Ab in den Süden

24. Februar 2017, Koh Lanta

Seit China sind wir nicht mehr Zug gefahren und es war Zeit, das mal wieder zu ändern. Von Nakhon Ratchasima nahmen wir einen Expresszug nach Bangkok. Es dauerte keine Stunde bis wir auf den harten Plastikbänken der 3. Klasse eigentlich nicht mehr sitzen konnten aber wir hatten noch weitere vier vor uns – fünf Stunden Fahrt für 260 km. Dass der Waggon nicht klimatisiert war sondern nur mit Deckenventilatoren und dem Öffnen von Fenstern und Türen belüftet werden konnte, sodass drinnen 36°C waren, half auch nicht wirklich aber hey, wir sind angekommen. Am Hauptbahnhof schafften wir es sogar, einen Taxifahrer zu überreden, das Taximeter für die Fahrt zu unserem Hostel anzuschalten anstatt uns pauschal 8 € abzuknöpfen – so bezahlten wir dann nur zwei.

Ankunft in Bangkok, Hualamphong Station

Das Hostel lag in der Nähe der berühmt-berüchtigten Khao San-Road – der Touri-Meile schlechthin, aber was soll man sagen, dort sind die Quartiere eben günstig und es ist nahe an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gelegen. Wir hatten im Schlafsaal leider mal wieder eine Person mit sehr anderem Temperaturempfinden, was zu einer kleinen Auseinandersetzung über den Einsatz der Klimaanlage führte. Wir konnten uns am Ende nicht wirklich einigen; ich finde 31°C einfach zu warm zum Schlafen aber unsere Bettnachbarin verließ das Hostel bei diesen Temperaturen noch in Jeansjacke.

Khao San Road – mittendrin statt nur dabei

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem öffentlichen Boot den Fluss entlang zum Königspalast. Ich war vor fünf Jahren schonmal dort aber an solche Touristenmassen kann ich mich nicht erinnern. Der Besuchereingang wurde inzwischen auch verlegt, sodass wir erst einmal in die falsche Richtung liefen. Am neuen Eingang gibt es jetzt eine Personen- und Taschenkontrolle und dann steht man eine Weile in der prallen Sonne an, um überhaupt das Tor zu passieren. In Sichtweite der Touristenschlange war ein provisorisches Sonnendach aufgebaut, unter dem hunderte Thais in Reih und Glied auf Klappstühlen saßen. Zunächst wussten wir nicht, was es damit auf sich hatte, aber als wir später weitere solche Schlangen im Palast sahen, wurde uns klar, dass dies alles Menschen waren, die dem letztes Jahr verstorbenen König, der zur Zeit noch im Palast aufgebahrt liegt, die letzte Ehre erweisen wollten. Die Königsverehrung wird in Thailand unglaublich ernst genommen, soweit gehend, dass man für Majestätsbeleidung ins Gefängnis kommen kann. Ein Jahr Staatstrauer ist angeordnet und wohin man in Thailand kommt, sieht man schwarz gerahmte Porträts seiner Majestät und viele öffentliche Gebäude sind mit schwarzen und weißen Schleifen geschmückt. Alle thailändischen Besucher des Palastes trugen elegante, schwarze Kleidung und auch für Touristen gibt es einen relativ strengen Dresscode – langbeinige Hosen oder lange Röcke, Oberteile, die die Schultern bedecken; wer unangemessen gekleidet ist, kann am Eingang T-Shirts und Wickelröcke ausleihen. Und das Ganze bei 36 Grad. Wir waren heilfroh, dass die auf der Homepage genannte Sockenpflicht am Eingang nicht durchgesetzt wurde.

Als wir es schließlich in den Palast geschafft hatten, schoben wir uns mit den Massen zwischen den prachtvollen Gebäuden hindurch, machten ein paar Bilder, um uns hinterher anzuschauen, wo wir gewesen sind und suchten dann so schnell wie möglich das Weite. Die Hitze machte es nicht besser. Trotz allem ist der Königpalast mit dem angrenzenden Tempel Wat Phra Kaew unglaublich prachtvoll und definitiv einen Besuch wert. Beim nächsten Mal würde ich aber wahrscheinlich versuchen, schon vor Öffnung da zu sein um dann direkt als erstes hineinzuschlüpfen.

Der Königspalast

Wat Phra Kaew von außen…

…und innen

Anschließend besichtigten wir noch das direkt daneben liegende Wat Pho, in dem sich eine 46 m lange, vergoldete liegende Buddhastatue befindet. Obwohl es ebenfalls eine große Sehenswürdigkeit ist, waren dort nicht einmal ansatzweise so viele Besucher wie im Palast, obwohl wir trotzdem noch anstehen mussten, um die Halle des Buddhas zu betreten.

Detail am Wat Pho

Danach waren wir ziemlich platt und fuhren mit dem Linienboot zurück in unser Viertel um uns etwas auszuruhen und schon die Weiterfahrt zu buchen, weil uns das drückende Klima und die Hektik in der Stadt zu schaffen machten. Großstädte in diesen Breitengraden machen einfach keinen Spaß, das haben wir schon in Phnom Penh festgestellt… Da unser nächstes Ziel fast 900 km weiter südlich lag, buchten wir einen Nachtzug – bequem online, ohne großartigen Zuschlag für irgendwelche Reiseagenturen; man muss nur das Ticket ausgedruckt mitbringen, aber wir fanden direkt nebenan einen Copyshop. Abends gingen wir noch ein bisschen bummeln durch das Touriviertel und kauften ein Strandtuch für Kathrin, die zwar immer noch humpelte, aber den ersten Abend ohne Stützverband rausging. Prompt trat ihr ein unachtsamer Tourist bei einem Rückwärtsschritt genau auf die geprellte Stelle – der Verband bleibt jetzt bis auf weiteres erstmal wieder dran…

Am nächsten Tag erledigten wir etwas, das schon lange überfällig war und gingen zum Friseur. Kathrin ließ ihre Haare wieder kurz schneiden und ich ließ mein Pony in Form stutzen – Gesamtkosten 5 €. Gute Entscheidung und wir sind beide mit dem Ergebnis zufrieden.

Jetzt sieht’s wieder ordentlich aus. 🙂

Danach legten wir uns in einem Park am Fluss auf die Wiese in den Schatten und verbrachten dort die meiste Zeit des Tages, da Kathrins Kreislauf und Magen protestierten – vermutlich gegen das drückende Klima, bis es Zeit war, unsere Sachen aus dem Hostel zu holen und zum Bahnhof zu fahren. Wieder wollten uns die Taxifahrer einen Festpreis aufschwatzen, also ließen wir sie links liegen und liefen eine Straße weiter, wo wir das erstbeste Taxi heranwinkten und der Fahrer kein Problem hatte, das Taximeter zu benutzen.

Am Bahnhof hatten wir noch eine Stunde Zeit aber unser Zug stand schon da und wurde gerade von einem mehrköpfigen Team geschrubbt – von außen.

Diesmal hatten wir in einen klimatisierten Waggon investiert, der außerdem ein Schlafwagen war. Für zwölf Stunden Nachtfahrt kann man sich das schonmal gönnen. Als wir einstiegen, fanden wir allerdings Sitze vor – die Betten, sagte uns der Schaffner, würden erst nach acht gemacht. Der Zug fuhr pünktlich los, die Tickets wurden von einem vierköpfigen Team bestehend aus Schaffner, Hilfsschaffner und zwei Polizisten kontrolliert, und so gegen halb zehn kam dann auch tatsächlich ein Angestellter, der den ganzen Waggon in einen Schlafwagen umwandelte, was nach einer ziemlich undankbaren Aufgabe aussah. Das obere Bett wurde heruntergeklappt und dort waren alle notwendigen Utensilien verstaut. Zwischen den unteren beiden, sich gegenüberliegenden Sitzen, wurde eine Stütze ausgezogen, und darauf kam eine dünne Matratze. Dann wurden Bettlaken auf beide Betten gezogen, die Kissen in Kissenbezüge gestopft und Vorhänge vor beiden Betten eingehängt. Als Bettdecke gab es eine dünne Baumwolldecke, die eingeschweißt in einem Paket aus der Reinigung bereitlag. Auf diese Weise bereitete der arme Mann schätzungsweise 48 Betten vor, und wir wissen nicht, ob er noch für weitere Waggons zuständig war. Aber zumindest schliefen wir halbwegs gut darin.

Beim Bettenmachen…

Alle Passagiere schlafen in Fahrtrichtung.

Früh um sieben kamen wir in Surat Thani an und nahmen dort direkt vom Bahnhof aus einen Bus nach Krabi, einer recht verschlafenen kleinen Stadt an der Westküste, die Ausgangspunkt für einige Inseln ist. Wir übernachteten dort und unternahmen nicht sehr viel, in erster Linie weil die Temperaturen hoch und wir sehr müde waren. Wir wurden wieder ordentlich wach, als wir abends Geld abheben wollten und sich der Automat aufhing, ohne die Karte wieder herauszurücken. Eine Frau kam aus einem benachbarten Massagesalon und beruhigte uns, dass der Automat zwar defekt wäre, die Karte aber nach ein paar Minuten wieder ausspucken würde. Während wir warteten, verpasste sie mir noch eine impromptu Nackenmassage – hab mich nicht beschwert – und tatsächlich kam die Karte kurze Zeit später wieder heraus. Glück gehabt. Am nächsten Automat klappte es dann ohne Probleme.

Bevor wir am nächsten Tag auf eine der Inseln fuhren, machten wir vormittags noch einen kleinen Ausflug zu einem Mangrovenwald. Direkt in der Stadt gibt es am Flussufer entlang einen erhöhten Weg von vielleicht 500 Metern durch die Mangroven. Aufgrund der Trockenzeit standen sie nicht tief im Wasser, manche sogar nur im Schlamm, sodass das beeindruckende Wurzelgeflecht offen lag und man Krabben in den Löchern im Schlamm verschwinden sah.

Im Mangrovenwald

Krabi

Mittags holte uns dann ein Minibus direkt im Hostel ab. Wir wollten nach Koh Lanta, eine Insel, die so nah am Festland liegt, dass sie mit einer kurzen Fährfahrt auf die vorgelagerte Insel und von dort über eine Brücke zu erreichen ist. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Tatsache, dass wir alle für die Fährüberfahrt im Van sitzen blieben. Auf Koh Lanta angekommen, wurden wir sogar bis zum Hostel gebracht, was wir mal vorsorglich für die erste Nacht gebucht hatten. Es ist simpel und, wie wir jetzt schon feststellen durften, nachts sehr laut wegen angrenzender Bars, aber es geht. Vielleicht suchen wir uns nochmal was ruhigeres. Es tut auf jeden Fall gut, das unsagbar drückende Klima nicht mehr in der Stadt ertragen zu müssen, aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass es hier einfach zwischen 11 und 16 Uhr unerträglich draußen ist, selbst im Schatten. Gestern abend waren wir kurz vor Sonnenuntergang baden am wunderschönen, nur 100 Meter entfernten Long Beach; das Wasser ist tatsächlich angenehm kühl (wobei das relativ ist, ich würde mal 28°C schätzen…) und sehr klar, und der Strand ist sauber. Es ist wirklich sehr schön hier und wir werden auf jeden Fall eine Weile bleiben…

8 Gedanken zu “Ab in den Süden

  1. Frisur ist genehmigt :)) Diese Temperaturen und noch dazu eine Stadt wie Bangkok – also die Mischung möchte ich nicht haben. Kein Wunder, dass Ihr geflohen seid.
    Die Insel, über die unlängst eine Reportage im Fernsehen kam, war übrigens Koh Samui. Soll noch nicht so überlaufen sein. Kommt Ihr da auch hin?

    • Danke. :)) Bangkok muss man schon mögen – wir haben’s nicht gemocht.
      Nach Koh Samui werden wir nicht mehr fahren, das liegt auf der anderen Seite des Festlandes. Vielleicht ein andermal? 😉 Wir verbringen lieber die letzten Tage in Thailand noch hier schön in Ruhe; außerdem sind wir dann schon auf der richtigen Seite, um nach Malaysia runter zu fahren. Koh Lanta ist auf jeden Fall auch wunderschön.

  2. Friseur für 5 €…. das wär mal was. Und das Ergebnis gefällt auch.

    Den Trick mit dem Festpreis bei Taxis ist überall gleich. Kenn ich gut 🙂 Was mich total fasziniert, wie schafft ihr es immer scheinbar menschenleere Fotos zu machen, wo doch Scharren von Touris unterwegs sind.

    Massage im März klingt guuuut. Da freu ich mich total.

    *böser Touri auf Ks Fuß* *gute Besserung*

    • Verglichen mit deutschen Preisen… wie ist das in Brasilien?
      Gibt es den Taxitrick in Brasilien auch?
      Haha, menschenleere Fotos sind gar nicht so schwer, wenn man nur die Dächer der Gebäude fotografiert. ;-D Und vor dem Königspalast war eine Absperrung, deshalb sind dort keine Leute auf dem Bild, aber frag nicht, wie es hinter uns aussah. 😉
      Yay, Massage ist gebongt!
      Dem Fuß geht’s inzwischen endlich wieder gut, fast wie neu. 🙂

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