Von Höhlentempeln und Teeplantagen

Aufgepasst: Heute gibt es zwei Blog-Einträge zum Preis von einem. 😉 Also, wenn ihr es noch nicht getan habt, scrollt bitte noch hinunter zum Beitrag „Malaysia – mehr als nur Durchreise“…

22. März 2017, Kuala Lumpur

Allein zu reisen ist schon eine andere Herausforderung als wenn man im Doppelpack unterwegs ist.

Nur ein paar Stunden nach Birgits Abreise saß ich selbst im komfortablen Bus nach Ipoh. Zuerst ging es über eine 17km lange Brücke übers Meer zurück aufs Festland und dann vorbei an endlosen Palmplantagen und grünen Bergen. Der Busbahnhof befand sich leider wie so oft in Südostasien nicht im Zentrum sondern 15km außerhalb der Stadt. Zwar gibt es einen regelmäßigen Bus ins Zentrum, aber ausgerechnet an diesem Tag fuhr er an einer anderen Stelle ab als sonst, was zur Folge hatte, dass ich zusammen mit einer Chinesin, einer Engländerin und einem Schweden etwas ziellos durch das Terminal irrte, weil uns jeder, den wir fragten, woanders hinschickte. Letztendlich aber wurden wir fündig und der Bus brachte uns sogar fast bis vor die Hosteltür.

Am nächsten Morgen gönnte ich mir eine Art leckeres Puddingtörtchen und den in Ipoh berühmten weißen Kaffee (die Kaffeebohnen werden speziell mit Palmölmargarine geröstet) bevor ich mich auf Entdeckungstour begab. Ich hatte mir für die Woche allein viel vorgenommen, damit ich nicht die ganze Zeit allein im Hostel rumsitzen würde.

Ipoh erinnerte mich sehr an Georgetown mit seinen kleinen Häuserzeilen im kolonialen Stil und den vielen in der Stadt verteilten Wandmalereien. Besonders der alte Kolonialbahnhof und der Birch Memorial Clocktower sind sehr schön anzusehen.

Street Art in Ipoh

Danach machte ich mich auf zum Busbahnhof um mein eigentliches Ziel in Ipoh zu erreichen – die vielen Höhlentempel. Ein bisschen Fragerei brachte mich in den richtigen Bus zum Sam Poh Tempel, einem der größten buddhistischen Höhlentempel des Landes. Vor dem Höhleneingang gab es einen wunderschönen kleinen japanischen Park, der mit seinem kleinen Teich und Pavillions zum Ausruhen von der subtropischen Mittagshitze einlud. Die Höhle selbst wa riesig und überall gab es Buddhastatuen, Stalagtiten und Stalagmiten zu bestaunen.

Japanischer Garten

Durch den Berg hindurch erreichte ich einem weiteren, von hohen Felswänden umgebenen Tempel mit einem kleinen Schildkrötenteich.

Sam Poh Tempel im Berg

Es gab viele Affen, die auf diesem Berg leben und es machte den Eindruck, dass sie sich größtenteils von den Opfergaben der Tempel ernähren. Naja, so haben alles was davon.

Nachdem ich den beiden Nachbartempeln im Berg ebenfalls einen kurzen Besuch abgestattet hatte, lief ich zum 4 km entfernten Kek Lok Tong Tempel. Auch hier fanden sich sehr viele Buddhastatuen und Figuren aus der chinesischen Gotteswelt, aber bekannt ist Kek Lok Tong vor allem für seinen großen Zengarten auf der anderen Seite der Höhle.

Im Kek Lok Tempel

Blick vom Zen Garten auf die Höhle

Ziemlich fertig von der Lauferei und der Hitze freute ich mich sehr, als auf dem langen Rückweg ein Auto mit zwei Frauen neben mir hielt und sie mir anboten, mich mit zurück zur Bushaltestelle zu nehmen. Sie waren sehr interessiert an der Reiserei und wir unterhielten uns gut. Das ist wohl zumindest ein Vorteil des Single-Reisens, man wird viel schneller von den Einheimischen angesprochen. Das war mir auch schon an den Tempeln aufgefallen.

Einen letzten Tempel hatte ich noch vor mir und so machte ich mich am nächsten Morgen auf zum Perak Tempel im Norden Ipohs. Der kleine Teich vor der Höhle war leider nicht so schön, aber dafür beeindruckte das Innere um so mehr. Hier fanden sich viele religiöse Gemälde an den Höhlenwänden und über eine Treppe konnte man weitere kleine und große Kammern erreichen und, wenn man es weit genug nach oben schaffte, auch einen Blick auf Ipoh und die umliegenden Hügel und Berge erhaschen.

Höhlenmalerei

Aussicht vom Perak Tempel

Nach so vielen Tempeln und heißen Temperaturen freute ich mich um so mehr, als es am nächsten Tag für mich weiterging nach Tanah Rata in den Cameron Highlands. Die kleine Stadt liegt höher in den Bergen und die Temperaturen sind um einiges angenehmer (20-25 Grad). Ich quartierte mich in einem kleinen Hostel ein, welches auf den ersten Blick ziemlich chaotisch von einem Inder geführt wurde. Es war aber sehr gemütlich, wenn auch etwas laut, und manchmal kochte er für alle Reis mit Curry oder total leckeren Ingwer-Zimt Tee. 🙂

Die Cameron Highlands sind berühmt für ihre Teeplantagen, Erdbeerfelder und schönen Wanderwege durch die Berge. Nachdem ich mich an meinem ersten Tag an einem dieser Wege versuchte und auf Dreiviertel der Strecke den Berg hinauf kläglich scheiterte (einfacher Schwierigkeitsgrad, angeblich), buchte ich mir für die nächsten beiden Tage Touren, damit ich doch etwas mehr zu sehen bekommen würde als mir meine bescheidene Ausdauer ermöglichte.

So starteten wir am nächsten Morgen zu den Teeplantagen und lernten dort, dass alle Tees (weiß, grün, englisch und schwarz) aus der selben Teepflanze hergestellt werden. Die Pflanzen wachsen an steilen Hängen und werden durch die Arbeiter entweder mit speziellen Scheren oder Maschinen geerntet, wobei nur die oberen hellgrünen Blätter und Blattknospen geschnitten werden. Danach werden die Blätter zuerst einige Stunden gewelkt um ihnen Feuchtigkeit zu entziehen und dann in Maschinen gerollt und gestückelt, so dass der Saft in der Pflanze mit der Luft reagieren kann (Oxidation). Die Blätter ruhen während des Oxidationsprozesses für 2-3 Stunden und nehmen jetzt die typisch dunkle Farbe an und entfalten das Aroma, für welches der schwarze Tee bekannt ist. Danach sind nur noch die Blätter zu trocknen und dann je nach Größe zu sieben und zu sortieren.

Teeernte

Teeplantage

Weiter ging es zum Gipfel des Brinchang, dem höchsten Berg Malaysias, der mit dem Auto erreichbar ist (2032m). Dort oben findet man neben einer tollen Aussicht auf die umliegenden dschungelbewachsenen Berge auch einen der ältesten Wälder der Welt, den sogenannten Mossy Forest. Um den Wald zu schützen ist er nur an wenigen Stellen für Touristen zugänglich, aber er verliert dadurch nichts an seiner Fazination. Schon nach wenigen Schritten bzw. Wurzelstufen ist man umgeben von moosbewachsenen Baumstämmen und Ästen, der Boden ist weich und gibt nach wenn man schwer auftritt, man läuft praktisch auf einem Geflecht von Wurzeln mit ein bisschen Erde drauf. An den Ästen klammern sich Orchideen und fleischfressende Pflanzen, ranken sich Lianen und hängt Moos herab. Etwas Nebel steigt vom tieferliegenden Wald herauf. Es ist ein magischer Ort und sollte unbedingt vor Ausbeutung und Zerstörung durch den Menschen geschützt werden.

Ausblick vom Brichang

Mossy Forest

Fleischfressende Pflanzen mit Kelchen

Nach einem leckeren Tee und Bananen-Möhren-Kuchen im Café der Teeplantage ging es wieder zurück. Auf dem Weg in den Ort machten wir an einer der vielen lokalen Erdbeerplantagen halt und kosteten ungesüßten Erdbeersaft/-püree, etwas sauerer als daheim, aber trotzdem lecker. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Erdbeeren gegessen habe. 😉

Der nächste Morgen sah mich schon im Dunkeln wieder auf dem Berg und ich schaute mir mit einer Gruppe Frühaufsteher und einem süßen Milchtee in der Hand den Sonnenaufgang über den Bergen und Teeplantagen an. Birgit stieg an diesem Tag um kurz vor 6 in den Zug nach Frankfurt; vielleicht hat sie in Dresden auch die Sonne aufgehen sehen.

Sonnenaufgang über den Teeplantagen

Nach einer Woche der Trennung haben wir uns am nächsten Tag in Kuala Lumpur im Hostel wieder getroffen und ab nun reisen wir wieder zu zweit durch die Welt. 😀

Zum ersten Mal alleine Reisen ist eine Umstellung für mich gewesen; ich musste mich selbst zurecht finden, selber Leute ansprechen, wenn ich Fragen hatte oder Gesellschaft suchte, aber ich habe auch gemerkt, dass es nicht so schwierig ist, wie ich befürchtet hatte und dass ich es alleine schaffe.
Ich freue mich aber, dass B zurück ist und wir die weiteren Erlebnisse und Erfahrungen wieder teilen können. Zu zweit ist’s halt doch schöner. 😉

 

Malaysia – mehr als nur Durchreise

21. März 2017, Kuala Lumpur

Der Weg ist das Ziel – so heißt unser Blog, so lautet das Motto unserer Reise, wenn es denn überhaupt so etwas wie ein Motto gibt. Auf dem Weg liegen Wunschziele, die wir schon immer einmal sehen wollten sowie Orte, die uns von anderen unterwegs empfohlen wurden. Und dann gibt es noch die Orte, durch die wir eigentlich nur durchfahren, weil sie eben auf dem Weg zwischen zwei Zielen liegen. Malaysia, dachten wir, würde in die dritte Kategorie fallen. Wir wussten nicht so recht, was wir erwarten sollten oder was das Land ausmacht. Eigentlich war es für uns nichts weiter als ein Stück Strecke zwischen Thailand und Singapur bzw. Indonesien. Doch schon in Georgetown entdeckten wir die unglaubliche Faszination dieses Landes, und jetzt ist es für uns definitiv das Highlight all der Länder Südostasiens, die wir bislang bereist haben.

Was hat Malaysia also, was die bisherigen Länder nicht hatten?

An erster Stelle steht für uns die Vielfalt der Kulturen und Religionen. Malaien, Chinesen, Inder und Angehörige indigener Völker leben hier anscheinend recht friedlich (zumindest auf den ersten Blick) miteinander. Der Islam ist Staatsreligion, doch Buddhisten, Hindus, Christen und andere genießen Religionsfreiheit. Indische und chinesische Tempel stehen sich auf manchen Straßen direkt gegenüber und eine Ecke weiter ruft der Muezzin vom Minarett der Moschee zum Gebet. Man sieht verschleierte Frauen, Frauen in Saris, Frauen in Trägertops und kurzen Hosen und niemand wird schief angeschaut.

Vier Gotteshäuser in Georgetown, alle in Laufentfernung voneinander

Viele Menschen sprechen mehrere Sprachen – Bahasa Melayu (Malaysisch), meist mehrere chinesische Sprachen (Hokkien, Hakka, Mandarin, Kantonesisch), Tamil, und natürlich Englisch, sodass die Kommunikation fast nie ein Problem darstellt. Auch ist das Essen entsprechend vielfältig: indische und chinesische Restaurants an so ziemlich jeder Ecke; Straßenstände mit malaysischen Nudelgerichten und unglaublich leckeren einheimischen Süßigkeiten, eine große Auswahl an vegetarischen Optionen, und das Ganze zu Preisen wie wir sie zuletzt in China hatten (manchmal zahlen wir weniger als einen Euro für eine Mahlzeit) – mit so viel Appetit wie hier haben wir schon lange nicht mehr gegessen.

Hinzu kommt die interessante Umgebung, egal ob Stadt oder Land. In den Städten findet man futuristische Wolkenkratzer neben unglaublich charmanten Kolonialbauten und Straßenkunst; in den Parks und auf dem Land üppige Flora und Fauna, saftige Regenwälder (zumindest dort, wo sie noch keiner der gigantischen Palmölplantagen weichen mussten), Teeplantagen und exotische Vögel.

Außerdem ist der Lebensstandard vergleichsweise hoch; man kann wieder mit Leitungswasser Zähne putzen; es gibt ÖPNV in den Städten und das Einkaufen ist ein Traum (oder wäre es, wenn wir uns diesen Luxus leisten würden) – es gibt so viele hübsche Dinge in den kleinen Läden genau wie in den riesigen Malls, in dieser Hinsicht kann Malaysia locker mit Thailand mithalten. Wenn wir nicht alles schleppen müssten und unser Geld ja für die Reiserei ausgeben wollten, hätten wir wahrscheinlich schon einen Koffer voller Nippes.

Ihr seht, obwohl wir zuerst nicht wussten, was wir hier sollten, sind wir mittlerweile von Malaysia total begeistert.

In Georgetown verbrachten wir fast eine ganze Woche. Unser Hostel lag mitten in der Altstadt direkt hinter einem chinesischen Tempel, inmitten pittoresker Kolonialhäuser an der Grenze zwischen Chinatown und Little India. Zwei Tage verbrachten wir schon allein damit, durch die Gassen zu schlendern, mmer neue Street Art zu entdecken und zu bewundern, einfach das Flair aufzusaugen und uns an Malaysia zu gewöhnen.

Typischer Fußweg in der Altstadt

Armenian Street

Ein typischer Hauseingang in der Altstadt

Eines der berühmtesten Street Art-Werke in Georgetown

Eine besondere Sehenswürdigkeit am Rande der Altstadt waren die chinesischen Jetties – auf Holzpiere in den Hafen gebaute Wohnviertel verschiedener chinesischer Klans, die im 19. Jahrhundert als Armenviertel entstanden und noch heute bewohnt werden.

Hean Boo Thean Tempel in den Klan-Jetties vor der modernen Silhouette Georgetowns

Auf einem der Piers – heute sind das vermutlich keine Armenviertel mehr

Zwei Tage nahmen wir uns Zeit, um den Penang Hill, quasi den Hausberg Georgetowns, sowie den buddhistischen Kek Lok Si Tempel an seinem Fuße zu erkunden.

Penang Hill, mit Lampions des Kek Lok Si Tempels im Vordergrund

Zum Penang Hill fuhren wir nachmittags mit dem Stadtbus und genossen es, endlich mal wieder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, dessen Preis wir zudem nicht vorher aushandeln mussten. Die 45-minütige Fahrt kostete auch nur 40 Cent pro Nase. Die mehr als 700 Höhenmeter hinauf auf den Berg legten wir mit einer Art Zahnradbahn zurück. Oben angekommen schauten wir uns das sehr hübsche Eulenmuseum an, ein Sammelsurium von Kunst und Kitsch rund um die gefiederten Jäger der Nacht. Wir aßen ein Ice Kacang, eine malaysische Eisspezialität aus geraspeltem Eis, Vanilleeis, Mais (in dieser Mischung etwas gewöhnungsbedürftig), roten Bohnen und diversen Gelees, das besser schmeckte als es klang. Wir genossen die Aussicht über Georgetown von diversen Aussichtspunkten in der späten Nachmittagssonne und nach Sonnenuntergang, als die Lichter der Stadt angingen – ein sehr schöner Ausflug.

Vorn Georgetown auf Penang Island, im Hintergrund Butterworth auf dem Festland

Den Tempel Kek Lok Si wollten wir eigentlich gar nicht sehen – irgendwann wird man ja all der Tempel auch mal überdrüssig, aber der Blick, den wir aus dem Bus auf dem Weg zum Penang Hill erhascht hatten, weckte unser Interesse. Und was soll man sagen: wir haben schon so viele Tempel besichtigt, auf dieser Reise und auch auf anderen in Japan, aber dieser ist ohne Zweifel einer der beeindruckendsten, die wir je gesehen haben. Am Berghang gelegen, erstreckt er sich über ein riesiges Areal mit großen, farbenfrohen Prachtbauten, gepflegten Gärten und einer gewaltigen Statue der Göttin Kannon, von deren Füßen aus man zudem einen weiten Blick über die Stadt hat. Wir verbrachten über drei Stunden dort.

Der Weg zum Kek Lok Si ist „gepflastert“ mit Souvenirläden…

In einem der wunderschönen Gärten

Brunnen und Pagode auf dem Tempelgelände

Statue der Göttin Kannon

Am Fuße des Tempels aßen wir in einem chinesischen buddhistischen Restaurant Mittag, wo es alle Gerichte in drei verschiedenen Größen gab. Wir bestellten gebratenen Reis und eine Portion Auberginen mit Szechuanpfeffer und dachten, die mittlere Größe wäre sicher ausreichend. Die Kellnerin empfahl uns jedoch, lieber nur die kleinste Portion zu nehmen, und als das Essen dann kam, waren wir sehr dankbar für ihren Hinweis, denn wir wurden davon schon mehr als satt und können uns nur vorstellen, dass die großen Größen für Gruppen gedacht sind, die ein paar Gerichte teilen wollen.

In Georgetown hätten wir es durchaus noch länger ausgehalten, doch ich musste ja nach Kuala Lumpur zum Flughafen und Kathrin hatte ein paar schöne Tage in Ipoh und den Cameron Highlands vor sich, von denen sie euch mal selbst berichten wird.

Ich erreichte Kuala Lumpur an einem Provinzbahnhof, da der Hauptbahnhof, wo der Bus eigentlich hatte halten sollen, angeblich nicht angefahren werden konnte. Nun ja, es gibt ja öffentliche Verkehrsmittel und die Züge fuhren zum Glück ins Zentrum. Kurz nach meiner Ankunft im Hostel direkt hinter dem Bahnhof fing es an zu gewittern und in Strömen zu regnen, sodass ich an diesem Abend nichts mehr unternahm.

Am nächsten Tag bummelte ich etwas durch die riesige Mall am Bahnhof, kaufte noch ein paar Mitbringsel (frische Mangos) und dann war es auch schon Zeit, zum 60 km außerhalb gelegenen Flughafen zu fahren.

Der Flug mit Emirates war sehr angenehm. Das Unterhaltungsangebot war klasse; ich konnte mich gar nicht entscheiden, was ich zuerst gucken sollte, und das Essen war auch ganz gut. In Dubai hatte ich fast fünf Stunden Umstiegszeit, in denen ich duschen ging und dann auf einer der Couches döste, bis es weiterging. Und dann die große Überraschung: Ankunft in Deutschland…

Manche Dinge ändern sich nie, und dazu gehört auf jeden Fall die Unberechenbarkeit der Deutschen Bahn. Mein Zug stand nicht auf dem Gleis, wo er abfahren sollte; dort stand dafür ein anderer und es sah alles danach aus, dass ich meinen Anschluss am Frankfurter Hauptbahnhof verpassen würde. Eine Traube „Gleichgesinnter“ hatte sich schon um einen armen Bahnangestellten versammelt, der keine Ahnung hatte, wo unser Zug geblieben war. Ich schloss mich einer Dame im Rollstuhl an, die von einer Flughafenmitarbeiterin begleitet wurde und ebenfalls nach Dresden wollte. Es folgte eine Odyssee im Schweinsgalopp mit Rollstuhl und viel zu viel Gepäck durch den halben Flughafenbahnhof im Schlepptau eines Bahnangestellten, der uns wie in einem Actionfilm durch die Mitarbeitergänge zu einem anderen Gleis schleuste, wo tatsächlich unser Zug noch stand, der schon längst hätte weg sein sollen (manchmal ist die Unpünktlichkeit der Bahn auch von Vorteil), und dann stellten wir auch noch fest, dass wir gar nicht am Frankfurter Hauptbahnhof umsteigen mussten, sondern damit noch bis Leipzig Zeit hatten, da unser Anschluss lediglich ein zweiter Wagenteil war, der in Frankfurt angehängt wurde und dann von Leipzig aus nach Dresden weiter fuhr. Als der Zug losrollte, musste ich erstmal noch ein paar Kleidungsschichten ausziehen, da ich bei der Rennerei ganz schön ins Schwitzen gekommen war.

Kalt war mir also schon mal nicht in Deutschland, und auch die Deutschen überraschten mich mit ihrer Gesprächigkeit und Offenheit. Meine neue Bekannte Gabriele war auf der Rückreise aus Namibia, wo sie mit ihrer dort lebenden Tochter eine kleine Reisegruppe geleitet hatte. Ein paar Teilnehmer aus ihrer Gruppe saßen mit uns im Zug, und ein Ehepaar, das uns gegenüber saß und eigentlich gar nicht dazu gehörte, nahm auch noch an der Unterhaltung teil. Wir redeten über Gott und die Welt, während Gabriele ihren auf der Reise verstauchten Knöchel auf meinem Schoß hochlegte, und so verging die Zeit ganz schnell.

In Dresden angekommen erwartete mich ein kleines Empfangskommittee bestehend aus Mama, Oma und meiner (Stief)Schwester Ines. Ich fühlte mich sofort wieder wie zuhause.

Omas Geburtstag war ein richtig großer Tag. Dreizehn Leute kamen schon am Vormittag gratulieren, bevor wir nachmittags mit den geladenen Gästen Kaffee tranken und nach einer Kutschfahrt bei frühlingshaftem Sonnenschein zu Abend aßen. Zehn Blumensträuße, fünf Blumentöpfchen, mehrere Präsentkörbe und ein ziegelsteindicker Stapel Geburtstagspost waren die Ausbeute des Tages. Sogar aus dem Bundespräsidialamt kam ein Glückwunschschreiben (und wir wissen nicht, ob das zum 100. so üblich ist), persönlich unterzeichnet von Joachim Gauck.

Zu den weiteren, zugegebenermaßen viel bescheideneren Highlights meines kurzen Heimaturlaubs zählten: Kartoffeln und Quark, Omas Avocadomus und Rote-Beete-Salat, richtige Bettwäsche und Steckdosen in denen die Stecker tatsächlich halten. Ja ja, es sind die kleinen Dinge… Ich schaffte ein paar Besorgungen (neue Kaugummis gegen Reiseübelkeit etc.) und ein paar Treffen und Telefonate mit Freunden bevor ich nach dreieinhalb Tagen in Dresden schon wieder zurück nach Frankfurt fuhr, und von dort über Dubai wieder zurück nach Kuala Lumpur flog.

Am Frankfurter Flughafen gab es noch einen kurzen Schreckmoment, als mir die Dame beim Check-in sagte, dass ich ohne Rückflugticket nicht nach Malaysia einreisen dürfe. Nachdem sie mein entsetztes Gesicht sah, überprüfte sie die Information noch einmal und hielt mit zwei Kollegen Rücksprache, die sagten, dass mir die Einreise theoretisch verweigert werden könnte, dies aber in der Realität kein Problem sei. Ändern konnte ich eh nichts, also musste ich es drauf ankommen lassen. Der Flug war wieder sehr ruhig und angenehm – so ein A380 ist schon eine feine Sache – und in Dubai schlief ich auf der Couch so fest ein, dass ich nur dank meines in weiser Voraussicht gestellten Weckers rechtzeitig zum Boarding kam. In Malaysia angekommen wollte kein Mensch irgendein Rückflugticket sehen und ich erhielt meinen Stempel ohne weiteres in den Pass – Glück gehabt.

Kathrin hatte uns ein Hostel in der Altstadt gebucht, wo sie schon auf mich wartete, als ich ankam. Wir hatten beide eine sehr schöne, abwechslungsreiche Woche hinter uns, aber freuten uns auch, endlich wieder zusammen zu sein. Nun geht es auf zu neuen Horizonten mit Weltreise Teil II… 🙂

Inselglück oder Urlaub von der Reise

09. März 2017, Georgetown/Malaysia

Seit fast sechs Monaten sind wir nun unterwegs gewesen, immer weiter gereist von Ort zu Ort, manchmal nur ein oder zwei Nächte geblieben, manchmal etwas länger, und auch wenn wir unser eigenes Tempo festlegen können und zugegebenermaßen viel Freizeit haben, ist es doch trotzdem anstrengend. Auch von einer Weltreise muss man sich mal erholen, und auf Koh Lanta war es so schön, dass wir am Ende gut zehn Tage dort blieben.

Wir suchten uns ein anderes Hostel, das zwar etwas weiter weg vom Strand lag, aber viel komfortabler war und wo man keine Musik aus irgendwelchen Bars bis nachts um zwei hörte. Es hatte auch einen sehr angenehmen, offenen Aufenthaltsbereich mit vielen Sitzkissen und zwei Hängematten, wo wir uns tagsüber ausruhen konnten, wenn die Mittagshitze unerträglich wurde. Zudem sorgten zwei Katzen für Unterhaltung.

Meistens gingen wir am späten Nachmittag an den Strand zum Baden. Auf Koh Lanta gibt es viele Strände und wir waren am längsten, dem Long Beach. Obwohl Hauptsaison ist, war der Strand nicht überlaufen; unser Stammplätzchen im Schatten einer großen Kiefer (oder etwas anderem nadelbaumartigen) war eigentlich immer frei. Den einen Tag, wo wir schon vormittags an den Strand gingen, holten wir uns trotz Schatten und Sonnencreme noch einen ziemlich fiesen Sonnenbrand – vermutlich eine Mischung aus nicht genug eingecremt, Stellen vergessen, ein paar Minuten zuviel Sonne abbekommen… Aber in sechs Monaten war es tatsächlich der erste Sonnenbrand, mit dieser Bilanz sind wir eigentlich ganz zufrieden.

Long Beach, Koh Lanta

Das Baden war auch herrlich; das Wasser war sehr ruhig und so sauber und klar, dass man mühelos bis zum Grund sehen konnte – manchmal sahen wir sogar Fische oder eine Krabbe im Wasser. Oft zog über uns zudem ein Adlerpärchen seine Kreise oder jagte Fische.

Abends nach dem Essen saßen wir dann auch fast jeden Abend am Strand, bewunderten den Sternenhimmel und die Feuerlampions, die Leute überm Meer aufsteigen ließen, lauschten der Livemusik aus einer der Strandbars oder schauten eine Feuershow an, die vor einem der Restaurants am Strand stattfand. Ja, es war wirklich so paradiesisch wie es klingt. 😉

Einer der vielen wunderschönen Sonnenuntergänge an ‚unserem‘ Strand

Und noch einer, weil’s so schön war…

Einen Tag machten wir einen Schnorchelausflug zu einer etwa 50km entfernten Insel namens Koh Rok. Die Fahrt dorthin mit dem Schnellboot übers offene Meer war eine sehr holprige Wildwasserfahrt, da der Wind an dem Tag recht stark und die Wellen entsprechend hoch waren. Wir hatten Glück, dass wir Plätze ganz vorn im Außenbereich erwischten, dort hatten wir zumindest frische Luft und konnten sehen, wohin wir fuhren; das half sehr gegen die sonst vorprogrammierte Übelkeit. Aber so hatten wir einen Riesenspaß, auch wenn wir beide abends mehrere blaue Flecken an den Ellenbogen und Rippen vom Festhalten hatten.

Speedboot

Rund um Koh Rok gibt es mehrere Gebiete zum Schnorcheln, aber die meisten waren an dem Tag wegen des Windes und der Wellen zu gefährlich. Es gab trotzdem zwei Schnorchelstopps, wo das Wasser ruhig genug war und die Ausrüstung war im Preis inbegriffen. Bunte Korallen gab es zwar nicht zu sehen aber viele verschiedene bunte Fische und ein paar Anemonen. Da die Tour von vielen Anbietern durchgeführt wird, waren wir natürlich alles andere als allein, und auch mittags auf der Insel war es ziemlich voll. Koh Rok ist nicht sehr groß und mittags aßen alle Gruppen am Strand, wo wir dann noch etwas Freizeit hatten. Wir liefen etwas von den Massen weg zum Baden, aber aber mit Baden war nicht viel, da die Wellen sehr stark waren. Nach dem zweiten Schnorchelstopp am Nachmittag fuhren wir wieder zurück bei mittlerweile etwas ruhigerer See.

Inselparadies Koh Rok

Bei diesem Wellengang konnten wir nur etwas planschen.

An einem anderen Tag fuhren wir zu den Phi Phi Inseln, eine der berühmtesten Inselgruppen in der Gegend. Ursprünglich hatten wir angedacht, dort ein paar Nächte zu bleiben. Die Landschaft dort sollte besonders schön sein, allerdings ist die bewohnte Insel Koh Phi Phi Don leider auch berüchtigt für ihre intensive Partyszene. Als wir online nach Hostels suchten und die Bewertungen lasen, schwand unser Enthusiasmus rapide. Alle, die halbwegs im bezahlbaren Bereich lagen, hatten anscheinend Party bis früh um drei, und waren auch ansonsten so schlecht bewertet, dass man den Eindruck bekam, sie haben es einfach nicht nötig, sich Mühe zu machen, da sie ihre Betten auch so voll kriegen. Wir wollten unsere letzten Tage in Thailand nicht mit einer so miesen Erfahrung verderben, also machten wir am Ende einen Tagesausflug mit der öffentlichen Fähre.

Früh um neun mit der ersten Fähre fuhren wir hinüber; die Fahrt dauerte nur reichlich eine Stunde. Auf Phi Phi angekommen nutzten wir die noch „erträglichen“ Temperaturen, um hinauf zu einer Reihe von Aussichtspunkten zu steigen, von wo aus man wunderschöne Ausblicke auf die Inseln hatte. Obwohl der Aufstieg nur etwa eine halbe Stunde dauerte, war es bei der Hitze echt anstrengend (dabei war es noch nicht einmal Mittag), aber die Aussicht hat uns dafür auch wirklich entschädigt.

Für diese Aussicht hat sich der Weg nach oben definitiv gelohnt.

Koh Phi Phi Don

Wir aßen Mittag in einem der unzähligen Restaurants im Gewusel der kleinen Insel und mieteten uns danach eines der hölzernen Longtailboote am Strand, um zur Nachbarinsel Koh Phi Phi Leh zu fahren.

Longtailboot

Dort waren die Felsformationen sogar noch beeindruckender als auf Koh Phi Phi Don – steile Wände, die senkrecht ins Meer abfielen, sogar eine Höhle, die verdächtig nach einem Piratenversteck aussah, und mehrere traumhaft schöne Buchten, in denen man vom Boot bis zum Meeresgrund sehen konnte. Natürlich waren wir auch dort nicht die einzigen, aber das muss man dort leider in Kauf nehmen. Als das Boot in die berühmte Maya Bay einfuhr, waren wir auf jeden Fall sehr froh, dass wir keine Fertigtour gebucht hatten, denn dann hätten wir unsere Zeit dort in der Bucht mit den Menschenmassen am Strand verbracht, wo man unter all den Füßen kaum noch Sand sah. Unser Longtailboot machte etwas weiter draußen hin der Bucht Halt und hatte sogar Schnorchelausrüstung an Bord, sodass wir vom Boot aus spontan Schnorcheln gehen konnten. Die Fische dort waren so neugierig, dass sie in einem großen Schwarm um uns herumschwammen und einen habe ich sogar an der Flosse gestupst. Vom Boot aus sahen wir außerdem eine ziemlich große Meeresschildkröte, aber leider war sie zu schnell verschwunden, um noch ein Foto zu machen.

Steile Felsformationen und wunderschön blaues Wasser

Koh Phi Phi Leh

B beim Schnorcheln, mit T-Shirt und Kopftuch gegen weiteren Sonnenbrand

Nachmittags fuhren wir mit der Fähre zurück nach Koh Lanta und waren heilfroh, dem Gewimmel wieder entkommen zu können, aber der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt.

So entspannt machten wir uns schließlich auf in Richtung Malaysia – zehn Stunden, drei verschiedene Minibusse, ein überraschend unkomplizierter Grenzübergang, und nun sind wir in ein paar Tage in Georgetown/Penang bevor ich am Sonntag für eine Woche zum 100. Geburtstag meiner Großmutter nach Hause fliege und Kathrin sich in der Zeit die Cameron Highlands anschaut…

Kaum vorstellbar, dass wirklich schon ein halbes Jahr herum ist. Für uns ist die Zeit so unglaublich schnell vergangen, dass wir manchmal glauben, zu träumen. Allen (zugegeben doch ziemlich kleinen) Schwierigkeiten zum Trotz haben wir bisher keinen einzigen Tag bereut und freuen uns auf all das, was noch vor uns liegt.

Es wird auf jeden Fall sehr seltsam, jetzt eine Woche getrennt voneinander zu verbringen, wo wir die letzten sechs Monate 24 Stunden am Tag zusammen verbracht haben. Wir haben beide nicht das Bedürfnis, mal Pause voneinander zu machen, gehen uns selten auf die Nerven und der Abschied wird uns beiden schwerfallen. Zum Glück ist es nur für eine Woche. Und mal sehen, wie sich Deutschland jetzt so anfühlt…

Und zum Abschluss…

Ab in den Süden

24. Februar 2017, Koh Lanta

Seit China sind wir nicht mehr Zug gefahren und es war Zeit, das mal wieder zu ändern. Von Nakhon Ratchasima nahmen wir einen Expresszug nach Bangkok. Es dauerte keine Stunde bis wir auf den harten Plastikbänken der 3. Klasse eigentlich nicht mehr sitzen konnten aber wir hatten noch weitere vier vor uns – fünf Stunden Fahrt für 260 km. Dass der Waggon nicht klimatisiert war sondern nur mit Deckenventilatoren und dem Öffnen von Fenstern und Türen belüftet werden konnte, sodass drinnen 36°C waren, half auch nicht wirklich aber hey, wir sind angekommen. Am Hauptbahnhof schafften wir es sogar, einen Taxifahrer zu überreden, das Taximeter für die Fahrt zu unserem Hostel anzuschalten anstatt uns pauschal 8 € abzuknöpfen – so bezahlten wir dann nur zwei.

Ankunft in Bangkok, Hualamphong Station

Das Hostel lag in der Nähe der berühmt-berüchtigten Khao San-Road – der Touri-Meile schlechthin, aber was soll man sagen, dort sind die Quartiere eben günstig und es ist nahe an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelegen. Wir hatten im Schlafsaal leider mal wieder eine Person mit sehr anderem Temperaturempfinden, was zu einer kleinen Auseinandersetzung über den Einsatz der Klimaanlage führte. Wir konnten uns am Ende nicht wirklich einigen; ich finde 31°C einfach zu warm zum Schlafen aber unsere Bettnachbarin verließ das Hostel bei diesen Temperaturen noch in Jeansjacke.

Khao San Road – mittendrin statt nur dabei

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem öffentlichen Boot den Fluss entlang zum Königspalast. Ich war vor fünf Jahren schonmal dort aber an solche Touristenmassen kann ich mich nicht erinnern. Der Besuchereingang wurde inzwischen auch verlegt, sodass wir erst einmal in die falsche Richtung liefen. Am neuen Eingang gibt es jetzt eine Personen- und Taschenkontrolle und dann steht man eine Weile in der prallen Sonne an, um überhaupt das Tor zu passieren. In Sichtweite der Touristenschlange war ein provisorisches Sonnendach aufgebaut, unter dem hunderte Thais in Reih und Glied auf Klappstühlen saßen. Zunächst wussten wir nicht, was es damit auf sich hatte, aber als wir später weitere solche Schlangen im Palast sahen, wurde uns klar, dass dies alles Menschen waren, die dem letztes Jahr verstorbenen König, der zur Zeit noch im Palast aufgebahrt liegt, die letzte Ehre erweisen wollten. Die Königsverehrung wird in Thailand unglaublich ernst genommen, soweit gehend, dass man für Majestätsbeleidung ins Gefängnis kommen kann. Ein Jahr Staatstrauer ist angeordnet und wohin man in Thailand kommt, sieht man schwarz gerahmte Porträts seiner Majestät und viele öffentliche Gebäude sind mit schwarzen und weißen Schleifen geschmückt. Alle thailändischen Besucher des Palastes trugen elegante, schwarze Kleidung und auch für Touristen gibt es einen relativ strengen Dresscode – langbeinige Hosen oder lange Röcke, Oberteile, die die Schultern bedecken; wer unangemessen gekleidet ist, kann am Eingang T-Shirts und Wickelröcke ausleihen. Und das Ganze bei 36 Grad. Wir waren heilfroh, dass die auf der Homepage genannte Sockenpflicht am Eingang nicht durchgesetzt wurde.

Als wir es schließlich in den Palast geschafft hatten, schoben wir uns mit den Massen zwischen den prachtvollen Gebäuden hindurch, machten ein paar Bilder, um uns hinterher anzuschauen, wo wir gewesen sind und suchten dann so schnell wie möglich das Weite. Die Hitze machte es nicht besser. Trotz allem ist der Königpalast mit dem angrenzenden Tempel Wat Phra Kaew unglaublich prachtvoll und definitiv einen Besuch wert. Beim nächsten Mal würde ich aber wahrscheinlich versuchen, schon vor Öffnung da zu sein um dann direkt als erstes hineinzuschlüpfen.

Der Königspalast

Wat Phra Kaew von außen…

…und innen

Anschließend besichtigten wir noch das direkt daneben liegende Wat Pho, in dem sich eine 46 m lange, vergoldete liegende Buddhastatue befindet. Obwohl es ebenfalls eine große Sehenswürdigkeit ist, waren dort nicht einmal ansatzweise so viele Besucher wie im Palast, obwohl wir trotzdem noch anstehen mussten, um die Halle des Buddhas zu betreten.

Detail am Wat Pho

Danach waren wir ziemlich platt und fuhren mit dem Linienboot zurück in unser Viertel um uns etwas auszuruhen und schon die Weiterfahrt zu buchen, weil uns das drückende Klima und die Hektik in der Stadt zu schaffen machten. Großstädte in diesen Breitengraden machen einfach keinen Spaß, das haben wir schon in Phnom Penh festgestellt… Da unser nächstes Ziel fast 900 km weiter südlich lag, buchten wir einen Nachtzug – bequem online, ohne großartigen Zuschlag für irgendwelche Reiseagenturen; man muss nur das Ticket ausgedruckt mitbringen, aber wir fanden direkt nebenan einen Copyshop. Abends gingen wir noch ein bisschen bummeln durch das Touriviertel und kauften ein Strandtuch für Kathrin, die zwar immer noch humpelte, aber den ersten Abend ohne Stützverband rausging. Prompt trat ihr ein unachtsamer Tourist bei einem Rückwärtsschritt genau auf die geprellte Stelle – der Verband bleibt jetzt bis auf weiteres erstmal wieder dran…

Am nächsten Tag erledigten wir etwas, das schon lange überfällig war und gingen zum Friseur. Kathrin ließ ihre Haare wieder kurz schneiden und ich ließ mein Pony in Form stutzen – Gesamtkosten 5 €. Gute Entscheidung und wir sind beide mit dem Ergebnis zufrieden.

Jetzt sieht’s wieder ordentlich aus. 🙂

Danach legten wir uns in einem Park am Fluss auf die Wiese in den Schatten und verbrachten dort die meiste Zeit des Tages, da Kathrins Kreislauf und Magen protestierten – vermutlich gegen das drückende Klima, bis es Zeit war, unsere Sachen aus dem Hostel zu holen und zum Bahnhof zu fahren. Wieder wollten uns die Taxifahrer einen Festpreis aufschwatzen, also ließen wir sie links liegen und liefen eine Straße weiter, wo wir das erstbeste Taxi heranwinkten und der Fahrer kein Problem hatte, das Taximeter zu benutzen.

Am Bahnhof hatten wir noch eine Stunde Zeit aber unser Zug stand schon da und wurde gerade von einem mehrköpfigen Team geschrubbt – von außen.

Diesmal hatten wir in einen klimatisierten Waggon investiert, der außerdem ein Schlafwagen war. Für zwölf Stunden Nachtfahrt kann man sich das schonmal gönnen. Als wir einstiegen, fanden wir allerdings Sitze vor – die Betten, sagte uns der Schaffner, würden erst nach acht gemacht. Der Zug fuhr pünktlich los, die Tickets wurden von einem vierköpfigen Team bestehend aus Schaffner, Hilfsschaffner und zwei Polizisten kontrolliert, und so gegen halb zehn kam dann auch tatsächlich ein Angestellter, der den ganzen Waggon in einen Schlafwagen umwandelte, was nach einer ziemlich undankbaren Aufgabe aussah. Das obere Bett wurde heruntergeklappt und dort waren alle notwendigen Utensilien verstaut. Zwischen den unteren beiden, sich gegenüberliegenden Sitzen, wurde eine Stütze ausgezogen, und darauf kam eine dünne Matratze. Dann wurden Bettlaken auf beide Betten gezogen, die Kissen in Kissenbezüge gestopft und Vorhänge vor beiden Betten eingehängt. Als Bettdecke gab es eine dünne Baumwolldecke, die eingeschweißt in einem Paket aus der Reinigung bereitlag. Auf diese Weise bereitete der arme Mann schätzungsweise 48 Betten vor, und wir wissen nicht, ob er noch für weitere Waggons zuständig war. Aber zumindest schliefen wir halbwegs gut darin.

Beim Bettenmachen…

Alle Passagiere schlafen in Fahrtrichtung.

Früh um sieben kamen wir in Surat Thani an und nahmen dort direkt vom Bahnhof aus einen Bus nach Krabi, einer recht verschlafenen kleinen Stadt an der Westküste, die Ausgangspunkt für einige Inseln ist. Wir übernachteten dort und unternahmen nicht sehr viel, in erster Linie weil die Temperaturen hoch und wir sehr müde waren. Wir wurden wieder ordentlich wach, als wir abends Geld abheben wollten und sich der Automat aufhing, ohne die Karte wieder herauszurücken. Eine Frau kam aus einem benachbarten Massagesalon und beruhigte uns, dass der Automat zwar defekt wäre, die Karte aber nach ein paar Minuten wieder ausspucken würde. Während wir warteten, verpasste sie mir noch eine impromptu Nackenmassage – hab mich nicht beschwert – und tatsächlich kam die Karte kurze Zeit später wieder heraus. Glück gehabt. Am nächsten Automat klappte es dann ohne Probleme.

Bevor wir am nächsten Tag auf eine der Inseln fuhren, machten wir vormittags noch einen kleinen Ausflug zu einem Mangrovenwald. Direkt in der Stadt gibt es am Flussufer entlang einen erhöhten Weg von vielleicht 500 Metern durch die Mangroven. Aufgrund der Trockenzeit standen sie nicht tief im Wasser, manche sogar nur im Schlamm, sodass das beeindruckende Wurzelgeflecht offen lag und man Krabben in den Löchern im Schlamm verschwinden sah.

Im Mangrovenwald

Krabi

Mittags holte uns dann ein Minibus direkt im Hostel ab. Wir wollten nach Koh Lanta, eine Insel, die so nah am Festland liegt, dass sie mit einer kurzen Fährfahrt auf die vorgelagerte Insel und von dort über eine Brücke zu erreichen ist. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Tatsache, dass wir alle für die Fährüberfahrt im Van sitzen blieben. Auf Koh Lanta angekommen, wurden wir sogar bis zum Hostel gebracht, was wir mal vorsorglich für die erste Nacht gebucht hatten. Es ist simpel und, wie wir jetzt schon feststellen durften, nachts sehr laut wegen angrenzender Bars, aber es geht. Vielleicht suchen wir uns nochmal was ruhigeres. Es tut auf jeden Fall gut, das unsagbar drückende Klima nicht mehr in der Stadt ertragen zu müssen, aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass es hier einfach zwischen 11 und 16 Uhr unerträglich draußen ist, selbst im Schatten. Gestern abend waren wir kurz vor Sonnenuntergang baden am wunderschönen, nur 100 Meter entfernten Long Beach; das Wasser ist tatsächlich angenehm kühl (wobei das relativ ist, ich würde mal 28°C schätzen…) und sehr klar, und der Strand ist sauber. Es ist wirklich sehr schön hier und wir werden auf jeden Fall eine Weile bleiben…

Von Chiang Mai über Pai nach Sukhothai (ai ai ai…)

17. Februar 2017, Nakhon Ratchasima

So, wieder lange nichts gehört von uns… Es war viel los aber zur Entschädigung gibt es jetzt einen extra langen Artikel…

Unser erstes Hostel in Chiang Mai war aufgrund eines intensiven Geruches nach frischer Farbe und fehlender Belüftung im Schlafsaal leider nicht so optimal, weshalb wir uns am nächsten Morgen erst einmal auf die Suche nach etwas besserem machten. Ein paar Hausnummern weiter wurden wir fündig in einem sehr ruhigen, sehr sauberen kleinen Hostel am Ende einer Sackgasse, wo wir uns für die nächste Woche einquartierten. Wir hatten zwar nicht unbedingt eine ganze Woche geplant, sondern verlängerten immer wieder für ein, zwei Nächte aber es gab eben auch wirklich viel zu tun in Chiang Mai.

Die Stadt trägt den Beinamen „Rose des Nordens“ nicht umsonst. Die Altstadt, von einem Wassergraben und Überresten einer Mauer umgeben, quillt über von goldglänzenden Tempeln, bunten Läden und vielfältigen Restaurants. Die ersten beiden Abende bummelten wir über die Nachtmärkte – es gibt eine Saturday und eine Sunday Walking Street, wo jeweils eine komplette Straße zur Fußgängerzone erklärt wird, auf der es dann samstags angeblich um die 600 Verkaufsstände geben soll und am Sonntag sogar tausend. Man schafft gar nicht, alles anzuschauen, auch wenn es noch so schöne Dinge zu sehen gibt: Kleidung, Schmuck, Täschchen, Papierwaren, Gemälde, Kunsthandwerk und jede Menge Essen und Trinken, mobile Massagestände und und und… Man kam teilweise kaum vom Fleck und wir gingen am Sonntag schon am späten Nachmittag, als die Händler noch beim Aufbauen waren. Aufgrund des chinesischen Neujahrs waren sehr viele chinesische Besucher in der Stadt, gefühlt die Hälfte aller Touristen und viele Händler sprachen neben Englisch auch Chinesisch. Unter den westlichen Touristen scheinen übrigens Deutsche die größte Gruppe hier zu sein. 😉

Impressionen aus Chiang Mai…

…und vom Nachtmarkt, mit echten und unechten Vögeln (die echten waren nicht zum Verkauf).

Einen Tag spazierten wir einfach durch die Altstadt und schauten ein paar der prächtigen Tempel an und einen anderen Tag fuhren wir zum etwas außerhalb der Stadt auf einem Berg gelegenen Tempel Doi Suthep, der vor Gold nur so strahlt und von wo man außerdem einen Fernblick über ganz Chiang Mai hat – liegt der Tempel doch mehr als 700 Meter über der Stadt. Abends gingen wir einmal essen mit zwei Deutschen aus unserem Dorm. Nicht wenige Restaurants hatten schon geschlossen, obwohl es erst halb acht war, und als wir schließlich doch noch ein halbwegs erschwingliches Lokal fanden, das noch geöffnet war, trafen die beiden dort zwei Kanadier, die sie in Bangkok kennengelernt hatten, und wir hatten einen schönen Abend zusammen.

Doi Suthep – prächtig wie der Hofstaat des Großmoguls Aureng Zeb im Grünen Gewölbe

Chiang Mai aus der Vogelperspektive

Außerdem begegneten wir wieder einmal – Überraschung! – Mélissa, der Französin aus der Transsib, die uns schon in Vang Vieng und Luang Prabang in Laos über den Weg gelaufen war. Ich stand gerade so an einem Kokosnuss-Eisstand und überlegte, mir eines zu kaufen, als sie mit ihrer Kraxe vorbei gelaufen kam; sie war gerade in Chiang Mai angekommen. Wir e-mailten uns, stellten fest, dass ihr Hostel auf der selben Straße wie unseres war und gingen einen Abend zusammen essen in ein sehr authentisches japanisches Restaurant. Da Mélissa ja auch ihr Herz an Japan verloren hat, schwelgten wir alle drei selig in essen-induzierten Erinnerungen. Sie wollte nun nach Myanmar weiter, aber später auch nach Malaysia und vielleicht Neuseeland. Mal schauen, ob uns das Glück nochmal hold ist und wir uns noch einmal zufällig begegnen.

Außerdem erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und machte einen Kurs in Thaimassage. Es gab verschiedene Schulen und alle möglichen Angebote von Halbtags- bis hin zu Monatskursen. Da ich nicht die Absicht habe, in Deutschland einen Massagesalon zu eröffnen (und auch aus Kostengründen) nahm ich einen Dreitageskurs, bei dem die Grundlagen der Thaimassage von Kopf bis Fuß gelehrt wurden. Außer mir war noch ein weiterer Teilnehmer mit von der Partie: Alonso aus Chile, eine sehr ruhige, immer lächelnde Seele. Wir erhielten ein Buch mit Fotos aller Schritte, die unsere Kursleiterin uns erklärte; sie demonstrierte immer an einem von uns und wir hatten genügend Zeit, uns neben jedem Foto im Buch unsere eigenen Notizen zu machen. Danach übten wir unter ihrer Aufsicht an uns gegenseitig. Das Tolle an einem Massagekurs ist, dass man jeden Tag eine Massage erhält. 🙂 Andererseits ist es auch ganz schön anstrengend, erfordert viel Übung und einige der Griffe würde ich wahrscheinlich nie ohne professionelle Aufsicht an irgendjemandem ausprobieren. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht, und wenn jemand von euch irgendwann mal Bedarf hat, meldet euch!

Don’t try this at home. 😉

In Chiang Mai besuchten wir auch ein Museum der besonderen Art: ein 3D-Museum. Dort sind verschiedenste Bildmotive an die Wände gemalt und man kann sich davor fotografieren, sodass es dann auf den Fotos so aussieht, als ob man Teil des Bildes an der Wand ist. Wir hatten einen Riesenspaß und waren fast vier Stunden dort. Die Fotos sprechen für sich (hier eine Auswahl der etwa 170 Bilder):

An unserem letzten Tag in der Stadt fuhren wir zum „Grand Canyon“, einem mit Wasser gefüllten Felsenbecken, das vermutlich mal ein Steinbruch war und wo man jetzt Baden und Klippenspringen kann. Nicht das wir letzteres vorgehabt hätten, aber die Schwimmwestenpflicht bestand für alle, die ins Wasser wollten und es hat trotzdem viel Spaß gemacht, vor allem, da fast keine Leute da waren und wir das überraschend warme Wasser so gut wie für uns hatten.

Der Grand Canyon von Chiang Mai

Am Nachmittag wurden wir dann mit einem Minivan abgeholt, um einen Abstecher nach Norden in Berge zu unternehmen. Wir wollten für ein paar Tage nach Pai und hatten gelesen, dass die Fahrt dorthin sehr kurvig wäre, aber wir machten uns ja gar keine Vorstellung… Wenn ich dachte, die Fahrt von Irkutsk nach Olkhon wäre die schrecklichste meines Lebens gewesen, dann war sie noch gar nichts gegen diese Fahrt nach Pai. Wir erfuhren zum Glück erst in Pai, dass die Straße von Chiang Mai dorthin angeblich 762 Kurven hat, nicht wenige davon 180° und das bei einer Steigung von gefühlten 12-18%. Das an sich wäre auch gar nicht so schlimm gewesen, hätte unser Fahrer den Fuß ab und zu mal vom Gaspedal genommen. Aber stattdessen hatte man das Gefühl, dass er vor den Kurven noch extra Gas gab, wo er ohnehin schon gefühlt viel zu schnell unterwegs war. Ohne Reisekaugummi hätte ich die Fahrt gar nicht überstanden und im Bus purzelte alles durcheinander. Als wir nach dreieinhalb sehr langen Stunden endlich den Busbahnhof von Pai erreichten, sammelten wir erst einmal alle möglichen Dinge unter den Sitzen auf und verteilten sie wieder an ihre jeweiligen Besitzer…

Wir suchten uns das erstbeste Restaurant mit Internet und schrieben dem Hostelbesitzer, bei dem wir die erste Nacht gebucht hatten, damit er uns abholen kommt. Das Hostel war nämlich etwas außerhalb gelegen und es war mittlerweile auch schon dunkel. Dort angekommen stellten wir fest, dass es wahrscheinlich nicht so das richtige für uns war. Wir haben zwar im Prinzip kein Problem mit simplen Quartieren – Matte auf dem Fußboden, WC über’n Hof, Selbstverpflegung – aber in Thailand bekommt man einfach für den selben Preis wesentlich besseres und insbesondere auf Selbstversorgung sind wir einfach nicht eingerichtet, weil das in Südostasien normalerweise völlig unnötig ist. Aber das Hostel lag eine halbe Stunde zu Fuß von Pai und entsprechend auch von den Restaurants entfernt und das war uns einfach zu unpraktisch. Davon abgesehen, dass unser Zimmer keine Tür sondern nur einen Vorhang hatte…

Also machten wir uns am nächsten Morgen im Ort auf die Suche und fanden eine hübsche Pension direkt im Zentrum, mit einem schönen grünen Garten, wo man draußen sitzen konnte, und einem gemütlichen Zimmer mit Tür, eigenem Bad und richtigen Betten für nur einen Euro mehr.

In Pai

Pai ist nur ein größeres Dorf; es Kleinstadt zu nennen wäre übertrieben. Allerdings ist es extrem touristisch und insgesamt eine sehr interessante Mischung aus Backpackern, Hippies und einer muslimischen Gemeinde, was das Essensangebot sehr interessant macht. Wir gingen spazieren, bummelten über den allabendlichen Nachtmarkt, aßen viele leckere Dinge von Fladenbrot mit Hummus und Falafeln über thailändisches und indisches Essen bis hin zu Guacamole-Bruschettas, und faulenzten auch mal einen Tag in unserem Guesthouse. Einen Tag unternahmen wir außerdem eine geführte Tour rund um Pai, mal wieder mit einer supernetten und interessanten Gruppe, bunt gemischt aus Deutschen, Israelis, Engländern und US-Amerikanern und einem Kanadier. Wir besichtigten die sehr beeindruckende Lod Cave, eine riesige Höhle, durch die man ein Stück weit mit einem Bambusfloß fuhr und in der es mehrere große Hallen mit Stalagtiten und Stalagmiten und anderen interessanten Formationen zu sehen gab. Außerdem konnte man ab und zu eine Fledermaus erspähen.

Lod Cave

Danach ging es baden in eine natürliche heiße (na sagen wir mal angenehm warme) Quelle, wobei uns nicht klar war, woher dort das warme Wasser kommt, wo die Gegend ja nicht vulkanisch ist. Es war aber trotzdem ein netter Badestopp in einem Bach.

Die „heiße“ Quelle

Abends fuhren wir zum Pai Canyon, der wie eine Mischung aus Miniatur-Grand Canyon und Sächsischer Schweiz wirkt. Dort konnten wir ein bisschen herumwandern und den Sonnenuntergang über den Bergen sehen, was wirklich schön war. Dort trafen wir auch zufällig Noémi wieder, aus unserer Gruppe bei der Steinkrüge-und-Landminen-Tour in Laos. Wieder einmal ein freudiges Wiedersehen.

Sonnenuntergang am Pai Canyon

Uns bangte sehr vor der Rückfahrt nach Chiang Mai, aber wir konnten ja nicht ewig in Pai bleiben, und so buchten wir schließlich einen Vormittagsbus zurück. Und was soll man sagen: es gibt tatsächlich Busfahrer, die vor Kurven abbremsen und das auch nicht ruckartig, sondern sanft und gleichmäßig, und die – oh Wunder – die Strecke trotzdem in der gleichen Zeit schaffen wie die Raser. Es war diesmal überhaupt kein Problem; ich brauchte nicht einmal Reisekaugummis und wir kamen entspannt und mit ruhigem Magen in Chiang Mai an. Dort buchten wir, da es erst Mittag war, gleich einen Bus zur Weiterfahrt zu unserem nächsten Reiseziel Sukhothai. Diesmal war es ein großer Bus, was auch ganz angenehm war, da die Fahrt immerhin noch fünf Stunden dauerte. Zum Glück hatten wir schon ein Guesthouse für die erste Nacht gebucht, da wir wieder erst im Dunkeln ankamen und einen ziemlichen Reisetag hinter uns hatten. Mit uns im Bus saß eine ältere Deutsche, die ins gleiche Quartier wollte. Wir kamen ins Gespräch, da es von der Bushaltestelle eine halbe Stunde zu laufen war. Wir waren überrascht, als sie uns erzählte, dass sie Arthritis in beiden Knien hat und in Deutschland vor Schmerzen kaum laufen kann. In der Wärme Südostasiens hat sie kaum Beschwerden.

Dafür waren wir dann diejenigen, die wieder Beschwerden kriegten, allerdings nicht in den Knien. Womit wir uns diesmal abgeschossen haben, wissen wir leider auch nicht, aber die nächsten zwei Tage waren wir mit Durchfall und Magenkrämpfen völlig außer Gefecht gesetzt. Glück im Unglück war, dass wir wieder etwas zeitversetzt anfingen, zuerst Kathrin und einen halben Tag später ich, sodass wir uns mit dem Einkaufen von Snacks und Wasser abwechseln konnten. Leider war nämlich der nächste Laden eine gute Viertelstunde zu laufen, was in diesem Zustand eine ganz schöne Strecke ist.

Als es uns wieder etwas besser ging, erkundeten wir die Tempelruinen von Sukhothai, weshalb wir eigentlich dorthin gefahren waren. Ein Großteil der alten Gemäuer steht in einem wunderschönen Park mit großen Bäumen und seerosenüberwucherten Teichen. Mit dem Fahrrad kann man entspannt von einer Ruine zur nächsten fahren, unbehelligt von Autos und anderen Touristen, denn obwohl der Historische Park Weltkulturerbe ist, verirren sich nur wenige Besucher dorthin.

Großer Buddha im Wat Sri Chum

Ein bisschen wie Angkor Wat, aber kleiner und viel entspannter

Herrlich, mal so ohne Autos und Motorräder herumzufahren…

Sonnenuntergang über dem Wat Sa Si

Von Sukhothai wollten wir weiter nach Nakhon Ratchasima, eine Stadt im Osten Thailands, fast 500 km entfernt, aber wir wussten nicht so richtig, wie wir von Sukhothai aus dorthin kommen sollten. Wir fragten am Busbahnhof, wo es einen Bus nach Bangkok gab, aber der Morgenbus war schon ausgebucht und die Dame war derart unfreundlich, dass weiteres Fragen zwecklos war. Also war wieder einmal Freestyle und Vertrauen ins Verkehrsnetz angesagt: am nächsten Morgen fuhren wir (trotz erneuten Durchfalls meinerseits, aber dafür gibt es ja Tabletten und wir wollten einfach nur noch weiter) mit dem öffentlichen Songthaew eine halbe Stunde nach Neu-Sukhothai zum Busbahnhof. Dort sagte man uns, dass es von der nächstgrößeren Stadt Phitsanulok aus einen Bus nach Nakhon Ratchasima gäbe. Also weiter mit dem nächsten Bus, der auch nach fünf Minuten schon losfuhr, eine Stunde nach Phitsanulok. Dort gab es leider zwei Busbahnhöfe und wir kamen natürlich am lokalen an. Eine freundliche Tuktukfahrerin fragte uns, wo wir hinwollten und sprach dann mit dem Fahrer unseres Busses, aus dem wir gerade ausgestiegen waren. Sie hätte ja auch ein Geschäft an uns machen können, aber stattdessen sagte sie, wir könnten mit dem Bus weiterfahren bis zum Fernbusbahnhof, was wir dann auch taten. Dort setzte uns der Busfahrer direkt vor dem richtigen Schalter ab und wir konnten zwei Stunden später weiterfahren nach Nakhon Ratchasima.

Diesmal war es ein richtiger Luxusbus mit Toilette, Bordunterhaltung in Form von Filmen („Sharkansas“ lässt grüßen), und sogar Bordservice – Getränke und Frischetücher inklusive. Dafür war es auch nochmal eine richtig lange Fahrt, über sieben Stunden, und als wir gegen acht in Nakhon Ratchasima ankamen, hatten wir noch nicht mal ein Quartier, da wir ja nicht wissen konnten, ob wir es bis dorthin schaffen. Wir hatten uns aber schonmal provisorisch ein Hotel herausgesucht, zu dem wir uns dann mit dem Tuktuk fahren ließen, nachdem sämtliche anwesende Fahrer mehrere Minuten lang diskutiert hatten, wo das Hotel denn liegt. Wir kamen schließlich an wo wir hinwollten, es gab noch freie Zimmer und so konnten wir uns dann ziemlich k.o. erstmal ins Bett fallen lassen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem öffentlichen Bus in die 50 km entfernte Stadt Phimai. Dort gab es einen kleinen historischen Park mit einer mehr schlecht als recht restaurierten Ruine aus der Angkor-Zeit, die aber trotzdem sehr schön war.

Im Historischen Park von Phimai

Außerdem gibt es in der Nähe des Städtchens auf einer kleinen Insel einen riesigen Banyan-Baum. Diese Baumart fällt dadurch auf, dass sie keinen Hauptstamm zu haben scheint, sondern von den Ästen immer wieder Wurzeln nach unten wachsen und der Baum dadurch zu einem riesigen Geflecht wird. Das Exemplar in Phimai ist das größte in Thailand, wenn nicht noch darüber hinaus; unter seinem Geflecht gibt es zahllose Picknicktische und -bänke, zwei Schreine und einen ganzen Rundweg.

Das gesamte hellgrüne ist der Banyan-Baum!!

Man sieht sozusagen den Baum vor lauter Wald nicht…(ja, das ist alles der eine Baum!)

Zurück in Nakhon Ratchasima suchten wir einen Tempel (Wat Phra Narai Maharat), von dem wir gelesen hatten, dass es in dem umliegenden See Bindenwarane geben sollte. Wir fanden den Tempel, und drumherum lag auch ein „Gewässer“, aber danach, dass es hier Warane geben sollte, noch dazu welche, die bis zu drei Metern lang werden können, sah es eher nicht aus. Der vielleicht hundert Meter im Quadrat messende Teich war ein künstlich angelegtes Betonbecken mit nackten, schrägen Wänden und keinerlei Grün. Das Wasser war trüb, von einem grünen Film überzogen und am Ufer schwamm eine Menge Müll herum. In der Mitte auf einer künstlichen Insel lag der Tempel. Da lag wohl offensichtlich ein Irrtum vor.

Wir wollten schon wieder kehrt machen, als wir plötzlich etwas auf der Uferschräge liegen sahen – kaum zu glauben, aber es war tatsächlich ein Waran! Danach sahen wir noch weitere Exemplare, die sich sonnten oder im Teich herumschwammen. Aus irgendeinem Grund schien dieser keimige Tümpel das reinste Biotop zu sein; wir sahen auch eine Art Eisvogel, der immer wieder in die dreckige Brühe schoss und mit Beute herauskam. Verrückt. Warum die Warane dort leben, und ob sie manchmal versuchen, auszubüchsen, wissen wir nicht.

Bindenwaran in der Stadt

Das war aber noch nicht die größte Überraschung des Tages. Unverhofft kommt oft, leider nicht immer im besten Sinne… Unser Hotel am Stadtrand, das kein Tuktuk- oder Taxifahrer je zu kennen schien, war zwar sehr ordentlich und modern, aber leider funktionierte das Internet nicht, was die weitere Reiseplanung deutlich erschwerte. Also suchten wir im Stadtzentrum ein Café oder ähnliches, wenn wir schonmal da waren, um dort das Wlan zu nutzen. Und als wir so herumliefen und suchten, stolperte Kathrin leider über eine Kante im Bordstein und verdrehte sich den Fuß. Zunächst sah es nicht weiter schlimm aus; wir liefen noch langsam bis zum nächsten Café und bestellten etwas zu essen. Aber während wir dort saßen, schwoll die umgeknickte Stelle immer weiter an und tat dann auch in Ruhe weh. Also nutzten wir das vorhandene Wlan, um nach englischsprachigen Krankenhäusern zu suchen und baten die Kellner, uns ein Taxi zu bestellen. Das ganze Café-Team war unglaublich besorgt und hilfsbereit, zwei Leute begleiteten uns nach draußen und bestanden darauf, Kathrin zu stützen und ihren Rucksack zu tragen und das Taxi bis direkt vor die Tür zu lotsen.

Wir fuhren ins Korat Memorial Hospital, da wir einen Blogeintrag von jemandem gelesen hatten, der dort gut behandelt worden war. Vor Ort standen schon mehrere Rollstühle in der Einfahrt und ein „Portier“ (nennt man das so im Krankenhaus?) bugsierte Kathrin in einen davon und rollte sie direkt in die Notaufnahme. Dort waren sofort mehrere Krankenschwestern und eine Ärztin zur Stelle, die gut Englisch sprachen und direkt mit der Untersuchung begannen. Ich wartete draußen während K zum Röntgen gefahren wurde, zurück ins Behandlungszimmer, nochmal zum Röntgen, wieder ins Behandlungszimmer,… Eine knappe Stunde später war der Fuß dann bandagiert und mit einem Eispack versehen, Diagnose Verstauchung, zwei Tage ruhig halten und dann weiter sehen… Wir bekamen noch Schmerzmittel und ein Medikament zur Muskelentspannung und bezahlten am Ende nicht einmal 60 Euro für alles.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche nach einem Hotel im Stadtzentrum, denn zwei Tage Bettruhe sind ohne Internet auch ganz schön langweilig und außerdem gab es rund um unser Vorstadthotel nicht wirklich irgendwelche Einkaufsmöglichkeiten. Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht. Obwohl Nakhon Ratchasima eine Großstadt ist, ist es alles andere als touristisch (tatsächlich haben wir hier so gut wie überhaupt keine Ausländer gesehen, geschweige denn Backpacker) und entsprechend gibt es nicht viel Auswahl. Zwischen zu teuer, zu abgelegen, Bezahlinternet und Baustelle direkt nebenan fand ich am Ende ein passables, das außerdem eine große Mall mit Supermarkt und Restaurants in Laufentfernung hat, und dort richteten wir uns dann ein. Die zwei Tage Bettruhe sind inzwischen herum und heute konnte Kathrin schon wieder vorsichtig rausgehen, daher werden wir morgen nach Bangkok weiterfahren; es wird schon gehen, wenn ich die Kraxen trage und wir so weit wie möglich Taxi fahren. Schauen wir mal…

Mit dem Tuktuk nach Thailand

05. Februar 2017, Pai

Wir haben ja nun schon mit so einigen Verkehrsmitteln Grenzen passiert – Zug, Bus, Boot – aber nach Thailand fuhren wir sozusagen mit dem Tuktuk (zumindest fast). Wir hätten zwar einen Bus buchen können, aber der wäre unnötig teuer gewesen und wir hatten ohnehin nicht mehr genug Landeswährung. Also nahmen wir uns morgens ein Tuktuk und fuhren die zehn Minuten bis zur laotischen Grenze, wo wir unseren Ausreisestempel erhielten. Zugegeben, direkt über die Grenze, also die Friendship Bridge, mussten wir dann einen Shuttlebus nehmen (laufen durfte man nicht), aber auf der anderen Seite fuhren wir wieder mit dem Tuktuk bis in den nächsten Ort. Vorher an der Thaigrenze zitterten wir nochmal kurz, ob wir wohl mit unserem Visum aus Vientiane einreisen und die 60 Tage bewilligt bekommen würden. Wir mussten nämlich an der Grenze noch ein Einreiseformular ausfüllen und darin unter anderem angeben, wann und wie wir Thailand wieder verlassen würden, und ich hatte gelesen, dass einem die Einreise ohne Ausreisenachweis verweigert werden kann. Uns blieb nun nichts anderes übrig, als die Information freizulassen. Da nicht viel los war, gingen wir gleich zu zweit zum Schalter, wo ein mittelalter, etwas beleibter Beamter saß, der so viel geballtem Charme glücklicherweise nicht widerstehen konnte, seinen anderweitig vermutlich eher langweiligen Tag mit etwas Geschäker aufpeppte und uns ohne unangenehme Fragen alle Stempel in den Pass pappte, die wir brauchten, 60 Tage Aufenthalt inklusive.

Die Tuktukfahrerin, die uns danach chauffierte, war ein echter Schatz. Anstatt uns zum Busbahnhof zu bringen wie vereinbart, setzte sie uns an der Hauptstraße ab, wo schon der richtige Bus bereitstand – am Busbahnhof hätten wir eine Stunde auf den nächsten warten müssen. Und damit nicht genug, sie brachte uns sogar noch über die Straße bis direkt zur Bustür, damit wir nicht überfahren werden. Denn wir sind jetzt in Thailand, und in Thailand herrscht Linksverkehr und in Thailand, das lernten wir sehr schnell, fahren sie wie die Bekloppten.

Der öffentliche Bus ins drei Stunden entfernte Chiang Rai kostete nur 60 Baht (ca. 1,50 €) pro Person – in Thailand ist auch alles viel günstiger als in Laos. Während der Fahrt verglichen wir die beiden Länder. Obwohl wir gerade erst angekommen waren, fielen uns schon einige Unterschiede auf. Der Verkehr ist viel schneller und es sind viel mehr Autos und weniger Motorräder unterwegs. Es wird kaum gehupt. Die Häuser sind groß und schick, teilweise sehr modern. Und die Landwirtschaft: riesige Felder, die mit Traktoren bewirtschaftet und mit Chemikalien besprüht werden – verschwunden sind die Wasserbüffel, das freilaufende Geflügel, die gebeugten Gestalten mit Spitzhut auf den kleinen Äckern. Das Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Ländern ist riesig; kein Wunder dass so viele Laoten (und Kambodschaner) zum Arbeiten nach Thailand kommen.

In Chiang Rai machten wir uns als erstes auf Hostelsuche und mussten prompt feststellen, dass die Quartiere im Zentrum ziemlich gut gebucht waren. Wir fragten bei mehreren vergebens bis wir schließlich in einer Seitenstraße in einem Garten ein sehr hübsches kleines Hostel fanden, dass noch freie Dormbetten hatte.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Chiang Rai ist Wat Rong Khun, der Weiße Tempel, ein moderner, von einem zeitgenössischen thailändischen Künstler entworfener, buddhistischer Tempelkomplex, an dem immer noch gebaut wird. Mehrere Gebäude sind schon fertig und ziehen täglich hunderte Touristen (und vielleicht auch ein paar Gläubige) an, aber angeblich sollen die Arbeiten noch bis 2070 andauern.

Irgendwie sind uns den Massen zum Trotz noch ein paar Fotos fast ohne Menschen gelungen.

Leider war der Tempel, als wir ankamen, von chinesischen Reisegruppen derart überrannt, dass wir anstehen mussten, um ihn überhaupt von innen zu sehen. Aber das Warten hat sich durchaus gelohnt. Da Fotografieren im Tempel verboten war, bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als euch zu beschreiben, wie es drinnen aussah. Eigentlich sah es ähnlich aus wie in den meisten anderen buddhistischen Tempeln; an der Stirnseite saß ein Buddha und die Wände waren mit buddhistischen Motiven bemalt. Aber das war nicht alles. An mehreren Stellen hat der Künstler nämlich ganz und gar unreligiöse Motive verewigt: zwischen Darstellungen nuklearer Zerstörung oder des Attentats auf die Twin Towers verstecken sich Pikachu und Superman genauso Harry Potter und Michael Jackson, um nur einige von vielen zu nennen.

Da wir nicht fotografieren durften, müsst ihr mit diesem Bild von Wikipedia vorlieb nehmen…

Neben dem Weißen Tempel war unser Highlight in Chiang Rai vermutlich das mit „Cat’n a Cup“ sehr passend benannte Katzencafé. Für diejenigen von euch, die mit dem Konzept nichts anfangen können: es handelt sich im Prinzip um ein ganz normales Café, mit dem zusätzlichen Bonus, dass es dort jede Menge verschmuste und verspielte Katzen gibt. In diesem Café saß man auf Kissen auf dem Boden an flachen Tischen, was die Interaktion mit den Samtpfoten sehr begünstigte. Zwar gibt es immer ein paar Leute, die den Katzen unnötig auf die Pelle rücken (oder Eltern, die partout nicht in der Lage sind, ihre katzenschwanzziehenden Kinder zu zähmen) aber im großen und ganzen herrschte in dem Café eine sehr angenehme Atmosphäre und es gab auch viele Rückzugsorte für die Katzen, welche außerhalb der Reichweite der Gäste lagen. Und man musste auch wirklich gar nichts weiter tun als Platz zu nehmen und abzuwarten; die neugierigen Stubentiger kamen beizeiten von ganz allein näher, beanspruchten Rucksäcke als Sitzgelegenheiten, spielten mit Handtaschengurten, haschten sich quer durchs ganze Café oder holten sich bei Bedarf ein paar Streicheleinheiten. Eventuell waren wir vielleicht auch mehr als einmal dort, öhöm…

Ansonsten bummelten wir einfach mal so durch die Stadt und schauten ein paar Sehenswürdigkeiten an, wobei wir auch mehr oder weniger zufällig über das Blumenfestival stolperten, das dort gerade stattfand und keinen Eintritt kostete.

Abends holten wir uns unser Essen vom Nachtmarkt, der über ein paar nette Souvenir- und Schnickschnackstände sowie einen riesigen Foodcourt verfügte, den auch die Einheimischen zu nutzen schienen. Einen Abend ging ich allein, da Kathrin keinen Appetit hatte und sich nicht nach Rausgehen fühlte. Während ich so in der Schlange für mein Pad Thai stand (gebratene, leicht gesüßte Reisnudeln serviert mit Limette, Erdnüssen und frischen Sprossen) und meinen Blick auf der Suche nach einem freien Sitzplatz über die Tische schweifen ließ, kam mir der Gedanke, dass ich bestimmt schon irgendjemanden dort kenne – nur vielleicht noch nicht in diesem Augenblick. Klingt esoterisch? Glaubt ihr nicht? Ich suchte mir mit meinem Nudelteller einen Tisch, wo nur eine Person saß, eine junge Frau in meinem Alter, fragte ob noch frei ist, und als sie bejahte, setzte ich mich zu ihr. Natürlich kamen wir ins Gespräch, zuerst auf Englisch, merkten dann, dass wir beide Deutsche sind und lange Rede kurzer Sinn, am Ende bummelten wir noch zusammen durch die Stadt, versackten schließlich am Glockenturm mit Bier (sie) und japanischer Limo (ich), da die meisten Kneipen schon geschlossen hatten und wir nicht ins Rotlichtviertel gehen wollten, und tauschen jetzt via Facebook Reisetipps aus. So einfach geht das.

Von Chiang Rai aus unternahmen wir auch einen ziemlich genau 23 Stunden dauernden Übernacht-Ausflug zurück zur laotischen Grenze, allerdings ein ganzes Stück südlich unseres Grenzübergangs. Wir hatten gelesen, dass man von einer 1.600 Meter hohen Klippe namens Phu Chi Fa den Sonnenaufgang über dem Nebelmeer zwischen den Bergen von Laos sehen könnte. Es gab einen öffentlichen Bus, der sich in etwa drei Stunden die sehr kurvige Straße hoch ins Dorf unterhalb der Klippe hinaufquälte. Vor Ort, so hatten wir gelesen, gäbe es jede Menge Guesthouses und man könne auch von überall den Shuttle zur Klippe für den nächsten Morgen buchen. Einfacher gesagt als getan. In dem winzigen Ort angekommen, war nichts, aber auch gar nichts auf Englisch beschriftet – wie nun ein Quartier finden? Wir gingen schließlich nach dem Aussehen und fragten dort, wo mehrere gleichaussehende Bungalows nebeneinander standen. Der erste war zu teuer, bei Nummer zwei kostete es nur die Hälfte, aber der Preis war auch das einzige, was die Betreiberin kommunizieren konnte (mit den Fingern). Sie verstand nicht einmal meine Frage nach einem Restaurant – wie wir da den Shuttle zur Klippe buchen sollten, war uns schleierhaft. Im Internet hatte das alles sehr viel einfacher geklungen.

Nachdem wir dann zumindest ein Bett hatten, machten wir uns auf die Suche nach etwas zu essen. Es gab eine Handvoll Restaurants aber keines mit englischer Speisekarte… Am Ende entschieden wir uns für eines, wo zumindest schon Ausländer drin saßen und siehe da, es gab doch eine Übersetzung der Karte. Wirklich auf Ausländer eingerichtet ist der Ort nicht; er scheint in erster Linie von Thais frequentiert zu werden, und die einzigen anderen Ausländer, die noch mit uns im Bus hergekommen waren – ein Brasilianer (aus Rio de Janeiro, ehe jemand fragt 😉 ) und zwei Russinnen, fanden nach und nach ebenfalls den Weg in dieses Lokal und setzten sich alle zu uns. Von der allgemeinen Ratlosigkeit über den Shuttle abgesehen war es ein sehr schöner Abend.

Wir beschlossen, am nächsten Morgen einfach in den Ort zu laufen und zu schauen, ob wir eine Mitfahrgelegenheit finden. Aber wir hätten uns überhaupt keine Sorgen machen müssen: am nächsten Morgen kurz vor halb sechs klopfte es an unserer Tür und ein Pick-up-Fahrer fragte, ob wir mitfahren wollten… Die zehnminütige Fahrt führte vom Dorf aus noch weiter steil nach oben bis zu einem Parkplatz unterhalb der Klippe, wo trotz der frühen Stunde ein unglaublicher Betrieb herrschte – der Parkplatz war voll mit Fahrzeugen; an Verkaufsständen gab es alles von Taschenlampen über Kaffee bis hin zu Bommelmützen und die 750 m Fußweg bis zur Spitze der Klippe legten wir in einer Karawane von Thais zurück, von denen nicht wenige gekleidet waren wie für eine Polarexpedition. Zugegeben, es war schon kalt. Für thailändische Verhältnisse war es sogar eisig: 13 Grad zeigte das Thermometer (und allen, die uns jetzt für Memmen halten und auf deutsche Temperaturen verweisen, sei gesagt, 13 Grad draußen bedeuten auch 13 Grad drinnen im Bungalow; hier gibt es nämlich keine kuschelig warme Zentralheizung…). Noch im Dunkeln suchten wir uns einen Platz ganz vorn am Zaun bevor es zu voll wurde; stöpselten uns Kopfhörer rein um das unaufhörliche Gebrabbel der Menschenmenge mit Musik nach Wahl zu überdecken und dem Moment etwas mehr Atmosphäre zu verleihen und dann warteten wir ab.

Das Morgenrot gab den Blick frei auf ein Meer von Wolken, das uns zu Füßen lag und aus dem die Berggipfel auf der laotischen Seite wie Inseln aufragten. Als die Sonne schließlich am Horizont aufging, verschwand sie schon nach wenigen Augenblicken über einer weiteren Wolkenschicht, von wo aus ihre Strahlen ganz deutlich hervortraten und das Nebelmeer in Töne von Pink und Gold tauchten. Es war unbeschreiblich schön.

Zurück im Ort hatten wir noch Zeit, im Restaurant vom Vorabend zu frühstücken bevor der Minibus zurück nach Chiang Rai fuhr. Dort am Busbahnhof angekommen buchten wir gleich noch eine Weiterfahrt nach Chiang Mai und verbrachten dann die Wartezeit noch einmal im Katzencafé. Was für ein Tag.

Von Luang Prabang zur thailändischen Grenze

31. Januar 2017, Chiang Mai

Nach Luang Prabang fuhren wir gemeinsam mit Megan und Noémi im Minibus, wo wie immer sämtliche Plätze besetzt waren. Nur leider sind wir falang (westliche Ausländer) etwas größer als die meisten Laoten, sodass wir wie in einer Sardinenbüchse saßen, uns praktisch nicht bewegen konnten und nach den fast acht Stunden Fahrt über die extrem kurvigen Straßen total verspannt ankamen.

Wir verabschiedeten uns von den Mädels und machten uns auf zu unserem Hostel am Rande der Altstadt. In unserem Dorm fiel uns sofort ein Rucksack auf, der aussah wie Mélissas (die Französin aus der Transsib) – siehe da, als wir abends vom Essen zurückkamen, trafen wir sie wieder. Die Welt ist klein.

Einen Tag schlenderten wir einfach nur durch die Stadt, von der wir nur Gutes von anderen Reisenden gehört hatten. Und tatsächlich ist Luang Prabang ganz anders als alle anderen Städte in Laos. Die alten Kolonialvillen sind geschmackvoll restauriert; es gibt zahlreiche Boutiquen und Souvenirgeschäfte und schöne kleine Resorts. Es fahren viel mehr Autos als in anderen Städten und man bekommt den Eindruck, dass Luang Prabang sehr wohlhabend sein muss.

Luang Prabang – kleine Gassen, …

…prächtige Tempel …

…und historische Kolonialbauten.

Jeden Abend gibt es in der Altstadt einen ziemlich großen Nachtmarkt, auf dem die üblichen Schlabberhosen mit Elefantenmuster, bunte Täschchen in allen Größen und sonstige Souvenirs verkauft werden. Einen Abend bummelten wir über den Markt, angenehm überrascht, dass die Verkäufer uns weitgehend in Ruhe ließen. Einen anderen Abend besuchten wir ein kleines Theater, wo ein Märchenerzähler mit musikalischer Begleitung auf Englisch laotische Volkssagen vortrug. Einmal stiegen wir auch am späten Nachmittag auf den „Hausberg“, den Phou Si Mountain, der einer der Volkssagen nach eigentlich die Spitze eines Berges auf Sri Lanka ist – eine Königin, die einst in Luang Prabang lebte, wollte unbedingt eine bestimmte Sorte Pilze essen, die es nur auf diesem Berg in Sri Lanka gab. Also schickte sie Hanuman, den Affenkönig (der praktischerweise Superkräfte besitzt), aber sie verriet ihm den Namen der Pilze nicht. Es handelte sich nämlich um Affenohrpilze, und Hanuman wäre vermutlich nicht besonders kooperativ gewesen, wenn er dies erfahren hätte. So flog er los und brachte Pilze, aber es waren nicht die richtigen, und die Königin schickte ihn noch einmal und noch einmal und jedes mal holte er die falsche Sorte. Am Ende hatte er die Nase voll und brachte ihr einfach die gesamte Bergspitze, damit die Königin ihre Pilze selber suchen konnte.

Wir hatten von Megan gehört, dass man für den Sonnenuntergang auf dem Berg zeitig kommen sollte, also waren wir schon über eine Stunde vorher da. Und was soll man sagen, wir fanden gerade noch einen freien Sitz-/Stehplatz mit Mekongblick; es waren schon Busladungen von Chinesen und anderen Touristen da und bis zum tatsächlichen Sonnenuntergang wuchs ihre Zahl gut und gern auf mehrere hundert; es war verrückt. Der Sonnenuntergang war aber sehr schön, da hat sich das Warten zumindest gelohnt.

Ausblick vom Phu Si – Sonnenuntergang über dem Mekong

An einem Nachmittag machte ich mich auf, die berühmte Lao-Kräutersauna auszuprobieren, von der es direkt auf unserer Straße eine im Rot-Kreuz-Zentrum gab, die größtenteils von Einheimischen genutzt wurde. Ich bekam ein Handtuch und einen Sarong, der groß genug war, um ihn als Wickelkleid zu tragen – in Laos würde man niemals nackt in die Sauna gehen. Es gab einen Frauen- und einen Männerraum und davor zwei separate Sitzecken mit Bänken und einem Tisch, auf dem ein Teespender und Tassen zur freien Verfügung standen. Mehrere Frauen saßen dort und machten ein Päuschen. Ich öffnete die Tür zur Sauna und mir kam eine dicke weiße Dampfwolke entgegen. Drin war es fast völlig dunkel; ich konnte nicht mal sehen, wie groß der Raum war oder wie viele Leute sich darin aufhielten, und die Hitze war so unerträglich, dass ich es nicht mal in den Raum hinein schaffte sondern die Tür direkt wieder schloss, sehr zur Unterhaltung der teetrinkenden Damen draußen. Sie empfahlen mir, erstmal eine heiße Dusche zu nehmen, und danach ging es tatsächlich besser. Aber mehr als eine halbe Minute am Stück hielt ich nicht aus; die feuchte, aromatisch duftende Hitze war so beißend, dass selbst die Einheimischen sich ihre Handtücher um das Gesicht wickelten und wir alle da saßen wie Mumien. Nach dreimal Dampfgaren fühlte ich mich ausreichend aufgewärmt für eine Massage, die ebenfalls dort angeboten wurde und die wieder recht schmerzhaft (aber zugleich sehr wohltuend) war.

Von Luang Prabang aus machten wir zudem einen Tagesausflug zum Kuang Si-Wasserfall. Dorthin gab es Minibustouren, die aber nicht viel Zeit am Wasserfall ließen. Ein Tuktuk zu zweit wäre zu teuer gewesen, also versuchten wir unser Glück mit einem Sammeltuktuk. Wir liefen von der Touristeninformation durch die Altstadt und hielten nach Tuktuks Ausschau, in denen vielleicht schon jemand saß, aber alle waren leer. Wir wollten schon fast aufgeben, als uns ein Fahrer ansprach und sagte, er hätte schon weitere Gäste für die Tour und würde um elf losfahren. Wir handelten einen Preis aus, der auch nicht teurer war als die Minibustouren und zudem sicherte der Fahrer uns zu, dass er vor Ort vier Stunden warten würde. Umso besser. Wir belohnten uns und füllten die Wartezeit bis elf Uhr mit einem Snack am Crêpe-Stand (Banane-Nutella-Erdnussbutter ist die Beste Mischung der Welt) und als wir uns dann am Tuktuk einfanden, das ein umgebauter kleiner Lieferwagen war, hatte der Fahrer tatsächlich acht Leute zusammen bekommen.

Die Fahrt dauerte etwa eine Dreiviertelstunde. Bevor man den eigentlichen Wasserfall erreichte, führte der Weg vom Parkplatz aus erst einmal durch eine Auffangstation für Kragenbären (auch Mondbären genannt), die aus den Händen von Wilderern befreit wurden und nun dort gepflegt werden. Die Bärengehege erinnerten an den Pandapark in Chengdu; die Bären hatten relativ viel Platz im Grünen, viel Spielzeug und waren sehr aktiv.

Kragenbär

Von dort gelangten wir über einen Waldweg an den Fuß des Kuang Si-Wasserfalls. Dieser fällt in unzähligen Stufen und Kaskaden ins Tal, einige mehrere Meter hoch, andere nur so hoch wie Treppenstufen. Da das Wasser sehr mineralhaltig ist, hat es eine milchig-blaue Farbe, die im sonnenbeschienenen Dschungel einfach paradiesisch wirkt. In einigen der natürlichen Pools konnte man baden, was wir uns aber in Anbetracht der relativ kühlen Temperaturen/ Blutegel/ Massen anderer Touristen verkniffen. Wir folgten dem Wasser fluss- (oder sollte man sagen fall-)aufwärts bis zum Hauptwasserfall, der gut und gern 80 Meter hoch war und uns definitv als einer der schönsten Wasserfälle, die wir je gesehen haben, in Erinnerung bleiben wird. Man konnte sogar noch an der Seite des Wasserfalls durch den Wald nach oben steigen und hatte von dort einen tollen Blick auf die umliegenden Berge. Anschließend besuchten wir noch einen Schmetterlingsgarten am Fuße des Wasserfalls, der von einem holländischen Paar geführt wird, die ihr komplettes Leben zuhause aufgegeben und ihr ganzes Hab und Gut verkauft haben, um sich ihren Traum von diesem Park zu erfüllen. Nach den Horden von Touristen war der Schmetterlingspark eine Oase der Ruhe und als Bonus gab es noch eine gratis Fischmassage für die Füße in einem natürlichen Wasserbecken.

Kuang Si-Wasserfall

Kuang Si-Wasserfall

Von Luang Prabang aus machten wir uns auch auf den Weg zu unserem letzten Reiseabschnitt in Laos. Bis zur thailändischen Grenze in Houay Xay/Chiang Khong kann man nämlich mit dem Boot auf dem Mekong fahren. Es gibt dazu zwei Möglichkeiten: das Speed Boat – ein Motorboot, das die Strecke in sechs Stunden schafft, während derer man mit Rettungsweste und Helm ausgerüstet in der prallen Sonne brutzelt, vom Motorenlärm taub wird und hofft, keinen Felsen zu rammen – oder das Slow Boat, für welches wir uns entschieden, da uns unser Leben und Gehör lieb sind.

Das Slow Boat ist ein sehr großes Long Boat, das gut und gern fünfzig Passagieren und deren Gepäck Platz bietet, über Toiletten und einen Imbiss verfügt und außerdem überdacht und daher schattig ist. Alles viel komfortabler, dafür ist man aber zwei Tage lang je neun Stunden unterwegs und übernachtet zwischendurch in einem Dorf auf halber Strecke. Was soll’s, wir haben Zeit, und für längere Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln sind wir mittlerweile Profis. Dieser Blog heißt nicht umsonst so wie er heißt. 😉

Da zum einen die Ticketbuchung über das Hostel nur mit Aufpreis möglich gewesen wäre und es zum anderen online kaum Übernachtungsmöglichkeiten für das Dorf unterwegs zu buchen gab, entschieden wir uns für eine 100% Freestyle-Variante und buchten gar nichts, sondern fuhren früh einfach zum Bootspier. Alles kein Problem, das Ticket war sogar noch günstiger als gedacht und das Boot war alles andere als ausgebucht. Wir hatten jeder eine Zweierbank für uns und dazu noch einen Tisch in der Mitte auf den wir die Berge von Bananen, Mandarinen, Drachenfrüchten, Muffins, Keksen und Kräckern packen konnten, mit denen wir uns sicherheitshalber ausgestattet hatten. Neun Stunden sind lang.

Die Bootsfahrt war traumhaft schön. Das Flussufer war von grünem Dschungel und hohen, steilen Bergen gesäumt. Manchmal sahen wir andere Boote, oder kleine Dörfer am Ufer, oder Wasserbüffel, die sich im Fluss abkühlten. Ab und an fuhr das Boot dicht an die Sandbänke oder Felsen am Ufer, damit Einheimische aussteigen konnten. Diese verschwanden dann rasch im Dschungel und durch das Grün konnte man die Hütten ihrer Dörfer gerade so erkennen.

Alles in allem war es ein wunderbar entspannter Tag und erinnerte uns sehr an die Tage in der Transsib. Wir waren echt froh, dass wir noch einen weiteren Tag vor uns hatten voll Sonnenschein, frischer Luft und nichts zu tun als die wunderschöne Landschaft zu genießen, zu lesen, ab und zu ein Nickerchen zu halten und uns durch unsere Vorräte zu futtern – neun Stunden können dafür gar nicht lang genug sein.

Slow Boat auf dem Mekong – wunderschöne Aussicht …

… Lektüre und leckere Snacks 🙂

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir das Dorf Pakbeng, wo schon einige Slow Boats aus der Gegenrichtung am Pier lagen und ein Dutzend Einheimischer versuchte, Gäste für ihre jeweiligen Guesthouses zu gewinnen. Wir ließen sie stehen und liefen selbst ins Dorf – vom Pier keine Minute entfernt – wo wir uns im erstbesten einquartierten. Vermutlich boten sie ohnehin alle das gleiche zu den gleichen Preisen an. Pakbeng lebt davon, die Durchgangsstation der Slow Boats zu sein; neben den unzähligen Übernachtungsmöglichkeiten gab es natürlich auch an Restaurants keinen Mangel. Darüber hinaus bot so ziemlich jedes Guesthouse und Restaurant am nächsten Morgen auch noch frisch gemachte Sandwiches und anderes Essen zum Mitnehmen an, alles bestens organisiert.

Am nächsten Morgen mussten wir uns ein neues Bootsticket kaufen, da es diese immer nur für eine Tagesstrecke gab und wir am Vortag daher nur bis Pakbeng gelöst hatten. Leider konnten wir unsere Fahrt nicht mit dem bequemen Boot vom Vortag fortsetzen. Alle Slow Boats sind Privatboote und die Fahrer wechseln sich ab, damit alle mal drankommen. Dieses Boot hatte nun ausrangierte Bussitze statt Bänken und auch keine Tische, aber zeitiges Kommen sichert ja bekanntlich gute Plätze und da wir auf wundersame Weise mal die ersten waren (lag vielleicht daran, dass wir so nah am Pier übernachtet hatten), konnten wir uns immerhin zwei Doppelsitze zurechtschieben und uns gegenüber sitzen.

Diesmal trafen wir auf dem Boot ein bekanntes Gesicht: Milène, die Französin, die mit uns in Phonsavan auf der Tour zu den Steinkrügen gewesen war (und die zuvor schon in Luang Prabang im selben Hostel wie wir untergekommen war, die Welt ist klein). Sie hatte etwas mehr Zeit in Pakbeng verbracht und dort noch Ausflüge unternommen und fuhr nun ebenfalls nach Houay Xay.

Auch am zweiten Tag war die Fahrt wieder herrlich, aber als der Fluss nach einer Rechtsbiegung die Grenze zu Thailand erreichte, der wir fortan folgten, standen die Unterschiede zwischen den beiden Ländern drastisch heraus. Sah man auf laotischer Seite hier und da ein Dorf mit überwiegend hölzernen Stelzenhäusern, Wasserbüffel an der sandigen Uferböschung und ansonsten nur Dschungel, war das Ufer auf thailändischer Seite befestigt und die Häuser waren richtige moderne Villen.

Kurz vor Houay Xay fuhren wir unter der Friendship Bridge hindurch, über die wir am nächsten Tag die Grenze passieren würden. Im Ort angekommen liefen wir wieder los und fragten in zwei, drei Hotels nach den Preisen um uns dann für das zweitgünstigste zu entscheiden – im günstigsten gab es gerade keinen Strom. In unserem fiel zwar auch kurze Zeit später der Strom aus – leider nachdem wir schon bezahlt hatten – aber dank „fachmännischem“ Herumgewerkel an der Oberleitung direkt neben dem Gebäude, wobei drei oder vier Männer vom Dach eines Pick-ups auf den Masten kletterten und irgendetwas machten, konnte der Schaden im Laufe des Abends noch behoben werden.

Und am darauffolgenden Morgen war es Zeit, Abschied von Laos zu nehmen… aber dazu erzählen wir euch im nächsten Beitrag.

UXO – Laos tödliches Erbe

23. Januar 2017

Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Infrastruktur ist schlecht, viele Dörfer sind nur über lehmige Pisten zu erreichen, die bei Regen unpassierbar werden. Viele Menschen haben nicht genug zu essen, obwohl es genug Land gäbe, um die Bevölkerung zu ernähren. Doch es werden kaum neue Straßen gebaut, und die Menschen zögern, neues Land urbar zu machen. Der Grund dafür heißt UXO – unexploded ordnance (nicht-explodierte Munition/Blindgänger). Reisen bildet – in Laos haben wir mehr gelernt als in allen anderen Ländern bisher – und dieses Wissen möchten wir gern mit euch teilen, da es im Rest der Welt leider kaum bekannt ist.

Laos hält den traurigen Rekord des am stärksten bombardierten Landes der Welt gemessen an der Bevölkerungszahl. Obwohl Laos nie direkt in den Vietnamkrieg involviert war, wurde es von den USA im sogenannten ’secret war‘, dem heimlichen Krieg zwischen 1964 und 1973 bombardiert wie kein anderes. Die USA verfolgten zwei Ziele: zum einen, die Versorgungswege der vietnamesischen Armee im Süden von Laos zu unterbrechen und zum anderen, die kommunistische Pathet Lao-Bewegung im Nordosten des Landes zu zerstören, um den Kommunismus aufzuhalten. Das Ausmaß des Bombardements war beispiellos – auf Laos fielen mehr amerikanische Bomben als während des zweiten Weltkriegs über Deutschland und Japan zusammen. Ein Angriff durchschnittlich alle acht Minuten, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, neun Jahre lang… weit über 580.000 Luftangriffe, und viele zielten nicht einmal auf militärische Punkte, sondern auf Dörfer, Felder oder Höhlen, in denen die Menschen Schutz suchten. Von Stützpunkten in Thailand aus flogen die Bomber ihre Angriffe auf vietnamesische Ziele, doch wenn sie ihre Mission wegen schlechten Wetters oder Feindbeschusses nicht erfüllen konnten, entlud manch ein US-Bomber nicht-verbrauchte Bomben beim Rückflug lieber über Laos (oder auch Kambodscha), da das Landen mit Ladung unter dem Sicherheitsprotokoll zu umständlich gewesen wäre. Ein Großteil der Munition waren Streubomben – diese öffnen sich im freien Fall und schütten hunderte Kleinbomben aus, nur so groß wie Tennisbälle, die sich über ein riesiges Gebiet verteilen. Mehr als zwei Millionen (!) Tonnen Bomben luden die USA über Laos ab, und schätzungsweise ein Drittel davon detonierte nicht – 80 Millionen Blindgänger blieben als tödliches Erbe zurück. Diese haben seit dem Ende des Krieges mehr als 50.000 Menschen getötet oder verletzt, fast die Hälfte davon Kinder, und verhindern bis heute den Fortschritt in diesem Land. Denn wie soll man neue Straßen, Häuser, Kanäle bauen, neue Felder bestellen, wenn jeder Schritt, jeder Spatenhieb der letzte sein könnte? Viele Menschen werden bei der Feldarbeit verletzt, oder während sie Kräuter im Wald suchen. Manche im Lehmboden versteckte Kleinbomben detonieren durch die Hitze eines Kochfeuers. Manche Menschen versuchen, Blindgänger zu öffnen, um den darin enthaltenen Sprengstoff für die Erschließung eines neuen  Feldes oder Grundstücks zu nutzen. Kinder suchen oft nach Metallresten, die sie verkaufen können, um so ihre Familien zu unterstützen und sind dadurch besonders gefährdet. Da viele Menschen Bombenteile als Alltagsgegenstände wiederverwerten, erkennen Kinder sie manchmal nicht als gefährlich und spielen damit. Die Bomben liegen überall; wir haben Geschichten von Bauern gehört, die über die Jahre mehr als 50 dieser Kleinbomben, von den Laoten Bombies genannt, aus ihrem Acker geholt haben. Viele Hilfsorganisationen setzen sich unermüdlich für die Beräumung des Landes, die medizinische Betreuung und Rehabilitierung der Opfer sowie die Aufklärung der Bevölkerung, vor allem der Kinder, über den richtigen Umgang mit Blindgängern, ein.

Überbleibsel aus dem Krieg

Dachten wir anfangs noch, dass die Gefahrenzonen weit ab von den touristischen Pfaden in Gegenden lägen, in die wir sowieso nicht kommen, wurden wir bald eines besseren belehrt, denn Phonsavan liegt im Zentrum eines der am stärksten bombardierten Gebiete in Laos.

Zu unserer Tour zur Ebene der Steinkrüge hatte sich noch drei andere Frauen angemeldet: Milène aus Frankreich, die am Vortag im selben Bus wie wir aus Vang Vieng angereist war, sowie eine weitere Französin, Noémi, und eine US-Amerikanerin, Megan, die zusammen reisten. Zuerst ging es zu Fundstätte Nummer eins, wo wir uns in einer kleinen Ausstellung über die Krüge und die Region informieren konnten bevor wir mit einem Golfcart zur eigentlichen Sehenswürdigkeit gefahren wurden.

Die meisten Krüge sind kleiner als mannshoch und unterschiedlich gut erhalten. Nicht wenige wurden durch die Bombardements beschädigt und auch zwischen den Krügen sahen wir immer wieder Einschlagkrater. Darüber hinaus setzen ihnen aber auch Verwitterung, Plünderung und nicht zuletzt der neuerdings wachsende Tourismus zu – das Gebiet steht auf der Unesco-Anwärterliste, aber sonderlich viele Touristen waren eigentlich nicht unterwegs.

Stätte 1

Ein Einschlagkrater in Stätte 1

Während wir herumliefen, hörten wir in der Ferne einen Knall, der wie eine Explosion klang. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass das wirklich ein Blindgänger gewesen sein soll; vielleicht kam das Geräusch von einer Baustelle? Doch dann knallte es erneut, und diesmal sahen wir im Tal eine Wolke aufsteigen….

Die Fundstätten sind von Blindgängern beräumt und markiert mit Steinen im Boden, die eine rote und eine weiße Seite haben – auf der weißen Seite ist es sicher zu gehen, die rote wurde noch nicht untersucht. Sie tragen das Kürzel der Mines Advisory Group (MAG), einer brititschen Nichtregierungsorganisation, die weltweit in Krisengebieten Munitionsrückstände beräumt und seit über 20 Jahren in Laos tätig ist.

MAG-Marker

Mit dem Minibus fuhren wir zu Stätte zwei, die in einem wunderschönen Kiefernwäldchen verteilt auf zwei Hügel liegt, und von dort gab es einen markierten Wanderweg zu Stätte drei. Der Weg war links und rechts mit MAG-Markern gekennzeichnet – ein seltsames Gefühl, sich bewusst zu machen, dass 20 Meter weiter vielleicht noch eine Bombe im Boden liegt… Wir waren tunlichst darauf bedacht, immer innerhalb der Marker zu bleiben.

Nach etwa zwanzig Minuten erreichten wir eine Anhöhe mit einer allem Anschein nach recht neu errichteten Picknickhütte, von wo aus wir einen fantastischen Rundblick auf die bergige Landschaft hatten, die uns mit ihren trockenen Wiesen und Kiefernwäldchen an Dalat in Vietnam erinnerte.

Stätte 2

Die Picknickhütte…

…und die wunderschöne Landschaft – doch der Frieden ist trügerisch.

Von der Hütte aus führte der Weg bergab in ein Dorf, wo uns unser Minibus wieder in Empfang nahm. Während wir am Eingang zu Stätte drei Mittag aßen, hörten wir erneut eine Detonation. Die Einheimischen im Restaurant sagten uns, das käme jeden Tag vor…

Stätte drei war ein sonnenbeschienener Hain zwischen Reisfeldern, auf denen Rinder weideten. Die Krüge unterschieden sich nicht wirklich von denen in den anderen beiden Stätten, aber die Atmosphäre war friedlich und die Landschaft schön, und dafür hat es sich schon gelohnt; noch dazu verstanden wir uns super mit den anderen drei Damen.

Stätte 3

Megan, Noémi, Kathrin, Milène und Birgit im Reisfeld

Kurze Zeit später hielt der Fahrer mit uns auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfes, und dort konnten wir den Räumungsteams der MAG live bei der Arbeit zusehen. Mitarbeiter mit Megaphonen warnten die Menschen im Dorf vor den anstehenden Detonationen. Dann wurde es sehr still. Und dann kam die Explosion, der Knall, die Rauchwolke. Zwei davon sahen wir aus einer Entfernung von wenigen hundert Metern. Wir waren froh, dass alle Explosionen, die wir an diesem Tag gehört hatten, kontrollierte Sprengungen im Rahmen der Räumungsarbeiten waren, aber gleichzeitig auch traurig und entsetzt, wie präsent die Problematik tatsächlich ist.

Letzter Programmpunkt (von einer kurzen Verkostung in einer Reiswhiskey-Destille abgesehen) war ein Stopp an einem alten russischen Panzer, der im Vorgarten eines Bauern vor sich hin rostet. Geht ein Großteil der Blindgänger auch zu Lasten der USA, darf man nicht vergessen, dass die Russen Waffen an alle im Krieg beteiligten Seiten in Laos und Vietnam verkauften und neben den Blindgängern auch noch zahlreiche Landminen und nicht-explodierte Granaten der laotischen Truppen im Boden liegen.

Heute wachsen Blumen im Bauch des Panzers…

Da wir nachmittags noch Zeit hatten, besuchten wir das Informationszentrum der MAG, um noch mehr über die Problematik der UXO in Laos und die Arbeit der Räumungsteams zu lernen, die wir nur eine Stunde zuvor mit eigenen Augen gesehen hatten. Diese Menschen sind wahre Helden, und wir können euch nur empfehlen, hier: http://www.maginternational.org mehr über ihre lebensgefährliche und gleichzeitig lebensrettende Arbeit zu erfahren. Auf der Website gibt es auch ein Spendenportal.

Zurück in Phonsavan gesellten sich einige Schülerinnen zu uns, die ihr Englisch verbessern wollten und so unterhielten wir uns eine Weile mit ihnen. Sie sprachen schon sehr gut Englisch, sodass wir eine relativ flüssige Konversation haben konnten. Abends aßen wir mit den drei Damen aus unserer Tourgruppe und am nächsten Morgen fuhren wir mit Megan und Noémi zu unserem nächsten Reiseziel nach Luang Prabang.

Die Namen der Schülerinnen haben wir leider nicht so gut verstanden, geschweige denn uns gemerkt…

Hatten wir bei unserer Ankunft in Phonsavan eine unangenehme Atmosphäre im Ort gespürt – möglicherweise die Last der Geschichte – verbesserte sich unser Gefühl am nächsten Tag. Einerseits hatten wir sehr freundliche Menschen kennengelernt (sowohl unsere Tourgruppe als auch die sehr wissbegierigen Schülerinnen) und andererseits mehr über das Leben der Menschen im UXO-kontaminierten Gebiet erfahren und gesehen, dass ihnen von vielen Seiten geholfen wird. Dann machte uns die Situation nicht mehr so viel Angst. Auf jeden Fall werden wir das, was wir in Laos über das schreckliche Erbe des Krieges gelernt haben, niemals vergessen.

Vientiane und Vang Vieng

19. Januar 2017

Schon wieder Blog-Rückstand, ohje… Dann wollen wir euch mal ganz schnell auf den neuesten Stand bringen. Zur Entschädigung gibt’s ein paar Fotos mehr. 😉

Mittlerweile sind wir schon eine ganze Weile im Norden von Laos unterwegs und es gefällt uns immer besser.

Die Busfahrt von Konglor nach Vientiane war weitgehend ereignislos bis auf einen Motorschaden irgendwo auf der Landstraße, wo wir dann eine halbe Stunde lang bei 34 Grad im Schatten des Busses saßen, während der Fahrer komplett im Motor verschwand und versuchte, das Ding wieder zu Laufen zu kriegen, was ihm letztlich auch gelang (nachdem er sich von einem vorbeikommenden Mopedfahrer ins nächste Dorf fahren ließ und mit einem Ersatzteil wiederkam). Wie immer regte sich niemand auf; alle blieben gelassen bis das Problem behoben war und dann ging es einfach weiter.

Vientiane ist die Hauptstadt von Laos, mit ihren reichlich 350.000 Einwohnern aber trotzdem recht überschaubar. Wir fühlten uns sofort wohl und sicher; ganz anders als in Hanoi oder Phnom Penh. Gleich am ersten Abend bummelten wir über den Nachtmarkt in einem Park am Mekong-Ufer und waren angenehm überrascht, nicht von den Händlern behelligt zu werden.

Am nächsten Morgen machten wir uns als erstes auf zum thailändischen Konsulat. Wir wollten versuchen, ein Visum für unser nächstes Reiseland zu beantragen, da wir gelesen hatten, dass es aktuell kostenlos erteilt wird und wir damit bis zu zwei Monaten im Land bleiben könnten ohne verlängern zu müssen. Es war mit etwas Lauferei verbunden, da wir zuerst fälschlicherweise zur Botschaft gingen, von wo man uns dann zum Konsulat schickte, aber zumindest bekamen wir so einen Überblick über das Stadtzentrum, und da es bewölkt war, war es auch nicht allzu heiß. Nach etwa einer Stunde hatten wir alle Formalitäten erledigt und hofften, am nächsten Tag unsere Pässe samt Thai-Visum abholen zu können. Den Rest des Tages schauten wir uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Die goldene Stupa des That Luang-Tempels schimmerte leider unter der Wolkendecke gar nicht so schön golden wie auf den Bildern im Internet, aber die umliegenden Tempel waren auch sehr schön und so hatte es sich doch gelohnt. Wir beobachteten einige Mönche, aßen gegrillte Bananen und Klebreis am Spieß und schauten mit gemischten Gefühlen zu, wie einige Einheimische von einem Händler Spatzen in kleinen Käfigen kauften, um diese dann vor einem Schrein nach ihrem Gebet freizulassen.

Danach ging es weiter zur laotischen Version des Triumphbogens, der sogar ein paar Meter höher ist als sein französisches Vorbild (natürlich um den Kolonialherren eins auszuwischen) und zu einem Zentrum für die Opfer von Landminen und Blindgängern (aber dazu mehr im nächsten Beitrag).

Patuxai, der Triumphbogen – auch vertikale Landebahn genannt, weil der darin verbaute Beton, von den USA gesponsort, eigentlich dem Flughafen zugute kommen sollte.

Aussicht vom Patuxai

That Luang

Am zweiten Tag fuhren wir mit dem öffentlichen Bus zum Buddha-Park, einem skurrilen Sammelsurium von Buddhastatuen und mythischen Skulpturen eine Dreiviertelstunde außerhalb der Stadt.

Im Buddhapark

Eingang zum Aussichtsturm

Nachmittags holten wir unsere Pässe ab – mit thailändischem Visum – und abends ließen wir unseren Hauptstadtaufenthalt mit einem äußerst leckeren Essen in einem original japanischen Restaurant direkt neben unserem Hostel ausklingen, wo wir schon die vorigen beiden Abende gegessen hatten; die Speisekarte füllte zwei dicke Hefter und alles schmeckte wie in Japan, da konnten wir einfach nicht widerstehen, und wir fürchteten, dass wir schon bald nur noch Lao-Food zur Auswahl hätten. (Mittlerweile essen wir auch wieder gebratenen Reis und süß-saures Gemüse und Nudelsuppe; hier im Norden schmeckt es irgendwie besser.)

Von Vientiane aus fuhren wir nach Vang Vieng und wussten nicht so recht, was wir dort erwarten sollten. Vang Vieng ist im Prinzip ein Dorf, dass sich aber einen zweifelhaften Ruf als Backpacker-Absteige eingehandelt hat, weil der dortige, gemächlich fließende Fluss ein Eldorado für Tubing ist. Dabei lässt man sich in einem Gummireifen den Fluss hinab treiben und kann an diversen Bars zum Eimersaufen aussteigen. Nicht dass wir das vorgehabt hätten; Vang Vieng sollte auch sehr schöne Landschaft haben und war außerdem der einzig sinnvolle Zwischenstopp auf dem Weg zu unseren weiteren Zielen.

Nach fünfstündiger Busfahrt erreichten wir das Dorf im Regen und richteten uns auf einen ereignislosen Nachmittag in unserem gebuchten Hostel ein. Dort allerdings erwartete uns eine riesige Überraschung: während wir noch an der Rezeption standen und eincheckten, sprach uns plötzlich jemand von der Seite an: Mélissa, die mit uns in der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Irkutsk gefahren war! Was für ein freudiges Wiedersehen! So verbrachten wir den Nachmittag mit Reisegeschichten; erzählten, was wir seit unserem Abschied am Baikalsee so erlebt hatten (Mélissa ist viel länger in Japan geblieben als geplant, weil es ihr so gut gefallen hat, was wir absolut nachvollziehen konnten), und gingen etwas essen. Am Abend, als sich der Regen gelegt hatte, unternahmen wir zusammen einen Spaziergang durchs Dorf und die schlammigen Reisfelder und bewunderten die grünen Berge, welche uns auf allen Seiten umgaben.

Impressionen aus…

…Vang Vieng

Da es am nächsten Tag immer noch nach Regen aussah, spazierten wir gemeinsam mit Mélissa zu einer Höhle etwas außerhalb von Vang Vieng. Es war eine nette kleine Tour und an der Höhle angekommen, stellten wir fest, dass wir eigentlich alle drei keine Lust auf die Höhle hatten und so investierten wir das gesparte Eintrittsgeld lieber in Snacks und besichtigten anschließend ein paar kleine Tempel im Ort.

Wer findet die Katze?

Am darauffolgenden Tag gingen wir wieder getrennter Wege. Kathrin und ich wollten uns Fahrräder ausleihen und zu einem Wasserfall fahren, aber bis wir aus den Puschen kamen, waren alle Fahrräder in unserem Hostel schon vergeben und so beschlossen wir, die sieben Kilometer eben zu laufen, was sich am Ende als gute Entscheidung herausstellte. Die Straße war so schlecht, teilweise steil und teilweise extrem schlammig, dass wir mit dem Fahrrad auch nicht viel Freude gehabt hätten. Als Wanderung war es aber sehr schön. Die Landschaft um Vang Vieng herum ist wirklich traumhaft schön mit ihren bewaldeten Bergen und grünen Reisfeldern. Der Kaeng Nyui-Wasserfall war auch ein echtes Kleinod, wie er so pittoresk eine Felswand am Ende eines malerischen Tals hinabstürzte. Am Parkplatz stärkten wir uns noch mit einer Kokosnuss (die gegrillten Eidechsen ließen wir links liegen) und machten uns dann bei mittlerweile schönstem Sonnenschein auf den Rückweg.

Das hätte mit dem Fahrrad auch nicht so viel Spaß gemacht…

Kaeng Nyui

Entdeckung am Wegesrand (nicht auf dem Grill)

Wir hätten es durchaus noch länger in Vang Vieng ausgehalten, aber unser Visum endet am 24. Januar und wir wollten noch etwas mehr vom Norden des Landes sehen, daher machten wir uns am nächsten Morgen auf nach Phonsavan. Dorthin gab es nur einen Minibus. Unser Gepäck kam aufs Dach, zusammen mit zahlreichen Paketen und Säcken, und ein Beutel mit zwei (lebenden) Hühnern, die mir echt leid taten, wurde auch noch drauf gepackt. Die Fahrt dauerte nicht fünf Stunden wie angegeben sondern eher mehr als sieben, da nur die letzten 30 Kilometer halbwegs geradeaus führten. Den Rest der Zeit wand sich die Straße in steilen Kurven die Berge hinauf und hinunter, aber dafür wurden wir mit Panoramen belohnt, die aus einem Fantasyfilm hätten stammen können. Am höchsten Punkt hielt der Minibus an einer Bergstation für einen Toilettenstopp der besonderen Art – die Kabinen hatten nach hinten keine Wand, sondern waren komplett offen, sodass man direkt vom WC aus die Aussicht genießen konnte – das hat man auch nicht alle Tage.

Die Umgebung von Vang Vieng

Traumhafter Fernblick

Unser Transportmittel (das Geflügel hat die Fahrt übrigens heil überstanden)

Unser Fahrtziel Phonsavan ist berühmt für die sogenannte Ebene der Steinkrüge (Plain of Jars), Überreste einer weitgehend unbekannten Kultur, die hier vor schätzungsweise 1500 – 2000 Jahren riesige Steinkrüge anfertigte – vermutlich zu Bestattungszwecken – die heute über ein großes Gebiet im Nordosten von Laos verstreut liegen. In der kleinen Stadt angekommen machten wir uns noch am Nachmittag auf die Suche nach einer geführten Tour, da man allein nur schwer zu den Fundstätten kommt. Gut, dass wir in mehreren Hostels und Büros fragten. Der erste wollte 350.000 Kip (ca. 40 €) pro Person, der letzte 150.000 Kip (ca. 17 €), da fiel die Entscheidung nicht schwer.

Am Ende ist uns Phonsavan nicht wegen der Steinkrüge in Erinnerung geblieben, sondern wegen eines ganz anderen Kapitels der laotischen Geschichte, aber davon berichten wir im nächsten Beitrag ausführlich…

Lao – Please Don’t Rush

08. Januar 2017, Konglor

Wenn wir dachten, in Pakse sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht, dann setzte das noch größere Savannakhet – die mit 120.00 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes – noch einen drauf. Eigentlich war alles genauso wie in Pakse – verfallende französische Architektur, kaum Geschäfte, leere Straßen – nur alles in einem noch größeren Maßstab.

Der noch am ehesten sehenswerte Ort war tatsächlich unser Guesthouse, das aus einer Reihe kleiner Bungalows in einem wunderschönen Garten bestand und eine Oase der Ruhe war – nicht dass wir die Ruhe in Savannakhet wirklich gebraucht hätten, denn ruhig war es im Prinzip überall – aber es war trotzdem sehr angenehm.

Wir bummelten einen Tag durch das Stadtzentrum, schauten uns die alten französischen Häuser und ein, zwei Tempel an und gingen abends in eines der wenigen Restaurants – diesmal koreanisch, da unsere Mägen dem einheimischen Essen immer noch skeptisch gegenüber stehen.

Alte französische Kirche

Alte französische Kirche von Savannakhet

Der Markt

Der Markt

Ob hier mal die Olympischen Spiele stattgefunden haben...?

Ob in Savannakhet mal die Olympischen Spiele stattgefunden haben…?

Ein schönes Wat

Ein prächtiges Wat

Von Savannakhet aus fuhren wir in eine Kleinstadt namens Thakhek weiter nördlich am Mekong, Ausgangspunkt für Touren zur berühmten Konglor-Höhle. Diese Busfahrt war vergleichsweise ereignislos. Wir kauften unsere Tickets früh am Busbahnhof, da man sie in Laos nicht vorab kaufen kann (am Vortag hatte man uns wieder weggeschickt) und es handelte sich auch wieder um einen großen Reisebus, mit Gepäckraum, Lao-Schlagern (einige erkannten wir von der letzten Fahrt wieder) und allem Luxus. Nach zwei Stunden hielten wir an einer Art Busbahnhof und standen dort fast eine Stunde, warum auch immer. In den Gang wurde diesmal ein Stapel Plastehocker geladen, und als im weiteren Verlauf der Fahrt immer mehr Leute einstiegen und die Sitze nicht mehr reichten, wurden die übrigen einfach in den Gang auf die Hocker platziert.

In Thakhek liefen wir ein bisschen durch das winzige Stadtzentrum und erkundigten uns nach Touren zur Konglor-Höhle. Leider waren diese ziemlich teuer für nur zwei Personen, also beschlossen wir, einen Tag zu warten, ob sich vielleicht noch andere Reisende anmelden. So gammelten wir den nächsten Tag in Thakhek herum, schliefen aus und ich ging zu einer (recht schmerzhaften aber effizienten) Massage. Unser Guesthouse lag unglücklicherweise direkt neben einer Karaoke-Bar und dort wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert, aber wofür gibt es Ohropax.

Leider meldeten sich keine weiteren Interessenten mehr für die Tour und so machten wir uns am nächsten Tag auf eigene Faust auf den Weg nach Konglor. Entgegen unseren Informationen sagte man uns im Guesthouse, dass es tatsächlich einen Direktbus in das Dorf Konglor gäbe, wir das Ticket aber selbst am Busbahnhof kaufen müssten. Ein Bekannter des Rezeptionisten brachte uns nach einer kurzen Nacht (wieder mit Karaokebeschallung) früh um sechs mit seinem Pick-up zum Markt, was gleichzeitig der Abfahrtsort für die lokalen Busse war. Lokale Busse im Sinne von Songthaew (gesprochen songtau) – Pick-ups oder kleine LKWs, bei denen man hinten auf der überdachten Ladefläche auf Bänken sitzt, während das Gepäck auf dem Dach grillt und man sich an seine Sitznachbarn gekuschelt den abgasschweren Wind um die Nase wehen lässt. Unser Taxifahrer lud uns ab, sprach mit einigen herumstehenden Männern und fuhr dann davon. Einige Songthaews standen schon bereit, andere kamen im Laufe der nächsten halben Stunde angefahren. Die meisten hatten gleich gar kein Schild mit ihrem Ziel, aber selbst wenn, konnten wir es nicht lesen. Wir hofften, dass uns die Männer schon Bescheid sagen würden, da mittlerweile noch einige gefragt hatten, wo wir hinwollen und der halbe Markt wusste, dass wir nach Konglor fahren. 😉

Am Ende blieb uns die Fahrt im Songthaew erspart (erst einmal), denn es kam auch noch ein kleiner Bus angefahren, und dieser entpuppte sich als der richtige, wie ich im Gespräch mit dem Fahrer herausfand – von den Umstehenden hatte uns niemand Bescheid gegeben. Da der Bus kein Gepäckfach hatte, lud der Fahrer unsere Kraxen aufs Dach und sicherte sie mit einem Netz.

So sah das aus.

So sah das aus. Drumherum sieht man einige Songthaews.

Wir warteten noch etwa eine Stunde, bis sich der Bus füllte und dann sammelten wir wie immer noch ein paar Leute vom Straßenrand auf. Der Bus war nicht der schnellste und machte beim Schalten interessante Geräusche. Kurz hinterm Ortsrand – inzwischen waren wir fast voll besetzt – ging der Motor aus. Der Fahrer brachte ihn wieder zum Laufen, aber nach einigen Metern passierte es erneut. Also öffnete der Fahrer eine Klappe im Boden direkt hinter seinem Sitz, wo der Motor lag, werkelte etwas darin herum, klappte sie wieder zu, und weiter ging es. Der Abgasgeruch aus dem Motorraum war recht unangenehm und wahrscheinlich der Grund, warum die Tür während der kompletten Fahrt geöffnet blieb – mit einem Strick gesichert. Noch einmal volltanken (wozu der Fahrer den Motor sogar ausschaltete; wir hatten halb erwartet, dass er das bei laufendem Motor tun würde wie der eine in Kambodscha) und es ging tatsächlich so richtig los, über holprige Straßen, auf denen immer mal ein Stück Asphalt fehlte, hinein in die Berge in Richtung Konglor. Dort wurde es dann noch einmal richtig interessant. Der Bus schaffte nämlich die Steigung kaum, und wie der Fahrer tatsächlich immer noch einen Gang zum Herunterschalten fand, wo wir fast schon standen, war mir schleierhaft. Zwischenzeitlich wurde der Bus so langsam, dass wir nicht überrascht gewesen wären, wenn wir alle hätten aussteigen und schieben müssen, aber irgendwie schafften wir es nach etwa vier Stunden Fahrt bis über den Pass bis in Dorf Ban Nahin. Dort stiegen einige Leute aus, darunter auch ein israelisches Pärchen, die außer uns die einzigen Ausländer waren und nur mit Handgepäck reisten. Wir blieben sitzen, doch dann begann der Fahrer, unsere Kraxen vom Dach zu entladen. Vermutlich dachte er, sie gehören den Israelis, aber er hörte auch nicht auf, als sie ihm signalisierten, dass es gar nicht ihr Gepäck war. Tja, wenn das Gepäck aussteigt, steigen wir auch aus, und der Fahrer deutete auf ein Songthaew und sagte ‚Konglor‘. Anscheinend war es doch kein Direktbus. Die Kraxen wurden auf das Dach des Songthaews geladen, der Fahrer sagte ‚one hour‘ und verschwand dann. So saßen wir und die beiden Israelis da und harrten der Dinge, die noch kämen.

Eine Dreiviertelstunde später ging es weiter. Außer uns vier Ausländern waren noch vier einheimische Fahrgäste zugestiegen. Es wurden eine Menge Kisten und ein Karton mit Milchflaschen aufs Dach geladen, außerdem eine Traube leerer Benzinkanister, die mit einem Strick zusammengebunden waren. Kurze Zeit später wurden zwei Traktorreifen eingeladen. Da diese nicht mehr aufs Dach passten, wurden sie auf den Boden des Passagierraums gelegt, sodass einige von uns nun unfreiwillig eine Fußstütze hatten. Danach hielten wir an einer Tankstelle, doch das Personal schüttelte den Kopf – kein Sprit mehr vielleicht? An einer Hofeinfahrt stand ein mannshoher Kühlschrank, den wir – ihr habt es euch gedacht – auch noch aufluden; dieser kam auf die Trittfläche hinter dem Passagierraum, wo er mit einem Strick festgebunden wurde. Dann ließen wir Ban Nahin endlich hinter uns und das Songthaew fuhr schneller – allerdings zu schnell für die Ladung auf dem Dach und mit lautem Poltern fiel die Traube von Benzinkanistern hinten hinunter. Also Vollbremsung, Rückwärtsgang, Kanister wieder einladen, und weiter. An einer weiteren Tankstelle außerhalb des Ortes gab es tatsächlich Sprit und es wurde nicht nur unser Songthaew betankt, sondern auch noch alle Kanister gefüllt und noch zu den Traktorreifen zwischen die Füße der Fahrgäste gestellt. Wenn der beißende Benzingeruch nicht gewesen wäre, hätte man sie für große Kanister mit Himbeerbrause halten können, so rot war ihr Inhalt.

Bis nach Konglor waren es rund vierzig Kilometer auf einer teilasphaltierten, sehr buckeligen Straße, die Fahrt dauerte gut und gern noch einmal eine Stunde; nicht nur wegen der Qualität der Fahrbahn, sondern auch, weil wir wieder an jedem Hühnerhof anhielten und Sachen abluden – mehrere Höfe hatten anscheinend ein, zwei Benzinkanister bestellt, der Kühlschrank kam zu seinem neuen Besitzer, die Milchflaschen wurden abgeladen und schließlich wurden wir direkt vor einem Guesthouse im Dorf Konglor abgesetzt.

Konglor ist wirklich nur eine Handvoll Holzhütten auf Stelzen und drei, vier Guesthouses am Ende eines langen Tals, auf beiden Seiten von vielleicht 150 – 300 Meter hohen steilen Felswänden begrenzt, schwarze, bedrohlich wirkende Zacken, über die kein Weg führt. Wir suchten uns ein Guesthouse, aßen Mittag, ich unternahm noch einen kleinen Spaziergang durch das Dorf und das war’s für den Tag.

Schwarze Felszacken schirmen Konglor vom Rest der Welt ab.

Schwarze Felszacken schirmen Konglor vom Rest der Welt ab.

Nachdem wir in Thakhek ja zwei Nächte neben einer Karaoke-Bar geschlafen hatten, freuten wir uns auf die ländliche Ruhe in Konglor, doch es wurde nicht besser sondern noch viel schlimmer: direkt neben unserem Hostel fand eine Hochzeitsfeier statt: Bühne, riesige Lautsprecher und Karaoke bis spät in die Nacht… Diesmal halfen selbst die Ohropax nicht mehr so richtig, aber irgendwie konnten wir trotzdem ziemlich gut schlafen.

Der Besuch in der Konglor Höhle war ein echtes Erlebnis. Ein 7,5 km langer Fluss fließt hier direkt unter den Felsen durch und man kann ein Longboat mieten und sich durch die Höhle fahren lassen. Bis auf einen vielleicht 100 Meter langen Abschnitt, den man zu Fuß zwischen dezent beleuchteten Stalagmiten zurücklegt, war es in der Höhle zappenduster; die einzige Beleuchtung kam von der Stirnlampe des Bootsführers und den kleinen Stirnlampen, die wir zu den Schwimmwesten dazu bekamen. So konnte man die Höhe der Decke und die Ausmaße der Kammern nur erahnen, was sehr zur mystischen Atmosphäre des Ortes beitrug. Bis auf das Geräusch des Motors und das Rauschen des Wassers war es vollkommen still.

cimg1637

Eingang zur Höhle

Eingang zur Höhle

Die Fahrt durch die Höhle dauerte etwa eine Dreiviertelstunde; an einer Stelle mussten wir aussteigen, da das Boot eine Stromschnelle nach oben gezogen werden musste, und als wir schließlich die andere Seite erreichten, konnten wir eine kleine Rast an ein paar Verkaufsständen in einem wunderschönen grünen Tal machen, wo Wasserbüffel im Fluss entspannten, bevor es auf dem gleichen Weg wieder zurück ging. Zu Fuß zurück nach Konglor bräuchte man sechs bis sieben Stunden; mit dem Motorrad sind es 200 km um die Berge herum und wieder in unser Tal hinein – um mal eine Vorstellung von den Dimensionen zu geben.

So lässt es sich aushalten.

So lässt es sich aushalten.

K und B als Höhlenforscher ;-)

K und B als Höhlenforscher 😉

Nachmittags unterhielten wir uns mit zwei Schweizerinnen und machten dann ein Schläfchen, solange die Akustik von der wieder in vollem Gange laufenden Hochzeitsfeier noch erträglich war. Die Musik lief bis spät in die Nacht – direkt gegenüber von unserem Guesthouse fand das Bankett statt – und am nächsten Morgen fuhren wir schon früh um sieben weiter nach Vientiane.