Mit dem Tuktuk nach Thailand

05. Februar 2017, Pai

Wir haben ja nun schon mit so einigen Verkehrsmitteln Grenzen passiert – Zug, Bus, Boot – aber nach Thailand fuhren wir sozusagen mit dem Tuktuk (zumindest fast). Wir hätten zwar einen Bus buchen können, aber der wäre unnötig teuer gewesen und wir hatten ohnehin nicht mehr genug Landeswährung. Also nahmen wir uns morgens ein Tuktuk und fuhren die zehn Minuten bis zur laotischen Grenze, wo wir unseren Ausreisestempel erhielten. Zugegeben, direkt über die Grenze, also die Friendship Bridge, mussten wir dann einen Shuttlebus nehmen (laufen durfte man nicht), aber auf der anderen Seite fuhren wir wieder mit dem Tuktuk bis in den nächsten Ort. Vorher an der Thaigrenze zitterten wir nochmal kurz, ob wir wohl mit unserem Visum aus Vientiane einreisen und die 60 Tage bewilligt bekommen würden. Wir mussten nämlich an der Grenze noch ein Einreiseformular ausfüllen und darin unter anderem angeben, wann und wie wir Thailand wieder verlassen würden, und ich hatte gelesen, dass einem die Einreise ohne Ausreisenachweis verweigert werden kann. Uns blieb nun nichts anderes übrig, als die Information freizulassen. Da nicht viel los war, gingen wir gleich zu zweit zum Schalter, wo ein mittelalter, etwas beleibter Beamter saß, der so viel geballtem Charme glücklicherweise nicht widerstehen konnte, seinen anderweitig vermutlich eher langweiligen Tag mit etwas Geschäker aufpeppte und uns ohne unangenehme Fragen alle Stempel in den Pass pappte, die wir brauchten, 60 Tage Aufenthalt inklusive.

Die Tuktukfahrerin, die uns danach chauffierte, war ein echter Schatz. Anstatt uns zum Busbahnhof zu bringen wie vereinbart, setzte sie uns an der Hauptstraße ab, wo schon der richtige Bus bereitstand – am Busbahnhof hätten wir eine Stunde auf den nächsten warten müssen. Und damit nicht genug, sie brachte uns sogar noch über die Straße bis direkt zur Bustür, damit wir nicht überfahren werden. Denn wir sind jetzt in Thailand, und in Thailand herrscht Linksverkehr und in Thailand, das lernten wir sehr schnell, fahren sie wie die Bekloppten.

Der öffentliche Bus ins drei Stunden entfernte Chiang Rai kostete nur 60 Baht (ca. 1,50 €) pro Person – in Thailand ist auch alles viel günstiger als in Laos. Während der Fahrt verglichen wir die beiden Länder. Obwohl wir gerade erst angekommen waren, fielen uns schon einige Unterschiede auf. Der Verkehr ist viel schneller und es sind viel mehr Autos und weniger Motorräder unterwegs. Es wird kaum gehupt. Die Häuser sind groß und schick, teilweise sehr modern. Und die Landwirtschaft: riesige Felder, die mit Traktoren bewirtschaftet und mit Chemikalien besprüht werden – verschwunden sind die Wasserbüffel, das freilaufende Geflügel, die gebeugten Gestalten mit Spitzhut auf den kleinen Äckern. Das Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Ländern ist riesig; kein Wunder dass so viele Laoten (und Kambodschaner) zum Arbeiten nach Thailand kommen.

In Chiang Rai machten wir uns als erstes auf Hostelsuche und mussten prompt feststellen, dass die Quartiere im Zentrum ziemlich gut gebucht waren. Wir fragten bei mehreren vergebens bis wir schließlich in einer Seitenstraße in einem Garten ein sehr hübsches kleines Hostel fanden, dass noch freie Dormbetten hatte.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Chiang Rai ist Wat Rong Khun, der Weiße Tempel, ein moderner, von einem zeitgenössischen thailändischen Künstler entworfener, buddhistischer Tempelkomplex, an dem immer noch gebaut wird. Mehrere Gebäude sind schon fertig und ziehen täglich hunderte Touristen (und vielleicht auch ein paar Gläubige) an, aber angeblich sollen die Arbeiten noch bis 2070 andauern.

Irgendwie sind uns den Massen zum Trotz noch ein paar Fotos fast ohne Menschen gelungen.

Leider war der Tempel, als wir ankamen, von chinesischen Reisegruppen derart überrannt, dass wir anstehen mussten, um ihn überhaupt von innen zu sehen. Aber das Warten hat sich durchaus gelohnt. Da Fotografieren im Tempel verboten war, bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als euch zu beschreiben, wie es drinnen aussah. Eigentlich sah es ähnlich aus wie in den meisten anderen buddhistischen Tempeln; an der Stirnseite saß ein Buddha und die Wände waren mit buddhistischen Motiven bemalt. Aber das war nicht alles. An mehreren Stellen hat der Künstler nämlich ganz und gar unreligiöse Motive verewigt: zwischen Darstellungen nuklearer Zerstörung oder des Attentats auf die Twin Towers verstecken sich Pikachu und Superman genauso Harry Potter und Michael Jackson, um nur einige von vielen zu nennen.

Da wir nicht fotografieren durften, müsst ihr mit diesem Bild von Wikipedia vorlieb nehmen…

Neben dem Weißen Tempel war unser Highlight in Chiang Rai vermutlich das mit „Cat’n a Cup“ sehr passend benannte Katzencafé. Für diejenigen von euch, die mit dem Konzept nichts anfangen können: es handelt sich im Prinzip um ein ganz normales Café, mit dem zusätzlichen Bonus, dass es dort jede Menge verschmuste und verspielte Katzen gibt. In diesem Café saß man auf Kissen auf dem Boden an flachen Tischen, was die Interaktion mit den Samtpfoten sehr begünstigte. Zwar gibt es immer ein paar Leute, die den Katzen unnötig auf die Pelle rücken (oder Eltern, die partout nicht in der Lage sind, ihre katzenschwanzziehenden Kinder zu zähmen) aber im großen und ganzen herrschte in dem Café eine sehr angenehme Atmosphäre und es gab auch viele Rückzugsorte für die Katzen, welche außerhalb der Reichweite der Gäste lagen. Und man musste auch wirklich gar nichts weiter tun als Platz zu nehmen und abzuwarten; die neugierigen Stubentiger kamen beizeiten von ganz allein näher, beanspruchten Rucksäcke als Sitzgelegenheiten, spielten mit Handtaschengurten, haschten sich quer durchs ganze Café oder holten sich bei Bedarf ein paar Streicheleinheiten. Eventuell waren wir vielleicht auch mehr als einmal dort, öhöm…

Ansonsten bummelten wir einfach mal so durch die Stadt und schauten ein paar Sehenswürdigkeiten an, wobei wir auch mehr oder weniger zufällig über das Blumenfestival stolperten, das dort gerade stattfand und keinen Eintritt kostete.

Abends holten wir uns unser Essen vom Nachtmarkt, der über ein paar nette Souvenir- und Schnickschnackstände sowie einen riesigen Foodcourt verfügte, den auch die Einheimischen zu nutzen schienen. Einen Abend ging ich allein, da Kathrin keinen Appetit hatte und sich nicht nach Rausgehen fühlte. Während ich so in der Schlange für mein Pad Thai stand (gebratene, leicht gesüßte Reisnudeln serviert mit Limette, Erdnüssen und frischen Sprossen) und meinen Blick auf der Suche nach einem freien Sitzplatz über die Tische schweifen ließ, kam mir der Gedanke, dass ich bestimmt schon irgendjemanden dort kenne – nur vielleicht noch nicht in diesem Augenblick. Klingt esoterisch? Glaubt ihr nicht? Ich suchte mir mit meinem Nudelteller einen Tisch, wo nur eine Person saß, eine junge Frau in meinem Alter, fragte ob noch frei ist, und als sie bejahte, setzte ich mich zu ihr. Natürlich kamen wir ins Gespräch, zuerst auf Englisch, merkten dann, dass wir beide Deutsche sind und lange Rede kurzer Sinn, am Ende bummelten wir noch zusammen durch die Stadt, versackten schließlich am Glockenturm mit Bier (sie) und japanischer Limo (ich), da die meisten Kneipen schon geschlossen hatten und wir nicht ins Rotlichtviertel gehen wollten, und tauschen jetzt via Facebook Reisetipps aus. So einfach geht das.

Von Chiang Rai aus unternahmen wir auch einen ziemlich genau 23 Stunden dauernden Übernacht-Ausflug zurück zur laotischen Grenze, allerdings ein ganzes Stück südlich unseres Grenzübergangs. Wir hatten gelesen, dass man von einer 1.600 Meter hohen Klippe namens Phu Chi Fa den Sonnenaufgang über dem Nebelmeer zwischen den Bergen von Laos sehen könnte. Es gab einen öffentlichen Bus, der sich in etwa drei Stunden die sehr kurvige Straße hoch ins Dorf unterhalb der Klippe hinaufquälte. Vor Ort, so hatten wir gelesen, gäbe es jede Menge Guesthouses und man könne auch von überall den Shuttle zur Klippe für den nächsten Morgen buchen. Einfacher gesagt als getan. In dem winzigen Ort angekommen, war nichts, aber auch gar nichts auf Englisch beschriftet – wie nun ein Quartier finden? Wir gingen schließlich nach dem Aussehen und fragten dort, wo mehrere gleichaussehende Bungalows nebeneinander standen. Der erste war zu teuer, bei Nummer zwei kostete es nur die Hälfte, aber der Preis war auch das einzige, was die Betreiberin kommunizieren konnte (mit den Fingern). Sie verstand nicht einmal meine Frage nach einem Restaurant – wie wir da den Shuttle zur Klippe buchen sollten, war uns schleierhaft. Im Internet hatte das alles sehr viel einfacher geklungen.

Nachdem wir dann zumindest ein Bett hatten, machten wir uns auf die Suche nach etwas zu essen. Es gab eine Handvoll Restaurants aber keines mit englischer Speisekarte… Am Ende entschieden wir uns für eines, wo zumindest schon Ausländer drin saßen und siehe da, es gab doch eine Übersetzung der Karte. Wirklich auf Ausländer eingerichtet ist der Ort nicht; er scheint in erster Linie von Thais frequentiert zu werden, und die einzigen anderen Ausländer, die noch mit uns im Bus hergekommen waren – ein Brasilianer (aus Rio de Janeiro, ehe jemand fragt 😉 ) und zwei Russinnen, fanden nach und nach ebenfalls den Weg in dieses Lokal und setzten sich alle zu uns. Von der allgemeinen Ratlosigkeit über den Shuttle abgesehen war es ein sehr schöner Abend.

Wir beschlossen, am nächsten Morgen einfach in den Ort zu laufen und zu schauen, ob wir eine Mitfahrgelegenheit finden. Aber wir hätten uns überhaupt keine Sorgen machen müssen: am nächsten Morgen kurz vor halb sechs klopfte es an unserer Tür und ein Pick-up-Fahrer fragte, ob wir mitfahren wollten… Die zehnminütige Fahrt führte vom Dorf aus noch weiter steil nach oben bis zu einem Parkplatz unterhalb der Klippe, wo trotz der frühen Stunde ein unglaublicher Betrieb herrschte – der Parkplatz war voll mit Fahrzeugen; an Verkaufsständen gab es alles von Taschenlampen über Kaffee bis hin zu Bommelmützen und die 750 m Fußweg bis zur Spitze der Klippe legten wir in einer Karawane von Thais zurück, von denen nicht wenige gekleidet waren wie für eine Polarexpedition. Zugegeben, es war schon kalt. Für thailändische Verhältnisse war es sogar eisig: 13 Grad zeigte das Thermometer (und allen, die uns jetzt für Memmen halten und auf deutsche Temperaturen verweisen, sei gesagt, 13 Grad draußen bedeuten auch 13 Grad drinnen im Bungalow; hier gibt es nämlich keine kuschelig warme Zentralheizung…). Noch im Dunkeln suchten wir uns einen Platz ganz vorn am Zaun bevor es zu voll wurde; stöpselten uns Kopfhörer rein um das unaufhörliche Gebrabbel der Menschenmenge mit Musik nach Wahl zu überdecken und dem Moment etwas mehr Atmosphäre zu verleihen und dann warteten wir ab.

Das Morgenrot gab den Blick frei auf ein Meer von Wolken, das uns zu Füßen lag und aus dem die Berggipfel auf der laotischen Seite wie Inseln aufragten. Als die Sonne schließlich am Horizont aufging, verschwand sie schon nach wenigen Augenblicken über einer weiteren Wolkenschicht, von wo aus ihre Strahlen ganz deutlich hervortraten und das Nebelmeer in Töne von Pink und Gold tauchten. Es war unbeschreiblich schön.

Zurück im Ort hatten wir noch Zeit, im Restaurant vom Vorabend zu frühstücken bevor der Minibus zurück nach Chiang Rai fuhr. Dort am Busbahnhof angekommen buchten wir gleich noch eine Weiterfahrt nach Chiang Mai und verbrachten dann die Wartezeit noch einmal im Katzencafé. Was für ein Tag.

15 Gedanken zu “Mit dem Tuktuk nach Thailand

  1. Und wieder ein sehr interessanter Bericht – Thailand ist vielen wahrscheinlich weit weniger fremd als Laos, aber wer als normaler Tourist dort ist, hat ja meistens nicht viel mehr als 2 Wochen Zeit zur Verfügung. Da könnt Ihr wesentlich tiefere Einblicke gewinnen.
    13° auch drinnen klingen ja echt nicht nach Wohlfühltemperatur – soviel hatte ich heute morgen im Wohnzimmer nach längerem Lüften. Und wenn es dann nicht mal eine Heizmöglichkeit gibt und auch keinen Onsen wie in Japan…
    Sehr amüsiert habe ich mich über die Bemerkung zu dem Brasilianer: … aus Rio, bevor jemand fragt :))) Kann mir gar nicht vorstellen, wer das sein könnte…

    • Ja, Zeit haben wir, aber dafür sind wir ja nun schon zweimal außer Gefecht gesetzt worden. :-/
      Hier in Zentralthailand, wo wir jetzt sind, müssen wir keine Angst mehr vor der Kälte haben, hier sind selbst die Nächte tropisch, und ab jetzt geht’s nur noch weiter südlich…
      Ja, es soll Leute geben, die gleich jeden Brasilianer anquatschen, und Geschwister solcher Leute, die mittlerweile auch jeden Brasilianer anquatschen. 😉

  2. an der Stelle mit dem Brasilianer musste ich auch lachen … 🙂 und beim Katzencafe dachte ich natürlich an unseren tollen Nachmittag im Katzentempel in München. Da muss ich auch mal wieder hin.

    Ansonsten? Thailand klingt wieder ganz anders als Laos. Die Ausflugsorganisation so ganz ohne Englisch war sicher nicht einfach. Aber wie immer schafft es ihr auch das.
    Ihr seid halt einfach toll. Die Bilder sind auch super und einfach nur unbeschreiblich.

    Viel Spaß weiterhin.

    • Hihi, mittlerweile fragen wir auch jeden Brasilianer, wo er/sie herkommt, man weiß ja nie. 😀 Aus PA war leider noch niemand dabei, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und zumindest kann ich dann immer erzählen, dass meine Schwester ein Jahr in Brasilien gelebt hat und und und. 😉
      Jaaa, Katzentempel! <3 Es war sooo schön da. Ich liiieeebe Katzencafés.
      Du bist auch toll, so ohne Portugiesischkenntnisse nach Brasilien (auch wenn sich das inzwischen geändert hat). Uns hält halt nichts auf. ^_^ Und heute gibt's viele neue Bilder. 😉
      Ganz liebe Grüße nach München.

        • So happy that you enjoy the blog. Sorry we gave up on the English blog. Are you using GoogleTranslate? 😉 Thank you for making so much effort to read it. We really enjoy Thailand – Koh Lanta island, so warm here, we go swimming in the ocean every day. 😀

      • In Dresden ist das wirklich eine Marktlücke. Habe manchmal mit dem Gedanken gespielt, eines in der Neustadt zu eröffnen (aber mich dann für eine Weltreise entschieden, hihi). Den Katzentempel in München kann ich sehr empfehlen!! 🙂

  3. Danke für den Bericht, wie immer sehr schön geschrieben und die tollen Bilder! Klingt als hätte sich die Aufregung um das “ wie kommen wir dahin“ dich gelohnt. Ich bin immer wieder fasziniert, wie ihr Sprachbarrieren überwindet und ihr immer ankommt wo ihr wollt. Das ist mich schon in China beim zugfahren fasziniert. Viel Spaß in. Thailand! Lg

    • Danke wie immer auch fürs Lesen!
      Die Aufregung hat sich auf jeden Fall gelohnt, an diesen Sonnenaufgang denke ich immer noch obwohl wir auch weiterhin so viele andere schöne Eindrücke sammeln.
      Glaub mir, ich staune auch, dass du Englisch, Französisch und Niederländisch sprichst obwohl du überhaupt nix mit Sprachen studiert hast. Da habe ich den allergrößten Respekt!
      Bis bald und liebe Grüße zurück. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.