Es heißt Melaka, nicht Malakka

04. April 2017, Bandung/Indonesien

Auf halbem Weg von Kuala Lumpur nach Singapur liegt Melaka, das auf unseren Landkarten meistens Malakka oder englisch Malacca geschrieben wird. Die einheimische Bevölkerung legt aber Wert darauf, dass Melaka der richtige Name ist, daher wollen wir uns auch daran halten.

Melaka grüßt seine Gäste. 😉

Bei der Abreise aus Kuala Lumpur fielen wir leider wieder auf den KTM-Zug mit seinen unregelmäßig-seltenen Abfahrtszeiten herein. Vom Hostel liefen wir etwa zehn Minuten zum Bahnhof, den wir gerade noch erreichte bevor ein sintflutartiger Wolkenbruch niederging, aber dort warteten wir fast eine Stunde lang auf den Lokalzug zum Busbahnhof. Die eigentliche Busfahrt nach Melaka dauerte dann nur noch etwa zwei Stunden.

In Melaka angekommen erwartete uns ein Heer von kunterbunten Rikschas.

Melaka ist eine relativ ausgedehnte Stadt, doch das touristische Leben spielt sich größtenteils in der ziemlich kompakten Altstadt ab. Unser Hostel lag am Rande des Zentrums direkt am Fluss, in Laufentfernung zu den Sehenswürdigkeiten und zu einigen nicht-touristischen Restaurants, wo wir wieder jeden Tag extrem preiswert und lecker indisch und chinesisch essen gehen konnten.

Melaka River

Was es hier wohl zu entdecken gibt?

Gleich am Morgen nach unserer Ankunft fand eine kostenlose Stadtführung statt, auf die unser Gastgeber uns aufmerksam gemacht hatte, und das war eine gute Möglichkeit, das wichtigste über die reichhaltige Geschichte der Stadt zu lernen. Melaka ist ein kultureller Schmelztiegel sondergleichen. Gegründet wurde die Stadt von einem Sultan aus dem heutigen Singapur und zog Siedler aus China, dem südlichen Indien sowie arabische Händler an. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt von den Portugiesen erobert, welche ihre Vorherrschaft reichlich 100 Jahre später an die Holländer verloren. Letztere mussten Melaka wiederum nach etwa 150 Jahren an die Briten abtreten, bevor Malaysia Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich seine Unabhängigkeit erreichte. Daher findet man heute Spuren all dieser Kulturen in der Stadt – buddhistische und Hindutempel, Moscheen im indonesischen Stil, Reste der portugiesischen Festungsmauer direkt neben dem wiederaufgebauten, hölzernen Sultanspalast und einem britischen Bankhaus, holländische Wohnhäuser so schmal wie in Amsterdam, innen mit prunkvollen chinesischen Möbeln ausgestattet und bewohnt von Angehörigen der Peranakan-Kultur (Nachfahren chinesischer Einwanderer, vermischt mit lokalen Volksstämmen), eine kleine Gemeinde portugiesischer Nachfahren, die bis heute einen portugiesische Kreolsprache namens Kristang spricht, ein malaiisch-muslimisches Fischerdorf mitten in der Stadt, und und und. Sie alle leben heute friedlich miteinander.

Reste der alten portugiesisch-holländischen Festung

Hindutempel, Moschee und…

…chinesischer Tempel

Am Nachmittag konnten wir uns nur noch von der Hitze ausruhen, bevor wir abends den kleinen Nachtmarkt erkundeten. Obwohl Melaka ein touristisches Highlight ist, sah man in erster Linie einheimische Touristen. Daher richtete sich auch der Nachtmarkt eher an diese und bot eine Menge interessante Dinge, die wir nicht zuordnen konnten. Wir probierten uns durch ein paar Süßigkeiten und Getränke und versuchten, einen großen Bogen um das öffentliche Karaoke zu machen, das auf einer Bühne mitten im Marktgetümmel stattfand.

Am nächsten Tag besuchten wir das Baba und Nyonya-Haus, ein als Museum zugängliches altes Peranakan-Wohnhaus. Unter der holländischen Herrschaft errichtet, war es sehr schmal, da wie in Amsterdam die Steuer nach der Breite des Hauses berechnet wurde. Dafür war das Haus fast 70 Meter lang und hatte innen zwei Lichthöfe, um nicht nur Licht, sondern auch Regen zur Kühlung hinein zu lassen – letzterer fiel in zwei schöne, gekachelte Wasserbecken in den kleinen Höfen. Das größtenteils chinesische Interieur war sehr prunkvoll, da die einstigen Bewohner wohlhabende Händler gewesen waren.

Nachmittags stand noch das Stadthuys auf dem Programm, einst der holländische Verwaltungssitz, heute das Stadtmuseum, wo es ebenfalls eine kostenlose Führung gab, die aber leider ein bisschen langweilig war. Anschließend goss es wieder eine Stunde lang in Strömen und die Luft kühlte sich angenehm ab.

Der „Rote Platz“ mit dem Stadthuys

Am Montag schlossen wir uns einer Führung durch das „Museumsdorf“ Kampung Morten an, ein Dorf inmitten der Stadt, das eigentlich kein Museum ist, nur so hübsch wie eines. Ein Freiwilliger führte uns und noch ein paar andere Interessierte durch die Hinterhöfe und erklärte viel Interessantes zur Geschichte des Dorfes und dem Leben der Bewohner. Wir besuchten einen Tischler, der Miniaturversionen traditioneller malaysischer Häuser baute, einen Kräutergarten, wo wir verschiedene Gewürzpflanzen probieren konnten und bekamen erklärt, wie sich die Einheimischen kleiden.

Der Weg ins Dorf führte vorbei an schönen Street-Art-Fassaden

Im Kampung Morten

Hinterhof im Dorf

Kathrin durfte die traditionelle Kleidung anprobieren.

Abends liefen wir etwa eine Stunde durch die Stadt zu einer künstlich aufgeschütteten Insel, um den Sonnenuntergang über der Straße von Melaka zu sehen. Unser Weg führte uns vorbei an zahlreichen Baustellen, wo Hotels, Resorts, Einkaufs- und Vergnügungszentren in verschiedenen Stadien der Fertigstellung zukünftig noch weitere Heerscharen von Touristen anziehen sollen, als ob die Stadt nicht jetzt schon hoffnungslos überlaufen wäre. Im leichten Nieselregen erreichten wir schließlich die relativ neu errichtete Moschee Selat Melaka, die ein tolles Fotomotiv gegen das offene Meer und die untergehende Sonne bot.

Masjid Selat Melaka

Und damit endete dann unsere Zeit in Melaka, und damit auch in Malaysia, denn am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Singapur. Aber davon handelt dann der nächste Eintrag…

8 Gedanken zu “Es heißt Melaka, nicht Malakka

  1. Wie immer hat mich mein handy auf ein neues Video von euch hingewiesen. Und wie immer saß ich mittags bei einem kleinem mexikanischen Restaurant um in ruhe ne 3/4 Stunde mittag zu machen. Und da les die neusten Berichte aus der Welt 🙂 naja, hätt ich den Titel des Videos mit dem Karaoke mal vorher genauer gelesen, wären mir paar Blicke im Restaurant erspart geblieben. Ton war doch bissl lauter als erwartet gewesen 😉

    Auf jeden Fall: wieder ein toller Bericht. Das Eis is geil, vorallem die Kommentare vom K dazu.

    Freu mich schon auf den nächsten Bericht.

    • Haha, die Blicke kann ich mir vorstellen. Der Mann hat ja auch nicht gerade die schönste Gesangsstimme. ^^
      Das Eis sah toller aus als es geschmeckt hat, nochmal würde ich es nicht kaufen, aber lustig war es trotzdem.
      Danke wie immer für deinen Kommmentar. 🙂

  2. Aha, daher die Verwechslung mit dem spanischen Malaga…
    Die kleinen Gassen der Stadt könnten auch irgendwo in Japan sein, oder? Und gegenüber eurem nächsten Ziel (Singapur) war es sicherlich relativ entspannt. Ich hab mal gegoogelt – die Stadt hat ja „nur“ reichlich 800 000 Einwohner. Aber der kunterbunte Mix aus Kulturen und Religionen scheint typisch für Malaysia zu sein – kein Wunder bei der Geschichte.

    • Klingt ziemlich ähnlich, stimmt. Hmm, in Japan gibt es nicht solche Bogengänge, aber ansonsten kommt es mit der Straßenbreite schon hin.
      Oh ja, es war sehr entspannt im Vergleich, und sehr gemütlich.

  3. Hallo ihr, danke für die eindrücke aus einer multikulti stadt! Wenn ich auf meinem handy melaka suche, schlägt mir die app malacca vor auf der karte ist es dann aber richtig. Trotzdem noch ein weiter weg bis zum richtigen namen in den Köpfen der leute.
    War das eis recht hart? Die Präsentation war aber gelungen.
    Viel spaß in singapur! Lg

    • Hey du, das mit der App bzw. Maps ist bei mir genauso. Der Rest der Welt muss es eben noch lernen. 😉
      Das Zeug war eigentlich gar kein Eis, sondern eine Art gefärbte Maiskräcker. Hatte mit konventionellem Eis eigentlich überhaupt nichts zu tun.
      Danke für deinen Kommentar. Das Singapur-Update ist schon im Feinschliff. 😉
      LG & bis bald.

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