegend unsere Ruhe. Von oben hatte man eine weite Sicht auf das Umland, aber der nahe gelegene Vulkan Merapi, der den Tempel bei seinem letzten Ausbruch 2010 mit einer zentimeterdicken Ascheschicht bedeckt hatte, blieb leider im Dunst verborgen.

Borobudur

Am darauffolgenden Tag, Mittwoch, mussten wir wieder zur Imigrasi. Da wir mittlerweile ganz versiert in der Benutzung des Busnetzes waren, fuhren wir mit dem Stadtbus hin, was auch nicht viel länger dauerte als mit dem Auto. Wir fragten uns wieder durch, bekamen unsere Anträge in die Hand und wurden zur Kasse zum Bezahlen geschickt. Dort erhielten wir einen neuen Beleg und sollten dann im Gang warten. Nach einer Weile wurden wir einzeln in ein Büro gerufen, wo ein Beamter uns fotografierte und unsere Daumenabdrücke nahm. Alle Anweisungen gab er dabei nur durch Grunzen. Anschließend gaben wir unsere Anträge wieder am Schalter ab und man erklärte uns, dass wir unsere Pässe am nächsten Tag abholen könnten. Was für ein Aufwand.

Zurück im Zentrum machten wir uns auf den Weg, den Taman Sari zu suchen, das Wasserschloss. Es ging wieder in die Gassen um den Sultanspalast und wir irrten etwas umher, bis wir es schließlich fanden und uns dann erst einmal zum Eingang durchfragen mussten. Einst war die Anlage riesig und diente dem Sultan und seinen Konkubinen und zahlreichen Kindern als Erholungs- und Erfrischungsort, aber heute gibt es nur noch einige hübsch ornamentierte Tore und Innenhöfe mit Wasserbecken, in denen niemand mehr badet – etwas verwahrlost, aber gerade deshalb sehr charmant.

Anschließend wurde nicht mehr viel, da es uns beiden nicht gut ging. Kathrin hatte Husten und Schnupfen und ich bekam leichtes Fieber und Gliederschmerzen. Leider besserte sich nichts davon am nächsten Tag, was die Fahrt zur Imigrasi zu einer ziemlichen Tortur machte. Immerhin erhielten wir unsere Pässe schon nach wenigen Minuten und konnten dann zurück in die Ruhe (und Kühle) unseres Guesthouses flüchten, wo wir den Rest des Tages, und auch den darauffolgenden Tag (Freitag) im Bett lagen und debattierten, ob wir zum Arzt gehen sollten oder nicht, da meine erhöhte Temperatur einfach nicht runtergehen wollte.

Samstag mussten wir leider unser Guesthouse verlassen, da es ausgebucht war. Wir fanden etwas preiswertes in der Nähe für eine Nacht, aber danach war auch das ausgebucht, weil Montag ein Feiertag war und daher Heerscharen von Besuchern in die Stadt strömten. Zum Glück ging es uns Samstag schon wieder besser, sodass wir beschlossen, Sonntag Yogyakarta zu verlassen. Wir wollten zum Vulkan Bromo, wohin wir entweder mit einer Zwischenübernachtung mit dem Zug und noch ein paar Stunden mit dem Bus fahren konnten, oder direkt mit einem Minibus. Die Minibusfahrt sollte zehn Stunden dauern und war wesentlich günstiger als die Zug-und-Bus-Variante, also entschieden wir uns dafür. Wie schlimm konnte es schon werden… 😉

Das unheilbare Batukaras-Virus

01. Mai 2017, Lovina/Bali

Auf geht’s zu einer weiteren Nachtfahrt und einer weiteren Begegnung mit dem indonesischen Straßenverkehr. Als wir eine reichliche Stunde früher als geplant abgeholt wurden, waren wir noch guter Dinge. Unsere Kraxen wurden in den Kofferraum des Minibusses geladen und man hieß uns, in der letzten Reihe Platz zu nehmen. Es gab sogar ein kleines Kopfkissen für jeden. Neben uns über den Gang lag noch ein freier Sitzplatz und vor uns waren noch zwei Reihen frei. Uns war natürlich klar, dass es nicht so weitergehen würde, aber die Indonesier schafften es dennoch, uns zu überraschen.

Wir fuhren zu einem Depot des Busunternehmens und dort wurden eine Menge Säcke und Kisten eingeladen. Eine Menge. In den Säcken schienen sich in erster Linie Tupperdosen zu befinden. Sie wurden in den Kofferraum auf unsere Rucksäcke geladen und türmten sich weiter und weiter auf bis direkt unter die Fahrzeugdecke, bis sich die Kofferraumklappe buchstäblich nicht mehr bzw. erst beim fünften Versuch schließen ließ. Damit war aber noch nicht alle Ware eingeladen. Diverse Kisten, Taschen und die obligatorischen Reissäcke mussten auch noch irgendwohin. Diese wurden auf die Sitze der ersten Reihe, auf den Boden in den Gang sowie auf den leeren Sitz neben uns gestapelt. Danach warteten wir wer weiß worauf. Wahrscheinlich auf Mitternacht, die offizielle Abfahrtszeit, jedenfalls standen wir noch eine Dreiviertelstunde an Ort und Stelle, ohne das irgendetwas passierte.

Da der Bus nun im Prinzip voll war, nahmen wir in unserer deutschen Naivität an, dass wir nun los nach Batukaras fahren würden. Nun ja, wir fuhren schon los, und sicher auch irgendwie dahin, wo wir hinwollten, nur war der Bus noch nicht voll. Und indonesische Busse fahren erst, wenn sie voll sind. Also holten wir noch eine Frau hier ab, und noch ein paar Taschen da. Und noch einen Herrn. Und noch zwei Kisten. Und noch zwei Frauen, die noch zwei Säcke voller Zeug hatten. Und noch ein altes Ehepaar. Und noch mehr Gerassel. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wo und wie der Fahrer und sein Gehilfe diese Menge an Passagieren und Waren unterbrachten. Immer, wenn neue Fahrgäste dazukamen, wurde das bereits in zu großer Menge vorhandene Gepäck noch weiter in bester Tetrismanier komprimiert, um noch weitere Sitzplätze freizuschaufeln. Fragt mich nicht, wie sie es gemacht haben, aber irgendwie ging es, wenn auch der Fahrergehilfe am Ende als Sitzplatz nur noch eine Kiste direkt an der Tür hatte, die sonst beim Öffnen der selbigen auch hinausgefallen wäre.

All diese Menschen und Dinge einzusammeln dauerte natürlich nicht nur eine halbe Stunde. Nein, es dauerte eher so… drei Stunden, und das bei einer angeblichen Fahrzeit von fünf bis sechs Stunden, und wir hatten Bandung noch nicht einmal verlassen. Aber freundlicherweise gab es auch mal einen Klostopp, bei dem wir in der letzten Reihe allerdings erst einmal mehrere Minuten darauf warten mussten, dass der Gang ausreichend freigeräumt wurde, damit wir überhaupt aussteigen konnten. Dann ging die Fahrt weiter und aus den fünf bis sechs Stunden wurden am Ende neun, eingepfercht zwischen Säcken mit Tupperware, die natürlich nicht die ganze Zeit blieben, wo sie waren, weshalb wir die letzten anderthalb Stunden damit verbrachten, sie uns vom Kopf zu schieben, von den Kisten, die Kathrin von der Gangseite her bedrängten, mal ganz abgesehen.

Es war mal wieder eine sehr lange Fahrt und ein weiteres gutes Beispiel für „Wie schlimm kann es schon werden?“ Wir waren mehr als froh, als wir schließlich als allerletzte im Hof des Sadati Homestay im Dörfchen Batukaras abgeladen wurden, wo uns unsere Gastgeberin Ingrid schon erwartete.

Dafür hat uns der Aufenthalt dort dann mehr als entschädigt.

Wir hatten eine sehr moderne, saubere, gemütliche Bungalowhälfte in einem wunderschönen Garten für uns. Der Bungalow war mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, eigenes Bad, Ventilator, Wäschegestell, eigene Terrasse und sogar für jeden ein Seitenschläferkissen im Bett. Dazu gab es Wasser, Tee und Kaffee, soviel wir wollten. Wir legten uns erst einmal hin und holten ein bisschen verpassten Nachtschlaf nach.

Unser Bungalow

Blick von unserer Terrasse in den Hof: gegenüber noch ein Gästebungalow, in der Mitte das Wohnhaus der Familie und ganz rechts der Gazebo/Gemeinschaftsbereich

Mittags radelten wir zum Strand – die Fahrräder konnten wir kostenlos ausleihen – und aßen in einem der kleinen Restaurants. Leider war es zum Laufen zu weit und im Dunkeln mit dem Fahrrad etwas unangenehm, da es nur wenig Straßenbeleuchtung gab. Daher fuhr uns am ersten Abend Dadang, Ingrids Mann, mit dem Motorrad zu den Strandrestaurants und holte uns eine Stunde später wieder ab, aber uns war klar, dass das keine Dauerlösung sein konnte.

Mit dem Fahrrad die Beach Road entlang…

In der Mitte des Hofes gab es einen überdachten Gemeinschaftsbereich, der gleichzeitig quasi als das Wohnzimmer der Familie fungierte und wo sich Gäste, Gastgeber und die anwesenden Freunde und Handwerker, die gerade einen weiteren Bungalow bauten, erholen und unterhalten konnten. Irgendjemand saß eigentlich immer dort und war für einen Schwatz zu haben, meistens Ingrid, die 1994 als Backpackerin aus Schweden nach Indonesien gekommen war, sich in Dadang verliebte und dann dort blieb. Die beiden haben zwei Töchter im Teenager-Alter. Neben Ingrid und Dadang redeten wir auch viel mit Agus, einem örtlichen Künstler, der für den neuen Bungalow (der dritte im Hof) eine wunderschöne Mosaiktreppe fertigte, sowie mit Jodie, einer Australierin, die mit ihrem indonesischen Freund drei Wochen dort Urlaub machte. Und die Gespräche beschränkten sich nicht nur auf den Tag und Abend. Selbst nachts, als ich einmal gegen 4:30 wach war, sah ich Ingrid und Jodie draußen plauschen – sie konnten auch beide nicht schlafen – und gesellte mich prompt dazu. So standen wir eine halbe Stunde unter dem Vordach von Jodies Bungalow, während es in Strömen goss, bis es Zeit für Ingrid wurde, nach ihren Töchtern zu sehen, die schon um fünf aufstehen mussten, um zur Schule zu fahren.

Und morgens halb, um fünf waren wir eigentlich immer wach, da in Indonesien, zumindest auf Java, eine Moschee nie weit ist. In Batukaras schien es gemessen an der nicht gerade riesigen Bevölkerungszahl eine überproportional hohe Moscheendichte zu geben, und die rufen alle vor Sonnenaufgang das erste Mal zum Gebet. Alle mehr oder weniger gleichzeitig mit Lautsprechern verbesserungswürdiger Qualität. Da hat man, noch bevor der Hahn kräht, schon mal eine halbe Stunde Konzert. Aber damit war es in Batukaras noch nicht getan. Entweder sind die Leute dort besonders fromm oder sie nehmen die Ausbildung des Nachwuchses in der Madrassa, der Koranschule, besonders ernst. Jedenfalls saßen dort tagsüber nicht nur die Muezzine, sondern auch noch die Koranschüler stundenlang am Mikrofon. Auch wenn man uns immer wieder versicherte, dass sie nicht singen, klang es doch sehr wie ein und dasselbe Lied, das sie alle übten, und die Melodie können wir mittlerweile auswendig. Man muss auch fairerweise sagen, dass so manch ein Knabe in der Madrassa wesentlich mehr Talent hatte als die Muezzine und wir hörten ihnen eigentlich auch gerne zu.

Nach einem mehr als üppigen Banana Pancake-Frühstück fuhr Dadang mit uns an unserem zweiten Morgen zum Strand und versuchte, uns das Surfen beizubringen. Bretter gab es am Strand auszuleihen und die Wellen waren nicht zu groß und sehr gleichmäßig, eigentlich ideal. Es dauerte trotzdem mehrere Stunden, bis wir beide mal schafften, für wenige Sekunden auf dem Brett zu stehen. Wahrscheinlich haben wir nicht so übermäßig viel Talent, und vielleicht war Dadang, wenngleich so etwas wie eine lokale Surflegende, auch nicht der beste Lehrer. Die anderen Touristen, die direkt am Surfbrettverleih eine Unterrichtsstunde buchten, standen alle nach wenigen Minuten schon auf dem Brett. Aber wir wollten nicht undankbar sein, schließlich widmete Dadang uns seine Zeit kostenlos, und Spaß hatten wir ja trotzdem.

Legok Pari – sozusagen der Hausstrand von Batukaras (hier bei Ebbe)

Der Surfbrettverleih

Mittags fuhren wir nach Hause – ganz indonesisch einfach nass in Badeklamotten zu dritt aufs Motorrad, natürlich ohne Helm, wie alle hier, und Dadang brachte uns frittierte Bananen und eine Kokosnuss. Nachmittags versuchten wir uns nochmal im Surfen (Birgits Rekord liegt bei vier Sekunden) und abends waren wir nicht nur ziemlich erschöpft sondern es begann sich auch der Sonnenbrand des Jahres abzuzeichnen.

Und damit war der nächste Tag effektiv gelaufen. Obwohl es bewölkt gewesen war, als ich auf dem Surfbrett gelegen und auf die Wellen gewartet hatte, hatte ich einen mörderischen Sonnenbrand auf der Rückseite der Beine und im Gesicht. Kathrins Beine waren auf wundersame Weise weitgehend verschont geblieben und sie hatte nur Farbe im Gesicht. Meinereins konnte weder sitzen noch auf dem Rücken liegen und Dadang besorgte uns erst einmal ein paar Aloe-Blätter. Dazu kam noch ein unglaublich stark juckender Ausschlag, den ich (B) am ganzen Körper von irgendwelchem Plankton im Wasser bekommen hatte. Wir hatten den Plankton beim Schwimmen schon gespürt, es fühlte sich an wie kleine Bisse, aber bei den meisten Menschen hat es sich damit erledigt. Nicht so bei mir, ich hatte rote Pusteln an den Armen, Beinen und am Bauch, die bei der geringsten Berührung mit Stoff juckten wie verrückt. Ich hatte nachts fast im Bett gestanden und immer wieder kaltes Wasser darüber laufen lassen, da Kratzen es natürlich nur noch schlimmer machte. Ich versuchte es mit einem Öl und Babypuder, das beides überhaupt nichts brachte, ebenso wenig wie Fenistil. Ich war der Verzweiflung schon nahe als Ingrid abends auf die rettende Idee kam und mir eine Allergietablette gab. Die knockte mich nicht nur wunderbar für die ganze Nacht aus, sondern als ich am nächsten Morgen aufwachte, spürte ich auch das Jucken kaum noch. Sie brachte mir daraufhin eine ganze Packung aus der Apotheke im Nachbarort mit.

Am darauffolgenden Tag wurde noch nicht viel wegen des Sonnenbrands, aber Dadang bot nachmittags an, eine Ausfahrt mit uns zu einer benachbarten Bucht zu machen. Kathrin war das Motorradfahren nicht ganz geheuer aber ich wollte sein gut gemeintes Angebot nicht ausschlagen und so schwang ich mich in meiner am wenigsten reibenden Hose hinten aufs Motorrad und wir fuhren eine knappe halbe Stunde zu zwei anderen Stränden, kletterten in Flipflops die Felsen hinauf und hatten von oben eine grandiose Aussicht auf die Weite des Meeres und die großen Wellen.

Unser Ausflug

Ingrid hatte uns ein paar Tipps gegeben, was man noch in der Umgebung unternehmen könnte, und der Green Canyon klang eigentlich ziemlich schön. Nach Ingrids Beschreibung, die ich, wie sich später herausstellte, wohl nicht ganz vollständig gehört hatte, bestand die Tour dorthin aus Boot fahren und im Canyon schwimmen, also meldeten wir uns für den nächsten Tag an.

Zwei junge Männer holten uns früh ab, natürlich mit dem Motorrad, und während der eine ein ganz normales Moped hatte, auf dem man bequem zu zweit sitzen konnte, hatte der andere so ein Offroad-Teil, das zwar mit riesigen Reifen, dafür aber mit einem sehr kurzen Sitz ausgestattet war. Noch dazu war der gute Mann ziemlich korpulent, sodass es eine sehr kuschelige Fahrt wurde, aber das ist Indonesien, da darf man nicht zimperlich sein.

Eigentlich hatten sich noch mehr Leute zu der Tour angemeldet aber sie sagten spontan ab, sodass es dann nur noch wir beide waren. Dafür hatten wir dann jeder einen Guide und noch einen dritten Mann zum Fotografieren, was sich als sehr nützlich herausstellen sollte. Wir fuhren auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks ein Stück den Fluss hinauf und in den Wald. Von dort liefen wir vielleicht fünf Minuten steil bergab bis wir den Canyon erreichten. Wir hatten Schwimmwesten und Gummischuhe bekommen und mir dämmerte allmählich, dass Body Rafting mehr ist als nur „im Fluss schwimmen“. Das hatte ich in Ingrids Tourbeschreibung irgendwie verpasst. Kathrin schien zu wissen, worauf wir uns da einließen.

Es fing noch relativ harmlos an, wo der Fluss gemächlich dahin floss und wir uns einfach treiben lassen konnten. Aber irgendwann begannen die Stromschnellen und da war für mich der Spaß vorbei. An Schutzausrüstung hatten wir nämlich nur einen Helm erhalten, mit dem man sich mehr strangulierte als alles andere, und ich für meinen Teil hätte gerne noch etwas an den Armen, Beinen und Gelenken gehabt. Ich fühlte mich sehr unsicher – zum Glück war mein Guide der dicke Typ, der mich mit dem dicken Motorrad abgeholt hatte, und er gab zumindest einen halbwegs passablen Puffer ab. Kathrin hatte dafür Spaß für zehn und machte alle noch so verrückten Dinge mit, Stromschnellen, von sieben Meter hohen Felsen springen, noch mehr Stromschnellen, da konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln und war heilfroh, als es nach drei langen Stunden endlich vorbei war.

Wenigstens eine hatte Spaß.

Im Anschluss gab es noch die angekündigte Bootsfahrt auf einem ruhigeren Teil des Flusses, wirklich sehr schön, und ein leckeres Mittagessen beim Veranstalter der Tour, bevor wir wieder zurück zu unserem Homestay gefahren wurden.

Die Essenssituation verbesserte sich auch in unserem Fischerdörfchen. Zum einen fanden wir den Weg zu den Strandrestaurants mittlerweile auch im Dunkeln mit dem Fahrrad mit einer Stirnlampe; zum anderen hatten uns andere Gäste ein Restaurant in der Nähe empfohlen, das wir ohne ihren Tipp vollkommen übersehen hätten. Es war im Prinzip nur ein Wohnzimmer mit einer kleinen Glasvitrine, in der hinter einer vergilbten Gardine mehrere vorgekochte Gerichte, größtenteils vegetarisch, in Metallschalen angeboten wurden. Man nahm sich Reis aus einem riesigen Korb, der mit einem Tuch abgedeckt war, bediente sich aus den Metallschalen soviel man wollte, und nahm auf einem der sechs Plastestühle an dem einen Tisch Platz. Die alte Inhaberin brachte jedem noch eine Tasse Tee, und man konnte sich noch Sambal (hausgemachte Chilisauce), hartgekochte Eier oder Kräutertofu in Bananenblättern nehmen. Der Preis berechnete sich danach, wie viele verschiedene Sachen man nahm, aber wir bezahlten immer unter zwei Euro. Zu zweit. Inklusive Getränk. Und das Essen schmeckte so unglaublich lecker; fortan aßen wir nur noch dort, zumal es ja auch jeden Tag andere Gerichte gab.

Wir gingen noch ein, zweimal baden, spazierten durch den Ort, erkundeten die Aussichtspunkte oberhalb der Buchten und verbrachten viel Zeit auf unserer schönen Terrasse oder schwatzend mit Ingrid und den anderen Leuten im Garten. Drei Tage hatten wir bleiben wollen, am Ende wurden es acht, bevor wir uns auf die Weiterreise nach Yogyakarta machten. Batukaras war wirklich ein Geheimtipp; es war sehr ruhig dort und wir haben uns bei Ingrid und Dadang so wohl gefühlt, dass ich mir vorstellen könnte, einen ganzen Urlaub nur dort zu verbringen. Das ist das Batukaras-Virus, verriet uns Ingrid: einmal infiziert, will man immer wieder dorthin zurück. Schöne Landschaft, nette Leute, leckeres Essen und eine sehr ansteckende Ruhe. Wenn es nur nicht so abgelegen wäre…

Kulturschock Indonesien

20. April 2017, Yogyakarta

Nach dem, was wir gelesen hatten, schien Jakarta keine Stadt zu sein, die wir unbedingt sehen müssten – groß, laut, dreckig. Also machten wir einen Bogen darum und nahmen direkt vom Flughafen einen Bus in die etwa zwei Stunden südlich gelegene Stadt Bogor. In unserer Vorstellung war Bogor eine kleine Stadt, etwas höher gelegen als Jakarta und daher kühler, und da es das Wochenendziel reicher Jakarta-Bewohner ist, stellten wir uns so eine Art Höhenkurort vor – gediegen, angenehm frisch, grün, nicht so überlaufen, und wir hofften, uns dort besser akklimatisieren zu können. Eine Hoffnung, die leider unerfüllt blieb (bis auf das Grün).

Zum Glück hatten wir von unserem Hostel eine – wenn auch etwas vage – Anfahrtsbeschreibung erhalten, denn uns erwartete der indonesische Kulturschock pur sobald wir in den Busbahnhof einrollten. Ein Heer von Taxifahrern ließ uns kaum aus dem Bus aussteigen und drängte seine Dienste auf; wir ließen sie hinter uns und liefen bis vor an die Hauptstraße, wo wir mit einem der öffentlichen Minibusse, Angkot genannt, fahren sollten. Leider war die Beschreibung nicht besonders akkurat, wo genau das Angkot in unsere Richtung fahren sollte. Im Endeffekt begriffen wir, dass uns nichts anderes übrig blieb, als die zweispurige Hauptstraße, auf der aber dreispurig gefahren wurde, zu überqueren – so etwas wie eine Ampel war natürlich weit und breit nicht zu sehen. Irgendwann schafften wir es und dank unserer Karten-App konnten wir immerhin den Namen des Stadtteils herausfinden und den wartenden Fahrern nennen, die uns dann zu einer Seite des Fußwegs schickten, wo schon zwei Leute warteten. Ein älterer Herr, der ziemlich gut Englisch konnte, war unsere Rettung, denn er kannte das Hostel. In der Beschreibung stand nur eine Bankfiliale, an der wir aussteigen sollten (Haltestellen gibt es natürlich auch keine, man meldet sich einfach, wenn man aussteigen will), und wir mussten feststellen, dass auf dieser Straße eine Bank an der anderen lag. Unser rettender Engel brachte uns dann sogar noch über die Straße und wies uns den Weg in die richtige Seitenstraße. Ich weiß nicht, was wir ohne ihn gemacht hätten.

Abends liefen wir die kürzest mögliche Distanz zum nächstgelegenen Restaurant, das man uns im Hostel empfohlen hatte, aber es war ziemlich schick und eher teuer, und mein Magen lehnte gebratenen Reis von vornherein ab. Also aßen wir nur ein paar Vorspeisen und waren froh, als wir die Sicherheit unseres sehr hübschen Hostels wieder erreichten.

Am nächsten Morgen hörten wir zu, wie die Gastgeberin einem anderen Gast eine Reihe vegetarischer Gerichte aufzählte. In Indonesien, das lernten wir sehr schnell, muss man die indonesischen Namen der Gerichte kennen, da Speisekarten fast nie auf Englisch sind. Wir kamen ins Gespräch, und da sich herausstellte, dass er auch den Botanischen Garten besichtigen wollte – die einzige nennenswerte Sehenswürdigkeit in Bogor – fuhren wir zusammen dorthin.

Der Botanische Garten war sehr weitläufig und bestand in erster Linie aus Wiesen und riesigen, alten Bäumen. Hier und da gab es Themengärten sowie ein Orchideenhaus. Wir waren fast die einzigen Ausländer, aber schoben es darauf, dass Bogor nicht gerade eine Backpacker-Stadt ist. Die Indonesier schauten uns an, als ob sie noch nie einen Ausländer gesehen haben und als uns die erste Gruppe Schüler ansprach und um ein Interview und Fotos bat, um ihr Englisch zu üben, fühlten wir uns sehr an China erinnert. Nach dem zweiten Interview flüchteten wir (sehr) schnellen Schrittes tiefer in den Park hinein, um weiteren lauernden Schülergruppen zu entkommen.

Der Botanische Garten von Bogor…

…ist sehr weitläufig.

Mexikanischer Garten – in Deutschland gedeihen diese Pflanzen nur im Gewächshaus.

Rehe in der Nähe

Wir irrten ein paar Runden durch den Park auf der Suche nach dem Palast, den wir beim dritten Anlauf auch fanden, nur um festzustellen, dass er nicht für Besucher zugänglich ist. Also machten wir von draußen ein paar Fotos durch den Zaun von den frei laufenden Rehen auf dem Gelände und da es dann schon Zeit fürs Mittagessen war, suchten wir uns ein Restaurant. Unser Kompanion hatte keine Skrupel, den nächstbesten Polizisten anzusprechen, der uns in eine Seitenstraße schickte, wo wir noch einmal Leute fragten, die auf einen Verschlag hinter einem kleinen Motorradparkplatz wiesen. Hinter der Fassade aus Brettern und Planen verbarg sich so etwas wie ein kleiner „Foodcourt“ – eine Ansammlung von drei, vier Straßenständen, die vermutlich verschiedene Speisen anboten, so genau war uns das nicht klar. Wir zeigten die Liste mit den vegetarischen Gerichten und eine Gruppe Einheimischer las sie durch, schüttelte mit dem Kopf, diskutierte, schüttelte wieder den Kopf und schickte uns dann zum nächsten Stand. Ein paar Worte wurden zwischen den Ständen hin und her gerufen und am dritten Stand nickte man und bedeutete uns, Platz zu nehmen.

Eine alte Frau bereitete vor unseren Augen etwas zu, das sich laut unserer Liste Gado-gado nannte und Gemüse in Erdnusssauce sein sollte. Alles wurde frisch geschnipselt und gebraten: Zucchini, Sprossen, irgendwelches anderes Gemüse und so eine Art Reispudding, in Stücke geschnitten; selbst die Sauce bereitete sie für jede Portion frisch mit einem Steinmörser zu. Wir hatten arge Bedenken hinsichtlich der Hygiene und ließen lieber die Finger von dem Glas Wasser, was jeder von uns noch dazu gereicht bekam, aber das Essen schmeckte vorzüglich (und jetzt, reichlich zwei Wochen später kann ich sagen, es war das beste Gado-gado bisher). Dann kam der spannende Teil: das Bezahlen. Wir hatten natürlich in all dem Chaos den klassischen Anfängerfehler begangen und nicht vorab nach dem Preis gefragt. Die freundliche alte Frau nannte uns eine Summe von stolzen 300.000 Rupien – etwa 24 Euro – und uns schliefen die Gesichter ein. Aus so einer Nummer kommt man normalerweise nicht heil heraus, zumal die Einheimischen eindeutig in der Überzahl waren. Wir fragten noch einmal nach – immer schön freundlich bleiben – und als die Verwirrung wuchs, bedeutete die Frau schließlich einem jungen Mann, die Summe auf einen Zettel zu schreiben. Und siehe da, auf einmal waren es nur noch 30.000, also rund 2,40 € für uns drei, das klang schon viel realistischer. Wir waren extrem erleichtert.

Eine Portion ist schon fertig, die anderen beiden werden gerade zubereitet.

Dann machten wir uns zügig auf den Heimweg, da die Wolken am Himmel immer dunkler wurden. Wir nahmen ein Angkot mit der selben Nummer wie am Vormittag, nicht wissend, dass es nicht dieselbe Strecke in die entgegengesetzte Richtung fahren würde. Das wurde uns erst klar, als es plötzlich von der Hauptstraße abbog. Also stiegen wir schnell aus und liefen eiligen Schrittes los, aber der Regen holte uns etwa fünf Minuten vor dem Hostel ein. Und wenn es in Bogor regnet (was jeden Nachmittag der Fall ist), dann ist das nicht nur ein kleiner Schauer… Wir suchten Schutz unter dem Vordach einen Restaurants, zusammen mit zahlreichen Mopedfahrern, und warteten, dass der Regen nachließe. Und warteten. Und warteten. Und warteten. Nach einer Dreiviertelstunde war abzusehen, dass sich das Wetter so schnell nicht ändern würde. Kathrin hatte als einzige von uns dreien einen Schirm. Also rannten wir damit los, so gut es ging, aber der Schirm bedeckte nur das Allernötigste und hüftabwärts wurde alles klatschnass, ebenso die Arme und Rucksäcke, für die wir zum Glück Regenhüllen hatten. Das Wasser floss in Bächen die Straße entlang; in unserer Gasse angekommen, wateten wir durch über-knöchelhohe Pfützen/Seen und hatten letztendlich einen Heidenspaß daran; man konnte es nur noch mit Humor nehmen.

Abends organisierte das Hostel eine gemeinsame Kochrunde für alle Gäste. Wir kochten, Überraschung, Gado-gado, was wir ja schon vom Mittagessen kannten. An Gemüse kann man im Prinzip verwenden was man will. Für die Sauce kam auch hier ein steinerner Mörser zum Einsatz. Unser Gastgeber fragte, wie viele Chilischoten wir verwenden wollten – er nähme üblicherweise fünf bis sechs pro Person. Wir waren zu sechst und entschieden uns, erst einmal eine Schote für uns alle zu nehmen. Die Schote wurde mit einer Prise Salz zerstampft. Dann kamen Erdnüsse dazu, etwas Wasser, Palmzucker in Stücken und Palmessig. Dann wurde verkostet – für uns Ausländer war die Sauce auf jeden Fall scharf genug. Dazu gab es Reis und frittierten Tempeh – eine feste Masse aus vergorenen Sojabohnen (nicht zu verwechseln mit Tofu), die in dünne Scheiben geschnitten und in Öl ausgebacken wurde. Es gibt noch andere Zubereitungsarten, aber diese Tempeh-Cracker waren derart lecker, dass wir uns fast mit unseren Gabeln bekriegten, wer das letzte Stück essen darf. Es war auch ein schöner Abend, um mit den anderen Gästen, größtenteils aus Europa, ins Gespräch zu kommen; zwei Holländerinnen im Urlaub, ein Franzose auf Wohnungssuche, da er ein Praktikum bei der Forstbehörde macht, und unser Begleiter im Botanischen Garten, ein italienisch-stämmiger US-Amerikaner, der in China als Englischlehrer arbeitet.

Beim Kochkurs

Am nächsten Tag bot unsere sehr hilfsbereite Gastgeberin an, uns auf den Markt zu begleiten, da wir etwas Obst kaufen wollten. Dank ihrer Hilfe wurden wir nicht völlig übers Ohr gehauen – obwohl sie sagte, dass die Preise immer noch höher waren als wenn sie allein gegangen wäre. Anschließend ging sie gleich noch mit uns in ein Handygeschäft und half uns, eine indonesische Simkarte für mein Handy zu kaufen, da wir hier lieber auch unterwegs Internet haben wollen und mein Handy sich ja ohnehin selten mit irgendwelchen Wlans verbindet.

So ausgerüstet machten wir uns am darauffolgenden Tag auf zu unserem nächsten Ziel Bandung, immerhin die drittgrößte Stadt auf Java. Mittlerweile waren wir ja schon Profis, was die Benutzung der Angkots anging und fanden uns auf Anhieb zum Busbahnhof. Allerdings war das nicht der richtige Busbahnhof, wie uns die Taxifahrer mitteilten; wir sollten hundert Meter die Straße hochlaufen – oder natürlich ein Taxi nehmen – und was blieb uns anderes übrig, als ihnen zu glauben. Zum Glück meinten sie es gut mit uns und am nächsten Busbahnhof angekommen, setzte man uns sofort in einen schon abfahrtsbereiten Bus und los ging es.

Zugegeben, wir hatten schon bequemere Fahrten. Da wir als letzte eingestiegen waren, mussten wir nehmen, was noch übrig blieb, und das war die letzte Reihe mit gefühlt einer Handbreit Beinfreiheit. Ich bin ja nun schon nur 1,60 m groß, aber ich musste immer noch schräg sitzen, da nicht genug Platz für meine Knie war. Aber hey, es sollten ja nur vier Stunden sein.

Was wir auch schnell lernten war, dass man sich nie auf die angegebenen Zeiten verlassen sollte – das hatten wir auch schon von anderen Indonesien-Reisenden gehört. Am Ende wurden es aufgrund von Stau und einem Motorschaden des Busses eher fünfeinhalb inklusive Umstieg in einen Ersatzbus, wo uns der Busbegleiter dreist noch einmal das Fahrgeld abknöpfen wollte, was zum Glück von den anderen Reisenden, allesamt Indonesier, verhindert wurde.

In Bandung angekommen, nutzten wir zum ersten Mal die Vorteile unserer neuen Simkarte und bestellten uns ein Uber. Nein, da fehlen keine Ü-Striche. Für die, die es nicht kennen: Uber ist eine Mischung aus Mitfahrzentrale und Taxiservice. Mit einer App auf dem Handy gibt man die Adresse ein, wohin man fahren möchte, und die App berechnet den Preis – kein lästiges Feilschen mehr mit potenziell unehrlichen Taxifahren. Stimmt man dem Preis zu, verbindet die App einen automatisch mit dem nächstbesten Fahrer (der natürlich ebenfalls die App hat). Dieser sieht dann, wo man sich gerade aufhält und kommt einen dort abholen.

Unser erster Versuch klappte relativ reibungslos. Der Fahrer war nett, wenn er auch wenig Englisch konnte, und wir kamen an, wo wir wollten. Unser Hotel lag in einer kleinen Gasse abseits einer riesigen Hauptstraße. Das Personal sprach leider so gut wie kein Englisch und so wussten wir nicht einmal so recht, wie wir nach einem Restaurant oder nach Ausflügen fragen sollten. Wir waren zu überrumpelt von dem Chaos auf der Straße, den vielen Leuten, die uns alle anschauten und oft auch ansprachen, von einem „Hello!“ über „You need taxi?“ bis hin zu indonesischen Worten, die wir nicht verstanden. Da wir noch viel Obst und Snacks vom Vortag hatten und nicht sonderlich hungrig waren, verließen wir unser Zimmer an dem Abend gar nicht mehr und waren etwas ratlos, wie das weitergehen sollte.

Am ehesten war uns danach zumute, am nächsten Tag direkt weiter nach Yogyakarta zu fahren, einem touristischen Zentrum, von dem wir gehört hatten, dass dort mehr Englisch gesprochen würde und die touristische Infrastruktur generell viel besser wäre. Andererseits wollten wir uns aber auch nicht so leicht geschlagen geben. Wir hatten es schließlich schon durch Russland geschafft, durch China und ganz Südostasien, da konnten wir uns doch von diesem, wenn auch heftigen, Kulturschock nicht die ganze Freude verderben lassen! Also suchten wir noch einmal nach einem anderen Hostel in Bandung und fanden eines, das sehr familiär klang und in dessen Bewertungen stand, dass der Eigentümer sehr gut Englisch spräche und einem mit allen Anliegen helfen könne. Dorthin zogen wir am nächsten Tag um, wieder mit einem Uber, und fühlten uns gleich viel wohler. Der Gastgeber war sehr freundlich; wir saßen abends lange zusammen draußen und unterhielten uns über alles mögliche, und er organisierte einen Fahrer für uns, damit wir am nächsten Tag einen Ausflug ins Umland machen konnten.

Eine der Hauptattraktionen von Bandung ist der Vulkan Kawah Putih, etwa 50 km südwestlich der Stadt gelegen. Unser Fahrer Uto holte uns morgens um acht ab und es stellte sich heraus, dass er mal ein paar Monate in Deutschland gelebt hatte, und zwar im sächsischen Weißenfels. Er sprach ein paar Brocken Deutsch, aber größtenteils unterhielten wir uns auf Englisch. Er war wirklich ein netter Kerl, erklärte uns viel und machte einige Fotostopps auf dem Weg zum Vulkan. Nicht an den Fotostopps sondern am indonesischen Verkehr im Allgemeinen lag es, dass wir für die Strecke bis zum Fuße des Kawah Putih fast drei Stunden brauchten, und dort angekommen, hatte sich der Himmel zugezogen und es fing an zu regnen. Also machten wir erst einmal einen Teestopp in einem kleinen Café am Straßenrand und da es nur mäßig aufklarte, beschlossen wir, in den sauren Apfel zu beißen und dennoch hochzufahren.

Sobald man die Großstadt hinter sich lässt…

…ist Indonesien wunderschön.

Vom Parkplatz in einem Wäldchen aus musste man mit einem Minibus hinauffahren, der erst losfuhr, wenn er voll war. Wir waren die ersten Gäste und richteten uns auf längeres Warten ein. Zum Glück war es am Ende vielleicht nur eine Viertelstunde, bis genügend Passagiere zusammen gekommen waren – der Bus wurde auch vollgestopft bis keiner mehr hinein passte – und dann ging es hinauf zum Kratersee.

Ich war mit meiner kurzen Hose völlig underdressed für die Temperaturen, aber es war nicht zu ändern und es war ja nur ein relativ kurzer Aufenthalt. Der Kratersee war von einer milchigblauen Farbe und „duftete“ ziemlich stark nach Schwefel. Schon nach einer Minute merkte man, wie es im Rachen anfing, zu kratzen. Wir liefen ein Stück am Ufer entlang und machten ein paar Fotos während die Nebelschwaden über den Kraterrand waberten und fuhren dann beizeiten wieder hinunter. Dort aßen wir noch Mittag in einer Nudelbude bevor Uto mit uns weiter zu einer heißen Quelle fuhr. Ich freute mich schon sehr aufs Aufwärmen.

Wir hatten trotzdem Spaß.

Die Fahrt führte uns durch tiefgrüne Teeplantagen, die im Regengrau unglaublich saftig aussahen.

Teeplantage

Die heißen Quellen lagen versteckt ein paar hundert Meter ein Tal hinauf abseits der Straße; nur Eingeweihte können diesen Ort kennen. Es gab ein paar hölzerne Hütten als Umkleiden und mehrere Natursteinbecken mit dem schwefelig-heißen Wasser. Es erinnerte uns sehr an Japan und war einfach nur herrlich. Ein Stück weiter hinten im Tal gab es sogar einen natürlichen Schlammtopf, wo man sich die Haut mit der mineralhaltigen Pampe verjüngen konnte – ein Spaß, den wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Ich hätte noch Stunden lang dort bleiben können.

Cibuni Hot Springs

Sind wir nicht die allerschönsten?

Aber leider lag ja vor uns noch der lange Rückweg nach Bandung, drei Stunden im Stop and Go auf einer hoffnungslos überfüllten Landstraße, die wir größtenteils verschliefen. Den Rest der Zeit lauschten wir Uto, wie er von seinen Freunden Dadang und Ingrid erzählte, einem indonesisch-schwedischen Paar, die einen Homestay im Süden Ostjavas an der Küste betreiben. Er schwärmtevon der Gastfreundlichkeit und der Landschaft und empfahl uns sehr, dorthin zu fahren, zumal der Ort auch ideal zum Surfen lernen geeignet sein sollte, was wir ja ohnehin noch vorhatten. Dadang würde uns sogar surfen beibringen wenn wir bei ihm übernachteten und Grüße von Uto ausrichteten… Es klang wirklich sehr schön, und so änderten wir spontan unsere Pläne und buchten für den nächsten Abend einen Minibus dorthin.

Da wir vor unserer Weiterreise am nächsten Tag noch etwas Zeit hatten, wollten wir noch etwas von Bandung anschauen und beschlossen, das Geologische Museum zu besuchen. Ich verbinde mit dieser Art Museum in erster Linie eine bunte Sammlung von Mineralien und Edelsteinen in allen Größen, Formen und Farben, die in meiner Vorstellung in Indonesien ja besonders abwechslungsreich sein sollte. Aber ach, die Anzahl der Steinchen hielt sich in Grenzen, stattdessen gab es noch ein paar Fossilien, jede Menge Text auf Indonesisch und Horden, ja wirklich Horden von Schulklassen. Es war, als ob halb Java an justament diesem Freitag eine Exkursion ins Geologische Museum von Bandung machte. Und wir waren die einzigen bule (weiße Ausländer); ihr könnt euch vorstellen, dass wir eine wesentlich größere Attraktion für die allesamt mit Mobiltelefonen ausgestatteten Teenager waren als die Steinchen und die Knochen. Nach einer halben Stunde blieb uns nichts anderes mehr übrig, als das Weite zu suchen, selbst wenn es bedeutete, hinaus in den strömenden Regen zu fliehen, aber wir waren mit den Nerven schon ziemlich fertig von der Lautstärke und den unzähligen Fotoanfragen.

Den Rest des Nachmittags packten wir unsere Sachen, aßen noch einmal in einem kleinen Straßenrestaurant, das wir am Vortag entdeckt hatten, und wo es sehr preiswertes, wenn auch einfallsloses Essen gab (nasi goreng, gebratener Reis, schmeckt leider überall gleich, macht aber satt), und gingen dann schon um sieben schlafen, da Mitternacht unser Minibus kommen sollte.

Der Bus kam dann letztendlich schon kurz vor elf – unser Gastgeber musste uns wecken – und vor uns lag eine sehr anstrengende, aber auch amüsante Nacht. Aber das erfahrt ihr dann im nächsten Bericht, denn mir tun jetzt die Finger vom Tippen weh…